Samstag, 09 Juni 2018 10:48

10.05. - 12.05.2018 - Dark Troll Festival - Burg Schweinsberg Bornstedt + Arkona + Horna + Ereb Altor + Horn + Firtan +++

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Bereits zum neunten Mal rief das Dark Troll Festival vom 10. – 12.05.2018 Metal-Anhänger in den Südharz auf die Schweinsburg. Auch dieses Jahr erwartete die Gäste wieder ein Line-Up, das erneut keine Wünsche offen ließ. Für viele treue Besucher ist dieses Festival mittlerweile beinahe schon zum großen Familientreffen mit Burgflair geworden,  begleitet von Bands, die man einfach gesehen haben muss.

Voller Vorfreude begann wie jedes Jahr an einem sonnigen Himmelfahrtsmorgen die Reise nach Bornstedt in Sachsen-Anhalt. Gewohnt unproblematisch gestaltete sich die Anfahrt samt Ausladen am Campingplatz A, dem Sportplatz oberhalb der Burg. Lediglich die Suche nach einer Parkmöglichkeit gestaltete sich schwieriger als gedacht, da die Festivalbesucher dieses Jahr erstmalig ihr Fahrzeug nach dem Entladen im Ort abstellen mussten. Der Weg aus dem Städtchen, vorbei an den beiden neuen Campingplätze B und C, hinauf zur Burg bot jedoch direkt die Gelegenheit sich auf das Festival einzustimmen, um schließlich pünktlich um vierzehn Uhr zum Start auf der Burg zu sein.

Es ist beinahe schon eine Tradition, dass WALDTRÄNE das Festival auch dieses Jahr wieder eröffneten. Da Knöpfchen und Horda nun bereits zum vierten Mal in Folge Opener waren, wurden sie von den zahlreiche Besuchern herzlich und mit guter Laune begrüßt.  Lieder wie „Die Schlacht am Harzhorn“ gefielen genauso gut wie Liedgut über Odin und die Frühlingsgöttin Nerthus.

Apathie, ein Trio aus Sachsen, waren mit Corpse Paint und klassisch rohem Black Metal sofort sympathisch und rissen viele begeisterte Zuhörer vor die Bühne. Erbarmungslos hämmerte Gitarrist Sulfur ein Riff nach dem anderen auf der Gitarre und die unterstützenden Blast Beats kamen mit perfekten Timing. Leider störte hier eine etwas matschige Akustik den Auftritt, hielt sich aber noch in Grenzen. Persönlicher Favorit des Auftritts war Grau II: Schwarzer Schnee.

Auch wenn Odroerir unplugged spielen, oder vielleicht auch gerade weil sie es tun,  sind die Thüringer immer wieder ein Highlight im Line-Up eines jeden Festivals. Mit ihrer heidnischen Liederkunst, die hier hauptsächlich vom aktuellen Album „Das Erbe unserer Ahnen“ stammte, schlägt die Gruppe eher ruhigere Klänge an, was an dieser Stelle aber eine gute Verschnaufpause darstellte. Die Akustikgitarren harmonierten gut mit den verschiedenen Instrumenten wie Violine, Cello und Flöte. Der nordisch angehauchte Gesang sorgte zumindest bei mir für Gänsehaut. Leider wurde der Hörgenuss von oftmals nicht getroffenen Tönen und einigen Technikproblemen getrübt, was die von der Harmonie aller Instrumente lebenden Atmosphäre etwas Abbruch tat, aber dennoch insgesamt die Freude an Songs wie „Idisi“ nicht minderte.

Schon so manche Band feierte auf dem Dark Troll eine Premiere. In diesem Fall nutzten Sojourner das Festival, um ihren ersten Europaauftritt überhaupt zu absolvieren und Freunde des atmosphärischen Black Metals hierzulande zu begeistern. Die Setlist, welche Tracks aus beiden Alben wie „Bound by Blood“, „Aeons of Velor“ und „Winter's Slumber“ beinhaltete, begeisterte das komplette Publikum spürbar und nachhaltig. Dieser Auftritt der drei Bandmitglieder aus Neuseeland, Schweden und Italien war wie aus einem Guss und lies akustisch wenig Grund für Kritik. Eine gelungene Europapremiere durch und durch.

