Sonntag, 10 März 2019 18:24

14.-15.12.2018 - Eindhoven Metal Meeting 2018 - Eindhoven, NL - Sólstafir + Moonsorrow + Desaster + Marduk + Attic+ Benediction + Harakiry for the Sky +++ Empfehlung

geschrieben von Blood Countess & Torn
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Eindhoven Metal Meeting Eindhoven Metal Meeting

Wir sind zurück aus Eindhoven. Mit der diesjährigen Jubiläumsausgabe „10 Years of Total Mayhem“ haben wir es als Eindhoven Metal Meeting Erstbesucher sehr gut erwischt – ausgerechnet hier sind wir zum ersten Mal am richtigen Ort, es stimmt einfach alles. Bands, Organisation, Atmosphäre, Festival – kurz und knapp: großartig! Für den 13. und 14. Dezember 2019 haben wir jedenfalls in unserem neuen Undergrounded-Festivalkalender einen dicken Haken gesetzt.

EMM 2018 – Warm Up (Blood Countess)

Angefangen mit der Warm Up Show am Donnerstag sind wir ganz entspannt ins Wochenende gestartet. Nach einem kurzen Abstecher in die Unterkunft kommen wir pünktlich am Effenaar an. Es gibt eine kleine Schlange aber am Einlass geht es sehr entspannt zu, mit Kamera und Fotopass darf man dann ganz offiziell in die Schlacht.

Die ersten Bands Vorbid und Oliteration gefallen und finden Anklang, das Publikum scheint aber zu Beginn erst noch damit beschäftigt zu sein, sich auf die Folgetage einzustimmen – man hat das Gefühl, die Bar findet um einiges mehr Beachtung als die Bands auf der Bühne, egal wo man steht, ständig lächelt ein unbekanntes Gesicht verzeihend und bittet mit mindestens drei Bieren im Arm höflich um Durchgang.

Der Raum vor der District19 Stage ist bereits sehr gut gefüllt, es ist nicht mehr allzu viel Platz. Mit der Zeit findet das Publikum neben fleißigem Trinken auch endlich Muße zum Tanzen. Bei Demonical wird die Stimmung ausgelassener, Haare fliegen. Aura Noir entern die Bühne zum denkbar besten Zeitpunkt. Im Publikum gehen die Fäuste durchgehend mit den ersten Akkorden der Songs augenblicklich in die Höhe, es wird mitgesungen - die Stimmung ist perfekt. Die Norweger haben das Publikum fest im Griff und spielen ein ausgedehntes Set von knapp 20 Songs. Black Thrash Attack at its best! Getragen von einer äußerst intensiven Performance und passenden Lichtshow in Blutrot bieten Aura Noir zum wiederholten Male eine explosive Mischung für Augen und Ohren – da weiß man bereits, dass sich die Anreise für den Donnerstag gelohnt hat.

EMM 2018 – Tag 1 (Torn, Blood Countess)

Es ist ein lausig kalter Dezember und aus dem völlig verfrorenen Münster macht sich  der Redakteur Torn von undergrounded.de ebenfalls auf den Weg nach Eindhoven zum Eindhoven Metal Meeting. Das Lineup versprach schon im Vorfeld ein gutes Festival – und ein viel zu überfülltes Eftenaar in der niederländischen Stadt. Da für Torn die Warm-Up-Party ausgefallen ist, weil er erst am ersten offiziellen Festivaltag anreiste, beginnen seine Ausführungen auch erst dort.

Und zwar mit den Lokalmatadorinnen Sisters of Suffocation, welche ihm von mehreren Seiten empfohlen und als Death-Metal-Walze angepriesen wurden. Die ersten obligatorischen Bierchen sind zu Konzertbeginn schon vernichtet und die „Walze“ zündet ab  und lieferte ordentlichen Death Metal in (fast) ausschließlich weiblicher Besetzung. Sicherlich ein ungewöhnlicher Act, da reine Frauenbands noch immer recht selten im Metal sind, vor allem im Death Metal. Aber sowohl optisch als auch musikalisch wird hier ein solider Opener geboten, der gleichzeitig noch Luft nach oben lässt. Die Fans aus Eindhoven machen auch hier schon gut Stimmung und so soll es bei lokalen Größen ja auch sein.  

