Samstag, 13 Juni 2020 11:41

Unter dem Radar - A Sable Opiate (Black Metal)

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Diesmal in unserer Kategorie Unter dem Radar: Das bedeutungsschwangere und tiefschürfende Black Metal-Projekt A Sable Opiate aus dem Ruhrgebiets-Raum um Dortmund/Witten. Bisher ist die Band um Sänger und Texter Felix Lerche nur mit ihrer Debüt-EP "A Passage to the Yews" von 2016 in Erscheinung getreten - mittlerweile ist der Satus Quo der Band leider unklar. Das Debüt hat bei uns aber trotz seiner Kürze einen besonderen Eindruck bei unserem Team hinterlassen, nicht zuletzt möchten wir euch die Jungs hier noch einmal schmackhaft machen und den Release ins Spotlight rücken, auch wenn es wohl das einzige Lebenszeichen von ASO bleiben könnte.

Die 2011 zunächst noch als gemeinsames Projekt von Attic-Gitarrist Christoph Erdmann und Felix Lerche gegründete Truppe scharte schnell die Gitarristen Mirco Rosendahl und Erik Thordsen, Bassist Jörg Much und Drummer Christoph Ruthenfranz um sich. Man gab sich daraufhin voll und ganz dem Songwriting hin und fand seinen durchaus melodischen, aber nicht minder aggressiven Black Metal-Stil, der ein paar Jahre später dann in der 2016er EP kulminierte. Diese betitelte die junge Band mit dem mysteriösen, höchst metaphorischen Namen "A Passage to the Yews" (engl. „Ein Pfad zu den Eiben“), wurde in Eigenregie aufgenommen und produziert und dürfte ein wahrer Geheimtipp sein.

Nach weiteren Jahren mit diversen, wenn auch rar gesäten, dafür regelmäßigen Konzertterminen überwiegend in NRW gab die Band zuletzt ein Statement im Mai 2019 auf Facebook ab, in dem verkündet wurde, dass zunächst alle musikalischen Tätigkeiten ruhen würden, da andere Commitments im Leben den Musikern es nicht weiter möglich machen könnten, gemeinsam an ihrem Projekt zu arbeiten. Ob das Projekt damit eingestampft wurde, wurde zunächst offen gelassen.

Letzte Besetzung

Felix Lerche - Vocals, Lyrics

Jürg Much - Bass

Christoph Ruthenfranz - Drums

Mirco Rosendahl - Guitars

Eric Thordsen - Guitars


Diskographie

2016 - A Passage to the Yews (EP)

Review zu "A Passage to the Yews"

Das bisher einzige Lebenszeichen von A Sable Opiate ist ein Werk, das man sich definitiv einmal zur Brust nehmen sollte: Die EP beginnt mit dem Instrumental-Intro-Titeltrack, der direkt zum ersten Brecher "Dark Clouds Have Gathered" überleitet. Hier wird nicht unnötig langatmig Atmosphäre aufgebaut, sondern man schmeißt uns direkt in einen erschreckend beklemmenden Sound-Styx – nicht umsonst wählte die Band auch diesen Opener für ein stimmiges Lyric-Musikvideo. Auch Track 2 "Champion of the Pariah" beginnt in ungestümem Tempo, hier weiß vor allem der Gitarren-Sound zum „through starlit skies I wander“-Chorus zu gefallen. Musikalisch spürt man bei ASO schon eine Vorliebe für die Norweger Satyricon, analysiert man mal genau die Rock'n'Roll-Essenz, die hier mitunter einer sorgfältigen Schwarzmetall-Operation unterzogen wurde, deren Präsenz in jedem Song unterschwellig mitschwingt. Und was will man sagen: Alle fünf Songs der EP unterscheiden sich und strahlen in jeweils eigener Güte, dass man echt happy ist, dass dieses Ensemble sich zum kreativen Wirken zusammengefunden hat. Mit "Summon The Plague" langen die Fünfe dann so richtig zu: Vorpreschend, einschwörend und hymnisch gestaltet ruft man hier zu „Sing from a thousand lungs“ zum gemeinsamen Zelebrieren des Band-Sounds auf. Das Stück war auch bei den wenigen, dafür intensiven Live-Gigs ein starkes Element und glänzt vor allem in den Instrumental-Parts mit über allem schwebender Lead-Gitarre.

Im letzten Stück der etwa 28-minütigen Scheibe, "Isaac’s Drowning", packt Sänger Lerche sogar auch mal seine im Gegensatz zu den üblichen, kraftvollen Growls sanftere, dennoch nicht minder bohrende Gesangsstimme aus – „a drowning wreck in waves of woe, which come crashing without mercy“ heißt es hier, der Song insgesamt beendet die Platte etwas gedämpfter im Tempo, beschwingter als die vorherigen Titel. Gleichzeitig verleiht er der EP aber auch ein poetisches Gänsehaut-Finale, vor allem mit den End-Passagen, dem aufwühlenden „Shattering remains void at heart“-Passus nach den progressiven Black Metal-Kaskaden, bevor der Song ausfadet. Und wer meint, Clean-Gesang hätte im BM nichts verloren: Die Mischung macht's, hier trübt die Schlagkraft des Songs jedenfalls nicht dadurch ein.

Wenn man ein Fazit ziehen möchte, haben wir es hier mit einem starken, nachhallenden Debüt zu tun, mit dem sich die Jungs hier zu Wort meldeten. Definitiv ein Release, das man nicht missen sollte, das eben nicht wie manch andere erste Lebenszeichen haltlos und uninteressant verpufft, sondern ein energisches Bild einer Band mit viel kreativem Potential zeichnet, das zukünftig noch über die Black Metal-Gemeinde hätte gegossen werden sollen. Gelobt werden muss die hohe Textqualität, die sich stets in einer ungreifbaren, emotionalen Transzendenz kleidet und dabei einfach ohne klischeehafte Schären anzufahren das gewünschte, mulmige Gefühl auslöst, das herumkommt, wenn man sich mit lästigen, menschlichen Gefühlen auseinandersetzt; dazu das immense Abwechslungsreichtum im Songaufbau, der Tanz zwischen Melodie und halsbrecherischer Blastbeat-Wucht, sowie die klare und unbequem nagende Stimmgewalt. Auf ASO sollte, nein, muss man ein Auge haben, sollte sich in ungewisser Zukunft, noch einmal was bei der Gruppe tun. Ansonsten haben wir es hier eben mit einem einzigen, besonderen Release zu tun!  

Trackliste:

1. A Passage to the Yews
2. Dark Clouds Have Gathered
3. Champion of the Pariah
4. Beasts of the Black Apex
5. Summon the Plague
6. Isaac’s Drowning

Weitere Informationen

Gelesen 687 mal Letzte Änderung am Dienstag, 28 Juli 2020 15:35
Haimaxia

Impavidi progrediamur - sic itur ad astra.

Medien

Dark Clouds Have Gathered A Sable Opiate / A Passage to the Yews [EP] / Independent