Samstag, 03 März 2018 09:33

Unter dem Radar: F41.0 (Black Metal)

geschrieben von Haimaxia
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Das Black Metal-Projekt F41.0, das wir heute vorstellen, hat mit seinem Album „Bürde“, welches vergangen Mai beim vielversprechenden Klein-Label „Geisterasche Organisation“ erschien, ordentlich Eindruck machen können. In Eigenregie vom Multi-Instrumentalisten Hysteriis ins Leben gerufen, existiert das Solo-Projekt nach Angaben des Musikers seit 2007 – seitdem erschien zudem noch 2013 das erste Lebenszeichen „Near Life Experiences“.

Was die Musik von Hysteriis ausmacht, ist vor allem eine atmosphärische, ausufernde Komplexität in den Songs, die sich um die menschliche Psyche und dessen Gefühlswelten drehen. Dabei scheint man in den Texten einen stets pessimistischen Blick auf seine Umgebung zu werfen und auch nicht vor anspruchsvollerer Lyrik zurückzuschrecken, die den Zugang zu den Songs zunächst erschweren mag.

Daher kommt auch der Bandname nicht von ungefähr: F41.0 weist nach internationaler Klassifikation von Krankheiten (ICD-10) auf Panik- und Angststörungen hin. Genau dieses Setting und die beklemmende Natur der Stücke führten eigenen Angaben von Hysteriis zufolge unweigerlich zu diesem Bandnamen.

Hysteriis, der unter anderem auch beim Debüt „Trauma“ der Combo Kratein aus Freiburg im Breisgau an der Gitarre mitwirkte, arbeitet dabei stets mit Gastmusikern aus demselben Dunstkreis zusammen: So sind auf „Bürde“ zum Beispiel Tentakel P. (Drums) und Frederic (Vocals) von den mittlerweile auf Eis gelegten Todtgelichter zu hören, aber auch Mor Dagor-Vokalist Alexander Schmied, Kratein- und Signum:Karg-Sänger Metvs oder Asgoroth von Narvik. So klingt auch jedes Stück durch den eigenen Charakter der unterschiedlichen Gäste ganz anders: Mal sind die Vocals von verbitterten Growls, mal von einem schieren Wahnsinn geprägt, mal sind sie clean und bestimmt, mal sogar nur geflüstert.


Aktuelle Besetzung

Hysteriis - Vocals, Guitars, Bass, Drums, Lyrics


Diskographie

2013 Near Life Experiences (LP)

2017 Bürde (LP)

Review zu „Bürde“


Bleiern ist mein Körper – taub und lahm meine Glieder” – Das sind die ersten Verse des eröffnenden Tracks von “Bürde”, dem zweiten Album von F41.0 um den Musiker Hysteriis, der neben ein paar Gastbeiträgen, hauptsächlich am Mikrofon, das Gesamtwerk in detailverliebter und scheinbar müheloser Alleinarbeit geschaffen hat. Im vergangenen Frühjahr bei Geisterasche Organisation erschienen greift man bei „Bürde“ Schuldgefühle, die Bitterkeit über das Unveränderliche und das zentrale Thema Angst auf – vor diesem Setting des an den Schläfen pickenden Wahnsinns entfaltet der atmosphärische, melancholische und beklemmende Black Metal-Sound von Hysteriis‘ Seelen-Projekt F41.0 eine ganz besondere Wirkung. Was bei Menschen mit einer Angststörung ein ernster, fester Lebensbestandteil ist, wird hier zu einem Aquarell, in das man sich verlieren kann; zu einem Versuch, diese Aussichtslosigkeit in Worte und Klänge zu fassen, und zu einem Gefühlsmanifest der Sorte, die an Herz und Nieren geht.

Songs wie „Davor“ und „E.V.A.“ bilden dabei eingangs schon sehr gut ab, worauf man sich als Hörer der Platte einzulassen hat: Während die Instrumentierung mal in gemachem Tempo, mal eher reißerischer Natur voranprescht, zeichnet Hysteriis mit seinen durchaus nicht ganz einfach gestrickten Texten ein Bild eines suchenden, eines gescheiterten, eines verletzten Ichs. Dabei wird vor allem klar, dass Weltschmerz, Depression und Lähmung eine zentrale Rolle bei F41.0 einnehmen – jegliche Hoffnung wird im Keim erstickt. Bei „Ensō“ tritt beispielsweise die buddhistische Kreis-Symbolik des freien und vollkommenen Bewusstseins in den Hintergrund und wird eher zum Ausdruck von sich immer wieder wiederholender Sinnlosigkeit, aus der man nicht ausbrechen kann.

Der progressive und gleichwohl im Kontext der Lyrics manchmal etwas widersprüchliche anmutende meditative Aspekt kommt hier wohl von der in jedem Song gut und klar hervorstechenden Gitarre, welche das Rückgrat des Ganzen liefert – außerdem wirkt jedes Stück von „Bürde“ in eigener Weise neu und anders. Dass die Songs jeweils von unterschiedlichen Sängern präsentiert werden, schenkt der Platte zusätzlich einen erfrischen Abwechslungsreichtum, der - ob gewollt, oder nicht - sogar noch den Effekt hat, ein in verschiedene Persönlichkeiten gespaltenes Ich als Erzähler des Albums durchschimmern zu lassen.

Fazit: Was Hysteriis mit seinem Projekt F41.0 hier geschaffen hat, verfehlt seine Wirkung ganz und gar nicht und beeindruckt auf voller Linie. Trauergetragen, klagend und schwermütig wird hier der Finge in die Wunde gelegt und ein Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt eines traumatisierten, erkrankten Geists geliefert. Inwieweit ein persönlicher Bezug zu seiner Schöpfung besteht, bleibt vom Musiker unbeantwortet – doch gleich, wie die Antwort ausfiele: „Bürde“ ist ein zutiefst komplexes Werk geworden, dessen Schwere man schon am außerordentlichen Artwork der Künstlerin Rebecca Wæik erahnt.

Tracklist

1. Davor

2. E.V.A.

3. Enso

4. Bürde

5. Alpha

6. Kokytos

Weitere Informationen

Gelesen 600 mal Letzte Änderung am Samstag, 03 März 2018 10:02

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