Donnerstag, 14 September 2017 23:11

Unter dem Radar: Nailed To Obscurity (Death/Doom Metal)

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Im heutigen „Unter dem Radar" geht es nach Ostfriesland, genauer gesagt nach Esens, welches viele wohl höchstens als Urlaubsort kennen: Seit ihrer Gründung im Jahr 2005 hat sich „Nailed to Obscurity" das Ziel gesetzt, weit mehr als nur eine weitere Doom/Death Band darzustellen, die schneller wieder verschwindet als sie aufgetaucht ist. Durch ihren über die Jahre verfeinerten und gereiften Stil hat sich die Band einen festen Platz verschafft und ist unverkennbar geworden.

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Bereits in ihrem Gründungsjahr veröffentlichte die Band ihre erste Demo, „Our Darkness", welche noch sehr stark vom Death Metal der alten Schule geprägt war. Jedoch bot sie schon gute und vielversprechende Ansätze, die es über die Jahre weiterzuentwickeln galt. Mit „Abyss" gewann man anno 2007 die ersten Fans, bekam aber immer noch keine wirkliche Aufmerksamkeit, was die Band jedoch nur noch mehr motivierte, ihre Ideen zu perfektionieren und an sich zu arbeiten. Sechs Jahre später, mit ihrem zweiten Album „Opaque", gelangen endlich der gewünschte Erfolg sowie die Festigung eines unverkennbaren Stils. Opeth trifft Paradise Lost – so wurde und wird Nailed to Obscurity oft beschrieben und doch fällt eine wirkliche Einordnung äußerst schwer. Texte, die den Hörer nachdenken lassen sowie Botschaften zwischen den Zeilen, kombiniert mit melodischen Death Metal Riffs, sind bis heute ein Markenzeichen dieser Band. Spätestens seit ihrem aktuellen Album „King Delusion" hat sie ihren Wert und ihre Einzigartigkeit bewiesen und während die Fans der ersten Stunde treu in der ersten Reihe stehen, steigen Bekanntheit und Anerkennung mit jedem Festival und Konzert.

 

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Aktuelle Besetzung

Jan-Ole Lamberti – Guitar

Volker Dieken – Guitar

Jann Hillrichs – Drums

Carsten Schorn – Bass

Raimund Ennenga – Vocals

 

Diskographie

2005 Our Darkness (Demo)

2007 Abyss

2013 Opaque

2017 King Delusion

 

Review zu "King Delusion"

 

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Mit „King Delusion" veröffentlichten Nailed to Obscurity in diesem Jahr ihr drittes Album, was angesichts ihrer Zeit als Band eher wenig ist - betrachtet man jedoch die Entwicklung von einem Werk zum nächsten, ist dies vollkommen gerechtfertigt. Setzte die Band bei „Opaque" noch auf überwiegend schnellere Melodic Death Parts, ist hier eindeutig eine etwas ruhigere Gangart eingekehrt, ohne jedoch an Intensivität zu verlieren. Dieser unglaubliche Sprung vom letzten Album zu diesem lässt teils schwer glauben, dass man dieselbe Band hört wie noch vor vier Jahren.

 

Als Einleitung in das neue Release zeigt sich der Titeltrack „King Delusion" als goldrichtig, denn sofort wird klar, dass hier mehr an den Doom Schrauben gedreht wurde und ein noch düsterer Eindruck geschaffen werden soll. Raimunds Gesang fesselt von Anfang an und fasziniert mit seiner Intensität ungemein – selbst ein paar wenige Klargesangspassagen finden sich wieder, was dem Opener ungewohnte Tiefe gibt und mit den immer wiederkehrenden Riffs in Einklang steht. Vor allem gegen Ende finden sich auch einige progressive Elemente, welche in vom Vorgängeralbum bekannter Raserei gipfeln.