Die nächste uns bekannte Thrash Band ist Gama Bomb. Zuvor hatte man sich im Backstage noch für eine Nanosekunde gefragt, wer denn nochmal der Herr im schick gemusterten Dreiteiler sei...Nun gut, kann ja mal passieren, natürlich ist es kein geringerer als der Sänger der Iren, die erfrischend humorvoll unterwegs sind. Auf der Main Stage heizt die Truppe dem Publikum ordentlich ein und sorgt für absolute Partylaune. Besagter Sänger trägt wie bereits erwähnt einen todschicken Anzug in Rosa und betreibt zusätzlich noch eine äußerst dynamische Show auf der Bühne, da ist Marloes  später die Einzige, die mehr herumrennt. In den 40 Minuten Spielzeit hämmern die Holländer einen Brecher nach dem anderen runter, absolute Empfehlung.

Im Anschluss an Gama Bomb folgen Desaster auf der Main Stage. Man kann sagen, dass diese Band einfach immer knallt. Jeder kennt Desaster, jeder hat Desaster zigtausend Mal gesehen, langweilig wird diese Band einfach nicht. Jede Band bespielt hunderte Bühnen, jede Bühne, jedes Konzert ist ein anderes. In der Regel ist man als Zuschauer bei Desaster eh immer randvoll, das gehört sich eben so, nur dieses Mal eben zur Abwechslung (fast) nüchtern. Bildlich sind Desaster einfach ein Traum auf dieser Bühne, die energiegeladene Show kann man an den Fotos erahnen wenn man nicht selbst dort war – ein weiterer Black Thrash Traum in tiefstem Schwarz eben. Nach den ersten drei Songs im Fotograben verziehen wir uns nach hinten und schauen uns das Set entspannt mit sicherem Abstand zum Moshpit zu Ende an. Die Meute geht unglaublich ab, da möchte man nicht gerade am ersten Tag eine Verletzung davontragen. Einen neuen Song gibt’s außerdem: Black Celebration. Und man munkelt, dass im Bandlager noch ein paar Dinge geplant sind für 2019...

Wir machen derweil weiter mit IXXI, die direkt im Anschluss an Sisters of Suffocation im kleineren Saal eine ebenfalls sehr solide Show abliefern, allerdings im Black Metal. Typisch schwedisch ballert sich das Quartett oft melodisch, aber immer aggressiv durch den überraschend vollen Raum und findet beim Publikum großen Anklang. Im Anschluss bleibt es weiter skandinavisch, denn Slaegt aus Dänemark betreten die gleiche Bühne und haben aufgrund der musikalischen Ähnlichkeit vermutlich eine fast gleiche Audienz vor sich wie IXXI. Es gibt dann aber doch eine recht unterschiedliche Show, denn Slaegt geben sich deutlich melodischer und rockiger im Gesamtbild und zeigen, dass gerade jüngere Vertreter richtig Schwung in die Bude bringen können. Gerade erst mit dem dritten Album „The Wheel“ durchgestartet werden natürlich auch diverse Reißer der Platte zum Besten gegeben. Die Stimmung ist gehoben, der Gitarrist mimt die Rock-Diva schlechthin und die gesamte Band versteckt sich hinter ihren langen Mähnen. Den ersten Höhepunkt gab es also schon recht zeitig, Slaegt könnten in Zukunft richtig groß werden!

