Donnerstag, 31 Mai 2018 08:56

25.05.2018 - HELVETE OBERHAUSEN + OF THE WAND & THE MOON + THE DARK RED SEED

geschrieben von Haimaxia
Of The Wand & The Moon / The Dark Red Seed Of The Wand & The Moon / The Dark Red Seed Prophecy Productions

Mit Of The Wand & The Moon und The Dark Red Seed waren am Freitag zwei ganz besondere Künstlergruppen im Oberhausener Helvete geladen, die sich düsterem Neofolk und spiritueller Einkehr verschrieben haben. Dabei bildete der Ruhrgebiets-Termin einen von nur zwei Terminen der gesamten Europa-Tournee beider Bands. Dass Erstere als kultiger Geheimtipp und bereits seit fast zwei Jahrzehnten ihre eingeschworene Fanbase hat, kommt dabei nicht von Ungefähr, auch wenn Of The Wand & The Moon um Kim Larsen seit ein paar Jahren auf neues Material warten lässt.

Im Vorprogramm begannen zunächst allerdings mit einiger Verspätung die Prophecy Productions-Neulinge The Dark Red Seed des Duos um King Dude-Gitarrist Tosten Larson und Shawn Fleming – live noch von weiteren Musikern begleitet. Manch aufmerksamer Beobachter des Special Interest-Labels dürfte die Band bereits seit der 2017er EP „Stands With Death“ oder der melancholisch-schönen Single „The Antagonist“ auf dem Schirm haben. Gleichzeitig erschien aber auch erst kurz vor der Tour die Debüt-LP „Becomes Awake“, von welcher auch viele Stücke live präsentiert wurden. Mr. Larson fing dabei zunächst für einige Stücke allein auf der Stage an und ließ nur seine einzigartige Stimme und seine teils dissonante, teils die Emotionen der Stücke unterstreichende E-Gitarre für sich sprechen. Vor allem mit „Ancient Sunrise“ traf er hier einen Nerv. Als aber die übrigen Musiker auf die Bühne traten und der progressive, ausufernd komplexe Aufbau der Stücke der neuen Platte zwischen Folk, Psychedelic und Doom Rock deutlich wurde, zeigten The Dark Red Seed, was ihren Sound ausmacht. Trotzdem wollte der Funke nicht bei allen Gästen überspringen, was entweder daran lag, dass viele die Songs der Band schlichtweg noch nicht kannten, oder dass ihnen der pagane Charakter, der unter anderem bei Of The Wand & The Moon lockt, hier schlichtweg fehlte. Aber gerade Songs wie „Diana and Ouroboros Dance“ oder das finale „The Destroyer“ sind von einer seltenen Wirkmächtigkeit durchzogen, mit der die Herren begeistern konnten. Am Ende war durchaus verständlich, dass die vier Musiker, alle in schicken Anzügen und Sakkos gekleidet, im Hochofen Helvete gehörig ins Schwitzen kamen. Man darf gespannt sein, was die Band in Zukunft noch auf dem Kasten hat.

Als der Däne Kim Larsen die Bühne betrat und in einer Solo-Show seine Songs zum Besten gab, wurde es ganz still im Saal. Über Klassiker wie „Hail Hail Hail“, „Shine Black Algiz“ oder „Immer vorwärts“ spielte der Musiker routiniert durch seine Show und versuchte dabei skurrilerweise mehrfach einen Running Gag unterzubringen: Immer wieder kündigte er seine Stücke damit an, dass nun ein Bob Dylan-Cover folge. Einmal erzählte er gar eine zynisch-lustige Anekdote, dass er einen Song von jenem Musiker erhalten habe, während er auf Drogen war, von deren Konsum Larsen ihm abgeraten habe. Der dänische Neofolk-Act werkelt nun bereits seit 1998 an seinen träumerischen Klangwelten zwischen nordischer Mythologie und düsterem Ambiente und gehört zum festen Kader von Prophecy Productions. Während die letzten Veröffentlichungen von Of The Wand & The Moon mit der hochgelobten LP „The Lone Descent“ aus dem Jahr 2011 und der EP „Shall Love Fall From View?“ von 2013 bereits einige Jahre zurückliegen, ebbt die Begeisterung für die besondere, schwermütige Musik des Musikers aber nicht ab, wie man deutlich merkte, wenn man sich ansah, wie voll es im Saal war. Die Stimme des Solisten, nur mit Gitarre und Mundharmonika „bewaffnet“, stand dabei ganz im Zentrum seiner melancholischen, urschönen Songs mit paganen Themen, die live beinahe minimalistisch daherkommen. Für den finalen Song „I Crave For You“ trat sogar noch einmal Band-Kapitän Tosten Larson von The Dark Red Seed auf die Stage und begleitete Larsen mit einer Melodica, ehe der Abend abrupt endete.

Mit den beiden Acts erlebten die Besucher des Helvete Oberhausen an diesem Abend eine kurzweilige (und wenn man auf die Uhr sah tatsächlich extrem kurze) Show in zwei Etappen, die einerseits zu überraschen wussten, andererseits gewohntes Niveau lieferten. Nach anderthalb Stunden Musik war der Abend leider bereits vorüber. Waren bei The Dark Red Seed noch die wenigsten Besucher vertraut mit dem, was sie erwarten mochte, lauschte man bei Of The Wand & The Moon hauptsächlich bekannten Klassikern. Interessant war vor allem, welch ein Stilgestaltwandler sich hinter dem Opener verbarg: Manche Songs schwangen in Sphären von zünftigem Doom Rock/Metal à la Orchid, dann folgte eine melancholische Stoner-Phase und schließlich trugen manche Stücke wieder den Anstrich finsterster Neofolk- und sogar Country-Musik (da merkte man dann ganz deutlich, dass Frontmann Larson sich für gewöhnlich mit King Dude herumtreibt).

Fotos: Anna Apostata Arts 

Weitere Informationen

  • Band(s): Of The Wand & The Moon, The Dark Red Seed
  • Wann: 25.05.2018
  • Wo: Helvete Oberhausen
Gelesen 1683 mal Letzte Änderung am Samstag, 30 Juni 2018 09:11