Mittwoch, 24 Januar 2018 22:28

17.01.2018 - Turock Essen + Batushka + Schammasch + Trepaneringsritualen

geschrieben von Haimaxia
European Pilgrimage III European Pilgrimage III Batushka - Metal Blade Records

Am vergangenen Mittwoch statteten die geheimnisumwobenen Polen Batushka dem Ruhrgebiet einen erneuten Besuch ab. Auf ihrer aktuellen „European Pilgrimage“-Tour, welche bereits in die dritte Runde geht, hat die mittlerweile bei Metal Blade Records praktizierende Combo seit Veröffentlichung ihres Debüts „Litourgiya“ von 2015 ordentlich gebrandschatzt und einen schaurig-schönen Kult um sich aufbauen können. Den Termin vom 17.01. im Turock, Essen, hatten sich daher viele Metal-Fans schon im vergangenen Jahr rot angestrichen.  Bereits vor dem offiziellen Einlass um 19 Uhr reihten sich die Fans in einer außerordentlich „deutschen“ Schlange bis weit über das untere Ende der Fußgängerzone hinweg.

Den Abend eröffnete zunächst der als Solo-Artist agierende Schwede Trepaneringsritualen, dessen Auftritt zwischen von Black Metal-Playback untermalter Performance-Kunst und viel experimentellen, teils elektronisch-industriellen, teils „doomigen“ Sounds eher polarisierte. Allein auf der Bühne zu stehen und die Musik lediglich einspielen zu lassen, ist unter den Kennern und Anhängern der Szene ja ohnehin schon eher unorthodox. Zunächst mit Kapuze, später mit geschwärztem Gesicht, bot der Musiker seine durchaus nicht schlechten Vocals dar, blieb aber durch das Fehlen einer Band und merkwürdig-gequälter Vortragsweise eher blass, langweilig und ließ einen skurrilen Nachgeschmack zurück. Am Ende kann man sogar infrage stellen, ob das Spektakel des schwedischen Künstlers nicht mehr Noise-Eskapade denn Black Metal ist. Für diejenigen, die sich gerne mal das Extrem-Äquivalent des Absurden Theaters anschauen, mit Sicherheit interessant, doch gleichsam nicht jedermanns Sache!

Schammasch leiteten als zweite Gäste den Abend dann für viele Gäste des Turock erst richtig ein. Die Schweizer Avantgardisten lagen seit Release ihres 2016er Albums „Triangle“ ganz und gar nicht auf der faulen Haut: So erschien erst Ende letzten Jahres mit „The Maldoror Chants: Hermaphrodite“ eine neue EP. Die dem französischen Dichter Lautréamont und seinem surrealistischen Werk gewidmeten Songs des neuen Releases wurden sogar ohne Ausnahme im ersten Block des Gigs in der Reihenfolge präsentiert, wie sie auch auf dem Tonträger zu hören sind. Schammaschs ritualistische, atmosphärisch dichte Präsenz mit ihrer getragenen und dramaturgisch ausgeklügelten Show zog das Publikum mit Leichtigkeit in ihren Bann. Insofern konnte die Band aus Basel um Frontmann und Gitarrist Christopher Ruf in exzellenter Weise auf den Hauptact des Abends einstimmen. Nach dem EP-Kapitel spendierte die Band noch Klassiker der vergangenen Platten wie „Consensus“ oder „Golden Light“, ehe man die Bühne für den folgenden schwarzen Gottesdienst räumte.

Batushka betraten ihr sakrales Kirchensetting nach und nach, Frontmann Варфоломей (Bartholomäus) nahm seinen Platz hinter der mit verfremdeter Christus-Ikone geschmückten Kanzel ein und die „Litourgiya“-Show begann. Auf der nunmehr dritten europäischen Wallfahrt der polnischen Kuttenträger hätte man als Anhänger der Gruppe, welche mittlerweile nicht mehr ganz so sehr Geheimtipp ist wie noch vor anderthalb Jahren, schon erwarten können, dass es vielleicht etwas Neues zu erleben gibt. Stattdessen gab es wie auch auf den Shows der letzten Pilgerreisen die Liturgien ihres bombastischen Debüts zu bezeugen, ohne dass an der Show oder der Präsentation der Stücke etwas verändert wurde. Dass Batushkas Auftritt ohne Frage ein spirituelles wie klangliches Erlebnis ist, darf und will man aber keinesfalls bestreiten. Waren die erst noch recht zaghaften, doch schon beeindruckenden Auftritte der 2016er Festivals bereits ein Highlight, ist das routinierte, eingespielte Ensemble circa zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihrer Platte zum Einstand eine stimmungsvolle, andächtig-einkehrende Sensation geworden.

Von der ersten Lektion „Yekteniya I: Ochishcheniye“ (russ. „Reinigung“) bis zur letzten „Yekteniya VIII: Spaseniye“ (russ. „Erlösung“) ist das Zusammenspiel aus Black Metal, mal reißend, mal zähfließend und dem Bühnenbild ein wahrer Genuss, dabei immer untermalt von den Chorstimmen der drei Hintergrundsänger. Dabei ist eigentlich erstaunlich, dass die Show der Polen recht statisch ist und trotzdem so viel Eindruck macht – geschuldet der befremdlichen, scheinbar konträren Optik zur Akustik natürlich. Kerzen, Weihrauch-geschwängerte Luft, christliche, genauer russisch-orthodoxe Symbolik, die durch den Kakao gezogen wird, obwohl die russischen Texte gar nicht satanisch-antichristlich angehaucht sind, sondern erst durch die Darbietung diesen Charakter erhält – all das macht in Summe das bannende Rauschgefühl der Live-Show aus, die die Band wieder und wieder bietet. Gespannt blickt man schon jetzt auf zukünftige Werke und Konzerte der Band, die sich in den vergangenen zwei Jahren einen Namen in Sachen dichter Atmosphäre gemacht hat, wie keine Zweite. Die restlichen Shows der Tour sollte man sich nicht entgehen lassen, auch wenn diejenigen, die schon die „European Pilgrimage“-Touren Nummer 1 und Nummer 2 oder Festival-Shows besucht haben, nichts Neues erleben werden.

 

Weitere Informationen

  • Band(s): Batushka, Schammasch, Trepaneringsritualen
  • Wann: 17.01.2018
  • Wo: Turock Essen
Gelesen 92 mal Letzte Änderung am Freitag, 23 Februar 2018 22:12