Sonntag, 29 Mai 2016 21:41

06.-07.05.2016 - Acherontic Arts Festival - Oberhausen + Urfaust + The Ruins of Beverast + Wederganger + Mourning Beloveth + Gold +++

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06.-07.05.2016 - Acherontic Arts Festival - Oberhausen + Urfaust + The Ruins of Beverast + Wederganger + Mourning Beloveth + Gold +++ https://www.facebook.com/acheronticartsfestival/

Am 06. und 07.05.2016 fand bereits zum zweiten Mal das Acherontic Arts Festival statt. Freunde aller Spielarten des Doom sowie Black Metals fanden sich am ersten Mai-Wochenende in diesem Jahr in der Oberhausener Turbinenhalle zusammen, um gemeinsam dieses besondere Festival zu begehen.

Das Acherontic Arts Festival wurde vom Label Ván Records ins Leben gerufen und ist nun schon in die zweite Runde gegangen. Das 2004 gegründete Label wird von Sven Dinninghoff betrieben und ist auf sowohl Black- und Doom Metal, als auch auf Hard Rock spezialisiert. Ván Records haben vorwiegend deutsche und niederländische Bands unter Vertrag und haben Veröffentlichungen von labeleigenen, aber auch Vinyl-Veröffentlichungen von labelfremden Band im Angebot. Der Vertrieb findet wiederum über Soulfood statt.
Aktuell befinden sich runde 40 Bands in ihrem Roster (Quelle: Metal Archives, Stand: 08.05.2016), darunter Größen wie Urfaust und The Ruins Of Beverast, glaubt man Metal Archives (Stand: 08.05.2016), so gibt es derzeit 228 Veröffentlichungen aus dem Hause Ván Records.

Tag 1.: Morast – The Spirit Cabinet – Almyrkvi – Dread Sovereign – Kermania – Wederganger – (DOLCH) – Chapel Of Disease – The Ruins Of Beverast

MorastMit Morast haben die Veranstalter einen würdigen Opener für dieses Wochenende gefunden, welches noch ein ganz Besonderes werden sollte. Das aus Nordrhein-Westfalen stammende Quartett eröffnete die diesjährige Ausgabe des Acherontic Arts Festivals mit ihrem Blackened Doom Metal. Ihr Heimlabel ist Totenmusik, bei denen sie bisher ein Demo veröffentlicht haben.
Es dürfte Veranstalter und auch den noch jungen, erst 2015 gegründeten, Eröffnungsact gefreut haben, dass an diesem sonnigen Nachmittag die Turbinenhalle bereits gut besucht war, um zusammen das Festival einzuläuten.
Morast hatten 35 min. Zeit das Publikum für sich zu begeistern, in denen sie völlig klischeebefreit die Bühne für sich vereinnahmten.
Mit viel Applaus wurden sie verabschiedet – einen besseren Einstieg hätte man sich nicht wünschen können.

Setlist: Purging Declaration Of Our Defeat
            Ancestral Void
            Alleingang
            Compulsion
            Cold Side Of Bliss

 

 

 

The Spirit CabinetWeiter ging es mit der Labeleigenen Band The Spirit Cabinet. Die aus Asten in den Niederlanden stammende Band rund um Urfausts Sänger Snake McRuffkin wurden erst im Jahre 2014 gegründet und haben mit „Hystero Epileptic Possessed“ (Veröffentlicht 2015) eine Full Length auf dem Markt. Ihr Genre beschreibt die Band auf ihrer Facebook-Fanpage selbst mit „Blackened Melancholic Hardrock 'n' Roll“ und wird von McRuffkins Stimme deutlich geprägt.
Ein kleiner Altar direkt am Bühnenrand stand im Fokus. Die Band selbst gab ein recht uneinheitliches Bild ab, nur Gitarrist Johnny Hällström trug Corpsepaint und fiel somit vollkommen aus dem Rahmen. Auch The Spirit Cabinet hatten einen 35 minütigen Auftritt, in denen sie mit ihrem rhythmischen und sehr versierten Blackened Heavy Metal zu überzeugen wussten.

