Donnerstag, 12 Oktober 2017 09:29

23.09.2017 - G-Werk Marburg - Frigoris + Deadwood + Infesting Swarm + Yanos + HTLTO -

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Fieberwahn Marburg Fieberwahn Marburg Bifroest Kulturförderung e.V.

Am 23.09.2017 kamen Freunde des Post und Black Metal im hessischen Marburg voll auf ihre Kosten: Mit hochkarätigem Line-Up, bestehend aus HTLTO, Yanos, Deadwood, Infesting Swarm und Frigoris, lockte der Bifroest Kulturförderung e.V. ins G-Werk, um einen besonderen Abend zu zelebrieren. Natürlich waren wir vor Ort und haben uns einen genauen Eindruck davon verschafft.

 

Das G-Werk der Lutherstadt schaffte es mit dieser Veranstaltung erstmalig auf meinen Veranstaltungskalender und entsprechend versuchte ich, ohne Erwartungen einen möglichst objektiven Eindruck zu gewinnen. Eine gemütliche Location am Rande der Stadt mit allerlei Möglichkeiten, gute Konzerte zu veranstalten – so war der erste Eindruck, der den Abend freudig starten ließ.

Pünktlich um 18.30 Uhr eröffneten das Post Metal Duo von Hands That Lift The Ocean aus Würzburg mit recht minimalistischer Bühnenpräsenz den Abend. Sich bedächtig aufbauende Songs wechselten mit langen ruhigen Phasen ab, was im Zusammenspiel mit spärlichem Licht beim noch überschaubaren Publikum durchaus Gefallen fand. Da ich bisher nur Songs der Demo kannte, wurde ich von den wahnsinnig vielfältigen Songs des Albums überrascht, die sich deutlich einzigartiger gestalteten und der Band mehr Selbstständigkeit gaben. Der Sound hallte wie es sich gehört durch die Veranstaltungshalle, wobei jeder Ton das Mark erschütterte und die Latte für den Abend sehr hoch angesetzt wurde.

 

Yanos, welche als Lokalmatadoren einen kleinen Bonus hatten, führten nach einer kurzen Umbaupause nicht nur den Post Metal Spirit fort, sondern verstärkten ihn ungemein. Mit Songs ihres Debuts „Omega“ bot die Band eine wirklich atemberaubende Performance voller Emotionen und Leidenschaft, die alle vor Ort anstecke. Da ich die Band bisher noch nicht auf dem Schirm gehabt hatte, faszinierte mich die düstere Akustik umso mehr. Kunstvoll wurde diese im Gesamtbild zu einem einzigartigen Stück Post Metal vereint und sorgte für den ein oder anderen Gänsehautaugenblick. Absolute Empfehlung!

 

Ein persönliches Highlight des Abends waren für mich Deadwood, von deren Qualitäten ich mich schon oft überzeugen konnte und an deren Auftritt ich daher mit großer Vorfreude heranging. Entsprechend begeistert war ich, als nach einer etwas längeren Umbaupause die Band mit „Burden of Remembrance“ und etwas mehr Lichteinsatz als ihre Vorgänger direkt den Nerv des Publikums trafen. Genau für diese Mischung aus Black Metal und modernem Post Metal werden Deadwood geliebt und gelten verdientermaßen als eine der innovativsten Bands des Genres. Leider dauerte es nicht lang und erste Soundprobleme machten sich bemerkbar, welche auf eine schlechte und teils übersteuerte Tontechnik vor Ort zurückzuführen waren. Auch wenn mit „Soiled“ ein weiteres Paradebeispiel des musikalischen Talents der Band zum Besten gegeben wurde, störten die häufiger werdenden Rückhalle sowie Störgeräusche zunehmend das Hörvergnügen. Mit „Aspects“ lieferte Deadwood, wie vorher schon teilweise vermutet, einen neuen Song, der deutlich mehr auf Post Metal Elemente setzte und herausragende bandtypische Melodiepassagen mit härteren Sequenzen kombinierte sowie einen deutlichen, leicht neuen Trend der Band suggerierte. Abgeschlossen wurde der Auftritt mit einem vierten Song, der stets als Finaltrack genutzt wird und wie kaum ein anderer als Abschluss funktioniert - „White Tears Gently Touching The Earth“. Ein absolut genialer Auftritt, auch wenn die Band mit der teils mäßigen Soundtechnik zu kämpfen hatte und daher nicht ihr volles Potential entfalten konnte.

 

Die nächste Band des Abends, Infesting Swam, war ebenfalls schon lange auf meiner persönlichen Beobachtungsliste und sollte nun endlich die Chance bekommen, mich live zu überzeugen. Mag es meine persönliche Affinität zu Eïs sein, deren Gitarrist hier ebenfalls sein Talent zur Verfügung stellt, oder die Art der Vertonung des Menschenhasses, der mich bei dieser Band so anspricht - auf Platte hatte mich Infesting Swarm schon lang überzeugt. Leider war der Auftritt von deutlich weniger Menschen besucht als noch der von Deadwood und als wenn das nicht genug gewesen wäre, versagte die Tontechnik nun vollends. Dadurch fehlte nicht nur das Intro der Band, es wurden auch Band wie Publikum durchweg von mangelhafter Akustik und Abstimmung geplagt. Die Künstler aus NRW und Bayern gaben ihr Bestes, um die Situation zu retten und die Songs ihres Albums „Desolation Road“ so gut es ging darzubieten, jedoch war es fast nicht möglich, eine wirklich gute Show abzuliefern. Das artete zunehmend in Frust aus und schlussendlich beendete die Band den Auftritt früher als geplant mit dem Song „Ending“. Abgesehen davon konnte man dennoch erahnen, welch geballte Wucht eigentlich hinter der Musik von Infesting Swarm steckt und wie gut der Auftritt hätte sein können, hätten die Vorrausetzungen gestimmt.

 

Frigoris aus Essen, respektive Arnsberg, bildeten den Abschluss des Abends und sollten auch glücklicherweise mit keinem der Tonprobleme der letzten beiden Bands zu kämpfen haben. Mit ihrem deutschsprachigen, rauen Black Metal mit Pagan und Post Metal Einflüssen stach die Band aus dem restlichen Line-Up etwas hervor und brachte der Veranstaltung eine Portion Abwechslung. Zwar waren nur noch wenige Menschen anwesend, dennoch flammte die Stimmung ein letztes Mal auf und sorgte für einen grandiosen Auftritt. Verschiedene Songs von Alben wie „Wind“ und „Nur ein Moment“ sorgten für eine abwechslungsreiche Setlist, die ruhigere mit schnelleren Black Metal Songs geschickt kombinierte und für spannende Minuten sorgte.

Alles in Allem ein fantastischer Abend mit überragenden Bands in einer super Location, dessen Gesamteindruck von Tonproblemen bei zwei Bands zwar etwas geschmälert wurde, mir dennoch überwiegend positiv in Erinnerung bleibt.

 

 Die Bilder dazu gibt's hier

Weitere Informationen

  • Band(s): Frigoris, Deadwood, Infesting Swarm, Yanos, HTLTO
  • Wann: 23.09.2017
  • Wo: G-Werk Marburg
Gelesen 415 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 12 Oktober 2017 09:45