Samstag, 07 Juli 2018 15:14

05.07.-07.07.2018 - Under The Black Sun Festival - Freilichtbühne Friesack - Tag 2

geschrieben von Grave & Haimaxia
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Under The Black Sun Festival Under The Black Sun Festival Flyer

War der Anreisetag noch vom Hochsommer bestimmt, zogen in der überraschend kühlen Nacht einige Wolken über Friesack auf, sodass die Besucher den Morgen in Wind und weißgrauer Kulisse verbrachten. Nach dem Katerfrühstück und der Nachbereitung des ersten Festivaltags schlug auch unser Team gegen 14 Uhr wieder auf dem Gelände der Freilichtbühne auf, um den zweiten Tag zu begehen – es kam auch die glorreiche Idee auf, endlich unser Banner aufzuhängen, daran hatte an Tag 1 natürlich niemand gedacht.

 

Wer Blizzard kennt, dem ist auch Doomentor ein Begriff – oder ist es eher anders herum? Fakt ist auf jeden Fall, dass die Bands sich personelle Schnittstellen teilen und einiges an Erfahrung auf die Bühne bringen. Vielleicht ist auch in dem Kontext spannend, dass es das UTBS ohne Drummer Balör in dieser Form nicht geben dürfte und die einstige unheilige Allianz zwischen Veranstalter Joerg und besagtem Musiker weite Kreise gezogen hat. Doomentor wussten zum Auftakt bereits über 50 Fans zu begeistern und trafen mit ihrem dreckig-räudigen Sound den Nerv des Publikums. Sänger Ceremony Master wechselte gekonnt zwischen cleanem Gesang und kehligen Growls, der stellenweise an Urfaust erinnerte. Das Drumming on point, mal treibend, mal doomig-slow, ging mit dem Riffing eine tödliche Symbiose ein und markierte einen ersten Höhepunkt. Neben altem Material wurde ausgiebig der aktuellen Scheibe „Opus Diabolae” gehuldigt.

 

Halphas sind gerade dabei, sich einen Platz in der Szene zu erstürmen und können bereits auf diverse erfolgreiche Gigs und Kooperationen zurückblicken. So teilte die Kombo bereits nicht nur mit den mächtigen Inquisition die Bühne, sondern konnte auch mit dem aktuellen Release „Dawn of a Crimson Empire” punkten, dessen starker Impact die Platte zu einem der stärksten Debüts seit langem avancieren ließ. Ihr mächtiger, eindringlicher und ungezügelter Black Metal dürfte jeden überzeugt haben, der Halphas bisher noch nicht auf dem Schirm hatte. Zum Ende des Sets gab es dann Diskussionen mit dem Time Keeper: Fronter Legatus bestand darauf, dass ihr Gig beschnitten würde, wenn sie jetzt von der Bühne gingen und meinte „Das waren niemals 40 Minuten!” - das wurde von der johlenden Menge bestätigt und mündete in einer wütenden, dramaturgisch pointierten Zugabe, die mit emporgereckten Fäusten und der Teufelsgabel gewürdigt wurde und ohne die der Auftritt auch nicht rund gewirkt hätte - was ein Abriss zu noch früher Stunde!  

 

Ein wenig über der Zeit sind danach als erster Ausreißer des Tages Wolvennest angetreten, um ihren düsteren Experimental-Sound, 70s Rock und Psychedelic-Stil –mit allerlei Zutaten gewürzt – zu präsentieren. Zu sechst auf der Bühne nutzte die Kombo jeden Quadratmeter. Frontfrau Shazzula war definitiv das Highlight und bediente neben Theremin und Synthie ihre glasklare Stimme als Vehikel, um den Zuhörern eine emotionale und vielseitige Darbietung zu liefern. Sphärisch überladene Soundwände, die an The Trona Experience oder an SciFi-Sounds der Space-Futuristen von Vyre erinnerten, dann wieder ein bisschen was von Grave Pleasures oder Dool hatten, dominierten die gesamte Darbietung. Diese wurden nur unterbrochen von kurzen Passagen detailverliebter Riffs, die endlose Weiten lautmalten, oder eben dem Markenzeichen von Wolvennest. treibenden, doomigen Passagen von gewaltigem Druck hinter Drums und Bass.