Nach so einem Feuerwerk ist es für Ketzer natürlich schwierig, eine ebenso hochwertige Show abzugeben. Und ehrlicherweise zündet das ganze Setting nur sehr mäßig. Wahrscheinlich ist der Mix aus Black, Post und Thrash Metal einfach auf Anhieb nicht so griffig, vielleicht war die Messlatte von Slaegt aber auch schlichtweg zu hoch. Auf jeden Fall springt der Funke nicht so recht auf das Publikum über. Es kann allerdings auch daran liegen, dass die Mehrheit der schon Anwesenden auf die folgenden Wiegedood wartet, die in der Szene nach wie vor ein Geheimtipp sind, diesem Titel aber allmählich entwachsen. Denn mittlerweile dürften die meisten in der Szene mindestens einmal über den Namen der drei Belgier gestolpert sein. Und was soll man sagen? Die Erwartungen werden mindestens erfüllt. Das durchgängige Geprügel, die schneidenden Gitarren, es funktioniert alles. Auch der Sound geht im kleinen Konzertsaal durchaus klar. Es gibt übrigens nach jedem Lied tosenden Beifall, also im gesamten Konzert drei oder vier mal, mehr schaffen Wiegedood in der knappen Zeit natürlich nicht. Dennoch sitzt jeder Ton und jeder Zuschauer erfreut sich an den schlechtgelaunten Flandern.

Benediction ahoi. Wer hätte das gedacht, dass wir das noch erleben dürfen? Die Band spielt an den Folgetagen noch zwei Exklusiv-Shows in Dresden und Wien. Die Herrschaften sprechen einen wunderschönen britischen Akzent, der etwas forschen Frage des Gitarristen während dem Set, wo denn hier das Bier sei, kann ich leider nicht Hilfestellung leisten. Ich halte entschuldigend meine beiden vollen Gin Tonics hoch, die ich mir vorausschauend mitgenommen habe. Schließlich geht niemand gerne während der Show Nachschub holen. Meinen Gin möchte der Herr leider nicht versuchen, super Mischung wie ich finde... Etwas  verdattert ist man dann aber schon wenn man so unverblümt hinterm Vorhang hervorlugt und zum Bier holen verdonnert wird, schade, wir hätten gern geholfen. Die Band zockt ihr Set konsequent runter, ein paar Crowdsurfer und Bühnenflitzer machen das Ganze noch äußerst unterhaltsam, man hat den Eindruck, am Obscene Extreme zu sein, dort ist es ja quasi nie der Fall, dass eine Band mal allein auf der Bühne steht ohne headbangende oder crowdsurfende Fans.

Für Kollege Torn geht es derweil wieder nach oben in den großen Konzertsaal, um sich dort zunächst einmal Moonsorrow zu Gemüte zu führen. Gewissermaßen ein Heimspiel, denn er sieht die Finnen bereits zum vierten Mal und ist dementsprechend bereits voller Vorfreude. Nicht nur weil das 2016er Album „Jumalten Aika“ hervorragend war, sondern auch, weil es in der gesamten Diskographie Moonsorrows quasi keine schlechten Lieder gibt und das Konzert also gar nicht schief gehen kann. Tut es auch nicht, im Gegenteil. Das Set zieht sich durch alle Alben und die Performance lässt sich aus der dritten Reihe wunderbar betrachten. Auch das Publikum mischt gut mit und lässt sich auch von den, zugegebenermaßen schwachen, Ansagen nicht entmutigen.

Der Abend neigt sich dem Ende zu, der vorletzte Headliner ruft – Sólstafir. Und bei Einigen gehen bereits die Lichter aus... Es ist schließlich kein einfacher Job als Fotograf, wenn man das Gefühl hat jede Hantel wiegt weniger als eine Canon mit Teleobjektiv... Ein leichter Rausch stellt sich ein, was nicht der Musik gezollt ist, dafür sind die Fotos noch ganz interessant geworden. Sie entsprechen jedenfalls der allgemein emotional geladenen Atmosphäre, da ist ein kompakter Hangover noch das Kleinste nach einem anstrengenden Arbeitstag. It's Gintime !

