Samstag, 24 Februar 2018 11:15

22.02.2018 - Druckluft Oberhausen + Amenra + Grim Van Doom

geschrieben von
Amenra Amenra Amenra

Die Belgier AMENRA sind bis einschließlich Mai quer durch Europa unterwegs, doch diesen Monat gab es zunächst nur zwei Gelegenheiten, sie hierzulande zu erleben: In Oberhausen und Dresden. Wir waren am 22.02.2018 in Oberhausen zugegen, um uns selbst ein Bild von den sagenumwobenen Auftritten der Band zu machen.

Berühmt-berüchtigt sind die Erzählungen, Fotos und Videos von Gigs, bei denen  sich Sänger Colin an Haken aufhängen und wie der Gekreuzigte von der Bühne in die Höhe ziehen lässt (Body-Suspension). Bei AMENRA (und dem Kollektiv Church Of Ra) hat man es mit einer extremen Form von Kunst zu tun, genauso extrem ist auch die schwer fassbare Musik, die sich am ehesten irgendwo zwischen Post Metal, Doom Metal und Sludge verorten lässt. Entsprechend groß war auch der Ansturm auf das Konzert im Druckluft in Oberhausen, welches kurz vor Beginn als ausverkauft vermeldet wurde. Schon beim Support Act GRIM VAN DOOM aus Wuppertal war es dann im Konzertraum grenzwertig voll und es strömten immer mehr Menschen hinein. Bei allen anderen Daten im Februar sind BORIS Support-Band, doch aus unerfindlichen Gründen hier nicht. Die wären aber vermutlich interessanter gewesen, denn GRIM VAN DOOM kamen bei ungünstigem Sound ziemlich generisch und langweilig daher. Die Jungs hat man schon besser gesehen, auch wenn sie es mit ihrem Sludge sowieso nicht wirklich über den Standard hinausschaffen.

Zum Glück war der Sound bei AMENRA dann aber besser, wenn nicht sogar optimal – alles andere wäre auch eine Katastrophe gewesen. Ihren Auftritt kann man eigentlich nicht in Worte fassen, man muss ihn selbst erleben. Brachial, bedrückend, mitreißend, brutal, abgründig – diese Band liefert ohne Übertreibung den Soundtrack zu Schmerzen in jeglicher Form. Sie starteten gewaltig mit „Boden – Spijt“ und die Bässe wummerten durch Mark und Bein, gepaart mit dem leidgeplagten, fast schon hysterischen Geschrei von Sänger Colin, der den ersten Teil des Konzertes über nur mit dem Rücken zum Publikum stand. Es folgte „Plus Pres De Toi (Closer To You)“ vom aktuellen Album „Mass VI“, das die Intensität noch steigerte, denn der beeindruckende Wechsel zu engelsgleichem Clean-Gesang wirkte fast zerbrechlich. Die Musik der Belgier lebt generell auch von Wechseln zu ruhigen, melodiösen, fast schon „stillen“ Parts, denen der Großteil des Publikums mit andächtigem Schweigen lauschte, doch immer wieder fielen einzelne Leute unangenehm durch lautstarke Unterhaltungen auf. Ernsthaft Leute, müsst ihr euch ausgerechnet dann über Schokolade oder Feldwege unterhalten?! Wenn einen die Musik nicht interessiert, kann man solche weltbewegenden Themen ja auch draußen erörtern und die anderen die Band genießen lassen.


Weiter ging es mit „Razoreater“ aus dem Jahr 2008 und dem Opener des aktuellen Albums „Children Of The Eye“. Inzwischen drehte sich Sänger Colin immer wieder zum Publikum und lieferte insgesamt eine hochemotionale Show ab. Das Gequassel Einzelner während der ruhigen Parts hörte leider fast während des ganzen Gigs nicht auf, doch die Zahl an verärgertem „Pssssst!“ nahm stetig zu. Geräusche und Flaschengeklimper von der Bar ließen sich leider nicht vermeiden, doch im Grunde war jedes Nebengeräusch störend. Stellenweise war es so still, dass man das „2€ bitte“ von der Theke am anderen Ende des Raumes hörte. Genauso Blitzlichter. Bis auf die über einen Beamer laufenden Videos gab es so gut wie keine Lichtshow, nur Dunkelheit – da sollte man echt das Blitzlicht ausschalten, wenn man fotografieren will. Irgendwie störte bei diesem Konzert einfach alles, was einen „unterbrach“ – so sehr konnten AMENRA fesseln. Nach „Nowena I 9.10“ vom Vorgängeralbum „Mass V“ kamen „Thurifer, et Clamor ad Te Veniat“ und „Terziele“ von der „Mass IIII“ sowie „Am Kreuz“. Es war sehr schade, dass sich aufgrund des Gedränges kaum etwas von den Videos im Hintergrund sehen ließ, aber hin und wieder war ein frei schwebender bzw. aufgehangener Körper erkennbar. AMENRA endeten mit einem weiteren aktuellen Song, „Diaken“, zu welchem Bassist Levy Growls beisteuert, was die Jungs noch gewaltiger wirken ließ.


„Gewaltig“ beschreibt die Messe der Belgier wohl am besten. Genau wie bei z.B. SUNN O))) fehlen fast die Worte, wenn man beschreiben will, was man erlebt hat. AMENRA berühren mit ihrer intensiven, emotionalen Musik und Show auf besondere Art und Weise und ziehen einen gnadenlos mit. Hier stimmte alles! Auch die Spielzeit von etwa 1:15h war angemessen, länger wäre womöglich schon anstrengend gewesen. Einziger Wermutstropfen waren, wie gesagt, die nervigen Unterhaltungen hier und da im Publikum. Ist es wirklich so schwer, etwas über eine Stunde lang mal den Mund zu halten?! Es bleibt Unverständnis darüber, sowie absolute Begeisterung für AMENRA.

Weitere Informationen

  • Band(s): Amenra, Grim Van Doom
  • Wann: 22.02.2018
  • Wo: Druckluft Oberhausen
Gelesen 1201 mal Letzte Änderung am Samstag, 24 Februar 2018 21:44