Auch die nachfolgende Band XIV Dark Centuries wurde von der Menge sehr positiv aufgenommen. Eingängiger Death Metal mit Pagan-Einflüssen und einer animierenden Bühnenshow funktionierten sicherlich gut, konnten mich nach den letzten beiden Hörerlebnissen aber leider nicht ganz mitreißen.

Der Auftritt von Firtan wurde schon sehnsüchtig erwartet, da die Band live bisher immer Spitzenleistung ablieferte. Außerdem steht auch bereits das neue Album in den Startlöchern, weshalb sogar der ein oder andere neue Song erwartet werden konnte. Kraftvoll wie eh und je fühlten sich die Lörracher sichtbar pudelwohl auf der Bühne. Mit Tracks aus ihren bisherigen zwei Veröffentlichungen und dem Song „Seegang“ von ihrer neuen Platte „Okeanos“ lieferten Firtan gewohnte Höchstleistung ab und steigerten so noch die Vorfreude auf das neue Material.

Nachdem ihr Auftritt letztes Jahr aufgrund massiver Verzögerungen im Zeitplan gekürzt wurde, hatten The Committee in diesem Jahr zum Abschluss des ersten Tages endlich ihren verdienten anderthalbstündigen Gig bekommen. Leider waren zum Auftritt nur noch verhältnismäßig wenige Zuschauer im Burginnenhof. Dies hielt aber weder die Band  noch die Anwesenden davon ab den Auftritt beim Dark Troll Festival zu zelebrieren. Songs vom aktuellen Album „Memorandum Occultus“ wie „Synthetic“, „Organic Gods“ sowie Must-Plays von „Power Through Unity“ wie „Katherine's Chant“ durften natürlich nicht fehlen und wurden wie gewohnt meisterhaft gespielt. Dank erstaunlich guter Akustik verlor die Musik kein bisschen an Kraft und schloss den ersten Abend mehr wie würdevoll ab. Diese Band macht immer wieder Freude und ist stets eine Empfehlung wert.

 

Tag:2

Nach einer viel zu kurzen Nacht,  einem schlichten Frühstück und einem ersten Bier wurde es am zweiten Festivaltag auch schon Zeit Richtung Burg zu pilgern, um sich die erste Band anzuhören

Eine Band wie Martyrium als Opener für Tag 2 einzusetzen, war durchaus eine interessante Entscheidung. Und so betrat Sandra, die neue Frontfrau der Malteser Formation, mit goldener Maske und Ritusgewand die Bühne, während die Band die Stimmung schon fleißig zu dröhnenden Blastbeats und monotonen Riffs anheizte.  Schon kurz nach dem Beginn der Show war die Crowd so heftig am head-bangen wie zu einem Headliner Gig. Die Kraft in Sandras Stimme war einfach atemberaubend und fesselnd. Die teilweise okkulten Fassetten stellten eine perfekte Ergänzung zu den starken Riffings und der passenden, orchestralen Begleitung dar.  Auch im Nachhinein war dieser Auftritt ein absolutes Highlight in Bezug auf die Performance und die musikalische Leistung.

Krater standen schon eine Weile auf meiner persönlichen Wunschliste von Bands, die ich gerne nochmal live sehen wollte. Deshalb freute ich mich umso mehr auf r die Gelegenheit, die sich direkt im Anschluss an Martyrium  für mich bot. Schnell und kraftvollstartete das Set, welches überwiegend mit Songs vom neuen Album „Urere“ geprägt war. Die erbarmungslos schnellen, mitunter monotonen Riffs und die aggressiven Vocals hielten die gute Stimmung während des gesamten Auftritts am Kochen und die Headbanger vor der Bühne voll in Bewegung. „Non Serviam“, „Flammen im Vakuum“, „Parasit“, „Antivists“ … ein Brecher jagte den nächsten und ließ dem Publikum keine Zeit um auch nur kurz zu verschnaufen –Hier gelang der Band ein absolut genialer Auftritt.

Crimfall aus Finnland waren für mich eine wirklich überzeugende Überraschung.  Helenas kraftvoller, teils erhabener Gesang vermischt mit harschem Pagan Metal und den Death Screams von Mikko waren live absolut perfekt. Leider erinnerte die Orchestrierung aus der Konserve ein bisschen an Nightwish, im Gesamtbild störte sie aber nur wenig und stärkte eher den Auftritt der Band. Auch wenn ich die Finnen bisher überhaupt nicht auf meinem Radar hatte, seit diesem Auftritt sind sie es auf jeden Fall.

