Samstag, 01 Juni 2019 20:00

UNTER DEM RADAR - SCHATTENVALD (BLACK METAL)

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Wer ein Auge auf Black Metal mit Sagen und Mythen geworfen hat, dürfte in den letzten Jahren kaum an Schattenvald vorbeigekommen sein. Nicht nur die teils im fränkischen Dialekt verfassten Texte und die Verbundenheit mit ihren historischen Wurzeln, sondern auch die stetige musikalische Veredelung von Release zu Release garantieren der Band einen treuen Kreis an Anhängern - und selbstredend auch einen wohlverdienten Platz in unserer Kategorie "Unter dem Radar".

Gegründet wurde die Band 1998 von Nikolaj Rüster (aka Nachtsturm) als Soloprojekt, welcher musikalisch schon in Bands wie Agrypnie oder Cryptic Wintermoon in Erscheinung getreten ist. Mit Iskharian fand sich 2011 noch ein Vokalist, der seitdem die Schattenvald-Veröffentlichungen bereichert. Musikalisch bewegte sich die Band seit ihrer Gründung schon immer in einer besonderen Nische, wodurch sich das Duo nach und nach einen gewissen einzigartigen Status erarbeitet hatte. Ihre Kennzeichen: Düsteres Liedgut, mal symphonisch angestrichen, mal eher raue Urgewalt.

Nach einer Reihe von Demo-Veröffentlichungen in den frühen 2000ern gab es in den Jahren 2007 bis 2017 ganze fünf lediglich mit römischen Ziffern durchnummerierte Full-Length-Alben, während die Band brandaktuell mit einer Compilation namens "... und ewig dauert der Berg ..." punkten kann. Ebenfalls wurde bereits angekündigt, dass derzeit ein Live-Ensemble aufgebaut wird, um voraussichtlich ab 2020 erstmalig auch ihre Musik auf die Bühne zu bringen.

Aktuelle Besetzung

Nachtsturm – All Instruments

Iskharian - Vocals

Diskographie

2002 – Winterland (Demo)

2002 – Nachtvolk (Demo)

2003 – Mordenmond (Demo)

2004 – Dämmertage (Demo)

2004 – Schneesturm (Demo)

2007 – I (Album)

2007 – II (Album)

2007 – DEMOs (Compilation)

2008 – III (Album)

2011 – Lex Talionis (Split)

2013 – IV (Album)

2016 – Die Frankenwald-Jahre (Compilation)

2016 – Der Winterkönig (EP)

2017 – V (Album)

2018 – …und ewig dauert der Berg (Demo)

2019 – … und ewig dauert der Berg ... (Compilation)

Review zu "... und ewig dauert der Berg ..."

Mit dem jüngsten Release "… und ewig dauert der Berg ...", welches zudem die erste VÖ des Labels Schattenpfade ist, entführen Schattenvald abermals in die fränkischen Erzählungen und tun das auf eine Art, wie nur das Duo um Nachtsturm es bisher geschafft hat. Schon ganze fünf Alben, etliche Demos und kleinere Releases sind unter seinem Schattenvald-Banner erschienen und dennoch gibt es Herzklopfen, wenn man den neuesten Output mit seinem erneut perfekt gelungenen Artwork in den Händen hält. Man weiß nach wie vor zu überzeugen, bevor die Vinyl überhaupt aufliegt. Vinyl? Richtig gelesen - was 2017 als Digital-Release erschien, wird hier in hochwertigem Gewand auf Platte geliefert und nicht als CD.

Angespielt wird die Seite A mit dem Titeltrack, der ganze fünfzehn Minuten in Anspruch nimmt. Ohne Intro stürzt der Song direkt in die Sagenwelt der Heimatregion der Musiker aus dem Raum Münchberg in Bayern, prescht dabei mit Blastbeats und einer perfekten stimmlichen Untermalung voran.  Dezent hinter die Instrumente gepackt fügen sich die Vocals mitsamt stimmigen Riffs und pointiert gesetzten elektronischen Einspielern so gut wie noch nie auf einem Schattenvald-Release ins Gesamtkonstrukt ein. Roh und weit entfernt von „überproduziert“, aber dennoch mit einem Auge auf einen zur Thematik passenden sauberen Mix. Mal träumerisch mit akustischen Gitarren, mal wieder harsch und dann wieder melodisch – allein dieser Song bietet alles, was man an Schattenvald lieben kann und sollte. Kurze Momente erinnern an Dornenreich mit einem Hauch Andras, doch blitzschnell überraschen die Franken dann wieder mit ihrem ganz eigenen Charakter in den Lyrics, sowie in der gesamten Umsetzung. Jeder erzählerische Höhepunkt wird grandios inszeniert und selten fiel es so leicht, in eine Geschichte einzutauchen. Aus dieser muss man auch nicht wieder heraus, da direkt im Anschluss bei "Der Unhold schmaust ganz ungestört" in ungewohnt ruhiger, aber umso atmosphärischer Manier ein kleiner Akustikhappen wartet.

Seite B präsentiert dafür Ideen aus den früheren Bandtagen, die nun ihren Weg in ein Werk gefunden haben. Deutlich roher und unfertig hallend, was wohl auch der Aufnahme über einen 4-Spur-Rekorder geschuldet ist, hat diese Seite einen ganz eigenen Charme. Songs wie "1837" oder "Die drei Brüder vom Rudolphstein" sind aber trotzdem nicht weniger melodisch und beinhalten ebenso Synthesizer-Elemente, jedoch rückt der keifende Gesang mehr in den Vordergrund und die raue Komposition erinnert an die Anfangswerke der Band. Schema F ist jedoch keineswegs auffindbar – jeder Song ist durchdacht und abwechslungsreich. Man fühlt sich musikalisch in die 80er-Jahre versetzt, textlich in einen dunklen Wald in Oberfranken, beides wird durch diese Stücke perfekt verbunden. Nachdem die Sage der "Räubersleut' von Laubersreuth" sein Ende gefunden hat, gibt der kleine "Ausklang" ein stimmiges Outro für eine Platte, wie man sie nur selten heutzutage noch findet.

Schattenvald vereinen die fränkische Sagenwelt mit perfekt ausgereiftem, rohen Black Metal und entführen damit immer wieder Zuhörer in ihre ländliche Welt. Instrumental gibt es, auch nach vielen Hörgängen, immer wieder Neues zu entdecken. Wer also kurz aus der modernen Welt entfliehen und sich in eine Welt voller dunkler Sagen begeben möchte, ist bei Schattenvald gut aufgehoben.

Tracklist:

01. Und ewig dauert der Berg

02. Der Unhold schmaust ganz ungestört

03. 1837

04. Die drei Brüder vom Rudolphstein

05. Die Räubersleut' von Laubersreuth

06. Ausklang

Weitere Informationen

Gelesen 410 mal Letzte Änderung am Sonntag, 09 Juni 2019 12:49
Crimson

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