Dienstag, 15 September 2015 18:07

Macbeth - Imperium

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Imperium Imperium Macbeth

Es gibt nur wenige Bands, bei denen ich der Veröffentlichung eines neuen Albums richtig entgegen fiebere. Macbeth gehört zu diesen wenigen und um so größer war die Freude bei mir, als am 12.09. endlich "Imperium", das vierte Album, erschien. Es folgt nun der Versuch eines neutralen Reviews meinerseits, was mir aufgrund meiner Begeisterung für Macbeth sicher nicht leicht fallen wird.

Das Album beginnt mit "Ultima ratio regis", welches als Intro den Hörer mit ruhigen Gitarrenklängen in das Album führt, ehe es mit einem harschen Riff zerschnitten wird und nahtlos in den ersten Song über geht. "Das große Gericht" handelt vom Massensterben der Soldaten im Ersten Weltkrieg und erklingt im typischen Soundgewand von Macbeth: eine Rhythmusfraktion, die mächtig Druck macht, starke Gitarrenriffs und dazu Olli Hippaufs rauer und kraftvoller Gesang. Es gibt sicher einige da draussen, die sagen werden, dass sich die Band im Sound seit "Gotteskrieger" nicht mehr geändert hat, aber warum auch? Muss die Band die Kombination aus derben Heavy/Thrash Metal und Hippaufs Gesang wirklich ändern? Nein, muss sie nicht! Denn über die letzten Alben hinweg sind das die Markenzeichen von Macbeth geworden, wenn hier dran etwas geändert würde, würde es nicht mehr Macbeth sein!


Mit "Inferno", einem rasanten Song über einen Luftangriff auf eine Stadt, die am Ende im Feuersturm untergeht (musikalisch sehr gut am Ende des Songs umgesetzt) geht es weiter. Bei einem Blick auf die deutschen Texte fällt auf, dass auf "Imperium", im Vergleich zu den anderen Alben, die Themen Krieg und Militär überwiegen. Nun ist das ja so eine Sache mit solchen Texten, noch dazu auf Deutsch, aber Macbeth haben ein gutes Händchen dafür, was sie sagen und wie sie es sagen wollen. Es wird in keinem Song nur plump der Krieg glorifiziert, es wird eher angeprangert und mit Ekel über das Grauen im Krieg erzählt. So entwickelt sich "WN62" zum Beispiel nicht etwa zu einem Heldenlied über das Widerstandsnest 62 oder Heinrich Severloh, der dort am D-Day unzählige amerikanische Soldaten bei der Landung an Omaha Brach erschoss oder verwundete. Nein, der Song kippt zur Mitte hin und der Protagonist des Songs erzählt auf einmal, wie Nacht für Nacht die Gesichter der Toten über ihn kommen und ihm keine Ruhe lassen. Auch die Tatsache, dass er für sich doch nur seine Pflicht erfüllt hat, beendet die Besuche der Toten nicht, erst sein eigener Tod bringt ihm die Ruhe wieder.


In "Verloren" oder "Soweit die Füße tragen" (inhaltlich an das gleichnamige Buch von Josef Martin Bauer angelehnt) dagegen geht es um das Leid und die Trauer von Angehörigen gefallener Soldaten oder um die Flucht von einem Kriegsgefangenen durch die endlosen Weiten Sibiriens. Beide Songs gehören eher zu den langsameren Stücken auf den Album, doch passt das getragene Tempo perfekt zur Thematik. Gerade "Verloren" entwickelt sich für mich mit jedem Hören immer mehr zum stärksten Song auf "Imperium". Jedes Mal bekomme ich bei dem Song eine meterdicke Gänsehaut, die mir eiskalt den Rücken runter läuft. Macbeth schaffen es für mich perfekt, die Trauer der Zurückgebliebenen musikalisch einzufangen und wiederzugeben.


Doch eigentlich ist es egal, welchen Song man sich heraus pickt, alle sind klasse und qualitativ auf hohem Niveau. Das liegt auch am satten und klaren Sound, den die Songs beim Abmischen bekommen haben. Jedes Instrument ist zu jeder Zeit gut zu hören und kriegt den Rahmen, den es zu seiner Entfaltung benötigt. Die Zusammenarbeit mit Patrick W. Engel (Temple of Disharmony) über die letzten drei Alben hinweg macht sich hier wirklich positiv bemerkbar. Und als ehemaliger Drummer der Band weiß er vor allem, wie Macbeth zu klingen haben: drückend von den Drums und Bass her, dazu mächtig und fies klingende Gitarren, so wird es zum Macbeth-Sound! Um es kurz zusammenzufassen: Engel hat auf "Imperium" seinen Job perfekt gemacht!


Ein paar Worte will ich noch zu den drei Bonustracks verlieren, die auf dem Digipak zu finden sind. Es handelt sich hierbei um drei Liveaufnahmen von Konzert zum 25-jährigen Bestehen der Band im From Hell, Erfurt, quasi dem Wohnzimmer von Macbeth. Während "Death Under Moonlight", ein Song aus CAIMAN-Zeiten (so hieß die Band kurze Zeit nach dem Verbot durch die Stasi), noch in die Kategorie Entbehrlich fällt, sind "Der Fährmann" und "Maikäfer flieg" absolute Kracher! Denn hier setzt die Band auf Akustikgitarre und brechen die Songs auf das Wesentliche herunter. Gerade bei "Maikäfer flieg" zeigt sich so die wahre Stärke des Songs. Schon in der ursprünglichen Version ist er einer der stärksten Songs von Macbeth, doch erst in der "leisen" Variante zeigt er sein volles Potenzial. Auch hier entwickelt sich bei mir eine dicke Gänsehaut und ich bin sprachlos angesichts solch eines wahnsinnig tollem Stück Musik.


Selbst wenn ich mich um Neutralität bemühen würde, kann ich nicht anders, als "Imperium" eine "Eins plus mit Sternchen" als Note zu geben. Es ist für mich der würdige Nachfolger von "Wiedergänger" und ein perfektes Gesamtpaket. Der Sound ist klasse abgemischt, alles klingt nach Macbeth und zehn Songs auf einem durchgehend hohen Niveau...was will man mehr. "Imperium" wird sich mit Sicherheit auf lange Zeit in den Playern meinerseits festsetzen und ich werde nichts dagegen haben!


Tracklist:

1. Ultima ratio regis

2. Das große Gericht

3. Inferno

4. WN62

5. Verloren

6. König der Henker

7. Pawlows Haus

8. Imperium

9. Ein Sturm wird kommen

10. Soweit die Füße tragen

Bonus auf dem Digipak:

11. Death Under Moonlight (live)

12. Der Fährmann (live)

13. Maikäfer flieg (live)


Bewertung:

10 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Macbeth
  • Album Titel: Imperium
  • Erscheinungsdatum: 12.09.2015
  • Fazit: Selbst wenn ich mich um Neutralität bemühen würde, kann ich nicht anders, als "Imperium" eine "Eins plus mit Sternchen" als Note zu geben. Es ist für mich der würdige Nachfolger von "Wiedergänger" und ein perfektes Gesamtpaket. Der Sound ist klasse abgemischt, alles klingt nach Macbeth und zehn Songs auf einem durchgehend hohen Niveau...was will man mehr.
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