Dienstag, 08 Mai 2018 10:57

27.03.2018 – „Hymns To Lemegeton“-Tour – Helvete, Oberhausen: Inferno + The Stone + IXXI + Thyrgrim

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Der „Hymns To Lemegeton“-Tourtross verschlug am 27.03. Inferno, The Stone und IXXI ins Ruhrgebiet, wo sie mit lokaler Unterstützung von Thyrgrim im Helvete Metal Club einfielen. Ein Line-up, das Garant für einen einmaligen Konzertabend sein müsste – müsste!



Die vielseits unterschätzte Aufgabe, das Publikum in eine richtungsweisende Atmosphäre zu hüllen, lag an diesem Dienstagabend bei dem Support-Act aus der Region: Thyrgrim. Auch wenn die Schwarzmetaller vor gut einem halben Jahr ihr neuestes Album veröffentlichten, auf dem auch bei diesem live-Set der Fokus lag, war das subjektive Empfinden vor diesem Auftritt, es sei ein wenig ruhiger um das Fünfergespann geworden, doch das nur am Rande.
Ihr Auftritt stellte ein Synonym zu ihrer Musik dar – ließ man sich darauf ein, wurde man durch eine kraftvolle Performance belohnt, die vor Energie nur so strotzte, aber gleichzeitig keine leichte Kost war. Natürlich durfte ihr wohl bekanntester Song „Dette er tysk svartmetall“ nicht fehlen, bei dem auch endlich etwas mehr Bewegung in das spärlich anwesende Publikum kam. Anfang des Jahres gaben sie bekannt, dass ein neues Kapitel ihrer Bandgeschichte aufgeschlagen wird. Dies ist zwar noch nicht so lange her, doch wer die Band schon vorher live erleben durfte merkt, dass sich etwas im Hintergrund regt. Ein starker Auftritt, der mit dem kurzen, aber auf den Punkt gelieferten „Offenbarung!“ endete.



Es folgte die schwedische Band IXXI. Ihr letztes Album veröffentlichten sie vor vier Jahren, was der Grund dafür sein dürfte, dass sie den meisten der Besucher nicht allzu präsent war. Nichts desto trotz wussten sie durch ihren unkonventionellen Black Metal mit Thrash-Einflüssen zu überzeugen und lieferten eine grandiose Show, bei der besonders die Songauswahl positiv zu erwähnen ist. Ihre Setlist stellte überraschenderweise ein Querschnitt ihrer bisherigen Veröffentlichungen dar und legte den Schwerpunkt nicht auf den letzten Release. Ebenso überraschend war ihre Performance, die durch das überwiegend rote Licht statisch wirkte, aber die Darbietung einiges mehr an Bewegung auf die Bühne brachte und so ein geschickter Kontrapunkt gesetzt wurde. Energetisch ist wohl das richtige Wort, unter dem man ihren gut 40-minütigen Auftritt zusammenfassen könnte, was gleich durch den Opener ihres letzten Albums „Skulls n Dust“ klargemacht wurde.



Neugierig machte schon im Vorfeld die nächste Band, die einen kompromisslosen Auftritt hinlegen sollte. Dass Ost-Europa einiges in Sachen Black Metal zu bieten hat, ist allein durch den Headliner des Abends bekannt; doch serbisches Schwarzmetall bekommt man auch in unseren übersättigten Graden nicht oft vor die Nase gesetzt. The Stone schafften es in kürzester Zeit, das Publikum in ihren Bann zu ziehen, und eine dichte Atmosphäre zu erzeugen. Mit „Gavranovo“ eröffneten sie ihr Set und präsentierten ihren brachialen Black Metal, der durch melodische Einschnitte sehr eingängig daherkommt und das Publikum daher bereitwillig mitgerissen wurde. Das Besondere an ihrer Setlist bestand darin, dass die Band großteilig serbische Titel performte und damit eine Menge Emotionen transportierten. Nach subjektivem Empfinden erreichte die Stimmung beim Vorletzten Song „TeatarApsurda“ ihren Höhepunkt. Sänger Glad zeigte sich anonymisiert, doch seine Gestik während der gesamten Show war wie von purer Leidenschaft gelenkt.


