Montag, 21 September 2020 10:22

Svältvinter - Hädangången

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Bei der Menge der Black Metal Outputs, die momentan in den Äter gedrückt werden, ist es inzwischen wirklich schwierig, auszusortieren. Selbst im Underground ist die Qualität technisch oft überragend und keine Hürde mehr ordentlich zu liefern. Im oberen Punktesegment scheiden sich die Geister nur noch an Nuancen, ob ein Release fantastisch, sehr gut oder nur grandios ist und ja, auch eine gewisse Langeweile bzw. „Alles schon gehört“ schleicht sich ein. Werke die aus der Masse der guten Outputs hervorstechen, sind rar geworden aber "Hädangången" von Svältvinter ist so einer.

Die Schweden aus Trollhättan fabrizieren seit 2015 „Anti-Urban-Black-Metal“ und haben für ihr Debüt eine Melange aus ihrem bisherigen Schaffen kreiert. Der Albumtitel heißt zu deutsch in etwa „Der Übergang“ bzw. Tod auf alt-schwedisch und gibt das Thema vor. So ist das lyrische Konzept den „Tod in seinen Facetten von Umweltzerstörung, dem Kreislauf des Lebens, sozialer Verrohung und Verlust der Spritualität“ darzustellen. Was Hädangången so besonders macht, sind die vielen verschiedenen Rohre, Panzerplatten, Ketten und Türmchen sowie die Genreeinspritzungen in die Höllenmaschine, die man auf das Chassis des grundsätzlich sehr rohen und räudigen Black Metal-Panzer genagelt hat.

Jeder einzelne Song der Scheibe wartet mit einem speziellen Signum, oder soll ich sagen „Twist“ auf, der ihn von allen anderen Songs abhebt und das künstlerische Genius der Skandinavier hervorhebt. „Hädanfärd“ als Titeltrack spendiert beispielsweise, nach einem sehr klassischen (mich an Narvik erinnernden) Anfang, ein Intermezzo aus Bassspur, Klavier und Mid-Temp Drumming, wie man es sonst eigentlich nur aus Avantgarde-Produktionen kennt, bevor man wieder zum Thema zurückkommt. „Skogsvaktaren“ beginnt mit einem sehr prägnanten aber einfach gehaltenen Riff, bevor man abrupt zum Full-Stop kommt und ein DSBM geprägtes Zwischenspiel ala Vanhelga einbaut – inklusive verträumter Song-Landscape und wütend-verzweifelten Screams. „Djävulsmakter“ knüppelt sich ohne Gefangene durch, wird im letzten Viertel aber stark entschleunigt und wartet mit kehligen Growls und überlagernder Männerstimmen auf, die Pagan Bands wie Vreid oder Manegarm zur Ehre gereichen würden. Kurzum hier wurde an Kreativität nicht gespart und all das für einen über 60-Minütigen Brecher zusammenzuklöppeln und dabei die Hörbarkeit und Aufmerksamkeitsspanne dermaßen hoch zu halten, ist an und für sich schon eine Meisterleistung. Wie ein gutes Buch mit 1000 Seiten, kann man sich Hädangången wieder und wieder auflegen und entdeckt dennoch wieder neue Nuancen, ohne dass es langweilig wird. Was bleibt zu sagen außer schnappt euch das Ding und hört rein. Ihr werdet nicht enttäuscht!

Trackliste

01. Bleke

02. Hädanfärd

03. Jord

04. Blodtörst

05. Av Gryning Begraven

06. Skogsvaktaren

07. Granskog

08. Skymningsrök

09. Djävulsmakter

10. I Det Frusna Djupet

11. Askfloden

Bewertung:

10 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Svältvinter
  • Album Titel: Hädangången
  • Erscheinungsdatum: 14.08.2020
  • Fazit: Wie ein gutes Buch mit 1000 Seiten, kann man sich Hädangången wieder und wieder auflegen und entdeckt dennoch wieder neue Nuancen, ohne dass es langweilig wird. Was bleibt zu sagen außer schnappt euch das Ding und hört rein. Ihr werdet nicht enttäuscht!
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