Dienstag, 10 Dezember 2019 20:56

07.12.2019 - Wintermelodei, Sputnikhalle Münster +++ Winterfylleth + Numenorean + Horn +++ Empfehlung

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Kurz nach Nikolaus war es wieder soweit und die Wintermelodei öffnete ihre Pforten. Dieses Mal ohne Weihnachtsmarkt vor der Halle, dafür mit einem großen Band-Merch-Areal in der Halle. Im Gegensatz zum Vorjahr wurde allerdings nur eine Bühne bespielt, dennoch gaben sich sieben Bands die Ehre und lieferten ein kompaktes Black Metal-Programm, welches im Vorfeld für einen starken Ticket-Verkauf gesorgt hatte. Die Abendkasse verfügte nur noch über wenige Karten und die Sputnik-Halle war bereits gut gefüllt, als es um kurz nach 16 Uhr mit den Konzerten anfing.

Äera absolvierten ihren ersten Live-Gig überhaupt und durften mit dem Album-Release ihrer Debüt-Platte „Schein“ beginnen und spielten selbiges in voller Länge. Auch live entfaltete sich die ganze Stärke der Platte (9 von 10 Punkten bei uns) und die Jungs aus Gronau hatten sichtlich Spaß auf der Bühne. Vor der Bühne hatten sich bereits viele Fans eingefunden und machten aus dem Auftritt einen äußerst gelungenen Opener für das Festival. „Ein bisschen Aufregung ist immer dabei. Wir kennen uns zwar durch Xternity sehr gut, mit dem Konzept von Äera war das allerdings unser erster Auftritt. Da ist man schon angespannt, aber das Konzert lief rund und das Feedback war super“, kommentierte Gitarrist Sven nach dem Auftritt. Wir waren auch sehr angetan und freuen uns schon auf die nächsten Auftritte von Äera.

Mit Beltez kam anschließend eine Kölner Kapelle auf die Bühne, deren Spielart sich etwas vom Opener unterscheidet. Rau und wuchtig knallte es uns aus der Nebelwand entgegen, von der Band sah man so nicht allzu viel. Der Sound wusste dennoch zu überzeugen. Beltez sind sicher nicht dafür bekannt, ihre Songs mit allzu viel Melodie auszukleiden, dafür gab es konsequent auf die Nuss. Alles in allem war dies ein guter Kontrast zu Äera und insgesamt eine stimmige Performance. Auch das Publikum fand Gefallen an dieser Vorstellung, so gab es diverse Headbanger und ordentlich Applaus am Schluss.

Nach diesen zwei ersten Vertretern aus Nordrhein-Westfalen war es an der Zeit für den ersten Act aus dem Ausland. Gaerea aus Portugal hatten die Ehre, ihre noch spärliche Diskografie in Münster zu präsentieren. Aber auch, wenn es bisher nur eine EP und ein Album des Quintetts gibt, wissen die Portugiesen durch ihr enormes Potenzial zu überzeugen. Erstmalig am Abend wurde mit einem Bühnenbild gearbeitet, die Musiker waren allesamt maskiert und zeigten sich von ihrer besten Seite. Die komplexen Songs, vom Sänger durchweg mit enthusiastischen Bewegungen begleitet, sorgten für frischen Wind und belebten das Publikum. Gaerea haben, trotz der jungen Bandgeschichte, eine hohe Qualität und sind neben Black Cilice sicher die portugiesische Black Metal-Band der Stunde.

Danach war es Zeit für den ersten Act aus dem Bereich Post Black. Laster aus den Niederlanden sind sicherlich kein unbeschriebenes Blatt mehr in der Szene. Mittlerweile verfügen sie über drei Alben und nahmen vor wenigen Jahren eine Split mit Wederganger auf. Auf der Wintermelodei sorgte das, ebenfalls maskierte Trio (die Masken erinnerten an eine Symbiose aus Vogelmaske und M35 Stahlhelm) für einen starken Kontrast zu den bisherigen Bands und lieferte den ersten „tanzbaren“ Content. Die verträumten Melodien und entfernten Schreie der Sänger waren an diesem Abend zwar sicher nicht jedermanns Sache. Laster traten aber souverän auf und spielten ein abwechslungsreiches Set. Die musikalische Wundertüte aus Utrecht rechtfertigte damit ihre Einladung und bleibt sicherlich dem einen oder anderen in Erinnerung.