Die Schäfchen von Ván Records setzten mit ihrer Psychedelic Rock-Mystik -von allerhand Weihrauch umdűnstet und mit Schädel- und Knochen-Deko verziert- zwar weniger auf das dissonante Naturell des Black Metal, unterhielten aber nicht minder gut, auch wenn hier wohl die “softeste” Band des Festivals auf der Stage stand. Als hypnotisch, ergreifend und bewusstseinserweiternd werden die ausufernden Stücke von WLVNNST, gerne ohne Vokale stilisiert, beschrieben – die Kunst, die einzelnen Instrumente abwechselnd aus der Wand in den Vordergrund zu stellen, wieder zurückzunehmen und in einen gefühlt endlosen Flow zu bringen, beherrschen sie perfekt. Kein Wunder, dass sich das Friesacker Publikum im Nachgang in Scharen zum Merchstand der Belgier drängte.

 

Warum es sich im Anschluss an Wolvennest etwas auf dem Platz leerte, könnte nur an der allgemeinen Nachmittagshitze liegen, die sich aufs Gelände legte, als die Sonne durch die graue Masse brach, nicht aber an A Canorous Quintet, welche als nächste auf der Bühne standen. Wer beim verschnörkelten Logo an Steampunk oder gar an Gothic dachte, zum Essen oder „Nachtanken” verschwand, verpasste einen atmosphärisch dichten Gig stürmischen und ursprünglichen Black Metals. Vor allem zeugte es davon, dass wohl niemand die Schweden-Klassiker mehr zu kennen schien, auch wenn sie hier sogar ihre Deutschland-Premiere feierten. Gegründet 1993 ist es beinahe ein Unding, dass es erst jetzt das “melodiöse Quintett” hierher verschlug, allerdings formierte sich die Band auch erst 2016 nach mehr als 15 Jahren Pause neu und agiert somit erst seit kurzem wieder auf der Black Metal-Bildfläche, womit sich wieder zeigt, welch ein erlesenes Billing die Veranstalter hier jedes Jahr zusammentragen, das Besucher aus aller Welt für die besondere Auswahl anzieht. Für den Gig lernte Fronter Mårten Hansen auch gleich ein paar Phrasen der Sprache ihres Gastgeberlandes und begrüßte und bedankte sich in ganz und gar noblem Deutsch.   

Horn mit Fronter Niklas konnte die eine Hälfte unseres Teams zuletzt in Estland auf dem Howls Of Winter erleben, die andere auf dem Dark Troll. Beim baltischen Gig genoss die Band sogar den Status als „einzige deutsche Band“. Im Februar und Mai, wie auch jetzt verstanden es die Paderborner die Menge mit dem aktuellen Material von „Turm Am Hang“ und der neuen EP „Retrograd“ zu fesseln und zum Mitsingen zu animieren. Insbesondere deren Titelsongs können live mit einer gewaltigen Power begeistern, auch „Alles in einem Schnitt“ erwies sich als Selbstläufer. Ein Raunen ging durch die Menge, als Horn zum Finale dem UTBS-Publikum auch noch ein Stück der alten „Naturkraft“ spendierten. Die inzwischen größer gewordene Verspätung wurde ihrer Show zum Verhängnis, denn bereits nach knappen 40 Minuten und dank der Solidarität gegenüber den folgenden Bands wurde der Auftritt von Horn selbst beendet. Hier hätte man sich durchaus noch eine Zugabe gewünscht, obwohl sich der Verzug mehrte und mehrte.