 

 



AlmyrkviMit einer sieben-minütigen Verspätung trat die aus Island stammende ein-Mann-Band Almyrkvi, bestehend aus Garđar S. Jónsson, bereits bekannt von Sinmara, mit ergänzender Livebesatzung auf. Der sehr basslastige atmosphärische Black Metal wurde in passender Optik präsentiert: Außer dem Schlagzeuger war die komplette Livebesatzung vermummt. Bisher gibt es eine veröffentlichte EP, namentlich „Pupil Of The Searing Maelstrom“, welche erst in diesem Jahr erschien.
Zwischen den Songs wurden bedrohlich wirkende Sampler eingespielt, was den Auftritt zusätzlich zur - de facto - kaum vorhandenden Lichtshow, einmal mehr düster machte.
Um 18:27 verließ die Kombo vorzeitig die Bühne. Insgesamt war der Auftritt zu kurz. Man hatte das Gefühl sich gerade erst auf die Performance eingelassen zu haben, als es schon vorbei war. Jedoch haben sie definitiv Lust auf mehr gemacht.

Setlist: Shrouded In Blinding Light
            (0) – Untitled Currents Of Detestation
            Feeding The Void
            Pupil Of The Searing Maelstrom

 

 

 

 

 

Dread SovereignDread Sovereign gingen als viertes im Line-up an den Start. Das irische Trio hat sich im Jahre 2013 gegründet und hat bisher eine EP mit dem Titel „Pray To The Devil In Man“ und ein Album, namens „All Hell's Martyrs“, auf den Markt geschmissen.
Die starke Bühnenpräsenz und der gewaltige Stimmumfang von Bassist und Sänger Alan Averill a.k.a. Nemtheanga, vorrangig durch Primordial bekannt, war für diesen starken Auftritt wirklich bezeichnend, wobei auch bei dem Rest der Band die Spielfreude von der ersten Sekunde an nicht zu verbergen war. Es ist anzunehmen, dass dies im völligen Kontrast zu ihrem Doom Metal stand, jedoch hat es sich perfekt zu ihrer etwas groovigeren Version ihres Genres ergänzt. Zum Schluss wurde noch ein Song dem verstorbenen Lemmy Kilmister gewidmet.
Als erste Band an diesem Tag traten Dread Sovereign mit dem Publikum in Interaktion, welches sich wunderbar mitreißen ließen.

 

 


KermaniaNach diesem tollen Anfang brauchte das Publikum wohl eine Pause – Zu Beginn des Auftritts von Kermania war der Konzertsaal fast schon leergefegt, doch füllte sich der Raum, kaum, dass sie mit ihrem Set begannen. Die Kulisse war ganz in einem dunklen Grün getaucht, als das Fünfergespann auf die Bühne trat. Zusammen mit den sehnsuchtsvollen Schreien kamen dem geneigten Hörer umgehend Bilder von Wäldern in den Sinn. Im Kontrast zum überwiegend tragenden Sound war die Lichtshow ziemlich hektisch. Nur zu Beginn und abschließend zum 40-minütigen Set strahlte das Licht eine gewisse Ruhe aus.
Von diesen Musikern ist nur Weigand, bekannt durch Truppensturm, festes Mitglied. Es wurden also noch vier Gastmusiker auf die Bühne geholt – der Schreiber dieser Zeilen erkannte unter anderem The Ruins Of Beverasts Meilenwald. 2001 gegründet sind bisher fünf Demos und zwei Alben veröffentlicht worden.
Der hier präsentierte Black Metal ist durchaus außergewöhnlich gestaltet. Sowohl klare Stimmen, als auch tiefe Growls singen von deutscher Historie. Themen, die wohl nicht als erstes mit Black Metal in Verbindung gebracht werden.

