Interview mit Itchy und Marci (Boarstream Open Air)

In gut drei Wochen heißt es wieder: „Roar For The Boar!“, wenn im beschaulichen nordschwäbisch-fränkischen Mulfingen/Buchenbach das zweijährlich stattfindende Boarstream seine Pforten öffnet. „Moment mal“, werden jetzt viele sagen! „Warum zweijährlich, wenn das letzte Boarstream erst 2018 war?“ - Zeit für uns die Veranstalter Marci und Itchy zu Dorfbürokratie, ad hoc Zeitdruck und einer teuflischen Ticketanzahl zu befragen:

Grave: Servus Itchy und Marci! First things first: Was hat denn dafür gesorgt, dass ihr vom traditionellen Zwei-Jahres-Rhythmus abweichen musstet?

Itchy: Hi Grave, hättest du uns vor einem Jahr gefragt, hätten wir ganz klar gesagt, dass das nächste Boarstream 2020 stattfinden wird. Die Änderung hat sich dadurch ergeben, dass das Hauptfest, das Eberbacher Gassenfest der Hüttenfreunde Eberbach 2019 ausfällt. Daraufhin haben wir vom Boarstream Team entschieden das Open Air auch 2019 durchzuziehen. War alles bisschen spontan, aber mittlerweile weiß jeder was er/sie zu tun hat.

Grave: Wie viel Zeit war es denn dann, von der Entscheidung es "vorzuziehen" zum Festivaldatum? Und wird es dann auch ein Boarstream 2020 geben oder pausiert ihr dann nächstes Jahr?

Itchy: Die Entscheidung fiel Anfang Februar. Wir haben uns am gleichen Tag der Entscheidung dazu entschlossen anzufangen, d.h. es waren ca. 6 Monate bis zum Boarstream Zeit, um Genehmigungen zu beantragen, Bands anzufragen u.s.w.

Marci: Wir werden in Zukunft auch den 2-Jahres Turnus beibehalten. Dass es dieses Jahr wieder ROAR for the BOAR heißt, ist eine Ausnahme, über die sich der Eber und wir extrem freuen. Auch wenn wir durch die kurze Planungsphase auf das geplante Eier baumeln lassen dieses Jahr verzichten müssen.

Grave: Wobei sich das Billing trotz der kurzen Planungsphase sehen lassen kann! Was war denn der größte - sagen wir - "Wankelfaktor" in der gesamten Planung?

Itchy: Das war anfangs die fehlende Genehmigung, da die ca. 2-3 Monate beim LRA dauert, bis die durch alle Instanzen genehmigt wird. Außerdem muss man sich erstmal orientieren, wo und wann die anderen Metal-Festivals veranstaltet werden, um Genre - Überschneidungen zu vermeiden.

                                           

Grave: Bei der wievielten Edition sind wir inzwischen? Ich kann mir vorstellen, dass es zumindest von Seiten der Stadt wenig "Gegenwehr" gab?

Itchy: Mittlerweile das 9. Boarstream, da können wir schon ein bisschen stolz drauf sein. Nein, Gegenwehr haben wir bisher wenig bekommen. Den Behörden ist wichtig, dass alles geregelt abläuft und die Plätze sauber verlassen werden. Das hat bisher sehr gut geklappt und deshalb kann alles weiter gehen wie bisher.

Grave: Wobei es gefühlt dieses Jahr etwas länger gedauert hat, auf die eigentlich immer ausverkauften 666 Tickets zu kommen? Nehmen wir mal an jemand hat noch nicht vom Boarstream gehört - Warum sollte er definitiv nach Buchenbach kommen?

Marci: Natürlich macht es sich bemerkbar, dass die Planungen erst im Februar begonnen haben. Viele haben nicht damit gerechnet, dass auch dieses Jahr der Eber aus seiner Höhle gekrochen kommt. Wir bekommen von vielen unseren Besuchern nach dem Boarstream positives Feedback. Es gefallen die Bandauswahl, günstiges Essen und Getränkeangebot und dass wir über die Jahre unserem Konzept, ein kleines Festival von Fans für Fans, treu geblieben sind. Auch wird immer die familiäre Atmosphäre hervorgehoben. Man lernt schnell Leute kennen, mit denen man sich bereits auf dem Boarstream auf die nächste Ausgabe freut. Da fallen manchmal auch schon so Begriffe wie "Familientreffen", auf dem natürlich jedes Mal auch neue Gesichter willkommen sind.

