Samstag, 16 Dezember 2017 13:21

Unter dem Radar: Skinjob (Sludge)

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Marburg an der Lahn ist für seine Vielfalt an Metalbands bekannt. Egal ob Death, Thrash oder Black Metal - für jeden Geschmack lässt sich hier etwas finden. Auch Liebhaber von Sludge kommen nicht zu kurz, denn die Studentenstadt ist auch die Heimat von Skinjob.

Seit 2012 spielt das Quartett kruden Sludge im Stile von EyeHateGod und Acid Bath und zeigen mit ihren Songs menschliche wie gesellschaftliche Abgründe auf. Ihr erstes Werk „Proverbs For The Prodigal“ erschien 2013. Ein Jahr später feierten Skinjob das Release ihres zweiten Albums „Innovating The Inquisition“ mit einem kleinen Konzert in einem Bunker im Marbuger Umland. Im Mai diesen Jahres begaben sich Skinjob aufs Neue ins Studio, um Songs für das dritte Album aufzunehmen.


Aktuelle Besetzung

Fexus XIV – Guitars

Dany – Bass

Marius – Drums

Loki – Vocals


Diskographie

2013 Proverbs For The Prodigal

2014 Innovating The Inquisition


Review zu „Innovating The Inquisition“


Genau ein Jahr nach dem Erscheinen ihres Erstlingswerks "Proverbs For The Prodigal" (2013) legt das Marburger Sludge-Quartett Skinjob mit seinem zweiten Album nach. "Innovating The Inquisition" heißt dieses und beinhaltet sechs Songs, die ein weiteres Mal die Abgründe und abartigen Auswüchse der Menschheit aufzeigen.


So geht es in einigen Songs z.B. um "MK Ultra", ein damals geheimes Forschungsprojekt der CIA: In Zeiten des Kalten Krieges wollte man ein Wahrheitsserum erschaffen, welches perfekt wirken sollte - dabei machte
man auch nicht vor der Zusammenarbeit mit ehemaligen KZ-Ärzten Halt. Es wurden Versuche an Menschen durchgeführt, um zum Beispiel die Wirkung von hohen Dosen halluzinogener Drogen oder auch Chemikalien zu testen. Aber auch Folter und Elektroschocks kamen zur Anwendung und hinterließen bei vielen Opfern psychische und physische Schäden.


Dass so ein widerwärtiges Thema und die Abgründe menschlichen Handels nicht mit fröhlichen Klängen verarbeitet werden können, versteht sich fast von selbst. "Innovating The Inquisition" bietet daher kruden, garstigen Sludge, der zum Thema passt, und schonungslos Missstände anprangert. Den Songs wohnt dabei etwas Bösartiges, Wahnsinniges und Abscheuliches inne, was hauptsächlich durch die Vocals zum Tragen kommt: Mit jeder Silbe, die Loki ins Mikro speit, bringt er seinen Ekel und seine Abscheu gegenüber diesen Abgründen deutlich zum Ausdruck. Es ist auch den Vocals zu verdanken, dass sich nach dem Hören des Albums ein starkes Gefühl des Ekels beim Hörer einstellt: Ekel vor sich selbst, vor dieser CD, aber vor allem vor der Welt und der Menschheit!


Doch die Vocals könnten ihre Kraft nicht entfalten, wenn da nicht dieses schleppende, zähe instrumentale Fundament wäre, auf dem sie aufbauen. Doch die Instrumentalfraktion bildet nicht nur die Grundlage, sie schafft es auch, einen leichten, vergänglichen Hauch von Melodie durch die Songs wehen zu lassen. Leider ist dieser Hauch nur sehr schwer zu erfassen, aber wer in die CD reinhört, wird ihn früher oder später erahnen können. Ansonsten setzt man auf den typischen Skinjob-Sound: mächtig drückend, zäh wie Pech aus den Boxen quellend und böse wie nichts!


Die sechs Songs des Albums befinden sich alle auf demselben guten Niveau, es gibt keine Ausreißer nach unten. Doch zwei Songs heben sich, meiner Meinung nach, etwas vom Rest ab: Der Opener "Overthrow/Undertow", mit seinen Wechseln zwischen rasenden, fast wahnsinnigen und zähfließenden Parts, und "Sent To Pester". Dieser Song ist für mich das Herzstück der Platte - er baut sich langsam auf, wird immer bedrohlicher und entfaltet sich immer mehr, bis das Böse in dem Song fast greifbar wird. Spätestens dann, wenn die Vocals abgehakt in Mikro geschleudert und nur von Dany und Marius an Bass und Drums begleitet werden, läuft es einem vor Furcht und Abscheu eiskalt den Rücken herunter. Dazu kommt der heftige Groove, der "Sent To Pester" innewohnt, und fertig ist der erste "Ohrwurm" von Skinjob. Zumindest ging es mir so, dass ich mir diesen Song immer wieder anhören musste und ihn nicht mehr aus dem Kopf bekam. Aber das ist vielleicht genau das gleiche wie mit Bildern von schweren Verletzungen - man will sie nicht sehen, muss aber immer wieder hinschauen und hat sie dann immer wieder vor Augen.


"Innovating The Inquisition" ist ein Album, das den Finger hart auf die Wunden der Menschheit legt und kräftig Salz einreibt. Es ist ein krankes Album über ein krankes Thema! Und doch ist es etwas zugänglicher als sein Vorgänger geworden, es enthält Spuren eines melodischen Ansatzes und hat einen heftigen Groove in den Songs. Der Name Skinjob steht immer mehr für eine Sache: Sludge von hoher Qualität (mit der Betonung auf Qual) aus Mittelhessen!


Tracklist

1. Overthrow/Undertow

2. Sent To Pester

3. Blush Response

4. Neglect And Cold Isolation

5. Corrective Discipline Blues

6. Monarch

Weitere Informationen

Gelesen 211 mal Letzte Änderung am Sonntag, 31 Dezember 2017 12:16
eviloli

Just when I know all of life's answers, they changed all the questions!