 

 

WedergangerDie aus Arnheim stammende Band Wederganger ist wohl die Band, auf die man an diesem Freitag am meisten gespannt war. Von vielen Seiten hörte man, dass die 2013 gegründete Black Metal Band einen - gelinde ausgedrückt - schwachen Start hinlegten. Sollte es so gewesen sein, haben sie in den vergangenen drei Jahren mehr als aufgeholt! Bisher sind drei Veröffentlichungen erschienen: Eine Demo mit dem Titel „Gelderse Drek“, das Full-Length „Halfvergaan ontwaakt“ und eine Split zusammen mit Laster.
Ganz dunkel wurde es zu Beginn des Auftritts, die Bühne war nur mit ein paar Grablichtern und zwei Kandelabern beleuchtet. Mit Laternen betraten die Sänger die Bühne – das Wechselspiel zwischen gellenden Schreien und Growls und an einen Zeremonienmeister erinnernden Gesang zeichnet diese Band aus. Besonders das Gebaren von Sänger Alfschijn, ex-Heidevolk, machten ihren Auftritt zu einem besonderen Konzert. Die Übergänge kommen natürlich, wie aus einem Fluss und auch die sechs Musiker, von denen nur drei feste Mitglieder sind, ergaben durch die kollektive Aufhebung ihrer Individualtiät durch schwarze Gesichter optisch eine Einheit.

Setlist: Intro - Schimmenspel
            Walmend Graf
            Dwaallichtbezwering
            Dodendans
            Gelderse Drek
            De Galgenberg
            Wera-Wulfa
            Vlammenvonnis
            Zwarte Gedachten

 

DOLCH(DOLCH) – Die Doom Metal Band hat sich 2013 gegründet und hat seitdem zwei Demos, „I“ und „II“, 'rausgebracht, die im vergangenen Jahr zusammen als „I & II“ neu veröffentlicht wurden. - Mehr Hintergrundinformationen sind über diese Band kaum herauszubekommen und in den sozialen Medien machen sie sich ebenfalls rar. Umso präsenter waren sie auf der Bühne. Die Sängerin überzeugte mit ihrer zurückhaltend ruhigen, aber trotzdem ausdrucksstarken Stimme. Insgesamt wirkten sie streckenweise etwas zu ruhig. Das Publikum war von den immer wiederkehrenden Melodien fast schon hypnotisiert und zumindest in den ersten Reihen sah man vereinzelt Fans, wie sie sich komplett in der Musik gehen ließen – das sind Szenen, welche das Undergrounded-Team am liebsten sieht!
Auf der Bühne wurden die Grablichter von der vorigen Band noch stehen gelassen, das Licht ergab bei fast jedem Lied einen dunkel-hell-dunkel – Zyklus, was zusammengenommen sehr stimmungsvoll war. Trotz keinerlei Interaktion mit dem Publikum hatten sie ihre Anhänger vollkommen im Griff.

 

 

Chapel Of DiseaseDen Slot des Co-Headliners belegte das Kölner Quartett Chapel Of Disease. Ihr Heimlabel ist F.D.A. Rekotz und somit waren sie die zweite Band an diesem Tag, die labelfremd ist. 2008 gegründet haben sie bisher eine Demo, eine Split und zwei Alben veröffentlichen können, wovon das jüngste Werk, „The Mysterious Ways Of Repetitive Art“, erst im letzten Jahr produziert wurde.
Mit ihrem Death Metal sind sie definitiv herausgestochen und wollten nicht so ganz ins Lineup passen. Dies ist eventuell eine mögliche Erklärung dafür, warum so viele der Besucher die Raucherterasse aufsuchten. Nach dem mitreißenden Auftritt (DOLCH)s war für manche eine Portion „frischer“ Luft sicherlich auch nötig, jedoch haben sie dadurch einen grandios starken Auftritt verpasst.
Im Gegensatz zu den meisten Performances kam nun nicht nur vor, sondern auch auf der Bühne Bewegung auf. Die kraftvollen, fast schon leidenden Schreie von Sänger Laurent und das Schwenken von aggressiver Raserei zu ruhigen, beinahe akustisch anmutenden Parts, die dem Hörer kurze Momente der Entspannung boten, kamen live einfach großartig und stimmten das Publikum perfekt auf den Headliner ein.

