Donnerstag, 30 April 2015 21:01

The Outside - Dawn of the Deaf

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The Outside - Dawn of the Deaf The Outside - Dawn of the Deaf The Outside

Jetzt nicht erschrecken: The Outside spielen von Prog-Rock beeinflussten Thrash Metal mit leichtem Death Metal-Einschlag (Growls) – kann da was vernünftiges bei rauskommen? Aber sicher! Das Quartett ist recht international mit Mitgliedern aus Chile, Israel und Deutschland besetzt, die Bandmitglieder wohnen aber in Berlin. Nach einer Demo-Veröffentlichung 2009 und dem darauf folgenden Debut-Album 2012 ist nun die zweite CD fertig.

Ich muss gestehen, dass die Band bisher komplett an mir vorbei gegangen ist. Was sofort auffällt ist die hohe Professionalität mit der man bei The Outside in allen Bereichen an die Sache ran geht: das geht los mit dem aufwändigen Coverartwork, der guten und druckvollen Produktion sowie dem gut gemachten Videoclip (Link siehe unten).


Die neun Songs („Defy“ ist „nur“ ein Intro) sind allesamt tolle Kompositionen und machen von der ersten bis zur letzten Sekunde richtig Spaß. Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass es den meisten so gehen wird, dass man sich bei Thrash Metal die klassische Abrissbirne erwartet und sich nicht vorstellen kann, wie hier progressive Elemente in ein schlüssiges Gesamtkonzept eingebettet werden können oder wenn, dann vermutet man Dream Theater-artige Songs die eher für den Geist denn für die Seele komponiert sind.


Aber wirklich weit gefehlt. Natürlich bekommt man bei The Outside auch die volle Thrash-Breitseite à la Kreator geboten, die Stücke haben aber alle virtuos gespielte Zwischenparts, die keineswegs weniger aggressiv sind und sie knüppeln ebenso durch, aber eben mit komplexen Instrumentalarrangements, die zumindest ich im Thrash bisher so noch nicht gehört habe. Und das Ganze funktioniert großartig: die progressiven Stellen sind nie Selbstinszenierung, sondern immer songdienlich und lassen dadurch sehr abwechslungsreiche Songs entstehen, die auch beim x-ten Mal anhören nicht langweilig werden. An einigen Stellen erinnert es auch ein klein wenig an Arch Enemy.


Eines vorweg: wer in die CD reinhören möchte, sollte sich Zeit und Ruhe dafür nehmen. Es sind allesamt keine Songs, die beim ersten Mal sofort ins Ohr gehen, dafür ist der Langzeitspaß umso größer. Gerade die an Megadeth erinnernden Gitarrensoli (bei „End Of Trust“ fühle ich mich an die Langversion von „Hangar 18“ erinnert) sind ein Hochgenuss für's Ohr. Aber, wenn man (wie ich zuerst) die Musik nur nebenbei und im Hintergrund hört, geht sie einem erst Mal ziemlich auf den Wecker, weil es eben keine Songstrukturen gibt, die sich sofort erschließen. Wenn man die CD aber z.B. nach Feierabend einlegt und bewusst genießt gibt es unendlich viel zu entdecken. Auch der melodische Teil kommt nicht zu kurz, bei Titeln wie meinem absoluten Anspieltipp „When Leaders Fall“ geht der Refrain sofort ins Ohr und dennoch wird man immer wieder überrascht.


Ich höre mir die CD jetzt schon zum zweiten Mal direkt hintereinander an, was ich normalerweise nie mache, aber es ist wirklich ein Erlebnis die vielen dargebotenen und teils etwas versteckten und sich nicht sofort erschließenden Elemente nach und nach zu entdecken. Wer auf klassischen Thrash Metal steht, aber auch Bands wie Megadeth und Arch Enemy nicht abgeneigt ist sollte hieran seine helle Freude haben. Auch der variable Gesang der von (relativ) melodischen Parts über brutales Schreien bis hin zu Death Growls alles abdeckt passt perfekt zur Band. Wofür ziehe ich dann den einen Punkt ab? Was mir persönlich noch besser gefallen würde, wenn alle Songs schön ausgearbeitete Refrains wie „When Leaders Fall“ hätten. Das ist aber wirklich rein subjektiv und wer hier nicht immer einen sich im Ohr festsetzenden Refrain benötigt kann gerne noch einen Punkt auf die Bewertung draufpacken. Wirklich eine ganz tolle CD!



Tracklist
1. Defy
2. End of Trust
3. When Leaders Fall
4. Until the World Takes Us
5. To the Innocent
6. Dawn of the Deaf
7. Ashes
8. In Decadence
9. New Disorder
10. Of a Nation

Bewertung
9 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: The Outside
  • Album Titel: Dawn of the Deaf
  • Erscheinungsdatum: 08.11.2014
  • Fazit: Ich höre mir die CD jetzt schon zum zweiten Mal direkt hintereinander an, was ich normalerweise nie mache, aber es ist wirklich ein Erlebnis die vielen dargebotenen und teils etwas versteckten und sich nicht sofort erschließenden Elemente nach und nach zu entdecken. Wer auf klassischen Thrash Metal steht, aber auch Bands wie Megadeth und Arch Enemy nicht abgeneigt ist sollte hieran seine helle Freude haben. Auch der variable Gesang der von (relativ) melodischen Parts über brutales Schreien bis hin zu Death Growls alles abdeckt passt perfekt zur Band. Wofür ziehe ich dann den einen Punkt ab? Was mir persönlich noch besser gefallen würde, wenn alle Songs schön ausgearbeitete Refrains wie „When Leaders Fall“ hätten. Das ist aber wirklich rein subjektiv und wer hier nicht immer einen sich im Ohr festsetzenden Refrain benötigt kann gerne noch einen Punkt auf die Bewertung draufpacken. Wirklich eine ganz tolle CD!
Gelesen 1299 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 30 April 2015 21:04

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THE OUTSIDE - Dawn of the Deaf (OFFICIAL MUSIC VIDEO) The Outside