Samstag, 14 Dezember 2019 18:00

Unter dem Radar - Vale (Neofolk/Atmospheric Black Metal)

geschrieben von Wolle Kroni
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Über das US-amerikanische Projekt Vale aus Pittsburgh, Pennsylvania ist nicht viel bekannt. Mit seinem vom Neofolk durchsetzten, atmosphärischen Black Metal-Sog stellte das Solo-Projekt Ende 2018 mit seinem Erstling "The Folklore of Man" ein ganz besonderes Album vor, wobei die Bezeichnung Black Metal hier nur marginal zutrifft - aber dazu später mehr. Für unser Team war die Platte derart ansprechend, dass wir Vale gerne einen Artikel in unserer Rubrik "Unter dem Radar" spendieren wollen.

Vale trat laut Label A Pile of Graves im Jahr 2015 ins Leben und nahm von Anfang an diverse musikalische Formen an, ehe es den Stil der Debüt-Platte annahm, welche in den Jahren 2017 und 2018 geschrieben und aufgenommen wurde. Damit ist auch schon quasi alles gesagt, was es an Infos rund um den Namen Vale im Internet zu finden gibt. So wird das Projekt von einer gewissen Exklusivität, Mystik und Anonymität umwoben und die wenigen Sätze über die Selbstwahrnehmung ihrer Musik erhalten dadurch einen intrinsischen Charakter: Der/die Macher/in hinter Vale gibt an, mit seinem/ihrem Projekt die Schönheit einfangen zu wollen, die sich hinter Ängsten und Weltschmerz verbirgt.

Aktuelle Besetzung

? - Everything

 Diskographie

2018 - The Folklore of Man (Album)

Review zu „The Folklore of Man“

Besonders ansprechend war für uns bereits das Cover der Debüt-Platte und somit waren auch die Erwartungen groß, nachdem diverse Stimmen diese als trostloses Meisterwerk zum Jahresende 2018 bezeichneten und der Genre-Mix aus Neofolk, Black Metal und Post Rock schon das Interesse weckte. Nach einem kurzen Gitarrenpicking geht es mit dem Song "Shatter" los. Schleppend und im Midtempo ziehen sich die trägen Gitarren durch den Song. Darauf gesellt sich plötzlich eine Art Glockenspiel hinzu, welches ein wenig für Abwechslung sorgt und Spannung aufbaut. Gesanglich reiht sich eine verzerrte Stimme in das Klangbild ein, welche für manche Hörer wohl sehr gewöhnugsbedürftig ist. Hier und da tauchen ein Streicher und ein Bläser auf, ein kurzer Break und dann folgen wieder MIDI-Klänge. Das Schlagzeug spielt im Hintergrund eher ziellos umher und hätte eine etwas druckvollere Produktion verdient. Etwa bei der Hälfte des Songs treten plötzlich Ambientklänge in den Vordergrund und werden von einer klaren Gitarre begleitet. Bei diesem Gesamtbild der Musik kann man schon ins Träumen geraten, bis schlussendlich die inneren Gemälde abrupt von einem Blastbeat-Gewitter und den harschen Vocals wieder durchbrochen werden, druckvoll, aber eher als Fremdkörper empfunden. Ständige Geschwindigkeitswechsel lassen dem Hörer kaum Zeit einmal etwas zu verschnaufen. Schade, denn "Shatter" hatte einige tolle Klangteppiche gleich zu Beginn.

"A Wind That Passes Through The Branches" baut sich im Folgenden langsam auf und und wird von Kreischgesang und Blastbeats dominiert. Eine traurige, doch in seiner Ästhetik wunderbare Melodie zieht sich durch den ganzen Song und nach dem sehr überladenen Opener gelingt die verträumte Eskapade hier weit besser. Gegen Ende des Songs taucht eine sanfte Frauenstimme im Hintergrund auf, die der Atmosphäre des Songs sehr gut tut und diesen zu einem großartigen Stück avancieren lässt. "Marigold" wird von ebenso zurückhaltenden Streicherklängen eingeleitet und auch hier geht es anfangs eher ruhig zur Sache. Wie ein drohender Schneesturm in weiter Ferne baut sich die Atmosphäre in dem Song auf, stets getragen von einer tristen Leitmelodie. Hier wurde ein ganz wunderbares Klangbild erschaffen, das nach knapp zehn Minuten leider sein Ende findet, ohne sich jedoch gegen Ende nochmals in seiner ganzen Dramatik zu präsentieren. Verzweifeltes Gekreische beendet den Song, bevor der Sturm losbricht. Großes Kino, was hier geschaffen wurde!

"A Bridge To Nowhere" zeigt sich in einem progressiveren Gewand, wirkt beinahe fröhlich und leicht. Nach dem erdrückenden "Marigold" eine gelungene Abwechslung, mit der der Hörer sicher nicht gerechnet hätte. Stellenweise werden gar Vergleiche zu God is an Astronaut hörbar, was keinesfalls als negativ zu verstehen ist. Mit dem finalen "Flutter" bleiben Vale auf den Pfaden der progressiven Musik und zum letzten Mal ertönen die düsteren Vocals, bevor "The Folklore of Man" mit einlullenden Windgeräuschen endet. Es besteht ein fließender Übergang von "A Bridge to Nowhere", welcher für den Hörer eine wahre Wohltat ist.

Zusammengefasst kann gesagt werden, das einem hier sehr viel geboten wird, denn bei jedem neuen Durchlauf entdeckt man bei "The Folklore of Man" wieder neue Details. Somit bleibt dieses Album über weite Strecken immer wieder spannend. Typische Black Metal-Elemente finden sich nur spärlich und Die Hard-Anhängern dieses Genres kann von diesem Longplayer nur abgeraten werden. Wer seinen Black Metal atmosphärisch und progressiv mag, der sei bei "The Folklore of Man" gut beraten. Subjektiv betrachtet hätte man sich bei diesem Erstling etwas mehr auf das Wesentliche konzentrieren können und es steht die Frage im Raum, ob weniger nicht mitunter mehr sein kann. Besonders bei "Shatter" wird man von vielen Tempo- und Stilwechseln, sowie der Vielzahl an Instrumenten beinahe erschlagen. Dennoch: Ein tolles, empfehlenswertes Album und ein Projekt, das weiterhin unter dem Radar bleibt!

Tracklist:

01. Shatter

02. A Wind That Passes Through The Branches

03. Marigold

04. A Bridge To Nowhere

05. Flutter 

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Gelesen 1698 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 12 Februar 2020 01:09

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The Folklore Of Man Vale / The Folklore Of Man / A Pile of Graves