Auch Horn waren dem Team von Veranstaltungen wie dem Under The Black Sun oder dem Howls Of Winter nicht gerade unbekannt. Mit ihrem rauen deutschsprachigen Black Metal, hochgelobten Outputs wie "Feldpost" oder "Turm Am Hang" und nicht zuletzt einer fast schon greifbaren Bühnenpräsenz, wurde „Lieferung“ erwartet - und man sollte nicht enttäuscht werden. Gewohnt brachial ging es ans Werk und Fronter Niklas umspannte mit seinem Zepsen (Bi- und Tri) ab der ersten Sekunde die brechend gefüllte Halle. Neben älteren Songs wie z.B „Deute Die Zeichen Stehen auf Sturm“ der Scheibe Naturkraft, wurden auch Publikumslieblinge von "Feldpost", nämlich „Wache schreibt“ und „Die Würfel rollen wieder“ in die Menge geworfen. Um den Gig abzurunden, wurde auch Material vom kommenden Album präsentiert und Respekt eingefordert. Drums wie Trommelfeuer, Sample-Einspielungen von Chorälen zum Mitsingen und exzellentes Riffing sowie die omnipräsente Stimme von Niklas gingen wie ein Feuersturm durch die Masse und brachte den Schützengraben zum Kochen. Der Sound hatte sich inzwischen auch eingegroovt und es war nur zu Anfang ein einzelner Ruf „Alles Lauter“ zu vernehmen, dem Stück für Stück stattgegeben wurde. So blieb man nach dem Gig zerstört, aber glücklich zurück und wer es vor dem Gig noch nicht zum Merch geschafft hatte, war gut beraten dies direkt danach zu tun, da vor allem die Vinyls innerhalb kürzester Zeit vollständig geplündert waren.

Numenorean aus Kanada sind dahingegen nicht gerade für euphorische Songs bekannt. Ihr erster Auftritt in Deutschland wurde aber offenbar herbeigesehnt, denn die Kanadier ernteten enormen Zuspruch seitens der Zuhörerschaft -und das obwohl sie nach dem Auftritt von Horn definitiv keinen leichte Stand hatten. Im Rahmen ihrer allerersten Europa-Tour präsentierten sich Numenorean stark und überzeugten auch die meisten Kritiker. Auch wir waren nach der ersten, relativ schwachen EP neugierig, wie sich die beiden darauf gefolgten Alben live machten – und wurden nicht enttäuscht. Die Atmosphäre war dicht, die Songauswahl geglückt, wenngleich nicht alle Titel mit der gleichen Wucht durchkamen, wie von Platte. Insgesamt ist der Auftritt aber sehr positiv zu vermerken.

Spät am Abend, es gab etwa eine Stunde Verzögerung, traten dann die Headliner der diesjährigen Wintermelodei auf die Bühne. Die Briten von Winterfylleth knüppelten auch ohne Umschweife los und spielten sich einmal quer durch ihre umfangreiche Diskografie. Mit „A Valley Thick with Oaks“ und „The Ghost of Heritage” brachen zwei der absoluten Dauerbrenner von Winterfylleth über das Publikum drein und sorgten für mächtige Nackenschmerzen. Auf akustische Songs wurde an diesem Abend verzichtet. Sänger Chris sagte uns im Vorfeld, dass der Aufwand dafür zu hoch wäre und man Cellisten und Geiger auf die Bühne bringen müsste. Es gäbe also entweder eine akustische oder eine schwarzmetallische Show, letztere passte an diesem Abend sicher besser. Der Auftritt war stark und die Briten füllten ihren Headliner-Slot überzeugend aus. Der Abschluss dieser dritten Wintermelodei war demnach ein voller Erfolg. Oder wie Winterfylleth es sagen würden: „A proud spirit remains, in the heart of every metal fan.”

Die Organisation der diesjährigen Wintermelodei hätte besser nicht sein können und zeigte, dass man aus den hohen, aber leider unerfüllten Ambitionen aus dem Vorjahr gelernt hatte. Die Bandauswahl war klasse und abwechslungsreich, sowohl in der Musik als auch in der Herkunft der Gruppen. Das Merchandising war gut aufgeteilt, alle Stände hatten aufgrund der räumlichen Aufteilung guten Zulauf und niemand musste zwischen den Auftritten draußen im Regen stehen. Der Schritt in Richtung einer etwas kleineren, dafür exklusiveren Wintermelodei war also der richtige. Zum Abschluss des diesjährigen Events haben wir noch mit den Veranstaltern gesprochen. Auf die Frage, welche Bilanz sie zum Abschluss ziehen können, bekamen wir folgende Antwort:

„Das diesjährige Festival hat sich fantastisch angefühlt. Die Resonanzen aller Besucher und Bands waren positiv. Es war eine durchweg gelungene Veranstaltung. Wir haben dieses Jahr an ein paar Stellschrauben gedreht und es waren die richtigen Kniffe, wie sich herausgestellt hat. Es hat alles super funktioniert, was nicht bedeutet, dass es nicht noch besser geht. Natürlich wird es immer Sachen geben, die man optimieren kann. Und daran werden wir Jahr für Jahr weiterarbeiten. Für den Moment sind wir allerdings mehr als glücklich, so vielen Leuten ein so wundervolles musikalisches Erlebnis zum Jahresausklang 2019 beschert zu haben. Danke an alle, die hier mitgewirkt haben!“

Die Schwarzlicht Konzerte, die ab 2020 unter dem Namen „Black Silence Productions“ firmieren werden, wurden also für ihre Bemühungen belohnt und arbeiten bereits am Lineup für die vierte Wintermelodei, am 05.12.2020. Wir sind definitiv wieder mit von der Partie!

 

 

Weitere Informationen

  • Band(s): Äera, Beltez, Gaerea, Laster, Horn, Numenorean, Winterfylleth
  • Wann: 07.12.2019
  • Wo: Sputnikhalle Münster
Gelesen 2305 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 12 Februar 2020 03:28
Torn

Kommt Zeit, kommt Unrat.