Mittwoch, 03 Juli 2019 20:00

27.06.-29.06.2019 - UNDER THE BLACK SUN FESTIVAL 2019 - FREILICHTBÜHNE, FRIESACK - TAG 2

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Under The Black Sun Festival Under The Black Sun Festival Flyer

Der Freitag zeigte sich anfangs von einer sehr milden Seite für die Besucherschaft des diesjährigen UTBS, da der Himmel zunächst bewölkt war. Während sich manche am bereitgestellten Frühstücksstand gütlich taten und der Rest erst ganz langsam aus den Zelten kroch, begannen im Infield bereits die Vorbereitungen für die Auftritte des Tages und das erste Bier im Backstage wurde gezapft (wir leaken vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt, welche Band sich bereits vormittags ausschenken ließ!). 

Pünktlich um 14 Uhr starteten Sisyphean aus Litauen in den Tag. Noch wenig Publikum strömte zum Auftakt der zurecht irgendwo zwischen den überall gehypeten Mgła und den Franzosen Deathspell Omega verorteten Band, obwohl ihr 2017er Debüt "Illusions of Eternity" wie eine Bombe unter den hungrigen Jägern einschlug, die immer wieder auf der Suche nach neuen Emporkömmlingen der Szene sind. Sänger und Gitarrist Dovydas könnte manchen auch bereits von den großen Luctus bekannt sein, welche man zuletzt 2016 auf dem UTBS begrüßen durfte. Mit seiner relativ neuen Band probiert er sich auch an den Vocals aus und das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. In erster Linie wusste die beim französischen Label Drakkar Productions (u.a. Balfor, Nahash) beheimatete Band mit Songs wie "Epitaph to the Remnants" oder "Nekrokatarsis" zu begeistern - schade, dass die Mittagssonne und die frühe Stagetime verhinderten, dass Sisyphean einen denkwürdigen Auftritt ablieferten, denn die Musik der Litauer verdient weit mehr Beachtung.

Kyy lieferten im Folgenden zünftigen, blasphemischen Black Metal nach finnischer Lehrart. Bereits ihr Name (zu deutsch: "Viper") gleitet hasserfüllt und schrill über die Lippen - und da es sich hier um die Deutschlandpremiere der Jungs aus Lahti handelte, war der Besuch vor der Bühne zu einem Pflichttermin avanciert. Immer wieder raunten die Besucher schon am Vortag den Namen der Finnen, deren Auftritt von einigen im Publikum schon freudig erwartet wurde, auch wenn es leider noch viel zu früh für das satanische Ritual der Truppe um Frontmann G.K. war. Dieser machte auch mit seiner Mimik und Gestik den Auftritt von Kyy in erster Linie aus. Stücke wie "Legio Serpenti" oder "Death Within", beide auf dem Debüt "Beyond Flesh - Beyond Matter - Beyond Death", sind gleichsam philosophisch und anspruchsvoll wie räudig und schroff. In diesem Zusammenhang befragten wir auch Tontechniker Lior Delman über den Auftritt:

"The name itself promises a lot and the band definitely delivers what’s promised. I am a sound engineer (professional misanthrope) and I’ve been friends with 'GK', the vocalist of Kyy, for some time now. He offered me to mix his band's first show in Germany at Under The Black Sun 2019 and I agreed since I like to support bands that I would recommend to others and it was good timing for me as well to check out the festival. I listened to their latest full album "Beyond Flesh - Beyond Matter - Beyond Death" (released by Saturnal Records 2016) and I was really impressed. The atmosphere and the concept was something I could connect and relate to as a lot of Qliphotic studies are mentioned there and I am a practitioner myself. When one approaches mixing a band live, he or she needs to combine the band's conceptual sound with his or her skills and knowledge, "what’s good for the people" and of course the equipment installation the venue has to offer, resulting in a good or bad show for the audience. I always study the sound of the bands I work with and try to deliver a good sounding show, and with Kyy there was little time to study, I’ve never seen them live before and I didn’t really know what to expect, so I dug at YouTube to find live videos of the band but could only find videos that were taken by phone so the sound quality was obviously terrible. Once I sorted out how they should sound and what they want to sound like, I went to the mixing console and before the show started I adjusted some parameters that I did not agree with. At 15:00 o’clock I hit the intro that was made specially for this show and off we went, the band came up on stage and started their sonic chaos in a tight orchestration of precise drums, shredding guitars and shrieking vocals. I had little to do during the show since it ran smoothly from the get go. The band seemed a bit static on stage except of the singer who gave everything he had to the audience, which grew more and more during their set. The band played non stop 40 minutes of satanic black metal terror as they promised and no one in the audience was left apathetic. Overall, I am glad I had this opportunity to mix Kyy and visit UTBS and make some new friends and see old friends as well. The crew at the festival was eager to help with anything they could, and left the bands wanting to return again to the event."