                               

Grave: Mir persönlich gefällt auch, dass die Preise über die Jahre doch recht stabil geblieben und ihr euch mit der strengen Limitierung treu geblieben seid - denkt ihr nicht ab und zu darüber nach, es nicht vielleicht trotzdem etwas größer zu machen?

Marci: Nein. In unseren Augen ist die Größe perfekt! Wir machen das Festival, welches wir gerne selbst besuchen möchten. Eine ausgelassene Stimmung und viele Gleichgesinnte. Auch haben wir mit Kommerz nichts am Hut. Klar könnte man bei mehr Besuchern ein noch gewaltigereres Line-up präsentieren, aber mal Hand aufs Herz... Wir sind auch nur ein paar Fans, die ihre Freizeit dafür opfern, alle zwei Jahre 666 Metalfans zwei Tage lang ein gelungenes Fest anzubieten. Würden wir das Ganze größer aufziehen wollen, kämen wir um eine neue Location nicht rum und müssten unter Umständen diverse Tätigkeiten an externe vergeben, da es sich nicht mehr alleine stämmen lassen würde.

Grave: Definitiv ein nobles Ansinnen - Aber apropos Support von "extern" - Wer sind eure Helfer vor Ort?

Itchy: Die Fläche wird von der Gemeinde schick gemacht. Wasser und Strom gibt es auch von der Gemeinde. Jeder aus dem Boarstream Team hat seinen Aufgabenbereich und kümmert sich um Einteilung, Einkauf, Bestellung u.s.w. Alles, was es so zu tun gibt. Unser Bühnenteam ist die Band Thormesis, die sich die letzten Jahre immer mehr eingebracht hat und mittlerweile fester Bestandteil des Teams sind. Ein großer Teil der Helfer vom Aufbau bis zur Eingangskontrolle sind Mitglieder der Hüttenfreunde Eberbach e.V. Ohne Freiwillige wäre das OA natürlich nicht umsetzbar und dafür sind wir sehr dankbar, dass das jedes Mal so unkompliziert funktioniert.

Grave: Praktisch die Anfänge von Wacken - nur mit besserer Musik (lacht). Wenn ihr euch die neun Editionen anschaut, was war euer persönliches Highlight und vielleicht noch wichtiger, wenn ihr euch ohne Kostenfragen zwei Headliner für das Jubiläum wünschen könntet - Wer wäre das?

Itchy: Mein persönliches Highlight ist, dass es die Möglichkeit gibt, das Festival regelmäßig organisieren und gestalten zu dürfen. Wir suchen uns die Bands nach unserem Musikgeschmack aus und können uns so auf jede Band freuen, die auf unserer Bühne steht. Wenn ich nicht auf das Geld achten müsste, wäre das z. B. Behemoth, Dark Funeral, Finntroll und Amon Amarth

Marcel: Highlights gab es für mich viele... Aber wen ich mir zwei Punkte herauspicken soll, dann war das 2008 das Gefühl, das erste Mal ein Festival zu veranstalten und, weshalb auch immer, es alle geil fanden. Das machte damals Lust auf mehr! Dann, zehn Jahre später, auf dem letztjährigen Boarstream, Marduk kennenzulernen. Ich mein, nach zehn Jahren Veranstalter da sein wird man immun gegen Fanallüren; aber einfach mal die Leute zu treffen, die hinter der Musik stecken, die einen schon fast zwei Jahrzehnte begleiten, hat schon was. Wenn das Budget unbegrenzt wäre, wären auf meiner Wunschliste Mayhem, Bloodbath, Behemoth, At the Gates, Dying Fetus, Watain und viele mehr...

Grave: Dann bin ich auf jeden Fall gespannt was ihr für die !10! ausbaldowert und wie die 9 läuft. Marci hat auch direkt den schönen Bogen zu unserer klassischen Abschlussfrage gespannt: Wenn ihr euch zurück nach 2008 versetzen könntet und euren früheren "Ichs" mit dem Wissen von heute einen Tipp geben könntet, welcher wäre das?

Marci: Zieht einfach Euer Ding durch! (lacht)

Itchy: Seid vernünftig und überlegt vorher!

Grave: Dann Danke für eure Zeit und in diesem Sinne: Ziehts (vernünftig) durch!

Itchy: Wir danken.

Marci: Danke fürs Interview.

Mehr Infos bekommt ihr auf der Homepage, auf der FB-Präsenz und im Boarshop!

Gelesen 1422 mal Letzte Änderung am Freitag, 05 Juli 2019 20:11