Samstag, 26 Mai 2018 12:42

Unter dem Radar: Infinity (Black Metal) Empfehlung

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Seit über 20 Jahren in den Niederlanden aktiv, zählt INFINITY wohl zu einer der bekannteren und gleichzeitig unbekannteren Bands des melodischeren Black Metal, die sich seit Mitte der 90er parallel zu den großen skandinavischen Bands wie Mayhem, Immortal und Dissection entwickelt hat.

Nach einer Hochphase von regelmäßigen Outputs in den 2000ern, die insgesamt zwei Demos und fünf full-length Outputs hervorbrachte, trat INFINITY in eine Art Tiefschlaf, der erst mit dem neuen Output „Hybris“ beendet wurde. Dieses Werk katapultierte die Niederländer innerhalb kürzester Zeit ins Underground-Zentrum der neu erstarkenden okkulten Black-Bewegung und damit auch wieder auf die Bühnen in ganz Europa, inklusive Baltikum und Weiß-Russland. Diese Bühnen teilten sich Draconis und Balgradon Xul als Kern der Band zusammen mit ihren Session-Musikern und Bands wie Absu, 1349, Inquisition, Hetroertzen, Dark Funeral und Watain, um dort ihren düsteren, okkulten und energetischen Stil vor das Publikum zu bringen. Grund genug für uns, das neue Album Hybris und die Band in UdR zu präsentieren:


Aktuelle Besetzung
Draconis - Guitars, Vocals
Balgradon Xul - Vocals, Drums, Bass

Diskographie

1998  Corvus Corax (Demo)

2002  Nostalgia For The Dark Age (Demo)

2003  Nostalgia For The Dark Age (Full-length)

2004  The Birth Of Death (Full-length)

2005  Enter The Labyrinth Of Hell (Full-length)

2008  The Arcane Wisdom Of Shadows (Full-length)

2012  Back To The Source (Summon The Black Flame) (Full-length)

2012  Non De Hac Terra

2017  Hybris

Review zu "Hybris"


Puh...wo soll ich hier nur anfangen... Vielleicht beim Alter von INFINTY? Oder bei den vielen Outputs der Holländer? Oder wie lange die Pause zwischen dem letzten Album „Non de Hac Terra“ und der 2017er Platte „Hybris“ war? Nein. Viel lieber möchte ich über Jon Nödtveidt sprechen. Als alter Dissection Fan, der den Freitod des musikalischen Genies schon immer als sinnlose Verschwendung von Talent angesehen hat, ist es mir, als wäre Jon wiedergekehrt, um noch einmal den einen oder anderen Song zu „Reinkaos“ - unter ihrem Band- und Albumnamen, hinzuzufügen. Es ist so ein unbestimmtes Gefühl, wie das Nachhausekommen an einen Ort, an dem man schon lange nicht mehr wanderte. Wo einem sofort eine Welle von wohligem Schauer den Rücken hinunterläuft und man sofort wieder weiß, wie alles war, wo alles steht und sich vielleicht trotzdem alles irgendwie verändert hat.

Ich will nun jeden warnen, der diese Band nicht kennt und der sich einen Dissection-Fan schimpft - es wird schwierig werden, diesen Output wieder wegzulegen! Paradebeispiel hierfür ist „Wrath Of The Djinn“, das wie ein Mix aus „Starless Aeon“ und Dark Mother Divine“ anmutet und das Beste aus beiden vereint. Oder der Titeltrack „Hybris“, der „Black Dragon“ so sehr nahekommt. Wer jetzt behaupten will, ich würde INFINITY Plagiarismus vorwerfen, den möchte ich an der Stelle beruhigen und weise darauf hin, dass es INFINITY schafft, etwas vollständig eigenständiges zu kreieren. Die beiden hauptsächlich für „Hybris“ verantwortlichen Künstler sind Draconis und Balgradon Xul (der dem Album auch den Bass spendiert). Eben jener ist einer der wenigen Talente, das neben dem Drumming auch den Leadgesang übernimmt, während Draconis an der Gitarre und als Backing Vocalist zu finden ist. Das mal gewalttätig im Vordergrund wütende – und dann wieder unterstützende On-Point Drumming, als auch die perfekt darauf abgestimmte Gitarrenarbeit, die sich wie Haut über das musikalischer Skelett und Muskeln zieht, ist die Essenz, von der der Output lebt.

Live wird INFINITY durch Tzar Xul (ex-Funeral Winds) und Angaroth (Hellegion und ex-Funeral Winds) unterstützt. Es sei für ein besseres Verständnis an dieser Stelle dringend empfohlen, sich die Band live anzusehen. INFINITY fiel mir zuerst auf dem Howls Of Winter in Estland als eine Kombo auf, deren Namen man schon oft gehört, aber noch nicht die Chance gehabt hat, sie live zu erleben. Die schiere Energie, mit der die Niederländer die große Bühne ausfüllen, ist in Worten nur vollkommen unzulänglich zu beschreiben. Die Erfahrung und die Macht an allen Instrumenten sowie die Komposition – technisch-instrumenteller als auch lyrischer Natur − die keine Schwächen aufzeigt, macht das Album zum absoluten Pflichtkauf.

All dies kumuliert sich in „Hybris“ und ohne Hochmut oder Selbstüberschätzung darf man sagen, dass hier etwas Großes geschaffen wurde, das nicht weniger als die volle Punktzahl und eure Ohren verdient!

Tracklist

1. Arousing the Sleeping Serpent

2. Destroy the Human Within

3. Wrath of the Djinn

4. The Fall [Prelude]

5. Hybris

6. At the Crossroads

7. Oracle of the Dead

8. The Mountain of Oath

9. Prometheus Unbound

10. LCF

Weitere Informationen

  • Band: Infinity
  • Erscheinungsdatum: 26.05.2018
Gelesen 486 mal Letzte Änderung am Sonntag, 10 Juni 2018 18:28