Freitag, 16 Mai 2014 09:33

Unter dem Radar: King of Asgard (Melodic Death/Viking Metal)

geschrieben von
Artikel bewerten
(7 Stimmen)
King of Asgard (Bandlogo) King of Asgard (Bandlogo) King of Asgard

Gleich mehrfach „Unter dem Radar“ fliegen die 2008 gegründeten Schweden von King of Asgard: Trotz zweier full-length Alben haben King of Asgard zum Einen noch nicht die Bekanntheit erreicht, die sie haben könnten, und zum Zweiten ist es schwierig, in der Fanwahrnehmung an den genre-beherrschenden Amon Amarth vorbeizukommen.

King of Asgard starteten 2008 zu zweit: Gitarrist und Sänger Karl Beckman und Drummer Karsten Larsson, die beide schon zusammen bei Mithotyn auf den Brettern standen. Zusammen nahmen sie die 7-Track-EP „Prince of Märings“ auf, die 2009 erschien. Im selben Jahr stieß Bassist Jonas Albrektsson zu der Band und die Aufnahmen für das erste full-length Album begannen. Durch „Prince of Märings“ war Metal Blade Records auf King of Asgard aufmerksam geworden, welche die Band im Dezember 2009 unter Vertrag nahm.

 

„Fi’mbulvinter“, so der Name des ersten Albums wurde im August 2010 veröffentlicht und enthält 13 Songs, die King of Asgard selber als „folk based blackened death metal“ verstanden haben wollen. Nach dem erfolgreichen Release wurde das Line Up um den dringend benötigten zweiten Gitarristen ergänzt. Lars Tängmark übernahm den Part. Jetzt „vollständig“ absolvierte King of Asgard in den Jahren 2010 und 2011 ein straffes Live-Programm. Im Frühjahr 2012 begab sich der Vierer wieder ins Studio, um dort seinen zweiten Longplayer einzuhämmern. Im April 2012 erschien mit „…to North“ das zweite full-length Release der Östergyllener.

 

King of Asgard

 

 

Aktuelle Besetzung:


Karsten Larsson - Drums (seit 2008)

Karl Beckmann - Vocals, Gitarre (seit 2008)

Jonas Albrektsson - Bass (seit 2009)

Lars Tängmark - Gitarre (seit 2010)

 


Diskographie:


2009 Demo - Prince of Märings                                                            

2010 Fi'mbulvintr                                    

2012 ...to North                             

 


Review zu „…to North“



...to North



Nach ihrem fulminanten und von den Kritikern sehr gefeierten ersten Album „Fi’mbulvinter“ waren die Erwartungen an die zweite Veröffentlichung von King of Asgard sehr hoch. Glaubt man den Kritikern, so konnten diese Erwartungen trotz eines allgemein als sehr gelungen empfundenen zweiten Releases nicht erfüllt werden. Ich habe mich dennoch gegen ein Review von „Fi’mbulvinter“ und für „…to North“ entschieden, weil ich den Sound der Band, nicht zuletzt durch die zweite Gitarre von Lars Tängmark als deutlich gereifter und entwickelter wahrnehme.


Mächtig wechseln sich Gitarrenriff und Horn ab, wenn das 34-sekündige Intro aus den Boxen schallt. Auf der Plattencover schlicht als auch als „Intro“ bezeichnet, heißt das kurze Stück tatsächlich „Onset of Ragnarök“ und macht unmissverständlich klar, was da auf den Hörer zurollt. Das Intro beschwört bei mir Bilder von einer Horde Krieger herauf, die sich kurz vor Sonnenaufgang für die bevorstehende Schlacht rüsten. Tatsächlich nicht so weit hergeholt, denn jüngst findet das Intro von „…to North“ Verwendung im Videotrailer des Comicbandes „Barbarian Lord“.


Allerdings weisen der Titel des „Onset of Ragnarök“ und die Hornstöße noch auf eine tiefere Bedeutung hin: Die akribische Auseinandersetzung der Band mit der Edda. Ragnarök ist der Kampf der Götter mit den Riesen, in dessen Folge die Welt untergeht. Zu Beginn von Ragnarök erhebt sich Heimdall, der Wächter der Regenbogenbrücke Bifroest und stößt ins Gjallarhorn, um die Götter zu warnen. Die Hornstöße des Intros sind also als Warnstöße Heimdalls zu verstehen. Das Intro bringt instrumental zum Ausdruck: Ragnarök hat begonnen.


