Donnerstag, 08 März 2018 11:20

24.02.2018 - Helvete Oberhausen + Catalyst + Eïs + Convictive + Krähenfeld + Blodtåke

geschrieben von Haimaxia
One Night in Hell VIII One Night in Hell VIII Convictive

Vergangenes Wochenende stiegen in Oberhausen und Hamburg Convictives Eventnächte unter dem Banner „One Night In Hell“, bei denen sie diesmal gemeinsam mit den Ostwestfalen Eïs und gleich drei weiteren Support-Bands unterwegs waren. Die Konzertreihe wurde zum achten Mal von den unbändigen Duisburger Black Metal Derwischen veranstaltet. Wie sich der Abend mit gleich fünf außerordentlichen Bands beim Ruhrpott-Termin des Konzertdoppels im Helvete gestaltet hat, lest ihr im Folgenden.

Die Newcomer Blodtåke und Krähenfeld waren die ersten Combos, die an diesem kalten Samstagabend auf die Bühne stiegen, und konnten leider noch keine gefüllten Reihen verzeichnen. Das tat den Auftritten beider aber keinen Abbruch: Während Blodtåke mit ihrem Death-gesprenkelten Black Metal ihre Live-Premiere feiern durften, markierte die diesmalige „Höllennacht“ für die aus Krefeld stammenden Krähenfeld (die Namensgebung dürfte da wohl kein Zufall sein) ein besonderes Ereignis: Nur einen Tag zuvor erschien ihre Debüt-Platte „Vergänglich“. Das nahm man auch direkt zum Anlass, einfach alle vier Stücke des Erstlings live zu präsentieren – und die hatten es in sich. Vom eröffnenden „Des Wahnsinns Kalte Gier“ bis zum finalen „Melancholie der Engel“ bestach das seit 2012 agierende Quintett mit ihren Post-angehauchten atmosphärischen Stücken und konnte dabei vor allem in den langen Instrumentalpassagen in besonderem Maße beeindrucken. Krähenfeld ist definitiv eine Truppe, die man im Auge behalten sollte!

Convictive als eigentliche Orchestratoren des Abends bekleideten den dritten Slot und tünchten die Helvete-Stage zu Anfang ihres Auftritt in tiefrotes Licht. Dazu wurden gleich zwei Nebelgeysire vorne aufgestellt, die auf der nicht gerade großen Bühne für eine starke Optik sorgten. Wer die NRW-Szene nicht erst seit gestern verfolgt, hat die Emporkömmlinge sicherlich schon länger auf dem Schirm, nachdem sie sich unter anderem mit ihren zwei EPs „Blutnacht“ und „Öffnung“ von 2015 und 2016 und diversen Festival- und Club-Konzerten mal auf großer, mal auf kleiner Stage einen Namen gemacht haben. Besonders ob der Tatsache, dass die starken Vocals der deutschsprachigen Songs von der inbrünstigen Frontfrau Jalina kommen, fällt die Band schonmal durch das Raster der üblichen Genre-Einträge. Intensiv und atmosphärisch präsentierten die Duisburger bekannte Stücke wie „Das Rote Feuer“ und „Breyskja“, sowie die auch textlich herausragenden und tiefsinnigen „Obscuritas“ oder „Öffnung“ – dass letzteres Stück zwischen emotionaler Tabu-Thematik und furioser Präsentation mit dem beinahe aufrührerischen „Feuer – zieh‘ mit mir“ aus der Kehle der Sängerin ein perfektes Finale der Show markierte, wurde zusätzlich dadurch versüßt, dass Convictive auch viele neue Stücke des kommenden, noch unbenannten Albums spielten. Hierbei blieben vor allen Dingen das eröffnende „Hoffnung“ und der Song „Asche“ im Gedächtnis: Raues Naturell, kompromisslos – vielleicht genau das Setting, welches dem Full-length-Debüt der Band zu eigen sein wird und welches hier schon perfekt rüberkam.     

