Samstag, 28 September 2013 09:40

Desolation - Desoriented

geschrieben von Ghostwriter
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Ich werde aus Desolation nicht schlau. Homepage under Construction, die Facebook Seite sagt so viel aus wie der Werbekampagne der FDP zur letzten Bundestagswahl (garnichts) und auch sonst hält sich die Band ziemlich bedeckt. Das Cover der Band ist schlichtes Waldgestrüpp und die Texte bzw. die Namen der Bandmitglieder lassen zumindest auf eine deutsche Kombo schließen. Nach weitergehender Recherche, unter anderem auch ein Interview mit Johannes auf einer bekannten Metalplattform, kommt Licht ins Dunkel.

Was hier als inzwischen drittes Album der Black bzw. Death -Band daherkommt, hat knapp vier Jahre Entwicklungszeit hinter sich. Nach langer Kreativ-Phase, Prokrastination und Trennungsgerüchten steht das Teil seit Ende September im Laden und ist zu Recht episch zu nennen. Richtig warm werde ich hier allerdings erst bei mehrmaligem Hören und „Desoriented“ ist definitiv kein Album für leichte Abendunterhaltung. Ich würde die Jungs am ehesten mit einer Mischung aus Therion und Dissection, mit einer ordentlichen Kelle Progressive beschreiben wollen. Eines der Songflaggschiffe ist für mich eindeutig Track 6 „The Sainthood Of The Fallen“, das mich stellenweise brutal an eine Mischung aus dem fantastischen „Black Dragon“ von meinem Lieblingsmusiker Jon Nödtveidt und „The Wings Of The Hydra“ der bereits erwähnten „Therioner“ erinnert. Die Gemeinsamkeiten enden aber schnell und übrig bleibt ein dunkles, hartes und ausschweifendes Stück Musik.


Die allgemeine Grundlage des Albums ist immer wieder eine melange aus Verzweiflung, Depression und Wut und mit Texten, die sich z.B. um die Geburt Jesu bzw. dem „Kampf“ von Maria Magdalena (wie bei „Ave Maria“ zu hören) drehen. Und hier wird die Verwirrung perfekt. Ohne Kommentar wie z.B. dem Interview, würde man wohl sehr ins schleudern kommen und die berechtigte Frage stellen was die Jungs mit den Lyrickonstrukten wohl genau meinen und ob man es hier mit White Metal zu tun hat. Weitere Beispiele sind hier noch „Agnus Dei“ und auch der letzte und nebenbei vollständig deutsche Titel „Ich hasse ein bisschen die Welt“, hat Gottesbezug bzw. hegt offenbar den Wunsch nach einer allmächtigen Entität, die endlich mit dem ganzen Elend auf der blauen Kugel Schluss macht. Dennoch interpretiere ich den Song als letzte Hoffnung (Im Inlet die einzigen zwei Seiten die in einem sonst schwarz gehaltenen Stil einen blauen Horizont zeigen) auf ein dennoch gutes Ende der ganzen Grütze.

 

Insgesamt bleibe ich mit einem durchwachsenen Eindruck zurück. Mit meinem grundlegenden Hass auf jede Art von Religion sind mir die Lyrics zum Teil sehr zuwider, auch wenn ich diese vielleicht fehlinterpretiere. Musikalisch gesehen ist das Album ein Muss für jeden Metalhead mit einem gewissen Anspruch an epische Klänge und durchdachte Songstrukturen. Die vier Jahre Entwicklungszeit haben sich durchaus gelohnt und die 6 Mannen von Desolation haben sich einige Mühe damit gemacht. Wenn hier live noch gehalten werden kann, was die CD verspricht, ziehe ich meinen Hut! (Aber ziehts euch doch selber rein, das Album könnt ihr komplett gestream HIER erleben:

 

Tracklist:

1. Home Is Where the Heart Is
2. Dorothy
3. Desoriented
4. On Bloodshed
5. L’auberge d’ésolation
6. The Sainthood of the Fallen
7. Ave Maria
8. Contagion
9. Agnus Dei
10. Ich hasse ein bisschen die Welt

Bewertung:

7,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Desolation
  • Album Titel: Desoriented
  • Erscheinungsdatum: 20.09.2013
  • Fazit: Musikalisch gesehen ist das Album ein Muss für jeden Metalhead mit einem gewissen Anspruch an epische Klänge und durchdachte Songstrukturen.
Gelesen 2789 mal Letzte Änderung am Samstag, 28 September 2013 09:47

Medien

Desoriented Desolation