Donnerstag, 01 März 2018 10:42

25.02.2018 - Helvete Oberhausen + Angantyr + Ereb Altor + Asenblut + Waldgeflüster

geschrieben von Haimaxia
Ancient Ascent Tour Ancient Ascent Tour Quantheon Touring

Vergangenen Sonntag war Dänemarks schwärzester Act Angantyr zu Gast im Oberhausener Helvete Metal Club. Gemeinsam mit den Schweden von Ereb Altor begab sich die Band um Frontmann Ynleborgaz unter dem Banner „Ancient Ascent“ auf gemeinsame Headliner-Tour – dabei gab es mit der Pagan-Elite Asenblut und den Münchner Black Metallern Waldgeflüster zwei deutsche Support-Acts im Vorprogramm zu sehen.

Quantheon Touring hat hier nicht allein auf ein starkes Aufgebot auf der Bühne gesetzt: Begleitend zur Tour stellte außerdem die Künstlerin WÆIK ihre hochwertigen Gemälde und Kunstobjekte aus. Gleich beim Herabsteigen der Treppe in den Keller des Helvete, um zur Bar, zum Merch und zum Bühnenbereich zu kommen, erkannte man den Club gar nicht wieder: Wo sonst Tourplakate oder Eventwerbung die Wände zieren, hingen die eindrucksvollen, teils beklemmend stimmenden, aber wunderschönen Leinwände und Kunstdrucke der Künstlerin aus. Tierknochen und Schädel waren ausgestellt, die mit detailverliebten Schliffen und Zeichnungen aufbereitet und veredelt wurden. Und auch die Fotografin Mina Wallace stellte einige ihrer Fotografien aus. Der Merch-Stand mit allen Artikeln der vier Bands lockte mit Verzierungen und einladendem Ambiente zum Kauf.

Eröffnet wurde der Konzertabend von den Bayern Waldgeflüster, die gleich drei Songs von ihrem letzten Album „Ruinen“ aus dem Jahr 2016 präsentierten. Mit ihren anspruchsvollen Texten, einer spirituellen Ader und dem bedachten Wechsel aus Growls und Clean-Vocals wissen die Münchner um Sänger Jan van Berkelom aka Winterherz jedes Mal zu bestechen. Gerade ein intensives Stück wie „Ruinenfelder“ belohnte bereits früh am Abend jeden, der pünktlich zum Eventbeginn da war, um sich auch den ersten Slot des Tour-Termins anzuschauen. Auch die Anhängerschaft früherer Werke der Band kam auf ihre Kosten, präsentierte man auch mit „Herbst befiel das Land“ den ungestümen und gleichsam atmosphärisch rauschhaften Opener des 2009er Debüts „Herbstklagen“.

Asenblut als zweite Band des Abends trugen zwar weniger das Mal des Black Metals auf ihrer Stirn, lieferten aber zünftigen deutschsprachigen Pagan Metal – und damit trafen sie zweifelsohne den Nerv des Publikums, auch wenn manche Stimmen den plakativen, unverblümten Texten der Band Einfalt unterstellen. Das Gesamtpaket, die aggressive Präsentation der Songs und die starke Bühnenpräsenz von Sänger-Kante Tim „Tetzel“ Schmidt machen bei Asenblut mächtig Eindruck. Die meisten Stücke stammten dabei von ihrem 2016er Werk „Berserker“, mit welchem die aus dem niedersächsischen Göttingen stammenden Jungs ihren Einstand bei AFM Records begießen konnten – gleichzeitig haben Tetzel und seine Mitstreiter auf ihrer neuen EP „Legenden“ nochmal ein paar ihrer alten Stücke überarbeitet und auch gleich ihren namensgebenden Brecher „Asenblut“, sowie „Heldenbürde“ im 2018er Gewand auf das Oberhausener Publikum losgelassen.

