Freitag, 16 Februar 2018 18:37

10.02.2018 - K19 Kassel + Dysangelium + Crimson Moon + Mortuus Umbra + KVR

geschrieben von ghostwriter
Der erste Ritvs Der erste Ritvs Hole In The Sun

Viel zu lange war Nordhessen ein weißer Fleck auf der Karte, wenn man nach Black Metal-Veranstaltungen suchte. Mit dem ersten Ritvs des „Hole in the Sun“ wurde der Start einer Konzertreihe gesetzt, welche die schwarzmetallische Kunst in Kassel und Umgebung etablieren  und dem geneigten Fan eine feste Größe bieten soll.

Um diese erste Ausgabe zu zelebrieren, hatte man KVR, CRIMSON MOON und DYSANGELIUM aus Deutschland sowie MORTUUS UMBRA aus Israel eingeladen. Trotz der auch vor Nordhessen nicht Halt machenden Kälte versprach die Menschentraube vor dem Einlass des K19 einen guten Abend.

Die Ehre des Opening Acts hatten KVR aus Düsseldorf, welche hier sogar ihren ersten Live-Gig überhaupt bestritten. Unerfahrenheit oder ähnliches war keineswegs zu spüren – für die schon zahlreich erschienen Besucher lohnte sich der frühe Eintritt zweifelsohne. Mit etwas langsameren Doom-Parts und druckvollen Soundwänden hüllten sie die Halle in eine dunkle Atmosphäre, welche durch die markanten Vocals und etwas Rauch gut unterstützt wurden. Hervorzuheben ist hier der Song „Summoning“ welcher an Ad Cinerem erinnert und ein frühes Highlight setzte. Die Truppe schaffte einen äußerst geschickten und fesselnden Spagat zwischen Black Metal und Doom, ohne Langeweile aufzukommen zu lassen, und hob die Latte für alles Folgende bereits sehr hoch.

 

Die Exoten des Abends MORTUUS UMBRA hatten keine Probleme dieses Niveau zu halten. Mit harter Gangart ging es weiter durch den Abend und querbeet durch das „Catechism“-Album. Erstaunlicherweise leerte sich die Halle zeitweise etwas, vielleicht konnten sich manche von der hypnotischen Musik der Israelis nicht mitreißen lassen, doch langweilig war sie definitiv nicht. Da das Heizsystem in der Location wegen zu viel Nebel ausgefallen war, war es zwar mittlerweile ungemütlich kalt geworden, doch auch das war keine Erklärung, denn draußen war es mit 1 Grad schließlich noch kälter. Nach und nach drängte sich aber der Verdacht auf, dass dieser Abend das kälteste Konzert ever werden könnte – aber passte ja wiederum auch zum Black Metal. 

                                               

   

CRIMSON MOON sind gute Bekannte in der Szene und liefern für gewöhnlich ein hohes Niveau ab, welches sie unter anderem mit ihrem Auftritt beim letztjährigen „Speyer War Mass“ abermals bewiesen hatten. Bereits ab dem Opener und Titeltrack des aktuellen Albums („Oneironaut“) war das Publikum auf der Seite der Band und feierte sie.  Headbanger in der ersten Reihe mehrten sich bei „Urillian Worm“, was den perfekten Auftritt der Kombo unterstrich. Auch nach mehrjähriger Bühnenpause und einigen wenigen Deutschlandkonzerten weiß die Band absolut zu überzeugen und unterstrich einmal mehr den Status der Band. Alte wie neue Songs klangen genauso kraftvoll, wie man es sich wünscht, und außer bei kurzen Instrumentalpausen erschufen die Jungs eine perfekte Atmosphäre. CRIMSON MOON trugen merklich zum Gelingen des Abends bei, allerdings überzogen sie fast eine Viertelstunde, sodass ihr Auftritt nach hinten heraus doch etwas langatmig wurde.

                                                        

 

Der Headliner DYSANGELIUM hatte sich hier und da schon als Geheimtipp herumgesprochen und brach, wie zu erwarten war, brachial über die Zuschauer herein. Von Anfang an kraftvoll und mit einer guten Hand voll Headbanger sowie erhobener Fäuste startete die Truppe mit „Venus Inverse“ ihr Feuerwerk. Die gute Stimmung hielt während des gesamten Auftritts an, während sich die Jungs aus Kiel mit unglaublicher Bühnenpräsenz und Energie durch ihre Setlist holzten. Vor allem Sänger Sektarist 0 lieferte eine gute Show ab; auch das präzise Drumming stach heraus. Ob „Ave Obscuritas Incarna“, „Obelisk Of The Sevencrowned Son“ oder „Chaomega” – jeder Song ein Kracher. DYSANGELIUM konnten absolut überzeugen und erwiesen sich als würdiger Headliner. Wenn man sich mitreißen ließ, konnte man sogar die Kälte vergessen, die sich erneut eingeschlichen hatte, nachdem die Heizung vorher wieder kurz funktioniert hatte. Doch bei dieser Band wollte man verständlicherweise nicht auf Nebel verzichten.   

 

Ein Fazit lässt sich klar formulieren: Alle Bands haben fantastisch abgeliefert und jede einzelne Performance konnte vollends überzeugen! Dass KVR mit ihrem ersten Live-Auftritt derart gut ankamen, erfreut besonders. Der Sound war außerordentlich gut, denn die Veranstalter hatten ein externes System aufgefahren, das einen Sound lieferte, wie man ihn nur selten antrifft. Patzer findet man bei diesem Event selbst mit der Lupe nicht, abgesehen von der Heizung. Mitten im Winter war das nicht wirklich angenehm, aber wer ansonsten auf frostbitten Black Metal schwört, sollte es aausgehalten haben. In Zukunft findet sich dafür sicherlich eine Lösung, denn normalerweise sind Nebel + Heizung ja auch kein Problem.

Dieser erste Konzertabend von „Hole In The Sun“ war – dafür dass es sich um vier Underground-Bands handelte – erstaunlich gut besucht und lässt hoffen, dass der deutsche Underground doch noch funktioniert! Das K19 bietet darüber hinaus noch Luft nach oben für mehr Besucher, welche sich auch zukünftig an feinsten metallischen Klängen erfreuen dürften und sollten, denn hier ist eine vielversprechende Veranstaltungsreihe in Kassel gestartet.  

Weitere Informationen

  • Band(s): Dysangelium, Crimson Moon, Mortuus Umbra, KVR
  • Wann: 10.02.2018
  • Wo: K19 Kassel
Gelesen 681 mal Letzte Änderung am Freitag, 16 Februar 2018 20:00