Sonntag, 22 Oktober 2017 14:38

Unter dem Radar: Zaum (Doom Metal) Empfehlung

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Meistens stellen wir euch bei „Unter dem Radar“ Bands aus Deutschland und Europa vor, nur vereinzelt schafften es bisher Bands aus Übersee in diese Rubrik. Dabei gibt es auch dort eine Vielzahl an Bands, die als Geheimtipps gehandelt werden. Zum Beispiel das kanadische Duo ZAUM, welches wir euch heute vorstellen wollen.

Seit der Gründung im Jahr 2013 legen Kyle Alexander McDonald und Christopher Lewis ein rasantes Arbeitstempo vor. Schon im Jahr darauf erschien mit „Oracles“ das Debütalbum der beiden, welches 2015 eine Split-Veröffentlichung mit Shooting Guns folgte. 2016 erschien mit „Eidolon“ das zweite Album. In den Pausen zwischen den Arbeiten an den Veröffentlichungen war das Duo international unterwegs, um sich auf zahlreichen Liveshows zu präsentieren. Höhepunkte waren dabei die Touren mit Voivod und Pentagram, welche man im Jahr 2015 als Support begleitete.

Aktuelle Besetzung
Kyle Alexander McDonald – Bass, Synthesizer, Sitar, Vocals
Christopher Lewis – Drums

Diskographie
2014 Oracles
2015 Himalaya To Mesopotamia (Split mit Shooting Guns)
2016 Eidolon

Review zu „Eidolon“

Das Wort „Eidolon“hat viele Bedeutungen. So steht es unter anderem für die Gattung der Palmenflughunde oder kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Abbild, Spiegel- oder Trugbild einer lebendigen oder toten Person.

"Eidolon" heißt auch das zweite Album von Zaum und wirkt auf den ersten Blick etwas mager ausgestattet. Denn nur zwei Songs stehen auf der Tracklist, was mich zuerst vermuten lässt, dass die Kanadier versuchen, eine EP als Full Length Album zu tarnen. Doch ein zweiter Blick auf die Gesamtspielzeit beruhigt das Gemüt wieder, denn beide Songs haben jeweils eine Länge von 20 Minuten und ergeben zusammen 40 Minuten Ohrenschmaus. Und eins steht für mich seit dem Hören von „Eidolon“ fest: Es reichen zwei Songs auf einem Album vollkommen aus, wenn sie die Magie und Dichte von „Influence Of The Magi“ und „The Enlightenment“ erreichen!

Die beiden Songs entführen einen in eine andere Welt, transportieren Bilder und lassen das Kopfkino beim Hören auf Hochtouren laufen. Das Beeindruckende daran ist, wie leicht es Zaum schaffen, diese Dichte aufzubauen. Ein paar Klangtexturen aus dem Synthesizer und schon wähnt man sich in einem dichten, urzeitlichen Dschungel. Der tief knurrende Bass zeugt von der Rauheit der Umgebung, in der noch die Natur das Sagen hat und nur der Stärkste überlebt, während der ätherische, choralähnliche Gesang einem die Prozession der Magier verdeutlicht. „Influence Of The Magi“ ist der vertonte Kampf zwischen Natur und Mensch, welcher über zwanzig Minuten hin und her wogt, bis am Ende der Eindruck erweckt wird, dass die „Magi“ es geschafft hätten, die Wildnis zu zähmen.

Bei „The Enlightenment“ geht es dann um den inneren Kampf des Menschen mit sich selbst, seinem Dasein und seiner Welt. Am Anfang noch ruhig und meditativ gehalten, kippt der Song im Mittelteil und entwickelt durch die zwei verschiedenen, sich im Dialog/Streit abwechselnden Gesangspassagen eine unglaubliche Dynamik, welche den Kampf zwischen den neuen Erkenntnissen und dem althergebrachten Weltbild eindrucksvoll darstellt.

Zu dieser Bildhaftigkeit der Musik von Zaum trägt vor allem das Songwriting bei. Zwanzig Minuten können verdammt lang werden, doch das Duo versteht es, diese zu füllen. Klangpassagen aus dem Synthesizer wechseln sich mit vereinzelten Drone-Elementen ab, während McDonald mit der Sitar einen Klangteppich darüber webt. Alles fügt sich nahtlos zusammen und ergibt am Ende dann diese Magie und Dichte, welche Zaum in ihre Songs packen.

Und falls ihr euch gerade gefragt habt, ob da wirklich Sitar steht: Ja, ihr habt richtig gelesen! Anstatt einer Gitarre erklingt bei Zaum die Sitar. Zum Glück wird dies aber nie zu kitschig oder anstrengend, sondern verleiht den Stücken auf eine angenehme Art und Weise etwas Orientalisches und Meditatives. Die Kanadier schaffen es dadurch, dem Doom Metal mit all seinen Facetten noch eine weitere hinzuzufügen und erschaffen mit ihrem Sound etwas Eigenständiges, was auf den Namen Mantra Doom hört. Ein Reinhören lohnt sich auf jeden Fall!

Tracklist
1. Influence Of The Magi (20:39min)
2. The Enlightenment (20:48min)

Weitere Informationen

Gelesen 175 mal Letzte Änderung am Sonntag, 22 Oktober 2017 15:17
eviloli

Just when I know all of life's answers, they changed all the questions!

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The Enlightenment - Zaum Zaum