 

Viele weitere Songs, wie beispielsweise „Protean", verfolgen ein ähnliches Schema. Klargesang wechselt sich mit harschen Vocals ab, klagende Doom Passagen werden teils abrupt von melodischen Riffs abgelöst und schaffen einen abwechslungsreichen und einprägsamen Song. Selten hört man solch gut abgestimmte Tempowechsel sowie eine so ausgefeilte Abstimmung verschiedener Death Elemente, ohne dabei zu kitschig und unnötig zwangsmodern zu wirken. Die Wurzeln der Band im Oldschool Death Metal passen nahtlos in die neu gewonnene Doom-Atmosphäre und einige Elemente, die an Werke von Katatonia erinnern.

 

Nachdem „Apnoea" dem Hörer eine kurze Verschnaufpause verschafft und fließend in „Deadening" mit seiner fast schon akustischen Einleitung übergeht, geht es weiter mit „Flüstergesang". Mit zunehmender Länge gewinnt der Song merklich an Fülle und wird ein regelrechtes Doom Vorzeigestück mit tiefem, emotionalem Gesang und druckvollen Instrumenten, die sich stetig ein Stück mehr in den Schädel einhämmern. Mit „Memento" zeigt die Band erneut ihre Vielschichtigkeit durch gelungene Tempowechsel sowie kleine atmosphärische Pausen zwischen den Strophen, die jedes Mal ein neues Kapitel des Songs einleiten. Trotz eines sich teils wiederholenden Songaufbaus innerhalb der fast achtminütigen Spieldauer, kommt keineswegs Monotonie auf, die auf das Gesamtbild stören könnte.

 

Bei „Uncage my Sanity" fällt zunächst die Dauer von über zwölf Minuten auf, welche jedoch aufgrund des durchgehend hohen Niveaus absolut gerechtfertigt ist. Anfangs noch eher treibend mit einigen Soli, geht der Song mit zunehmender Dauer über in eine längere an Post-Rock erinnernde, fast schon träumerische Phase, die mit einem Finale aus feinstem Death Metal getoppt wird und am Ende dann langsam reißerisch ausläuft. Das gelingt leider nicht vollständig, was dem Gesamtbild aber nichts ausmacht.

 

Nachdem „Devoid" ein eher unspektakulärer Song bleibt, der zwar wie „Protean" aufgebaut ist, aber weniger Spannung und Abwechlsung bietet, wird das Hörvergnügen gegen Ende etwas gedämpft. Glücklicherweise beendet „Desolation Ruin" das Album würdig mit einigen headbangfähigen Parts und absolut gelungenen und treibenden Riffs. In Kombination damit werden meisterhaft Doom-Unterbrechungen mit grandiosen Lyrics dargeboten - zweifellos einer der Favoriten des Albums, der ungefähr ab der Hälfte nur noch instrumental dargeboten wird und das Album Revue passieren lassen. Drückend und kämpferisch lassen die letzten vier Minuten des Albums einen guten Eindruck des Gehörten zurück.

 

Nailed to Obscurity haben mit ihrem neusten Werk „King Delusion" ihren unverkennbaren Fußabdruck im Death/Doom Metal hinterlassen und ihren einzigartigen Stil ausgebaut und auf ein neues Level gebracht. Instrumental klingt alles wunderbar stimmig, verschiedenste Einflüsse wurden eingewoben und perfekt abgestimmt sowie lyrisch der gewohnte Tiefgang beibehalten. Diese Band gehört viel weiter nach oben als sie aktuell steht und ist meine persönliche Hörempfehlung an alle, die gutem Death Metal mit Doom Einflüssen eine Chance geben wollen!

 

Tracklist

1. King Delusion

2. Protean

3. Apnoea

4. Deadening

5. Memento

6. Uncage My Sanity

7. Devoid

8. Desolate Ruin

Weitere Informationen

  • Band: Nailed To Obscurity
  • Erscheinungsdatum: 00.00.0000
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Medien

King Delusion (official video) - Nailed To Obscurity Nailed To Obscurity