Montag, 09 Oktober 2017 20:51

25.09.2017 - Turock Essen + Satyricon + Suicidal Angels

geschrieben von
Satyricon Satyricon Kingstar

Nach 25-jähriger Schaffenszeit ist vor wenigen Tagen das neue Album „Deep Calleth Upon Deep“ von den norwegischen Altmeistern SATYRICON erschienen. Aus diesem Anlass touren sie gerade durch Europa und machten am 25.09.2017 im Essener Turock Halt. Genau wie letztes Mal vor vier Jahren war das Konzert ausverkauft. Vorbands waren FIGHT THE FIGHT (Metalcore aus Norwegen) und die Thrasher SUICIDAL ANGELS aus Griechenland.  

Das Wichtigste zuerst: Es war der Hammer!! Allerdings mit Abstrichen: Ursprünglich war der Einlass für 19 Uhr und der Beginn für 20 Uhr angesetzt. Bei Eintreffen um kurz nach 20 Uhr waren SUICIDAL ANGELS jedoch schon im vollen Gange – offensichtlich war der Beginn also deutlich nach vorne gezogen worden, sodass wir FIGHT THE FIGHT verpasst hatten. Da es sich bei dieser Band um Metalcore handelt, war das für uns zwar locker zu verschmerzen, aber angenommen, jemand hätte die Band gerne sehen wollen und sie dann wegen falsch angegebener Zeiten verpasst – das geht leider gar nicht. Vor allem nicht bei einem Ticketpreis von 30€. Von den SUICIDAL ANGELS bekamen wir so auch nicht mehr viel mit: Solide, aber irgendwie auch unspektakulär. Wer auf Thrash Metal steht, dürfte jedoch auf seine Kosten gekommen sein. Zudem war die Location aufgrund des Ausverkaufs gerammelt voll und ziemlich überhitzt, sodass man sich 2x überlegte, ob man vor dem Hauptact nicht lieber noch etwas frische Luft schnappen ging.

Die Umbauphase zog sich bis etwa 21.15 Uhr, die Herren ließen sich wie gewohnt Zeit. Als Satyr, Frost und ihre Live-Musiker dann endlich im Nebel die Bühne betraten und mit „Midnight Serpent“ vom neuen Album loslegten, war schnell klar: Das Warten hatte sich mehr als gelohnt! Weiter ging’s mit „Our World It Rumbles Tonight“ vom selbstbetitelten Vorgängeralbum - der Song hätte Namensgeber dieses Gigs sein können. Beim eingängigen „Black Crow On A Tombstone“ vom Album „The Age Of Nero“ schalteten sowohl die Band als auch das Publikum ein paar Gänge hoch, sodass die Haare nur so flogen. Erfreulicherweise war der Sound auffallend gut, wenn auch etwas laut. Anschließend gab es den Titelsong des neuen Albums: „Deep Calleth Upon Deep“. Die neuen Songs kamen bisher sehr gut an, doch bei dem nun folgenden älteren Material kochte die Stimmung immer weiter hoch. Nach „Walker Upon The Wind“ folgte der Kracher „Repined Bastard Nation“ vom Album „Volcano“, das Satyr dem Ruhrpott-Thrash Metal widmete - eine schöne Geste. „Commando“ und „Now, Diabolical“ brachten die Stimmung dann endgültig zum Überlaufen. Kritiker können sagen, was sie wollen, Songs von den rockigeren Alben „The Age of Nero“ und „Now, Diabolical“ zünden live einfach immer mit am meisten. Mit „To Your Brethren In The Dark“ und „Blood Cracks Open The Ground“ vom neuen Album ging es danach wieder gemächlicher weiter, bei letzterem ebbte die super Stimmung sogar etwas ab. Als Satyr, mittlerweile selbst mit Gitarre ausgestattet, dann etwas von der „Nemesis Divina“ ankündigte, rechnete man direkt mit „Mother North“ und warf erstaunt einen Blick auf die Uhr, kommt dieses Lied doch meistens als letztes.

 Doch zuerst spielten sie „Transcendental Requiem Of Slaves“ als eine Art instrumentales Interlude, bevor DIE Hymne schlechthin angestimmt wurde. Und natürlich sang der ganze Saal mit. Regulär     war es auch der letzte Song, denn die Band verließ danach die Bühne. Erneut fragende Blicke, denn sowohl bei SATYRICON als auch im Turock ist es nicht immer gewiss, dass es eine Zugabe gibt. Die Menge forderte dies lautstark ein und tatsächlich kehrten die Jungs unter Jubel auf die Bühne zurück. Die erste Zugabe war „The Pentagram Burns“ mit seiner unheilvollen Atmosphäre, die zweite „Fuel For Hatred“, wo es dann wieder steil nach vorne ging. War danach nun endgültig Feierabend? Es sah ganz danach aus, da Frost nach vorn kam und alles nach Bedanken und Verabschieden aussah – wenn nicht einer der Gitarristen seine Gitarre gestimmt hätte. Der aufmerksame Besucher konnte also erahnen, dass es noch eine dritte Zugabe geben würde. Frost   stampfte schließlich im Takt der „We want more“-Rufe auf den Boden und ging dann zurück zum Schlagzeug. Der letzte Song des Abends wurde „K.I.N.G.“. Einen besseren Abschluss hätte es nicht   geben können, denn dieser Song ist einfach nur catchy und verkörpert alles, was SATYRICON ausmacht. Das Publikum feierte die Band als gäb’s kein Morgen mehr! Was die Band abgeliefert hatten,   war aber auch wirklich erste Klasse gewesen: Eine ansprechende, knackige Setlist (15 Songs!) gepaart mit viel Spielfreude und sehr gutem Sound – da bleiben keine Wünsche offen. Lediglich   Anhänger der ganz alten Sachen könnten etwas enttäuscht gewesen sein, da von diesen nur "Mother North" vorkam. Es ist jedoch fraglich, ob man bei Bands, die inzwischen eine große Diskographie   vorzuweisen haben, erwarten kann, dass sie immer in ihren Anfangstagen verhaftet bleiben. Aber darüber lassen sich bekanntlich Grundsatzdiskussionen führen. Die Norweger haben jedenfalls   erneut bewiesen, dass sie nicht grundlos nach wie vor in der obersten Liga des Black Metal mitspielen.

SATYRICON haben eine phantastische Show abgeliefert, die einfach nur Spaß gemacht hat. Zwei Kritikpunkte bleiben jedoch: Das seltsam zusammengestellte Line Up und die Zeitverschiebung. Natürlich ist es an einem Wochentag wünschenswert, früh wieder zuhause zu sein, doch wenn sich die meisten Leute an 20 Uhr gehalten hätten, hätte die erste Band vor einer leeren Halle gespielt. Das ist für jede Band – auch wenn es Metalcore ist – unschön. Und fanfreundlich geht auch anders.

Weitere Informationen

  • Band(s): Satyricon, Suicidal Angels, Fight The Fight
  • Wann: 25.09.2017
  • Wo: Turock Essen
Gelesen 340 mal Letzte Änderung am Dienstag, 10 Oktober 2017 14:40