Freitag, 06 Juli 2018 13:10

05.07.-07.07.2018 - Under The Black Sun Festival - Freilichtbühne Friesack - Tag 1

geschrieben von Haimaxia
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Under The Black Sun Festival Under The Black Sun Festival Flyer

Bereits zum zweiten Mal fand das Under The Black Sun Festival in der neuen Location, namentlich der Freilichtbühne Friesack statt. Anders als im letzten Jahr, in dem die Unwetterlage das neue Gelände in einen unwirtlichen Schlammsumpf verwandelte, wurden die Besucher diesmal von heißer Sonne, klarem Himmel und trockener Luft begrüßt. Dass dies reinem Glück geschuldet war, bewies unter anderem die lange Anfahrt unseres Chapter-Führers BaWü, der nicht weniger als drei Mal durch „schweres Wetter“ von Stuttgart ins Berliner Umland anreiste. Den Nachmittag über füllte sich der trockene Zeltacker mehr und mehr und gespannt erwartete man die ersten Bands.

Der Opener Steingrab feierte mit den ersten Besuchern gegen 18:30 Uhr einen derben Black Metal-Abriss, den man als starken Auftakt bezeichnen konnte. Ihr satter Sound und der zu Beginn noch wenig überraschende, generische Klang wurden beim ursprünglich als Solo-Projekt von Frontmann Mahr konzipierten Act durch persönliche, emotionale Texte aufgewertet. Mit halbherzig (wohl um dreckig und räudig zu wirken) ins Gesicht geschüttetem Corpsepaint und leider zur Melancholie der Stücke unpassend in praller Sonne erntete der Darmstädter mit seinen Musiker-Kollegen zur Live-Unterstützung trotzdem ordentlichen Zuspruch.

Die Finnen Author aus der Riege von Folter Records (u.a. Corpus Christii, Narvik, The Committee), dem Label-Hort der Festival-Veranstalter, bewiesen als nächste ihr Potenzial und spielten nach skurrilem, selbstironischem Intro Stücke von ihrem letztjährigen Debüt „Lopun alku“. Wem die schmerzhaften, schwermütigen Black Metal-Sounds, welche die Band um den Musiker J.V. aus Satakunta auspackte, zu diesem Zeitpunkt nicht passten, den dürfte spätestens das herrlich urige GG Allin-Cover als Punk Rock-Ausflug abgeholt haben. Überhaupt bewahrten Author sich ein bisschen den Humor im tiefschwarzen Genre: So leitete der Frontmann seine Songs u.a. mit „next one’s a lovesong“ ein oder versuchte „it’s a pleasure to be here“ auf Deutsch zu übersetzen, ließ es aber ob der schwierigen Aussprache schnell dabei bewenden. Einhellig stimmte das Publikum mittels Applaus aber nach dem Kurzauftritt ein, dass dem eben Gesehenen und Erlebten wohl noch eine große Zukunft bevorsteht.

Im Anschluss begann die südamerikanische Phase des diesjährigen Events: Utuk-Xul aus Kolumbien und Anal Vomit aus Peru präsentierten sich nach längerer Abstinenz wieder auf europäischen Bühnen. Während Erstere ihr jüngstes Album „The Souls of Satan“ (2017) mitbrachten und als Hochkaräter ihres Kontinents hierzulande trotz ereignisreicher mehr als 20-jähriger Geschichte doch recht unbekannt sind, haben vor allem die mit dem geradezu spartanischem Namen betitelten Anal Vomit mit ihrem eigenwilligen Black/Death/Thrash-Blend zu begeistern gewusst. Die wilden Peruaner-Derwische um Joe Hoyle, einem wahren Tier an den Drums, den zwei Gitarristen Evil Priest und Roy Nozier und Bassist und Band-Gründer Manfred Beingolea haben in den letzten Jahren mit einigen Splits (u.a. mit Ordo Caper und Cadaver Incubador) einige interessante Mini-Releases rausgehauen und spendierten dem Publikum in Friesack auch noch ein tiefschwarzes Sepultura-Cover.

Während es langsam dämmerte und ein roter Mond über dem Horizont sichtbar wurde, mischten zum Finale des ersten Festivaltags die US-Amerikaner die passend betitelten FIN das UTBS-Gelände als Duo auf der Stage auf. Unglaublich, mit welcher Präsenz die zwei Musiker allein ihr leicht verkürztes Set durchspielten – dabei stand vor allem ihr jüngstes Drittwerk „Arrows Of A Dying Age“ im Fokus. Die Chicago-Combo um M.K. und D.F.K. zog die gesamte Besucherschaft mit Leichtigkeit in den Bann und erhielt auch zum Ende nicht abklingende „We want more“-Rufe – und das zu Recht und nicht ganz unerwartet (ist die Band doch mittlerweile als einer der vielversprechendsten und sichersten Garanten für hochwertige Musik aus dem Kader von Folter Records und avancieren auch zu wahren Publikumsmagneten auf diversen Underground-Festivals). Damit endete der erste Festivaltag nach geilstem Wetter und in starker, dichter Atmosphäre mit einem wahren Knall und man konnte schon jetzt gespannt den Freitags-Openern Doomentor und Halphas entgegensehen.

Fotos: Anna Apostata Arts 

Weitere Informationen

  • Band(s): Steingrab, Author, Utuk-Xul, Anal Vomit, FIN
  • Wann: 05.07.2018
  • Wo: Freilichtbühne Friesack
Gelesen 979 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 11 Juli 2018 00:14