Sonntag, 12 August 2018 16:55

Unter dem Radar: Havukruunu

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Wer denkt, finnischer Black Metal kann anno 2018 nicht mehr überraschen, der irrt sich gewaltig. Mit Havukruunu traut sich eine Band den vor Jahren aufgekommenen Pagan Black Metal fernab aller Klischees zu huldigen und spielt sich damit direkt ins Herz von „Unter dem Radar“.

Wie so oft ist diese Band als eine zufällige Entdeckung auf dem diesjährigen Dark Troll Festival hängen geblieben und lief so einige Male auf dem Player auf und ab, wodurch sich eine Erwähnung in dieser Rubrik praktisch nicht mehr verhindern ließ.

Im Jahre 2005 in Hausjärvi, im Süden Finnlands, gegründet, startete die Band mit einigen Demos und kleinere Veröffentlichungen bis 2015 ihr erstes Album „Havulinnaan“ - unter Naturmacht Productions - das Licht der Welt erblickte und durchweg gut aufgenommen wurde. Auch wenn die Bandmitglieder noch recht jung waren, griff das Debut der Newcomer viele gute Ansätze auf und gewann schnell, auch weit über Skandinavien hinaus, eine treue Fangemeinde. So ist es auch wenig verwunderlich, dass ihr 2017 veröffentlichtes Zweitwerk „Kelle Surut Soi“ von vielen als Meisterwerk betitelt wird. Dies wird hauptsächlich durch die Perfektionierung ihres frischen Pagan Black Metals, der trotzdem dem „alten“ finnischen Spirit  gebührend Raum lässt, erreicht.

Members:

“Humö” – Vocals, Bass Guitar
“Stefan” – Choir, Electric Guitars & Percussion

Review „Kelle Surut Soi“

Erhaben und machtvoll startet dieses Album mit „Jo Näkyvi Pohjan Portit“, welches nach einem kurzen Intro von einem mächtigen Riff mit Chorgesang in die Vollen geht -gekrönt mit mächtigen Blastbeats und stetiger melodischer Untermalung. Unweigerlich muss man an frühere Moonsorrow Werke denken, welche eine ähnliche Melodik mit Pagan Einflüssen vereinten, wobei Havukruunu jedoch deutlich schneller unterwegs sind. Immer wieder brechen Chorgesänge mit langsameren Riffing über den sonst sehr schnellen Song herein und sich sogar das ein oder andere Soli in dem Konstrukt finden lässt. Die Pagan Einflüsse bleiben stets erhalten und verlieren sich nie in dem grundsätzlich eher düster gehaltenen Black Metal. Auch über „Vainovalkeat“, dem zweiten Song,  weht stets ein Hintergedanke an Moonsorrow hinweg, aber nicht als Kopie, vielmehr als eine eigene Interpretation, welche noch perfektioniert wird. Havukruunu gelingt stets eine Balance aus hartem Riffing und pointiert eingesetzten Chorgesängen zur Manifestierung des heidnischen Charakters. „Noidanhauta“ bringt zusätzlich etwas Bathory Charme in das Album hinein und verfeinern noch weiter den einzigartigen Charakter der jungen Finnen. Vieles begeistert immer wieder in den Songs – die Vocals von „Humö“, meist harsche Screams, gelegentlich sogar cleaner Gesang welcher den Kriegschor gut unterstützt, die stets ideale Mischung aus langem Riffing und Soli und Blastbeats und dem gewissen Hauch finnischer Affinität für den Black Metal. Auch nach dem zehnten Durchlauf hört man noch versteckte Melodien und findet Freude am Gesamtkonstrukt.

In „Vainajain Valot“ dominieren mehr die schwarzmetallischen Einflüsse und stürmt regelrecht über den Zuhörer hinweg. Dennoch bleiben Teile des Songs stets mit Hymnen durchzogen und wirken dennoch kein Stück wie Klischee. Havukruunu tendieren hier zur Höchstleistung und etablieren ihren eigenen Stil in der schon so oft ausgeschlachteten Pagan-Black Nische. Man spürt im jedem Song ungeheure Kraft und Leidenschaft, jeder Song wirkt eigenständig und bei einer durchschnittlichen Länge um die sieben Minuten stets durchdacht und innovativ -durch das gesamte Album lässt sich  ein roter Faden verfolgen. Selbst bei dem Low- bis Mid-Tempo Song „Vaeltaja“ ist Gänsehaut garantiert und zeigt dass Havukruunu auch in den langsameren Tönen durchaus überzeugen können. Auf der gesamten Länge von über fünfzig Minuten erlauben sich die Finnen nahezu keine Patzer und das Gesamtbild fällt äußerst stimmig aus.

Dieses Album ist ein absoluter Pflichtkauf für jeden der melodischen Pagan Black Metal aus Finnland etwas abgewinnen kann und sich von jungen Bands begeistern lassen möchte.

Tracklist:

  1. Jo Näkyvi Pohjan Portit
  2. Vainovalkeat
  3. Noidanhauta
  4. Vainajain Valot
  5. Vaeltaja
  6. Myrskynkutsuja
  7. Verikuu
  8. Kelle Surut Soi

Weitere Informationen

  • Band: Havukruunu
  • Album Titel: Kelle Surut Soi
  • Erscheinungsdatum: 29.04.2017
Gelesen 251 mal Letzte Änderung am Sonntag, 12 August 2018 17:02

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Havukruunu Kelle Surut Soi