Samstag, 18 November 2017 10:49

Unter dem Radar: Drudensang (Black Metal)

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Das aktuelle „Unter dem Radar“ lockt uns diesmal in den Süden Deutschlands, um genau zu sein nach Bayern. Wer jetzt Appetit auf Weißwürste und Bier bekommen hat, wird von diesem Artikel leider zwangsweise enttäuscht werden. Nicht aber derjenige, dem es nach polarisierendem Black Metal mit Wiedererkennungswert dürstet.

Mit der Veröffentlichung der Rehearsal MC „Dunkle Tradition“ im Jahre 2013 starteten Drudensang ihre Karriere. Seither sind sie nicht untätig gewesen und haben fleißig neues Material veröffentlicht. Auf dem diesjährigen Barther Metal Open Air konnten wir uns einen Eindruck von der Live-Performance der aktuellen Scheibe „Verborgene Riten“ verschaffen, was uns zu der Überzeugung brachte, dass dieser Band definitiv mehr Aufmerksamkeit zuteil werden sollte.

Aktuelle Besetzung

Aske – Vocals

Blodspan – Gitarre

Skilnir – Gitarre

Nastrond – Bass

Goatruler – Drums

Henker – Keyboard

Diskografie

2013 Dunkle Tradition (Rehearsal)

2015 Prinzipien der Grausamkeit

2015 Todgeweiht I

2015 Hordagaard/ Mork/ Dauden/ Drudensang (Split)

2017 Verborgene Riten (Rehearsal)

Review zu „Verborgene Riten“

Mit „Verborgene Riten“ veröffentlichten Drudensang ihr zweites Rehearsal Ritual. Es besteht aus insgesamt neun Tracks, von denen jeder jeweils mit einem kryptischen Titel versehen wurde. Den Einstieg macht ein langes, atmosphärisches Intro, das mit mystischen und schauderhaften Klängen dramatische Spannung aufbaut. Nach gut dreieinhalb Minuten, in denen man vor Spannung fast platzen möchte, bekommt man eine ordentliche Ladung Blastbeats um die Ohren gehauen, die den strapazierenden Nervenkitzel durchaus entlohnen. Die gnadenlose Schießbude - aka Schlagzeug - trifft auf grimmiges Riffing, untermauert von düsteren Keyboardklängen.

Der zweite Track endet mit einem unbehaglichen Outro, das mit Hilfe okkulter Klänge Endzeitstimmung aufkommen lässt, welche durch einen Gitarrenriff- und Blastbeat-Sturm aus purem Hass abgelöst wird. Das durchweg treibende Schlagzeug und die „grattligen“ - wie man im Bayerischen zu sagen pflegt - Backingvocals reißen den Zuhörer unweigerlich mit und sorgen für Abwechslung, die keine Langeweile zulässt. Der fünfte Track des Albums ist ein reiner Instrumental-Titel, der zu Beginn unheimlich beunruhigend wirkt und sich schließlich immer mehr ins Mystische wandelt. Leider haben es die Bayern aber nicht geschafft, den Spannungsbogen über die beachtliche Länge von acht Minuten hinweg konstant zu halten, was dem wie ein Kriegsschiff lauernden Stück ab der Hälfte leider ein wenig den Fahrtwind aus den pechschwarzen Segeln nimmt. Zum Ende hin dreht sich der Wind jedoch noch einmal und läutet mit Paukenschlägen und einer scheppernden Geräuschkulisse eine schwermütige und zugleich aufreibende Melodie ein. Diese wird allerdings jäh vom Kreuzfeuer der Blastbeat-Schießmaschinerie des sechsten Titels abgelöst. Letzterer begeistert mit dramatischem Riffing und akzentuierten, cleanen Backingvocals.
Perfektioniert wird die kunstvolle Kreation todtrauriger Stimmung im achten Titel der Scheibe. Eine tragische Klaviermelodie trifft auf markerschütternde Vocals und erschafft eine Melancholie, die sich rasant bis ins tiefste Innere des Hörers frisst.

Das Atmosphäre schaffende Grundgerüst zieht sich konsequent durch die Gesamtkomposition und ist trotz leichten Überstrapazierens vereinzelter Parts zweifelsfrei sehr gelungen umgesetzt worden. Hier wurde geschickt mit tragischen Melodien, Klängen und Geräuschkulissen gearbeitet, die den Zuhörer, der tadellosen Kombination mit hämmerndem Riffing und hasserfülltem Gesang sei Dank, bewusst in einen emotionalen Zustand zwischen Aggression und Depression versetzen. „Verborgene Riten“ gehört mit seiner okkult verspielten und doch wütenden Dramaturgie definitiv zu den herausragenden Releases dieses Jahres.

Tracklist

1. ???

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3. ???

4. ???

5. ???

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7. ???

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9. ???

Gelesen 595 mal Letzte Änderung am Samstag, 18 November 2017 11:15

Medien

Verborgene Riten "a live ritual at blasphemy halls" (Trailer) - Drudensang Drudensang