Für Eïs wurde das Konzertwochenende ebenfalls zur Schiffstaufe eines neuen Releases: Erst tags zuvor erschien die neue EP „Stillstand und Heimkehr“ der Gruppe um Sänger und Bassist Alboin, welche bereits im Vorfeld als „wohl emotionalstes und gleichwohl ehrlichstes Werk“ der Bandhistorie proklamiert wurde. So begann der Auftritt auch gleich mit den zwei Mammutstücken „An den schwarz besandeten Gestaden“ und dem Titelsong – wer die vergangenen Werke der Band kennt, wird vertraut sein mit den poetischen, mal kryptischen, mal Gänsehaut erregenden Texten, der Melancholie und dem Sog des Songwritings sowie dem erhabenen Mahlstrom ihrer Instrumentierung. Ein bisschen merkt man den neuen Songs aber auch die Handschrift des seit Erscheinen der letzten Platte „Bannstein“ (2015) stark umgewälzten Ensembles auf der Bühne an: Mittlerweile bekleiden das Schlagzeug-Amt Torrent (ex-Thakandar) und die Position an den Saiten Infesting Swarm Gitarrist Dante nebst Abarus, der bereits seit fast vier Jahren bei Eïs mitwirkt. Nicht nur schaffen Alboin und die anderen gerade beim EP-Titelsong „Stillstand und Heimkehr“ kristallklare und düstere Klanglandschaften, sie legen mit den neuen Liedern auch etwas mehr die gerne mal attestierten Prädikate „Post“ und „Avantgarde“ ab und kleiden sich lieber mit zünftigeren Soundmerkmalen der Black Metal Schmiede. Alboin gibt ja auch immer wieder in Interviews an, wie sehr er sich von den 90er Jahre Ära des Genres beeinflusst und inspiriert sieht. Vor allem die finale Passage „Ich möchte wandern, weit über das Nebelmeer“, nachdrücklich, gebrüllt, intensiv, lässt hoffen, dass der Song in Zukunft häufiger live zu hören sein wird.

Im weiteren Showverlauf präsentierten Eïs bekannte Stücke und Fan-Lieblinge wie „Winters Schwingenschlag“ vom mittlerweile fast 13 Jahre alten Debüt „Patina“ - leider der einzige ältere Setlist-Eintrag, der noch aus der Geïst-Epoche stammt -, sowie einige Liturgien des 2015er „Bannstein“-Werks wie „Im Schoß der welken Blätter“ und den trägen, unglaublich atmosphärischen Giganten „Unter toten Kapitänen“ vom „Galeere“-Album, ehe man mit „Mann aus Stein“ – eingeläutet von der gesprochenen Kinski-Passage - das Konzert mit dem wohl traurigsten und epischsten Stück der Eïs-Diskographie beschloss, welches je von den Melancholikern verfasst wurde. 

Die im Anschluss an Eïs folgenden Catalyst, welche extra eine Anfahrt aus Hamburg auf sich genommen hatten, um den Abend zu schließen, hatten leider eine ziemlich undankbare Auftrittszeit erwischt. Trotz der Tatsache, dass an einem Samstagabend nicht so sehr die Gefahr bestand, dass alle Gäste am Folgetag so früh hätten aus den Federn kriechen müssen wie beim Sonntagstermin, lichteten sich die Reihen nach Eïs erheblich, sodass Catalyst vor einem fast leeren Saal standen. Obwohl Alboin mit Nachdruck darauf hinwies, dass jetzt niemand zu gehen habe, da noch eine Band folge - was offensichtlich viele gar nicht mitbekommen hatten -, wurde es leerer und leerer – dabei hatten die Newcomer aus der Hansestadt mit ihrem Melodic Death Metal und ihrer weiblichen Stimme am Mikro am Ende nochmal richtig aufgedreht.

 

Was Convictive jedes Mal auf die Beine stellen, wenn sie das Horn zur „One Night in Hell“ blasen, ist verblüffend und beeindruckend – nicht nur wird hier jedes Mal dem Underground eine Bühne geboten, sondern insbesondere auch neuen Bands die Möglichkeit gegeben, sich zu präsentieren, und den Besuchern, diese kennenzulernen. Blodt­åke und Catalyst hatten leider das schlechte Los gezogen, zu Zeiten aufzutreten, an denen es noch nicht oder nicht mehr sehr voll war, konnten sich aber als Einträge mausern, die man sich für die Zukunft merken sollte. Im Fokus standen für die Besucher eindeutig Krähenfeld mit ihrer ersten Veröffentlichung, die Veranstalter selbst und der prominente Gast Eïs. Letztere überzeugten auf ihrem ersten Konzert des Jahres 2018 vollends und auch Convictive riefen sich mit ihrem anstehenden Album-Release und einem geschäftigen Jahresplan inklusive mehrerer Festivals (u.a. sei auf die Auftritte auf dem Aaargh- und dem Wolfszeit-Festival hingewiesen) auf den Plan. Insgesamt muss man sagen, dass Konzertabende wie dieser die Szene am Leben halten – danke dafür!

Fotos: Torn

Weitere Informationen

  • Band(s): Catalyst, Eïs, Convictive, Krähenfeld, Blodtåke
  • Wann: 24.02.2018
  • Wo: Helvete Oberhausen
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