Sólstafir nüchtern betrachtet: Die Isländer werden sehnlichst erwartet und beginnen recht gemächlich mit „Silfur-Refur“ vom letzten Album „Berdreymin“. Schnell wird klar, dass der Auftritt nicht so ruhig bleiben wird – und, dass es einer der besten von Sólstafir werden könnte. Man verzichtet zwischen den Songs weitestgehend auf Ansagen und lässt die Instrumente für sich sprechen. Das trägt die Stimmung perfekt von einem Lied ins nächste und sorgt bereits nach einer halben Stunde für leicht nässende Augen bei dem einen oder anderen Gast. Als dann das hochgelobte „Fjara“ durch die Boxen tönt, gibt es an vielen Stellen kein Halten mehr. Für unseren Kollegen Torn ist dies die erste Erfahrung, bei einem Metal-Konzert gleichzeitig so viele Menschen heulen zu sehen. Aber auch er hat das Taschentuch bereits im Anschlag und wartet nur auf seinen Einsatz, so schön ist das Konzert. Nachdem es dann eine kurze Ansprache in Richtung all der Depressiven gibt und Sänger Aðalbjörn Tryggvason die Wichtigkeit dieses Themas herausstellt, weil wohl jeder im Plenum entweder davon betroffen sei oder zumindest eine Person dadurch verloren hatte, geht es mit „Bláfjall“ in die Schlussoffensive. Abgeschlossen wird dann mit dem Klassiker „Goddess of the Ages“, so dass ein Wahnsinnskonzert einen herausragenden Abschluss findet. Eigentlich wollte Torn danach zu Septic Flesh, aber „selbst wenn die gut werden, wovon ich ausgehe, könnten die Sólstafir nicht toppen. Und diese Atmosphäre lass' ich mir gerade ungern nehmen.“ Es geht also von der Bühne in die Kneipe, von da ins Bett und von da am nächsten Tag wieder vor die Bühne. Der erste Festivaltag hat bereits alle Register gezogen und einen Haufen guter bis herausragender Konzerte geboten. Gespannt darf man nun in den zweiten Tag starten und sehen was dieser bringt.

EMM 2018 – Tag 2 (Blood Countess, Torn)

Nachdem man glücklicherweise nicht allzu lang in den Kneipen Eindhovens versackt ist, kann man nach ausgiebigem Frühstück in der Innenstadt wieder ganz gemütlich den Weg gen Eftenaar antreten. Der zweite Tag des Metal Meetings in Eindhoven beginnt wie der erste, nämlich mit zwei Empfehlungen. Zum Einen gibt es da Offerblok, die als Stoner Kapelle eine Ausnahme im Lineup darstellen und den Auftakt zum zweiten Takt geben dürfen. Und der ist gar nicht mal schlecht, lediglich der Gesang ist überflüssig. Aber Torn sagt ja seit Jahren, dass Stoner Metal generell instrumental besser kommt. Positiv hervorheben lässt sich aber das Bühnenbild, denn während der gesamten Performance laufen Musikvideos der Band im Hintergrund. Das sorgt im kleineren Konzertsaal für eine dichte Atmosphäre – und für einen entspannten Start in Tag 2….

…welcher dann mit Izegrim deutlich an Entspannung verliert. Die Death Metal Truppe aus dem Gelderland wurde uns im Vorfeld schon ans Herz gelegt, konnte die daraus entstandenen Erwartungen allerdings nicht ganz erfüllen. Natürlich ist Female Fronted Death Metal immer interessant, aber wirklich herausragen können die Niederländer zu dieser frühen Uhrzeit noch nicht. Das mag aber auch noch am absurd guten Vortag liegen, der dem Einen oder Anderen sicher noch in den Knochen steckt. Aber der Tag begann ja gerade erst, also sind wir noch guter Dinge, dass vielleicht noch ein, zwei Kracher kommen könnten.


