Sonntag, 15 April 2018 09:23

DOOM IN BLOOM Festival VI, Komma Esslingen - Cardinalls Folly + B-S-T + Messa + From Yuggoth +++

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Doom in Bloom Doom in Bloom Komma - Esslingen a.N.

Angenehme zwanzig Grad und strahlend blauer Himmel über Esslingen am Neckar – manche sprechen vom schönsten Tag des Jahres bisher. Was gibt es da schöneres als sich in einer Konzerthalle ein vielversprechendes Line-Up mit Doom und Stoner Metal zu genießen? Mit Sicherheit nicht viel, daher entschlossen wir uns, die inzwischen sechste Ausgabe des Doom in Bloom zu besuchen und einen Blick auf das älteste Doom Metal Festival in Deutschland zu werfen.

Auch nach über einundzwanzig Jahren hält sich dieses Festival im Süden und das aus gutem Grund. Über Jahre hinweg ein stets überzeugendes Line-Up aus regionalen Bands sowie internationalen Acts sorgte stets für Besucher und so ist es nicht verwunderlich, dass auch dieses Jahr das Festival eines der Pflichtpunkte für Freunde der langsamen Töne ist.

Das Komma, am Rande der Innenstadt an einem kleinen Bach gelegen, hat schon bei der Anreise einen angenehmen industriellen Charme. Auch wenn zu Beginn die Besucheranzahl sehr überschaubau ist, steigt diese jedoch stetig, nachdem From Yuggoth aus Dresden kurz nach 18 Uhr den Abend eröffnen. Viel braucht das Trio nicht, um mit seinen schlichten monolithischen Gitarrenriffs die ersten Fans zum leichten Kopfschütteln zu animieren. Ein dazu gut passendes Screaming das mitunter in leisen Passagen in eine fast hypnotische Manie übergeht, weiß durchaus zu überzeugen, auch wenn über die vier Songs der Band kein richtiger Funke überspringen will. Es scheint, als fehle es hier und da etwas an Motivation, was es trotz der starken Songs schwer macht, mit der Band warm zu werden. Dennoch bleibt die Show, gerade beim letzten Song, im Kopf hängen, nicht zuletzt durch eine solide Performance (gerade beim Sänger und Bassisten), welcher sich schlussendlich mit dem Drummer in Rage spielt und damit den ersten Slot würdevoll abschließt.

Bees Made Honey In The Vein Tree, welche sich als recht junge Band im Stuttgarter Raum schon einen erstaunlichen Ruf aufbauen konnten, sollten nun mit ihrem Psychedelic Rock etwas Abwechslung in den Abend bringen. Von Anfang an wirkt der Sound deutlich voller und erzeugt eine massive Soundwand mit experimentellen Einschlägen und einer ausladenden Verspieltheit. Unterstützt wird das ganze durch das Bühnenbild bzw. den Schriftzug der Band, welcher per Beamer im Hintergrund läuft und sich verspielt mit dem dezenten Lichtspiel verzerrt. Der Gesang wirkt deutlich komplexer als noch bei der vorangegangen Band, leider aber etwas zu leise, wodurch kaum etwas zu verstehen ist. Dies ist aber keineswegs schlimm, da diese Musik betont von langen überbordenden Gitarrenphasen lebt und immer wieder mit Tempowechseln und spannenden, zum Träumen einladenden Soundwänden zum Augen schließen und zuhören verführt.

Die laut eigener Aussage „nur wegen Romantik und Rock n Roll“ angereisten Hamburger B.S.T. spielen einen bekanntermaßen ehrlichen und deutschsprachigen Doom der nicht jeden zusagen mag, aber doch stets live zu überzeugen weiß. Mit deutlich mehr Lichteinsatz wie noch beim Vorgänger geht es schwergängig wie gewohnt durch das „Unter Deck“ Album der Band, welches in gewohnt rauer Manier und hörbar angerauter Stimme durch den Vorabend führt. Typische Melancholie in allen Lieder hinweg schwappt gut ins Publikum über, jedoch scheint nicht jeder mit der eigenen Art der Band zurechtzukommen und so fühlt sich nicht jeder  aufgehoben bei diesem Auftritt. Nichtsdestotrotz bleibt die Band stets sich selbst treu und überzeugt für mich durchweg an diesem Abend, gerade mit der Ballade „Ride On“ als krönenden Abschluss.