(Der Name selbst verspricht viel und die Band lieferte definitiv ab, was versprochen wurde. Ich bin ein Tontechniker (professioneller Misanthrop) und ich bin mit 'GK', dem Sänger von Kyy, seit einiger Zeit befreundet. Er bot mir an die erste Show seiner Band in Deutschland beim Under The Black Sun 2019 zu mischen und ich sagte zu, da ich gerne Bands supporte, die ich anderen empfehlen würde, und da es ein gutes Timing für mich war, das Festival auszuchecken. Ich hörte mir ihr jüngstes Album "Beyond Flesh - Beyond Matter - Beyond Death" (erschienen bei Saturnal Records 2016) an und ich war wirklich beeindruckt. Die Atmosphäre und das Konzept waren etwas, zu dem ich eine Verbindung aufbauen konnte, zumal sich viele Bezüge auf die Qliphoth finden und ich diese selbst praktiziere. Wenn man sich der Aufgabe annimmt eine Band live zu mischen, muss man den konzeptionellen Sound der Band mit seinen eigenen Skills und seiner Erfahrung kombinieren, sowie dem, "was für die Besucher gut klingt", und dem Equipment, welches die Location zur Verfügung hat, was dann entweder in einer guten oder in einer schlechten Show für die Besucher resultiert. Ich schaue mir immer genau den Sound der Bands an, mit denen ich arbeite, um eine gut klingende Show abzuliefern, doch bei Kyy gab es wenig Zeit dafür - ich habe sie nie zuvor live gesehen und ich wusste nicht recht, was ich erwarten darf, also habe ich bei Youtube gegraben, um Live-Videos der Band zu finden, fand aber nur Videos, die mit dem Handy aufgezeichnet wurden, also war die Soundqualität dementsprechend schrecklich. Als ich dann herausfand, wie sie live klingen wollten und wie ich fand, dass sie klingen sollten, ging ich zum Mischpult und fing an, einige Parameter umzustellen, mit denen ich nicht ganz einverstanden war. Um 15 Uhr startete ich das Intro, das speziell für diesen Auftritt gemacht wurde und das ging es los: Die Band kam auf die Bühne und begann mit ihrem klanglichen Chaos in dichter Orchestrierung präziser Drums, schneidender Gitarren und schriller Vocals. Ich hatte wenig zu tun während der Show, da es alles ganz geschmiert lief. Die Jungs wirkten etwas statisch auf der Bühne, außer der Sänger, der alles, was er hatte, zu geben schien, während das Publikum während ihres Sets größer und größer wurde. Die Band spielte nonstop 40 Minuten satanischen Black Metal-Terrors, wie es angekündigt wurde, und niemand der Besucher war teilnahmslos. Insgesamt bin ich froh, dass ich die Gelegenheit hatte, Kyys Show zu mischen und das UTBS zu besuchen, sowie neue Freunde kennen zu lernen und alte Freunde wiederzusehen. Die Crew auf dem Festival war bemüht zu helfen, wo sie konnte, und sorgte auch dafür, dass die Bands gerne wieder zum Event zurückkehren werden.)

Die Kubaner Narbeleth gaben sich 2019 nach drei Jahren Abstinenz mal wieder die Ehre beim UTBS aufzutreten, nachdem sie zuletzt in der alten Location 2016 ihr Ritual abhielten. Ihr aktuelles Werk "Indomitvs" von 2017 mit im Gepäck haben die Folter Records-Veteranen rund um Multi-Instrumentalist Dakkar eine solide Show gespielt. Gegründet 2008 kann das Projekt auf vier Studioalben zurückblicken, von denen wohl das Full-Length-Debüt "Diabolus Incarnatus" am meisten Aufsehen erregen konnte, obschon es noch qualitativ roh und unstrukturiert wirkt. Trotzdem gab es live lediglich Songs der anderen Werke zu hören - gerade "Sons of the Grand Cosmic Emanation" oder "When The Sun Has Died", mit denen eröffnet wurde, stellten unter Beweis, warum Narbeleth Mal um Mal als Wiederholungstäter zum Festival zurückkehren und gefeiert werden. Besonders herausstechend aus dem Gesamt-Black Metal-Sumpf ist das Opus des Kubaners zumindest auf musikalischer Ebene nicht - macht aber einen Heidenspaß und avanciert gerade gehörig zum Kultstatus. Trotzdem kann man kritisch hinterfragen, ob dieser Kult lediglich aufgrund der Herkunft des Projekts Narbeleth zustande kommt. "Black Metal aus Kuba" lässt jedenfalls mehr aufhorchen in diesen Tagen als "Black Metal aus Skandinavien".