Die Blood Countess dagegen steht total auf die Death MetallerInnen von Izegrim. Die erste Band auf der Main Stage – quasi Heimspiel für die Holländer. Sängerin Marloes ist ganz in ihrem Element – hier zeigt sie zum wiederholten Male, dass sie auch ohne Bass nicht in Verlegenheit gerät und legt eine großartige Performance hin. Alle Beteiligten laufen zu Hochtouren auf, Spielfreude und pure Energie stehen in allen Gesichtern geschrieben. Auch auf Kamera lässt sich die Band wunderbar einfangen, nur geht es manchmal etwas zu flott. Die Dame bängt, läuft, singt, animiert pausenlos das Publikum, läuft wieder – eine Herausforderung eben. Die außergewöhnlich langen Haare werden bestimmt noch Hingucker auf so manchen Fotos werden. Nach einer halben Stunde verlässt die Truppe glücklich grinsend die Bühne, nicht ohne ein Händeschütteln hier und ein Faustcheck da.

 

Mit Darvaza aus Norwegen wird es im kleinen Saal dann zumindest mal deutlich brutaler. In erster Linie liegt das am wirklich rotzig-düsteren Black Metal, aber auch die miese Laune des Sängers heizt die Stimmung an. Nicht nur einmal fliegt der Mikrofonständer in die ersten Reihen und nicht nur einmal wird ebenjene bespuckt. Was will man mehr...? Wenngleich auch hier musikalisch eher gehobenes Mittelmaß präsentiert wird, sind Darvaza zumindest der Wecker für alle, die jetzt noch in den Seilen hängen.

Attic bespielen nach Darvaza die kleine Bühne. Mit ihrem atmosphärischen Bühnenaufbau samt ettlichen Kerzenleuchtern brechen sie wieder alle optischen Register, die jede vorherige Band zu bieten gehabt hätte. Kurz zuvor bereits auf der Tour gesehen, überzeugen die düsteren Heavy Metaller erneut. Das Set ist das gleiche, etwas kürzer vielleicht bei 40 Minuten Spielzeit. Die Venue ist brechend voll, ebenso der Fotograben – ein Durchkommen nach Beginn unmöglich. Der Gesangsstil des Meister Cagliostro findet selbstverständlich auch hier Anklang, Dänemark ist schließlich nicht ganz so weit entfernt und dem King fröhnt jeder mit anständigem Musikgeschmack. 

Richtig gut wird es dann mit Fleshcrawl. Die deutschen Death Metal-Urgesteine packen ein brachiales Set aus der gesamten diskografischen Bandbreite aus und werfen sogar noch ein paar Shirts aus den Anfangstagen der Band ins Publikum. Bei sattem Sound kommen eingefleischte (haha, wie passend) Fans voll auf ihre Kosten. Auch Torn hat Spaß, dabei wollte der eigentlich erst gar nicht vor die Bühne, denn der Hunger nervt mittlerweile. Bereut haben wir den Nahrungsverzicht zu Gunsten der Musik definitiv nicht. Geile Nummer! Aber danach gönnt sich Torn einen kleinen Snack, denn es kommen noch einige Interpreten auf uns zu. Den Beginn machen Harakiri for the Sky, welche in den letzten Jahren ordentlich an Popularität zugelegt haben und reihenweise gute Kritiken einfahren. Man merkt dem Publikum auch die hohe Erwartung an die Post Black Metaller an und viele lobten die Band nach dem Konzert auch in den höchsten Tönen. Für Torn gibt es hier jedoch das gleiche Problem, wie einige Stunden zuvor bei Offerblok – der Gesang. Die Instrumentalisierung kann noch so gut sein, wenn der Gesang die Lieder verschlechtert. Man muss allerdings eingestehen, dass an diesem Abend sogar die Vocals einigermaßen funktionieren und nicht allzu viel von der Atmosphäre nehmen. So wird der Auftritt von Harakiri for the Sky tatsächlich zu einem sehr guten.