Nahtlos geht „Onset of Ragnarök“ in das erste Langstück des Albums über: „The Nine Worlds Burn“. Die neun Welten der nordischen Mythologie stehen durch das Erscheinen des Feuerriesen Surt in sprichwörtlich in Flammen.


King of Asgard spielen nach eigenem Verständnis „folk based blackened death metal“. Man mag darüber streiten, wie viele Begriffe zur Kategorisierung einer Band notwendig sind oder ob eine Einordnung überhaupt sinnvoll ist, aber die hier verwendeten vier Begriffe vor dem Wort „metal“ beschreiben doch den Stil des Vierers aus Mjölby/Schweden sehr treffend. „folk based“ bezieht sich meiner Meinung nach auf die Beschäftigung mit den Sagen der Edda. Riffing und Sound lassen sich gut als Death, bzw. Melodic Death Metal erkennen. Zusätzlich verleihen die teilweise bewusst gequälten Vocals, halb gegrowlt, halb klar den ohnehin nicht besonders fröhlichen Texten eine sehr düstere, bedrohlich Stimmung.


Wer mit der Edda vertraut ist, wird in dem Text eine sehr akkurate, will heißen: eine sehr edda-getreue, Beschreibung des Zustandes der „Neun Welten“ kurz Ragnarök vorfinden. Der Song setzt zunächst das Intro fort, um dann aber sofort an Fahrt aufzunehmen. Die Geschwindigkeit und der Stil der Nummer sind prägend für das, was den Hörer bei den insgesamt 10 Tracks erwartet. Zum headbangen einladende Mid- bis Uptempo- Death Metal Nummern. Sehr schnelle und harte Gesangspassagen wechseln sich mit ruhigeren Instrumentalphasen ab. Bei „The Nine Worlds Burn“ werden die ruhigeren Stellen durch weibliche Gastvocals untermalt.

Keiner der 9 Tracks nach dem Intro ist kürzer als 4.40 Minuten, der längste (Plague-Ridden Rebirth) ist ganze 7.21 Minuten lang. Mein persönlicher Lieblingssong auf „…to North“ ist Track Nummer 4 „Gap of Ginnungs“. Dieser Song beschäftigt sich mit der Ginnungagap, der „Gähnenden Schlucht“. Eine insgesamt eher ruhigere Nummer (im Vergleich zum hohen Tempo der anderen Stücke) von etwas über 6 Minuten Länge, die jedoch in zwei verspielten Gitarrensoli das wirkliche Können der Musiker an ihren Gitarren und das kompositorische Geschick von Songwriter Karl Beckmann zeigt. Nach den ehrfürchtig, fast gebetsartig vorgetragenen Strophen folgt der mächtige, malmende Refrain, der punchline-artig den Songtitel nennt: Gap of Ginnungs.


Mit dem gleichnamigen Titel als instrumentalen Schlusswort schließt „…to North“. Dieses Album ist, so wird dem Konsumenten nach dem Hörgenuss klar, nicht eine nur geographische Richtungsweisung, sondern eine mythologische.


Allen Unkenrufen gegenüber dem doch in letzter Zeit arg durchgenudelten „Wikingerthemen“ zu trotz ist hier ein sehr ernsthafte Hörempfehlung für alle Freunde und Verehrer der nordischen Sagenwelt auszusprechen. Gerade, oder vielleicht auch besonders deswegen, weil KoA auf jeglichen Wikinger-Kitsch verzichten. Menschen, die wie ich die Edda gelesen haben, finden in den Lyrics von KoA eine sehr gute literarische Auseinandersetzung mit den ursprünglichen Texten wieder, welche durch die harsche, teils unerbittliche Musik auch emotional wahrnehmbar werden.


Tracklist:

1. Intro - 0:34

2. The Nine Worlds Burn - 5:03

3. The Dispossessed - 4:47

4. Gap Of Ginnungs - 6:00

5. Bound To Reunite - 6:50

6. Nordvegr -  5:50

7. Up On The Mountain - 6:37

8. Plague- Ridden Rebirth - 7:21

9. Harvest (The End) - 5:10

10. ...To North - 4:40

 




Weitere Informationen

  • Erscheinungsdatum: 00.00.0000
Gelesen 2023 mal Letzte Änderung am Montag, 19 Mai 2014 09:30
Lawbringer

Unter Waffen schweigen die Gesetze.

Medien

The Nine Worlds Burn King of Asgard