 

Auch die mittlerweile große Bekanntheit genießenden Batushka aus Polen halfen nicht unbedingt dabei, den inzwischen auf 45 Minuten angewachsenen Delay zu verkürzen. Wer die Priester kennt, weiß, dass die Zeremonie vorbereitet und perfekt getimed sein möchte. Mit Weihrauch, Chor und neu aufgebautem Drumset verstand es die Kombo bei untergehender Sonne, die dicht an dicht stehende Jüngerschaft in ihren Bann zu ziehen, und erteilte erneut die Lektionen vom durch die Decke gegangenen Überraschungs-Debüt „Yekteniya“. Hier zeigte sich allerdings auch, dass Tageslicht gerade für Zeremonien dieser Art nicht unbedingt förderlich ist und einiges an Stimmung verloren ging. Der Sound und die musikalische Macht der Polen fing dies aber auch ab und so waren die Reihen geschlossen und der Platz komplett gefüllt – kein Wunder, sollte doch jeder Black Metal-Anhänger die Band mittlerweile kennen.

Im schwindenden Tageslicht wurde danach umgebaut, um alles für Wolves In The Throne Room vorzubereiten, deren Soundcheck sich auch nochmal etwas hinzog. Laut Schedule sollten Wolves In The Throne Room um 21:20 Uhr beginnen, jetzt war es bereits nach 10 und man durfte in Frage stellen, ob mit Arcturus und Mosaic das geplante Programm überhaupt noch so stattfinden kann, schließlich müssten Letztere erst nach 1 Uhr auf die Bühne, wie es zu diesem Zeitpunkt aussah. Als die US-Amerikaner jedoch endlich anfingen und Songs von dem hochgelobten Album „Thrice Woven“, wie auch ältere Stücke spielten, zeigte sich schnell: Das Warten hatte sich mehr als gelohnt. Geradezu berauschend umgarnte das Quintett um Sänger und Lead-Gitarrist Nathan Weaver die Zuschauer und lieferte eine perfekt choreographierte Black Metal-Eskapade, die einen in Trance versetzen konnte. Die Tour, die derzeit mit Wolvennest läuft, führte beide Bands zum UTBS und es dürfte eine Ehre sein, dass zumindest der Deutschland-Part ihrer Europa-Tour mit diesem Festival-Gig endete.

Arcturus wurden wenig überraschend aufgrund des großen Zeitverzugs zur letzten Band des zweiten Tages. Mit ihrer kontrovers aufgenommenen Rückkehr „The Arcturian Sign“ von 2015, spalteten sie die Geister, dennoch gehören die Norweger unbestreitbar zu den Klassikern des norwegischen Black Metals, vor allem wenn man an ältere Alben denkt. Die mittlerweile etwas „geeky“ anmutenden, progressiven „Space“-Black Metal-Jungs machten immer wieder skurrile Ansagen, vor allem die Verrenkungen und die Mimik von Stimme ICS Vortex taten ihr Übriges, den Auftritt zu einem interessanten, wenngleich ein bisschen komischen Eintrag der Running Order 2018 des UTBS zu machen. Extrem ärgerlich wurde es für Mosaic, deren Gig auf Tag 3 zu bis dato noch unbestimmter Zeit verschoben wurde, nachdem mittlerweile eine stattliche Verzögerung von über einer Stunde im Terminplan herrschte. Opulent und massiv zogen Arcturus aber mit jedem Track den Boden unter den Füßen des Friesacker Publikums weg. Dazu kommt, dass man bei Arcturus einige DER Promis der norwegischen Metal-Szene bei der Arbeit bezeugen darf – neben Borknagar-Vokalist ICS Vortex auch Hellhammer an den Drums (bekannt durch seine Arbeit bei Mayhem, Covenant, Dimmu Borgir & Immortal) und Sverd, Skoll und Knut Magne Valle, die allesamt bei Ulver aktiv waren. So entließen Arcturus die Besucher in die Nacht, um noch etwas zu feiern, ehe am Samstag schon der dritte und letzte Festivaltag beginnt, diesmal mit Shroud of Satan und Blood Red Fog.

Fotos by Anna Apostata Arts will follow soon!

Weitere Informationen

  • Band(s): Doomentor, Halphas, Wolvennest, A Canorous Quintet, Délétère, Horn, Batushka, Wolves In The Throne Room, Arcturus, (Mosaic)
  • Wann: 06.07.2018
  • Wo: Freilichtbühne Friesack
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