Nachdem man nun gute zwei Stunden im großen Konzertsaal oben verbracht hat, führt der Weg nun wieder ins Erdgeschoss zu Valkyrja. Die Schweden geben ein solides Brett zum Besten, haben aber leider keine wirklichen Höhepunkte, sodass der Vorgeschmack für ihre Landsleute von Shining etwas schwächer ausfällt als vermutet. Die Legenden des Depressive Black Metal legen dafür richtig los und beginnen erwartungsgemäß mit „Svart ostoppbar eld“ vom aktuellen Album, leider aber auch – weniger erwartungsgemäß – mit ordentlichen Soundproblemen. In den ersten zwei Minuten ist die Leadgitarre derartig laut, dass die anderen Instrumente leicht darin untergehen und es sogar regelrecht in den Ohren schmerzt. Ungewöhnlich für das Festival, denn Soundprobleme gehörten bisher klar zu den Raritäten des EMM in diesem Jahr. Shining lassen sich derweil aber nicht beirren und spielen ihr Set in gewohnter Manier herunter. Naja nicht ganz, denn Sänger Kvarforth verzichtet auf seine unnötigen Showeinlagen und verstümmelt sich ausnahmsweise mal nicht selbst. Er trinkt auch keine Flasche Whiskey während des Konzerts, sondern lediglich eine halbe. So konnte er tatsächlich das langersehnte „Låt oss ta allt från varandra“ vollständig mitsingen, ohne sich dabei übergeben zu müssen. Die einzigen Aussetzer seinerseits beschränken sich auf diverse Mittelfinger und negative Äußerungen, aber das sind wir ja bereits gewohnt. Ein gutes Konzert war es trotzdem und die Stimmung im Publikum war ausgelassen und witziger Weise sogar recht fröhlich.

Für Torn gibt es an diesem Abend nur noch zwei Acts, beiden voran Impaled Nazarene im Erdgeschoss. Die Finnen werden ja seit Jahren kontrovers diskutiert, da ihre provokanten Lyrics teilweise den Nerv diverser politscher Gruppen getroffen haben. In letzter Zeit gibt es jedoch weniger Trubel um die Schwarzmetaller. Diese spielen  ein fetziges Set und füllen die Stunde mit allerlei Blastbeats und Geschrei. Im unteren Konzertraum ist allerdings kaum Platz für die zahlreichen Fans, die den Auftritt nicht verpassen wollen. Ähnlich ist es zuvor auch bei Archgoat, welche somit auch nicht von Torn betrachtet wurden, obwohl dieser das eigentlich vorhatte. Bei Impaled Nazarene steht er aber im oberen Bereich des Raumes und kann sogar ab und zu einen Blick auf die Bühne werfen, um dort ein wirklich gutes, wenn auch nicht herausragendes Konzert zu sehen. Den Abschluss für Torn in dieser Ausgabe des EMM machen Marduk, welche mit „Viktoria“ ein neues Album im Anschlag haben und auch daraus munter präsentieren. Wie erwartet sind die schwedischen Headliner eine wahre Macht auf der Bühne und zerlegen diese nach Strich und Faden. Zum Ende gibt es also doch noch einige herausragende Konzerte, sodass auch der zweite Tag sich aus Torns Sicht als „gelungen“ bezeichnen lassen kann.

Rückblickend lässt sich sagen, dass dies eins der interessantesten Indoor Festivals der Extrem Metal Szene ist. Der kleine Saal ist zwar sehr schwer zugängig sobald zwischen den Bühnen gewechselt werden muss und somit sind Überschneidungen vorprogrammiert, allerdings ist das fast unvermeidbar bei zwei Bühnen. Wie dem auch sei, wir freuen uns auf die nächste Ausgabe, die bereits jetzt schon mit Bestätigungen von Bloodbath, Dying Fetus, Candlemass, Bodyfarm, Kampfar, Taake, Malokarpatan und vielen weiteren Topacts absolut unverzichtbar ist.

Die komplette Fotogalerie findet ihr auf unserer Facebookseite

  

Top 3 Torn:
1. Sólstafir
2. Moonsorrow
3. Shining

Geheimtipp:
Slaegt

Top 3 Blood Countess:

1. Desaster
2. Necrophobic
3. Carnation

Geheimtipp:
Wenn man Arch Goat sehen will, nächstes Mal etwas früher den Saal wechseln … arghh

Weitere Informationen

  • Wann: 14.-15.12.2018
  • Wo: Eindhoven
Gelesen 516 mal Letzte Änderung am Montag, 11 März 2019 10:51