Bornholm aus Ungarn erschienen zunächst wie eine eher generische Pagan Metal Band. Mit der Zeit schaffte es die Combo aus Budapest jedoch mit Songs wie „Archeron“, „Valhalla“ und „March of Saturn“, dass der Funke wohl nicht nur bei mir übersprang. Die Musik mag vielleicht etwas schlicht und monoton gewesen sein, aber trotzdem durchaus harmonisch und festivaltauglich.

Die Finnen von Havukruunu hatten sich ebenfalls das Festival auf der Schweinsburg für ihren ersten Deutschlandauftritt ausgesucht. Mit einem schlichten „Let’s Go“ begann die Band die Show und legte mit dem Song „Vainovalkeat“ direkt einen wahnsinnig guten Start hin. Melodischer Black Metal mit einem gewissen finnisch, kalten Touch, den man fast schon lieben musste, brachte die Crowd sofort zum Beben. Zahllose Headbanger, ein bisschen Geschubse und jede Menge nickende Köpfe sprachen absolut für sich.

Auch die nächste Band hatte an diesem Tag ihrem ersten Deutschlandauftritt: Dynfari aus Island. Freunde von Bands wie Sólstafir kommen hierbei voll auf ihre Kosten, denn auch hier ist die isländische Seele zu spüren, verpackt in einer Mischung aus diversen Musikrichtungen, die sich kaum in eine Schublade schieben lässt. Leider mussten wohl einige Besucher nach den vorangegangenen Bands eine Verschnaufpause einlegen, denn es fanden sich viel zu wenig Leute bei diesem Auftritt vor der Bühne ein. Pech für alle, die sich Dynfari haben entgehen lassen, denn musikalisch war dies, abgesehen von kleinen technischen Problemen nach dem ersten Song, genauso melancholisch und einwandfrei, wie vom Album gewohnt.

 

Im Anschluss an diese Show nahm ich mir die Zeit, um einen kurzen Spaziergang innerhalb der Burg zu  machen sowie um die Aussicht und die Ruhe etwas abseits zu genießen. Mit seiner beeindruckenden Lage ist das Dark Troll Festival wirklich einzigartig und es lohnt sich einen kurzen Moment innezuhalten, um diese Location zu würdigen.

Zu Ereb Altor füllte sich der Innenhof erneut mit zahlreichen Besuchern um „die wahren Erben Bathorys“ zu sehen. Leider spielten sie letztendlich nur einen Song von Bathory, was ich aber gar nicht schlimm fand, weil der Auftritt mit ihren eigenen Songs wirklich fantastisch war. Die Akustik vor Ort stimmte, die Songs wurden mit kraftvoller Performance vorgetragen und jeder vor der Bühne war in Bewegung. Eine gute Einstimmung auf den letzten Auftritt des Tages.

Und auch hier feierte die Band eine Premiere: Horn hatten sich beim diesjährigen Dark Troll Festival erstmalig auf eine Open-Air-Bühne gewagt, um mit Live-Besetzung ihren naturthematischen Black Metal zu spielen. Nerrath zeigte sein Können auf der Bühne sicher wie eh und je. Jeder Song wurde meisterhaft gespielt und ließ niemanden mehr stillstehen. „Turm am Hang“, „Ährenschnitter“, „Die Würfel rollen wieder“ und „Die mit dem Bogen in der Hand“ waren nur ein paar der genialen Stücke des Abends, zu denen die Menge hemmungslos abfeierte. Als letzten Song und Sahnehäubchen spielte Horn „De Einder“ gemeinsam mit Lestaya von Ferndal am Cello– Ein grandioser Moment, der für mich diesen Abend einfach unvergesslich gemacht hat.

 

Tag 3:

Mit neuer Energie startete der dritte Festivaltag für mich mit Trollort, welche mit ihrem sogenannten „Troll Metal“ zu früherer Stunde schon richtig gute Stimmung verbreiteten. Die durchaus eingängigen Melodien, die etwas an Finntroll erinnerten, animierten bereits die ersten Besucher zu einem Tänzchen, und der Rest der Zuschauer beobachtete das Spektakel mit dem ein oder anderen Kopfnicken und einem Konter-Bier in der Hand.

