Dienstag, 15 März 2016 10:51

Under The Pledge Of Secrecy – Black Hole Mass Evolution

geschrieben von Soundchaser
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(4 Stimmen)
Black Hole Mass Evolution Black Hole Mass Evolution Under The Pledge Of Secrecy

Die bandeigenen Genreangaben auf der Facebookseite der Aachener lauten: Death Metal/Experimental Metal/Grindcore. Wobei die beiden ersten den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf (und leider auch meinen) treffen. Die Aachener gehen auf dem aktuellen Longplayer „Black Hole Mass Evolution“ dermaßen technisch und verkopft zur Sache, dass mir nach dem Anhören erst mal mächtig die Rübe schwirrt.

Eine solche Masse an Riffs, Licks, Knüppelattacken, Grindshouts, Gekeife, Frickeleien und anderen hochtechnischen Zutaten führt bei mir beinahe zur Schnappatmung. Meine Fresse – was ist das denn für eine Scheibe! In den ersten fünf Songs gibt es nicht einmal den Ansatz einer Verschnaufpause. Beim ersten Anhören erkennt man erst mal fast gar keine Strukturen, beim zweiten und dritten Anhören auch nicht viel mehr. Das Gaspedal fräst sich permanent ins Bodenblech. Erst zu Beginn von „Smith Island“ gönnt die Truppe uns einen – äußerst kurzen – Moment der Ruhe (synthetische Wellen- und Möwenklänge), bevor es erneut richtig deftig weiter geht.

 

Nach dem Instrumental „The Breakeven“ (relativ ruhig und stilistisch überraschend anders als der Rest dieses Albums) schlitzt die Band uns mit „Black Forest“ von unten nach oben auf und wühlt so richtig in den Gedärmen, bevor mit „The First Light“ ein – vergleichsweise – geradliniger und beinahe schon eingängiger Titel als Abschluss folgt. Na endlich! Warum erst jetzt und warum so wenig davon? Ich bin geschafft, zittere am ganzen Leib. Die ganze Mucke klingt wie vertonte und hochkomplexe mathematische Formeln, vermixt mit den Schaltplänen eines Atomreaktors. Der Gesang keift und keift und keift und keift…wer braucht schon verständliche Vocals, Hauptsache es klingt schön giftig und schält einem die Lauscher vom Schädel!

 

Getreu dem Motto „Atemlos durch den Krach“ klappte bei mir – auch nach mehrmaligem Hören – immer wieder der Unterkiefer nach unten. Nicht vor Begeisterung, sondern vor barem Erstaunen darüber, wie viel manche Bands in einen Song packen. Leider. Denn diese Scheibe müsste eigentlich wegen Überfüllung geschlossen werden. Der Türsteher lag bei der Studiosession wohl besoffen und zugekifft in irgendeinem Eck, das Album ist gestopft voll, die einzelnen musikalischen Elemente reihen sich Arsch an Arsch und Bauch an Bauch, man fühlt sich wie eingekeilt zwischen den Riffs, dem Keifen des Sängers, den Breaks und Fill-ins, den Soloschnipseln und sonstigen „Raffinessen“. Zu Zeiten analoger 4-Track-Aufnahmen hätte allein die Technik dies – absolut nicht zum Nachteil des Gesamteindrucks – verhindert. In Zeiten digitaler Festplattenaufnahmen mit (nahezu) unbegrenzter Spurenzahlen kommt dann so etwas dabei heraus wie bei „Under the Pledge of Secrecy“.

 

Dass die Truppe ihre Instrumente beherrscht, zeigt sie überdeutlich, aber eben wenig songdienlich. Alles folgt dem offenbar tief in den Köpfen der Band eingebrannten Glaubensgrundsatz „je mehr drin ist, desto besser“ – nö! Und das kommt von mir, der, wenn andere entnervt „Oh Mann, was für ein Gefrickel!“ stöhnen (den Ohrenschmerzen nahe oder bereits mittendrin), begeistert „Oh, geil, was für ein tolles Gefrickel!“ jauchzt (vor Verzückung und tiefster innerer Befriedigung).

 

Nein, liebe Aachener, dieses Werk klingt in meinen Schallauffangvorrichtungen nach wie vor wie ein in einer Schüssel zusammengeschütteter Mix technisch hochprozentiger Metalshots, der bei mir allerdings keinen gepflegten Rausch (schon gar keinen Vollrausch) nach sich zieht, sondern ohne Umweg sofort in einen heftigen Kater mündet!

 

Tracklist:

1. Achilles
2. Convoluted
3. Rise of the Titans
4. One Eyed God Prophecy
5. Black Hole Mass Evolution
6. Smith Island
7. The Breakeven
8. Black Forest
9. The First Light

 

Bewertung:

4 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Under The Pledge Of Secrecy
  • Album Titel: Black Hole Mass Evolution
  • Erscheinungsdatum: 29.11.2014
  • Fazit: Für alle, die auf technisch verkopften Extremmetal stehen und es richtig geil finden, wenn innerhalb von Sekundenbruchteilen gefühlt Dutzende verschiedener Riffs, Licks, Fill-ins usw. auf einen einprügeln, gewürzt mit keifendem Geshoute und ohne letztlich in wirklich erkennbare Songs zu münden – viel Spaß! Wer lieber auf etwas Zurückhaltenderes steht und „weniger ist mehr“ sympathisch findet – lasst die Finger davon!
Gelesen 1986 mal Letzte Änderung am Dienstag, 15 März 2016 10:58

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