 

 

 

 

 

Ruins of Beverast The Ruins Of Beverast gaben sich die Ehre und beendeten diesen grandiosen ersten Festivaltag mit einem Auftritt der hingebungsvoller nicht hätte sein können.
Unter den bisherigen Veröffentlichungen der ein-Mann-Band mit stabiler Livebesatzung zählen eine Demo, zwei Splits, unter anderem mit Urfaust, eine Compilation und vier Alben, von denen das jüngste Werk, „Blood Vaults – The Blazing Gospel of Heinrich Kramer“, 2013 veröffentlicht wurde.
Rund 90 Minuten dauerte das Haupt-Set der 2003 gegründeten Atmospheric Black / Doom Metal Band, bevor eine 20-minütige Zugabe angehängt wurde.
Während ihres Auftritts wurden die Reihen im Konzertsaal immer lichter, was sicherlich der fortgeschrittenen Stunde zu verschulden war. Schade, denn es schien, als würde der Auftritt immer stärker werden. Die tragenden, klaren Gesänge konnte der Schreiber dieser Zeilen nach dem anstrengenden Tag mehr als genießen und empfand es als meditativ. Kracher wie „I Raised This Stone As A Ghastly Memorial“, „Apologia“ + „Daemon“, „Maleficia“ und „Kains Countenance Fell“durften nicht fehlen.
Sichtlich glücklich und unter tosendem Applaus verließen The Ruins Of Beverast um Punkt 2 Uhr morgens die Bühne!

 


 

Tag 2: Funeral Procession – Kosmokrator – Kalmen – Freitod – GOLD – Fyrnask – King Dude – Urfaust – Our Survival Depends On Us – Mourning Beloveth

Funeral ProcessionDeutlich aggressiver als der gestrige Opener läuteten Funeral Procession den zweiten Festivaltag ein. Die aus Niedersachsen stammende Black Metal Band wurde 1995 gegründet und seitdem waren sie nicht gerade untätig. Zwei Demos, drei Splits, drei EPs, aber nur ein 2006 veröffentlichtes Album namens „Funeral Procession“, stehen auf ihrer Agenda.
War es am Tag vorher schon sonnig und warm hat das Wetter an diesem Samstag nochmal einen draufgesetzt, weswegen die Konzerthalle an diesem Nachmittag nicht ganz so gut besucht war, wie man es den spontan für Path Of Samsara eingesprungenen Jungs gewünscht hätte. Trotz der Hitze im Konzertsaal und den leeren Reihen gaben Funeral Procession alles und bedienten einige Black Metal-Klischees. So traten sie mit Corpsepaint und nietenlastigem Outfit auf die Bühne und weihten den gerade begonnenen Tag mit einem Becher geronnenem Schweineblut.
Den letzten Song performte Sänger Count Gothmog mit einem hochgehaltenen Schädel und verließ vorzeitig die Bühne. Als zweites stieg Gitarrist C:R:A: aus, sodass nur noch Bassist und Schlagzeuger ihren Moment mit dem Publikum hatten.

Setlist: Intro
            Heavenly Aeons Grimly Torn Apart
            Doom
            Bloode Of The Elder
            The Death Empire On Burial Ground Part I
            Under A Funeral Moon (Darkthrone Cover)
            As All Adorable Dieth
          

 

KosmokratorZu Kosmokrator wurde die Halle schon etwas voller und während die letzten Merchstände noch aufgebaut wurden wusste das belgische Quintett mit ihrem Black/Death Metal zu überzeugen. Seit ihrer Gründung im Jahre 2013 haben sie erst eine Demo namens „To The Svmmit“ veröffentlicht.
Sie präsentierten sich vermummt und erinnerten nicht nur deswegen an die gestrigen Abräumer von Wederganger. - Der zweistimmige Gesang und der wohldosierte, an einen Zeremonienmeister erinnernde Klargesang war auch bei ihnen bezeichnend.
Leider war das diffuse Licht teilweise unpassend und lenkte von der Musik ab. Die schlechte Lichtshow sollte sich noch durch den gesamten weiteren Tag ziehen.