Shade Empire, die anschließend die Bühne enterten, war eine Band, die mich und wohl auch viele der anderen Besucher wirklich positiv überraschte. Die wunderschönen, vielschichtigen Gitarrenriffs begleitet von genau richtig dosierten Synthesizern , die etwas an Sojourner erinnerten, gefielen vom Anfang an. Schnell war die Burg voll begeisterter Zuhörer. Dies war Finnischer Black Metal,  der live auf ganzer Linie überzeugen konnte. Auch die elektronischen Einflüsse wirkten hier absolut passend und ergaben in der Kombination ein insgesamt stimmiges Gesamtbild.. Ein toller Auftritt und eine Band, die ich sicherlich im Auge behalten werde.

Die beiden nachfolgenden Bands Obscurity und Illdisposed spielten guten, aggressiven Death Metal, der einen ordentlichen Hauch Skandinavien über die Burg wehen ließ.

Skyforger ist eine Band, bei der der heidnische Geist in den Liedern vom Anfang bis zum Schluss stimmt. Zu jedem Song gibt es eine kurze Hintergrundgeschichte über dessen heidnische Herkunft und Bedeutung, die die Darbietung auf der Bühne umso glaubhafter macht. . Sänger Pēteris, in seinen Druidenmantel gehüllt, singt zwar die lettischen Songs eher seltener, eher öfter die beiden Gitarristen, was aber durch die häufigen als Schlachtrufe interpretierten Gesänge unterstützt. Persönlich würde ich Skyforger aufgrund der wirklich gelungenen Bühnenshow und der authentischen heidnischen Texte als die beste Pagan Metal Band des Dark Trolls bezeichnen.

Arkona bestachen nicht nur optisch durch das außergewöhnliche Bühnenbild aus toten Ästen, einem Spiel aus Feuer und Rauch sowie den passenden Roben. Auch musikalisch konnte die Band, vor allem aber Sängerin Maria Archipowa, das Publikum in ihren Bann ziehen.  Der manische und beschwörende Gesang der Frontfrau verursacht bei mir jedes Mal aufs Neue eine Gänsehaut und das Zusammenspiel aus Musik, Licht und Feuer erschuf eine besonders mystische und ehrfürchtige Atmosphäre. Der Auftritt der Russen sorgte zurecht für eine rappelvolle Burg.  

Mit Wederganger war dann leider auch schon die letzte Band des Festivals am Start. Vor allem Alfschijns cleaner Gesang, der Songs wie „Dwaallichtbezwering“ einen okkulten Touch verleiht, stach stets punktgenau hervor und ergänzte den harschen Gesang von Botmuyl perfekt. So versammelten sich Zuschauer vor der Bühne um den gelungenen Auftritt der Holländer zu feiern und die vergangenen 3 Tage mit einer Mischung aus Freude und Trauer zu beenden.

Abschließende Worte für dieses Festival zu finden ist sehr schwer. Es ist ein großes Familientreffen in einer einzigartigen Location und mit einer besonderen Atmosphäre. Seit nunmehr neun Jahren schaffen es die Veranstalter mit einem überragendem Line-Up das Publikum zu überzeugen und ich hoffe, dass dies ihnen auch weiterhin so gut gelingt.. Für mich wird das Dark Troll Festival auch nächstes Jahr wieder ein fester Bestandteil meiner Festivalplanung. Ich empfehle allen Freunden von Folk-, Pagan-, Death- und Black Metal 2019 ebenfalls (wieder) dabei zu sein – zum zehnjährigen Jubiläum wird es mit Sicherheit noch die ein oder andere Überraschung geben.

Merkt euch schon mal den 30. Mai 2019 – 1. Juni 2019 vor, die Album Release Show von Enisum wurde bereits fürs Dark Troll 2019 bestätigt.

Weitere Informationen

  • Band(s): The Commitee, Horn, Firtan, Horna, Ereb Altor, Skyforger uvm.
  • Wann: 10.05.-12.05.2018
  • Wo: Schweinsburg, Bornstedt
Gelesen 777 mal Letzte Änderung am Sonntag, 10 Juni 2018 13:36