Die Berliner Albez Duz stachen mit ihrem gänzlich anders gearteten, zwischen Retro-Sounds und Doom-Okkult tummelnden Stil ganz schön aus dem bisherigen Band-Pool heraus. Leider erwischte die Band um Alfonso Lopez mit ihrem Slot um 17 Uhr ausgerechnet die heißeste Zeit des Tages, in der die Sonne auch extrem ungünstig stand – aber zum Abkühlen gab es ja auch noch die Duschanlagen (man war ohnehin nach 10 Minuten wieder staubtrocken) und den einen oder anderen Besuch am Bierstand mit allen kalten Erquickungen, die man erwerben konnte. Albez Duz eröffneten mit „Rites of Hidden Souls“ von ihrem brandneuen Album „Enigmatic Rites“, welches im April erschien. Leider muss man bei dem spirituellen, erhabenen Sound der Band betonen, dass eine spätere Zeit deutlich passender gewesen wäre, wollte doch keine richtige Atmosphäre aufkommen, wie es bei Dunkelheit oder in einem Club der Fall gewesen wäre. Von der Gitarristin Julia Neuman, welche bis 2018 noch Teil der Band war, hatten sich Alfonso und seine Kollegen im Einvernehmen getrennt, konnten aber fürs neue Album den Gitarristen Julian Müsseler gewinnen - der Kreativität schien der Wechsel sehr gut getan zu haben, wenn man sich die neuen Stücke anschaut. Aber auch Classics wie "Our Lord, The Flayed One" ließen die Doom-Jünger, die sich in die pralle Sonne vor der Bühne wagten, die Fäuste in die Luft heben. Definitiv nicht die passende Tageszeit für Albez Duz - aber wenn die Alternative wäre, auch nur einen Gig der Berliner zu verpassen, dann lieber so. 

Als wahrer Geheimtipp, da viele sie noch nicht auf dem Schirm hatten, galten die Kanadier Panzerfaust, welche derzeit gemeinsam mit den Headlinern des Freitags UADA auf Tour sind. Wer bereits Stimmen der Konzerte im Vorfeld zum UTBS zum Auftritt der Weltuntergangspropheten aus Mississauga, Ontario gehört hat, wusste, welch eine Wucht da auf die Besucher des Festivals zukommen würde. Hochinteressant arrangierten sich die Musiker auf der Bühne dabei: Drummer Lord Baphomet saß mit seinem Schlagwerk zentral und vorne, während die Flanken links und rechts von Kaizer und Morbid an Gitarre und Bass eingenommen wurden. Haupt-Sänger Goliath stand dabei vor einer Kanzel weit hinten auf erhöhtem Podest, weswegen schon alleine optisch der Hauptfokus auf den Soldaten an der Front lag. Diese Metapher liegt bei der Musik von Panzerfaust ja auch ganz und gar nicht fern, beschwört das Quartett, das bei Eisenwald (u.a. Fluisteraars, Krater, Mosaic) unter Vertrag steht, ja gerade mit Stücken wie "Stalingrad-Massengrab", "The Men of No Man's Land" oder "Alpha-Omega: Twilight of the Anti-Sphere" nicht nur eine höchst apokalyptische Stimmung herauf, sondern zeigt gleich mal die ungeschönte Fratze des Krieges. Das tun auch andere Bands gerne mal, eine gewisse bildliche Zuhilfenahme von Kriegsthematik ist ja nichts Neues im Black Metal - beeindruckend bei Panzerfaust ist aber vor allem die Präsentation des Ganzen: Statt des grobschlächtigen "Fuck Jesus Christ" oder "Death to everyone" gehen Panzerfaust trotz des Holzhammer-Bandnamens philosophischer an die Causa Krieg und Themen wie Religion und Weltende heran. Dazu kommt das beinahe sakrale Element, dass man sich wie bei einer Messe fühlt, an der man die Grausamkeiten der Menschheit um die Ohren geworfen bekommt. Für Hörerinnen und Hörer, denen Panzerfaust bisher kein Begriff war, galt einhellig, dass der Gig ein reiner Wahnsinnstrip wurde, der seinesgleichen suchte und maximal noch vom Hauptact getoppt werden konnte. Pünktlich zur Tour und zum UTBS brachten die Kanadier auch noch ihr neues Werk "The Suns of Perdition: Chapter I - War, Horrid War" mit, leider aber, wie man beim Gang zum Merch-Stand schnell bemerkte, viel zu wenig über ihre neue Platte hinaus. 