Ereb Altor die nach kurzem Umbau folgten, hatten ebenfalls kaum Mühe, die immer voller werdenden Reihen im Helvete zu begeistern. Mit ihrem aktuellen Album „Ulfven“, von dem Gitarrist und Sänger Crister „Mats“ Olsson berichtete, man habe erst auf dem siebten Werk angefangen, ihre Heimatzunge Schwedisch für ihre Musik zu nutzen, konnte die Combo aus Gävle, aus dem Zentrum des Landes, vergangenen Sommer viele gute Kritiken für sich verbuchen. Gerade solch eindringliche und imposante Stücke wie „Gleipnir“, Titeltrack „Ulfven“ oder „En synd svart som sot“ stehen dabei im gekonnten Spagat zwischen paganer Einkerbung und durchtriebenem Black Metal. Die Tatsache, dass sich die beiden Gitarristen - neben Olsson auch Daniel „Ragnar“ Bryntse und Bassist Kristofer „Mikael“ Elemyr - das Vocal-Amt teilen, sorgt zudem dafür, dass eine besondere Variation in die Songs von Ereb Altor hineinkommt – mal mit hellen backing Vocals, mal ein perfektes, fast chorhaftes Zusammenspiel. Der Esprit der nordischen Mythologie ist bei der Band, welche die Bathory-Fackel hochhält, natürlich vorprogrammiert. 

Besonders in den vorderen Reihen drängelte man ein wenig aneinander, als Angantyr aus der dänischen Hauptstadt Kopenhagen auf die Bühne kamen. Ynleborgaz, bürgerlich Jakob Zagrobelny, beeindruckte von der ersten Sekunde an mit kompromissloser, zunächst wortkarger Attitüde. An die Fraktion, welche direkt vor der Bühne stand und ihre Smartphone-Bildschirme hochstreckte, richtete er im weiteren Verlauf das Wort, erst eindringlich, dann freundlicher, aber bestimmt, diese wegzustecken, damit alle im kleinen Saal den Gig richtig genießen konnten. Die Setlist zog sich dabei durch das gesamte Opus seiner selbst - auch vom im März erscheinenden neuen Album „Ulykke“ gab es gleich mehrere Vorschauen, unter anderem das titelgebende „Ulykke er dit navn“, welches er beschwörend auf Dänisch einleitete. Angantyrs tiefschwarzer, schnörkelloser Stil steht dabei in der Tradition der 1990er Jahre und löst mit seinem intensiv bohrenden Skandinavien-Ethos bedrückende Gefühle aus, vor allem, wenn man die Songs live erlebt. Mal dissonant-böse, mal in längerer Instrumental-Passage brandend – Angantyrs Auftritt war in jeder Hinsicht etwas Besonderes. Dankesworte richtete der für seine Studioaufnahmen vornehmlich allein praktizierende Musiker am Ende an alle, die gekommen sind, und selbstredend an die anderen drei Bands, ehe es an die finalen Stücke des gelungenen und finalen Tour-Abends ging.

 

Ein perfektes Aufgebot, welches hier zusammengeschustert wurde, lockte nicht nur viele Jünger des Black- und Blackened Pagan Metal ins Ruhrgebiet, um einen guten Konzertabend zu genießen, sondern bestach zudem mit Atmosphäre, kunstvoller Aufbereitung und bester Organisation. Schade war es eigentlich bloß um die Tatsache, dass der Abend auf einen Sonntag fiel. Zu gerne hätten die Besucher eine Zugabe gehört oder nach dem Angantyr-Gig etwas mehr Zeit im Helvete verbracht. Während Waldgeflüster mit geistreicher Gratwanderung zwischen Einkehr und Ausbruch bestachen, konnten Asenblut und Ereb Altor das Heidentum ehren und ordentlich Dampf machen, ehe Angantyr den Abend in tiefschwarzer Melancholie und einem brachialen Auftritt beschlossen. Ein Line-up, das seinesgleichen sucht!

Fotos: Anna Apostata Arts 

Weitere Informationen

  • Band(s): Angantyr, Ereb Altor, Asenblut, Waldgeflüster
  • Wann: 25.02.2018
  • Wo: Helvete Oberhausen
Gelesen 620 mal Letzte Änderung am Freitag, 09 März 2018 00:03