Merklich füllt sich die Halle und erreicht wohl damit zum Start des Auftritts des Headliners Messa aus Italien ihren Höhepunkt. Nach einer kleinen Keyboardspielerei von Gitarist Alberto beginnt die Band mit „Leah“ vom erst vor wenigen Tagen veröffentlichten „Feast for Water“ Album und trifft damit offensichtlich genau den Geschmack der Menge. Sara’s helle und klare Stimme war schon immer ein Markenzeichen der Band und passt auch in den neuen Songs grandios und das Gesamtkonstrukt und weiß zu gefallen. Dadurch, dass die komplette Bühne lediglich mit rotem Licht beleuchtet wird, ergibt sich eine gewisse okkulte und psychodelische Atmosphäre, welche den leicht an Goth anmutenden Sound der Band gut unterstützt. Sei es bei „White Stains“ oder „She Knows“ -diese Band begeistert durch absolut überragende Live-Performance und dem Talent der Musiker.  Die oftmals fast spirituell wirkenden ruhigen Passagen durch Sara’s sanften Gesang lassen eine Atmosphäre entstehen die sich mit dem Messer schneiden lässt. Als mit „Hour of the Wolf“ der planmäßig letzte Song gespielt wurde, lassen sich die Italiener aufgrund des hohen Zuspruchs doch noch zu einer kleinen Zugabe überreden.

Da Hangman’s Chair leider kurzfristig absagen mussten, sprangen glücklicherweise Cardinals Folly aus Finnland ein, nahmen kurz vor knapp die Reise auf sich und bescherten Deutschland einen ihrer raren Live Auftritte. Rotzig, ehrlich und fast etwas klischeehaft ist das Bild des skandinavischen Trios auf der Bühne. Oberkörperfrei steht Sänger und Bassist Mikko Kääriäinen auf der Bühne und nach einem rekordverdächtig-kurzen Soundcheck beginnt sofort der Auftritt mit allerlei Rock'n'Doom Attitüde und finnischem Doom Metal. Auch wenn Drummer Joni Takkunen bekanntermaßen blind ist, sitzen die Drums perfekt und machen Stimmung vor der Bühne mitzufeiern. Leider ist die Halle nur noch halb so voll ist wie bei Messa, was wohl der mittlerweile massiven Verzögerung des Zeitplans und der späten Stunde geschuldet sein dürfte. Dennoch feiern die verbliebenen Besucher die letzte Band dafür umso frenetischer. Für den Abend ungewohnt schnelle Riffs machen Sound der finnischen „Pagan Sons“ Stück für Stück sympathischer und die Band wie auch das Publikum sind sichtlich angetan.  Den letzten Song verbringen Gitarrist und Bassist/Sänger unten vor der Bühne mit den Fans um letztmalig kopfschüttelnd ihre Musik zu zelebrieren, wobei auch der Pegel eine nicht mindere Rolle spielen dürfte.

Auch wenn Cardinals Folly noch gefühlt zwei weitere Stunden spielen könnten, muss auch dieser Auftritt einmal enden und das sechste Doom in Bloom geht damit zu Ende. Wiedereinmal zeigt sich, dass auch wenn der Doom und Stoner Metal eine eher kleinere Nische ist, sich doch immer genügend Freunde dieser Musik zusammen  finden. Das Line-Up hielt was es versprach in gewohnt angenehmem Ambiente des Komma in Esslingen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Veranstalter noch viele Jahre Esslingen mit Doom Bands bereichern dürfen und es auch weiterhin Musikfreunde aus der Region und darüber hinaus in seinen Bann locken wird.

Weitere Informationen

  • Band(s): From Yuggoth, Bees Made Honey In The Vein Tree, B-S-T, Messa, Cardinalls Folly
  • Wann: 07.04.2018
  • Wo: Komma, Esslingen a.N.
Gelesen 305 mal Letzte Änderung am Sonntag, 15 April 2018 10:19