URN aus dem zentral-finnischen Tampere sind zwar bereits seit Mitte der 90er Jahre mit ihrem Black/Thrash Metal-Mix unterwegs, gehören aber auch nach vier Studioalben nicht gerade zur Speerspitze der bekanntesten Bands aus Finnland - und das definitiv zu Unrecht. Mit dem 2017er Album "The Burning" allerdings, damals noch bei Iron Bonehead erschienen (u.a. Black Cilice, Horn), konnte die Band um Sänger Sulphur aber nach einiger Zeit im tiefsten Unterholz etwas mehr auf sich aufmerksam machen. Sulphur seinerseits ist als einziges Gründungsmitglied seit 1994 Kopf von URN und die Band hat schon so einige Besetzungswechsel an allen Instrumentalämtern hinter sich - den Wandel im Klang merkt man, wenn man sich mit den Opera der Band auseinandersetzt, klangen Stücke vom Langspiel-Debüt "666 Megatons" von 2001 noch weit mehr nach zünftigem Thrash Metal mit klarer Black Metal-Gewandung, während die Live-Interpretation mit neuem Ensemble seit 2017/2018 auch der neueren Songs nochmal etwas andere Gestalt annahm. Wer "The Burning" liebte, wird die Unterschiede in Atmosphäre und Gesamtkonzeption bemerkt haben. Wem URN zuvor kein Begriff waren, der durfte Zeuge einer ordentlichen Schelle angeschwärzten Highspeed-Black Metals werden, die sich gewaschen hatte. Stark, aber Höhepunkte markierten andere Bands an diesem Freitag. 

Auch Azaghal kann man als Black Metal-Veteranen aus Finnland bezeichnen - zudem blicken sie auf eine stattliche Diskographie von satten 11 Alben und zahlreichen Splits u.a. mit Oath, Krieg oder den Gästen des Vorabends Ars Veneficium zurück, sodass man mit Fug und Recht behaupten kann, dass die Band um die Musiker Narqath, Niflungr, Lima und Agares sich ihr eigenes Black Metal-Universum aus mal rohen, mal epochalen Klängen aufgebaut hat. Außerdem zeugt der Blick auf die bisherige Karriere in anderen Bands und Projekten der Musiker von einer großen Expertise in ihrem Metier: So stand Gitarrist und Bassist Narqath bereits bei Hellkult und Valar im Aufgebot und spielt zudem noch bei Wyrd (nicht Gaahl's), um nur ein paar zu nennen. Bei Live-Auftritten von Azaghal fällt vor allem eines auf: Die rasanten und dichten Gitarrenriffs, die sich geradezu mit einer Machete ins Trommelfell durchschlagen. Intensiv, rhythmisch, böse, hoffnungsbefreit. Keine Überraschungen, keine Schnörkel, einfach nur reinste Black Metal-Spucke. So muss das, wenn auch Azaghal keinen tiefergehenden Eindruck hinterlassen konnten.

Nicht minder flott ging es beim Auftritt von den Norwegern Nocturnal Breed zu, welche mit ihrem Heavy Metal/Black/Thrash-Blend und einer Prise Humor an diesem Tag etwas aus der Norm fielen. Frisch gepresst servierten sie dem Publikum ihre neue Platte "We Only Came For The Violence", dessen Titel sie zu ihrem Mantra erklärten: Bassist und Sänger S.A. Destroyer hatte sichtlich den Spaß seines Lebens auf der Bühne beim Performen der Songs, die einem als Zuhörer den Boden unter den Füßen wegziehen und den Kopf ordentlich durchblasen konnten. Was für eine Höllenfeier die Band aus der Hauptstadt Oslo da zelebrierte, war schlicht unglaublich. Song um Song fuhr uns in die Glieder und machte einfach einen Wahnsinnsspaß - aber darf man auf einem Black Metal-Konvent ein solch hämisches Vergnügen haben? Spätestens, als zum Song "Alcoholic Rites" alle Besucher ihre Becher in die Luft hoben oder die Band sich eine aufreizende Nonne mit Gasmaske, Machete und Kunstblut auf die Bühne holte, mit der die Musiker schäkerten und tanzten, wusste man, dass dieses Metal-Varieté eine völlig zügellose, hochgradig erheiternde und unerbittlich voranpreschende Musikorgie wurde. Prädikat: Besonders beknackt/wertvoll.