Inferno wurden bereits vom sichtlich erschöpften Publikum sehnlichst erwartet. Aber die wenigen, die gewartet haben, wurden durch eine absolut auf den Punkt gebrachten Show belohnt. Sänger Adramelech sticht dabei durch seinen mimischen Expressionismus sowie extrem präsenten Ausstrahlung hervor und schien, sobald er die Bühne betreten hatte, ganz in seiner eigenen Welt zu sein. Auch die Setlist des tschechischen Headliners sorgte für Überraschungen, denn sie verzichteten auf Titel, die auf ihrer Muttersprache geschrieben wurden. Schade, denn gerade diese Stücke unterstreichen sonst ihre Show. Ein paar Klischees müssen an einem solchen Abend natürlich erfüllt werden. So zeigte sich Adramelech blutverschmiert auf der Bühne. Schon vor dem ersten Song kippte die Stimmung ins okkulte. Mit „The Innermost Disillusion“ wurde ihr Auftritt noch etwas mäßig eröffnet, doch steigerte sich die Show spätestens zum zweiten Song „Altar of Perversity“. Der Titel der Tour „Hymns To Lemegeton“ wurde unbestritten am besten durch den Headliner verkörpert, der aus dem rund einstündigen Auftritt regelrecht einen Ritus zauberte. 


Fazit: „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin.“ So oder ähnlich könnte man den „Hymns to Lemegeton“-Tourstopp im Helvete zusammenfassen. Was, in drei Teufelsnamen, ist nur aus der „Szene“ im Ruhrgebiet geworden?! Da wird einem ein absolut gigantisches Line-up auf dem Silbertablett präsentiert, zu einem Ticketpreis von gerade einmal 10€ an der Abendkasse und es sind vielleicht 20 Gäste vor Ort. Zumal diese Bands, egal ob zusammen oder einzeln genommen, nicht an jeder Steckdose spielen.
Dies ist jedoch der erste Punkt, den man den Bands hoch anrechnen muss. Alle Truppen haben ihre Performance so hingelegt, als würden sie vor ausverkauftem Haus spielen. Und das zeigte ganz viel Respekt dem anwesenden Publikum gegenüber. Besonders seitens Infernos, die zum Schluss gefühlt vor nur noch zehn zahlenden Gästen gespielt haben, was mit Sicherheit der fortgeschrittenen Stunde geschuldet war.
Nach der Show hatte ich Gelegenheit mit dem Veranstalter der Luciferian Society und IXXI-Sänger Outlaw zu sprechen. Natürlich war die Enttäuschung über diesen Abend und die leeren Reihen vor der Bühne nicht zu übersehen, aber wie er richtig zusammenfasste: „Würden die Bands mit einer 0-Bock-Attitüde auf die Bühne gehen, würde es die ganze Situation nur verschlimmern. Also versuchte jeder das Beste aus den Umständen zu machen, die nun einmal gegeben waren.“
Auf die Frage wie die Tour im Allgemeinen liefe, machte sich bloß ein müdes Lächeln breit. Bis auf das Konzert in Hamburg sei alles in bester Ordnung. „Dort gab es heftige Probleme mit der Antifa“, und ein wenig entgeistert fuhr er fort: „Haben diese Leute kein Leben? Stattdessen checken sie jedes Konzert und sobald eine Band bei einer Plattenfirma mit zweifelhaftem Ruf – berechtigt oder nicht spielt dabei keine Rolle – unter Vertrag ist, muss so lange Terror gemacht werden, bis entweder der Club-Besitzer oder der Veranstalter nachgibt.“ Bis zu diesem Dienstagabend stand der Auftritt in Hamburg nur zwei Tage später noch auf der Kippe. Der finale online-Flyer verrät jedoch, dass das Tour-Aufgebot ohne Inferno über die Bühne gehen musste. Auch in Prag versuchte die örtliche linksextreme Vereinigung etwas gegen das große Tourfinale auszurichten; dort glücklicherweise ohne Erfolg!
So gut die einzelnen Auftritte auch waren, ist jedoch kein Abend perfekt. Es gab einige technische Schwierigkeiten, die die Umbaupausen vor IXXI und Inferno in die Länge zogen und eine Verzögerung von gut 45 Minuten verursachte – gerade unter der Woche war dies denkbar schlecht, kann aber den Bands nicht angelastet werden.
Absolut negativ zu bewerten ist jedoch das durch die Location verschuldete Bühnenlicht. Die Licht„show“ passte mal wieder zum größten Teil nicht zu dem, was auf der Bühne passierte. Zudem war zuletzt genannte denkbar schlecht ausgeleuchtet.
Klammert man diesen Punkt jedoch aus, kann mit absoluter Überzeugung von einem großartigen Konzert mit stimmigem Line-up gesprochen werden!

Fotos: Anna Apostata Arts

Weitere Informationen

  • Band(s): Inferno, The Stone, IXXI, Thyrgrim
  • Wann: 27.03.2018
  • Wo: Helvete Oberhausen
Gelesen 157 mal Letzte Änderung am Dienstag, 08 Mai 2018 20:48
Anna Apostata

Aika Multaa Muistot