Samstag, 05 April 2014 18:08

Unter dem Radar: Winterdome (Gothic/Death Metal)

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Winterdome (Bandlogo) Winterdome (Bandlogo) Winterdome

1996 gründete sich in Hannover die Band Winterdome. Bereits ein Jahr später erschien die EP „Moravian...Or A God's Dawn", welche man in Eigenproduktion aufgenommen hatte. Die darauf enthaltenden vier Songs sind eine Mischung aus Gothic und Metal. So kam es, dass die Band ihre ersten Liveerfahrungen unter anderem auf dem Wave-Gothic-Treffen in Leipzig und als Vorband von In Extremo sammelte.

Doch man war mit dem musikalischen Konzept der Band unzufrieden und richtete sich 2003 neu aus. Die Bandmitglieder ließen sich von melodischen Death Metal und textlich von verschiedenen Fantasyautoren inspirieren und begann 2003 mit der Arbeit an ihrem ersten Album. Drei Jahre später erschien im September 2006 „Weltendämmerung" bei Massacre Records.

Danach wurde es still um Winterdome und die Band ist nun seit längerer Zeit inaktiv. Aktuelle Informationen über die neusten Aktivitäten der Band lassen sich kaum bzw. nur in Form von Gerüchten finden.



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Aktuelle Besetzung:


Henrik Warschau - Vocals

Magnus Will - Gitarre

Sebastian Schmidt - Gitarre

Lisa Hinnersmann - Violine, Gesang

Martin Mußmann - Bass

Philipp Wende - Schlagzeug

Bernd Seestaedt - Sprecher



Diskographie:


1997 Moravian...Or A God's Dawn

2006 Weltendämmerung



Review zu „Weltendämmerung"



winterdome-weltendaemmerung-cover-2006



Die Verknüpfung von Hörspiel und Metal findet man ja nicht allzu oft und in der Art und Weise wie bei "Weltendämmerung" noch weniger. Drei Jahre lang ersann die Band ihr Konzept und ihre Geschichte über das Volk der Elasaj. Eine dunkle Geschichte, die, so viel vorweg, kein fröhliches Ende nimmt. Von den eigenen Göttern aus ihrer Heimat verbannt, suchen die Elasaj in ihrer neuen Heimat Mittel und Wege, diese wieder zu besänftigen und begehen dabei den gleichen Fehler wie zu vor: sie stellen sich in ihrem Hochmut auf eine Stufe mit den Göttern!


Die Geschichte wird abwechselnd in Sprechpassagen und Songs erzählt. Mit Bernd Seestaedt konnte die Band einen professionellen und hörspielerfahrenen Sprecher gewinnen, der mit seiner rauchigen Stimme gut zum Metal passt. Die Erzählpassagen (und zum Teil auch die Songs) werden durch eine Geräuschkulisse (z. B. klirrende Schwerter, knarrende Bohlen von Schiffen, usw...) begleitet, die die Worte des Sprechers passend untermalt, ohne aufdringlich zu werden. Alles zusammen ergibt eine Atmosphäre, bei der man leicht das Erzählte in Kopfkino umwandeln kann.


Auch auf der musikalischen Seite gibt es wenig zu meckern. Die Songs passen sich im Tempo der Stimmung und Inhalte der Texte an, so dass von langsam und getragen (beim Abschied nehmen in „Ein letztes Mal") bis hin zu schnell und martialisch angehaucht (bei Kämpfen in „Leid und Qual") immer die richtige musikalische Untermalung vorhanden ist. Sänger Henrik Warschau setzt auf eine gute Mischung aus Growls und tiefen Klargesang, der rau und kehlig erklingt. Ab und an erhält er Unterstützung von Sängerin Lisa Hinnersmann. Ihre klare und hohe Stimme bildet dabei einen angenehmen Kontrast zu Warschaus tiefen Tönen, doch leider kommt man nur selten in den Genuss des Zusammenspiels dieser beiden.


Neben der klassischen Instrumentierung mit Bass, Gitarre und Schlagzeug setzen Winterdome mit einer Violine noch weitere Akzente und können so auch die Stimmung der Songs nochmals unterstreichen. Da man auch noch Keyboardsounds mit einbaut, muss man befürchten, dass das Ganze im Bombast versackt und unerträglich wird. Doch hier besteht die Gefahr nicht, denn alles hält sich in Grenzen und wird nie ausufernd, so dass das Hören der Songs durch zuviel Kitsch nicht beeinträchtigt wird.


Die Texte sind alle auf Deutsch (mit ganz kurzen Passagen "Elasajisch") verfasst, was dem Verständnis der Geschichte dient. Das die ein oder andere Textzeile etwas einfach zusammen gereimt wurde, liegt für mich eher an der Sprache, die es schwierig macht, ordentliche Songtexte zu schreiben, als an den Schreibfähigkeiten der Band.


Im Mittelpunkt des Albums steht der Song "Flammentanz". Alle Elemente, die Winterdome ausmachen, werden hier kombiniert und perfekt zusammen gesetzt. Die im Mittelteil des Songs eingebaute Erzählpassage, welche sich mit mehrstimmigen Gesang abwechselt, offenbart dem Hörer den Fehler, den die Elassaij begangen haben und warum sie zu ihrem Schicksal in Verbannung verdammt sind. Der Song ist die Wendung in der Geschichte und weist den Weg auf das düstere Ende in ewiger Verdammnis und dem Untergang der Elasaj zu.


Das mit viel Liebe ausgearbeitete Booklet ist ein weiterer Beweis, dass Winterdome an alle Details ihres Konzeptes gedacht haben. Neben den Texten zu den Songs enthält das Booklet viele Zeichnungen und Ornamente, welche von den Elasaj stammen sollen. Man erhält beim Durchblättern so den Eindruck, als würde man in den Chroniken des Volkes lesen.


Für diejenigen, die nur die Musik hören wollen oder die Geschichte schon kennen, lässt die Band auf der zweiten CD die Erzählpassagen weg und packt hier nur die Songs drauf. Schnell merkt man beim reinen Musikgenuß, dass die einzelnen Titel auch ohne das Hörspielkonzept funktionieren und überzeugen können.


Das einzige und sehr große Manko an "Weltendämmerung" ist, dass das Album kaum mehr erhältlich ist. Wer die Chance hat, es noch zu einem erschwinglichen Preis zu bekommen, sollte diese sofort nutzen und zugreifen!


Tracklist:

01.Haushoch türmten sich die Wellen

02. Weltendämmerung

03. Binnen weniger Monde

04. Land der Nacht

05. Nehmet dieses Opfer

06. Die Elasaj

07. Die Nachtblume

08. Ein letztes Mal

09. Durch unbekanntes Land

10. Flammentanz

11. Viele ließen ihr Leben

12. Leid und Qual

13. Des Blutes zuviel

14. ...wenn das Ende naht

15. Eine halbe Welt entfernt

16. Der Hoffnung Tod

17. In fast mondloser Nacht

18. Ein stiller Schrei

(fett = Songs)

Weitere Informationen

  • Band: Winterdome
  • Fazit: Winterdome ist einer der Bands, bei denen es schade ist, dass sie nicht die Bekanntheit erlangt haben, die sie verdient hätten. Wer die Chance hat und das Album zu einem erschwinglichen Preis bekommen kann, MUSS sofort zugreifen! Und wer weitere Infos über den neusten Stand zur Band hat, schreibt mir bitte eine Mail!
Gelesen 2101 mal Letzte Änderung am Sonntag, 18 Mai 2014 20:20
eviloli

Just when I know all of life's answers, they changed all the questions!

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Flammentanz - Winterdome Winterdome