Zum Sonnenuntergang starteten die US-Amerikaner von UADA relativ pünktlich in ihren Auftritt. Trotz der Tatsache, dass das derzeit als Trio agierende Projekt aus Portland, Oregon erst seit 2014 unterwegs ist, schaffte die Band es mühelos bei zahlreichen Events zu einem wahren Publikumsmagneten zu werden. Der Hype um UADA ist derart groß, dass natürlich auch eine gewaltige Erwartungshaltung bei ihrem Publikum vorherrscht, das sah man auch daran, dass zahlreiche Besucher aus Berlin (und mit Sicherheit auch von anderswo) nur für einen "Eintagsbesuch" zum UTBS anreisten, das verriet der extrem volle Platz vor der Bühne und die vielen roten Bändchen, die alle bekamen, die sich ein Ticket für nur einen Festivaltag holten. Ihre zwei Werke "Devoid of Light" von 2016 und "Cult of a Dying Sun" von 2018 schlugen bei den Kritikern ein wie ein Meteorit und sorgten dafür, dass die Band sogar über den üblichen Bekanntheitsgrad in der Black Metal-Szene hinaus eine kleine Berühmtheit genießt, wenn sogar der deutsche Feuilleton bereits 2016 über ihr Debüt berichtete.

Negative Dialektik - Quelle: welt.de

(Der Welt-Artikel "Negative Dialektik" von 2016 ist unserer Meinung nach fundiert und gut recherchiert und geschrieben, sodass man sogar eine gewisse Bewunderung und Empfehlung für das Genre herauslesen mag; auch wenn wir glauben, dass nach den jüngsten Vorwürfen, mit denen die Polen von Mgła sich konfrontiert sahen, niemand von welt.de der Band mehr das Prädikat "grandios" aussprechen würde).

So lag die Messlatte während der gesamten Tour der Amerikaner sehr hoch - und zweifelsohne war die Show der verhüllten Musiker in weißem Licht und viel Nebel bei Einbruch der Nacht ein wahrlich großartiges Spektakel, vor allem bei Stücken wie "Black Autumn, White Spring". Trotzdem konnte man ab und an bemerken, dass den Jungs ein paar technische Fehlerchen passierten, man verspielte sich, ein Song wirkte etwas fragmentiert an den Stellen, die man von den Studioversionen kannte, man präsentierte sich nicht als perfektionistische Band, wie UADA es sonst tun. Das schmälerte die Exzellenz der überaus starken Band ein wenig, konnte dem Auftritt aber kaum seine Magie nehmen.

Als finale Band des Freitags standen die Italiener Caronte mit ihrem hypnotischen Stoner/Doom-Ritual auf der Bühne und lullten die Besucher mit ihren okkulten Songs ein. Aus dem Kader von Ván Records (u.a. Sinmara, The Ruins of Beverast, Urfaust) gehört die Band aus Parma um Frontmann Dorian Bones (auch bekannt von den Black Metal-Ultras Whiskey Ritual) zur Elite zeitgenössischer Bands des exzeptionellen Genres, auch wenn ihnen immer wieder mal Nähe, mal Ripoff-Versuche von Electric Wizard und Konsorten nachgesagt werden. Der außergewöhnliche Sänger schafft es jedenfalls, der Musik von Caronte eine ganz eigene Note zu geben, zog mit Stücken wie "Abraxas" oder "The Moonchild" vom aktuellen Album "YONI" seine Zuhörerschaft gehörig in den Bann und sorgte für eine gewisse träumerische, doch schwermütige, drückende Atmosphäre. Ein wenig skurril mochte es gewirkt haben, als die Band zu dröhnendem Intro die Bühne betrat und man sich in alle vier Himmelsrichtungen verneigte und auf den Bühnenboden schlug, als wollte man "auf Holz klopfen" - aber wenn das nun einmal zur Caronte-Messe gehörte, dann war das eben so. Uns schickten die Italiener in jedem Fall mit einem kleinen Gefühls-High ins Bett.

All photos by Anna Apostata Arts.

Hier lest ihr unseren Bericht von Tag 3.

Weitere Informationen

  • Band(s): Sisyphean, Kyy, Narbeleth, Albez Duz, Panzerfaust, URN, Azaghal, Nocturnal Breed, UADA, Caronte
  • Wann: 27.06.2019
  • Wo: Freilichtbühne Friesack
Gelesen 2520 mal Letzte Änderung am Montag, 21 Oktober 2019 03:08
Haimaxia

Impavidi progrediamur - sic itur ad astra.