Montag, 08 Juli 2019 10:57

Viölence - MotorDemon

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Manchmal denkt man sich auch nur: „Was zum Teufel“ wenn man einen Bubblewrap-Umschlag ins Undergrounded HQ bekommt, aus dem nur „Brösel“ stürzen. Diverse lieblos gefaltete DinA4 Kurzbeschreibungen, aus denen jeweils eine CD, ein Coverartwork und ein Backcover herauspurzeln. „Please assemble by yourself if you got some spare jewel cases.“

 Das gerade aber diese Einsendungen oftmals Gold enthalten, beweist die letzte Lieferung der schwedischen „Iron Fist Productions“, die uns neben anderen 2018er Releases die EP „Motor Demon“ der Australier von „Viölence“ zugeschickt haben. Sagte ich gerade „Der Australier“? Im Grunde genommen ist es nur einer, nämlich Dylan Potter, der sonst nur in einem Thrash-Projekt namens „Reaper“ in Erscheinung getreten ist, welche aber neben ein paar kleineren Singles und EPs bisher nichts weiter verzeichnen können. Ob hier ein Bandzwist zum Solo-Projekt getrieben hat, wird eventuell in 20 Jahren zur Mythenbildung beigetragen haben, aber soll jetzt nicht weiter kümmern. Kümmern sollte eher der knallharte Sound den der gerade mal 20-Jährige Dylan an den Tag legt. Sollte der sehr, sehr junge Kollege wirklich von Drums, Gitarre, Vocals und Bass alles selbst gespielt – und das ganze Geraffel auch noch gemixt und gemastert haben, haben wir es hier mit einem verdammten Genie und der nächsten Ikone nach Jon Nödtvarg-Gaahlfenriz zu tun.

Blackened-Speed Metal, so die Genre-Schublade ist in dieser Beziehung nämlich eine der durchaus anspruchsvolleren Spielarten. Dylan beweist auf den fünf Tracks der EP, dass er nicht nur über eine wunderbar dreckig-rotzige Röhre verfügt sondern, dass er auch an der Lead-Gitarre intelligente Soli abliefern kann und darüber hinaus ein gutes Riff-Gespür besitzt. Natürlich ist hier der eine oder andere unsaubere Verspieler inkludiert, aber das addiert nur zu der brachialen „Fickt-Alles-Weg-Das-Im-Weg-Rumsteht“ Attitüde, die dem Hörer in den ca. 20 Minuten um die Ohren geprügelt werden. Man möchte nach dem Lob auf die Gitarrenarbeit wirklich nur zu gerne wissen, ob hier ein Drumcomputer am Werk war oder ob Kollege Dylan hier auch die Blast-Beats abfeuert, die den Herzschlag auf gefühlt-ungesunde 190/pm hochjagt.

 

Apropos Gefühle - Ich fühle mich bei den verschiedenen Songs hart an andere Bandprojekte erinnert, beim Titeltrack schwingt Stallion mit, bei Chained Up habe ich die Kollegen von Blizzard im Hinterkopf, und im Intro von LSD wurde, „Traitorlike“ definitiv was von DOOM verwurstet und nicht an Geschwindigkeit gespart. Diese EP ist wie ein einziges großes Heimkommen, inklusive dickbrüstiger Model-Hausfrau, die einem neben den Slippern eine Axt, einen Whiskey und eine Line Coke reicht -und dann zum kompletten Ausrasten auffordert. Nachdem die Scheibe das fünfte Mal durchrotiert ist, wünscht man sich nur noch mehr davon, MEHR, MEHR MEHR!

 

Trackliste:

1. Ritual Of The Goat
2. Chained Up
3. L.S.D. (Leather.Sex.Death)
4. Worship Of The Goat
5. MotorDemon

 

Bewertung:

10 von 10 Punkten

 

Weitere Informationen

  • Band: Viölence
  • Album Titel: MotorDemon
  • Erscheinungsdatum: 02.01.2018
  • Fazit: Mir bleibt am Ende des Tages nur die volle Punktzahl zu vergeben und die Hoffnung auszusprechen, dass sich der Kollege eine bühnentaugliche Truppe mit ähnlichen Eigenschaften zusammenholt um Live abzureißen - 10/10, want to see live!
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