Sonntag, 04 November 2018 17:53

27.10.2018 - Altes E-Werk Neckargemünd + Dawn of Disease + Apophis + Weak Aside +++

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Metal Club Odinwald Metal Club Odinwald

Wenn es draußen spürbar kälter wird, heißt das nicht nur dass der Herbst in den Winter übergeht.  Im historischen Neckargemünd hielt man am 27.10.18 beim Metal Club Odinwald das Herbstfest. Der Club, der sich dem Support von Metal Bands im Odenwald verschrieben hat, ließ uns beim  diesjährigen Line-Up keine Wahl und wir mussten uns ein Bild von vor Ort machen.

Abgelegen am Rand der Altstadt am Neckar liegt das alte E-Werk welches bisher nur unscheinbar am Straßenrand existierte – zumindest für mich. Nachdem man, fast einen Kilometer entfernt, einen Parkplatz gefunden und den Weg bis vor die Tore gelaufen war, sah die Location schon recht gut besucht aus.

Pünktlich um 20 Uhr begann die erste Band Unrepentant und die bandeigene Fanbase versammelte sich in der ersten Reihe. Erfahrungsgemäß hat der Opener es immer etwas schwerer, was die Brettener nicht davon abhielt, direkt mit einem ihrer Death Metal Bretter „Gods of The New Age“ zu beginnen. Auch wenn der Stil der Band, gerade durch den teils signifikanten Keyboardeinsatz recht modern gehalten ist, konnten Liebhaber der alten Schule, (wie unserereins), auch nach wenigen Songs Gefallen finden. „Silence Remains“, „Voices in my Head“ und „Equal in Death“ waren durchweg spannende Songs, die zwar keine neue Maßstäbe im modernen Melodic Death Metal setzten, konnten dennoch im Großen und Ganzen überzeugen. Vor Allem der Metalcore-Einfluss war auf Dauer etwas leidig fürs Ohr - Leidenschaft und eine solide, mitreißende Bühnenshow taten dennoch ihr Bestes, den Opener als gelungen Auftakt des Herbstfestes zu zementieren.

Ganz anders war das beim Unscared aus Heppenheim, die mit Thrash Metal die musikalischen Ausreißer des Abends waren. Mit betrunkener Attitüde hatte Sänger „Wiegand“ merklich am meisten Spaß und brachte mit seinen drei Mitstreitern den Saal sofort zum Kochen. Nicht nur das Outfit des Frontmanns war eine absolute Augenweide  sondern auch der Sound der Kombo. Freunde von Bands wie Tankard kamen absolut auf ihre Kosten mit Songs mit „Back To The Reactor“  und „Party At The Toxic Dump“. Schnell umhertänzelnd mit spürbarem Bock auf Thrash Metal hämmerten die Südhessen einen schnellen Song nach dem anderen raus und versammelten damit immer mehr Headbanger vor der Bühne.  Mag der ganze Auftritt etwas klischeehaft gewesen sein, aber dafür absolut auf dem Punkt. Nachdem sich nach „A.I.K.“ die Rufe nach Zugabe nicht unterdrücken ließen, spielte die Band noch ein „Ace of Spades“ Cover und hätte wohl auch danach noch liebend gern weiter gemacht, würde die Zeit nicht drücken. 

       

Pünktlich im Zeitplan ging es mit Weak Aside weiter, die von mir und vielen anderen sehnsüchtig erwartet wurden. Mit ihrem überragenden Oldschool Death Metal, der sich mit Größen wie Sabiendas und Lifeless durchaus in einer Liga sehen lassen kann, war die Erwartung hoch angesetzt. Dank dem bisher durchweg gut abgeschmischten Sound im alten E-Werk konnte die Band ihre Musik gut darbieten und hatte schon ab dem Opener „Until you Died“ die Halle prall gefüllt. Herrlich tiefe Growls, hämmernde Drums und wirklich perfekte Gitarrenarbeit ließen die Band zum vorläufigen Höhepunkt des Abends werden. War das Bühnenbild eher schlicht gehalten, musste die Kombo trotzdem kaum dazutun, um mit ihrem Auftritt nahezu jeden zum Headbangen zu bringen und selbst an der Bar war kaum jemand in der Lage am Boden zu bleiben (s. Bild). Fazit: eine absolut unterschätzte Perle des Death Metal die man jedem nur wärmsten Herzens empfehlen kann.

Wenn es um Death Metal der alten Schule geht, passen Apophis wohl ebenso wie die Faust aufs Auge in dieses Line-Up. Da spätestens nach Weak Aside jeder im Saal auf Betriebstemperatur gekommen war, fing die Band ohne großes Gerede an mit einem Best-Of ihrer fast dreißigjährigen Bandgeschichte. Grundsolider Death Metal mit Growls die mir persönlich auf Dauer etwas eintönig schienen, wahrscheinlich waren hier aber wohl meine Anforderungen nach der letzten Band zu hoch. Dennoch -energiegeladen wie man es gewohnt ist, hämmerte ein Track nach dem anderen von der Bühne und forderte stetig mehr Energie vom Publikum ab. Songs wie „Reincarnation of the Serpent God“ und „Welcome to My World „ konnten mich schlussendlich doch von dem Aalener Künstlern überzeugen, wenn auch ein etwas monotoner Nachgeschmack bleiben wollte.

Mit Wehmut schritt der Abend schnell zum letzten Akt „Dawn of Disease“ voran, deren Auftritt sich merklich nach hinten geschoben hatte. Doch schnell überwog die Freude, als sich das Licht abdunkelte und sich die Band auf der Bühne positionierte. Mit einem guten Schwung melodischer Riffs setzte sich die Band schnell vom bisherigen Oldschool Line-Up ab. Man merkte alsbald, dass die bühnenerfahrene Musiker ein würdiger Headliner, konform zur Größe und Bekanntheit,  darstellte. Die abwechslungsreiche Vocals von Tomasz, eine mitreißende Performance und die bandtypische perfekte Balance aus modernen Melodic Death und Elementen der alten Schule lassen das Herz eines Todesmetallers im Kreis schlagen. Ein Auftritt bei dem man sich wünscht, er würde nie enden.

 

In den frühen Morgenstunden der Zeitumstellung fand  das Herbstfest sein Ende und man blickte auf einen fantastischen Abend mit durchweg guten Bands zurück. Die familiäre Umgebung des altes E-Werks mit den Mitgliedern des Metal Club Odinwald machten diesen Abend besonders reizvoll und machen Lust auf die nächsten Veranstaltungen!

Weitere Informationen

  • Band(s): Dawn of Disease, Apophis, Weak Aside, Unscared, Unrepeatant
  • Wann: 27.10.2018
  • Wo: Altes E-Werk Neckargemünd
Gelesen 272 mal Letzte Änderung am Sonntag, 04 November 2018 18:12