 

 

 

 

 

 

 

KalmenDas Dresdener Quartett Kalmen bediente den dritten Slot im Line-up. 2009 formierte sich die Psychedelic Doom / Black Metal Band und veröffentlichte seitdem eine Demo und brachte schließlich im vergangenen Jahr ihr erstes Album namens „Course Hex“ auf den Markt.
Zu allererst muss die viel zu hektische Lichtshow negativ erwähnt werden, bei der es dem Schreiber dieser Zeilen zeitweise nicht möglich war die Augen zur Bühne zu bewegen. - Schade, denn das wurde der Band und deren grandiosen Musik wirklich nicht gerecht.
Musikalisch wechselte sich wütendes Geschrammel mit tiefen und tragenden Doom-Einschlägen, besonders der weit weg wirkende Gesang berührt sehr, lässt man sich erst einmal auf die psychedelische Ebene ein.
Freuen durfte sich das Publikum über den zu vorletzt präsentierte, neuen Song – ein Vorbote auf eine weitere und baldige Veröffentlichung?! Man darf gespannt sein.

Setlist: Soul Devina
            Gizeh
            My Soul Is Black
            Neuer Song, noch ohne Titel
            Katharseas

 

FreitodAm Soundcheck kann man meistens schon einiges erkennen und wenn einem der Gesang dabei schon so unverkennbar erscheint, wie der des Freitod Sängers, kann der Auftritt nur gut werden. - Und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Besonders die saubere Spielweise, der abwechslungsreiche Gesang und die technische Versiertheit zeichnen die Nürnberger Band mit nur zwei festen Mitgliedern aus. 2005 gegründet stehen bisher zwei Demos und drei Alben namens „Nebel der Erinnerungen“, erschienen im Jahre 2010, und „Regenjahre“, im Jahre 2012 veröffentlich, sowie das an diesem 07.05.2016 veröffentlichte „Der Unsichtbare Begleiter“ auf ihrer Diskographie.
Die Bühne wurde vor Beginn des Auftritts – passend zum Thema - nochmals mit neuen Grablichtern ausgeschmückt. Für die passende Atmosphäre war also schon mal gesorgt. Bezeichnend war auch bei Freitod der Wechsel zwischen Growls und klaren Gesangsparts, wobei gerade Letzteres den Euphemismus des Bandnamen ad absurdum zu führen schienen. Fast schon unbeschwert daherkommende Melodien singen von Depressionen und Suizidgedanken.
Die Lichtshow war an diesem Tag das erste Mal wirklich passend, denn das klare Licht unterstrich die bezeichnenden klaren Gesangsparts.
Passend zur Veröffentlichung des neuen Albums performten sie überwiegend neues Material.

Setlist: Unter Schwarzen Wolken
            Die Falsche Krankheit
            Neue Wege
            Ein Ende
            Der Unsichtbare Begleiter
            Rainroom

 

GOLDDen Status des Geheimtipps genossen an diesem Abend das aus den Niederlanden stammende Sechsergespann von GOLD. Vielleicht mit einem dicken Augenzwinkern beschreibt die Band ihr Genre auf ihrer Facebook-Fanpage selbst mit „Post-Everything Dark Rock“. Die 2011 gegründete Band hat bisher eine EP und zwei Alben veröffentlich, von denen das 2015 erschienene „No Image“ das jüngste Werk der Rotterdamer darstellt.
Die Bühne wurde vor ihrem Auftritt von jeglichem Schnick Schnack befreit, nur der wohldosierte Goldschmuck der Sängerin, besonders ihre Handmanschetten, - abgesehen von der Band selbst - boten einen Blickfang.
Sängerin Milena Eva war zumindest an diesem Wochenende an Ausdrucksstärke nicht zu überbieten. - Gestik, sowie Mimik wirkten fast schon hypnotisierend auf das Publikum. Auch, wenn nicht ständig ein Spot auf sie gerichtet war, hatte man als Zuschauer doch das Gefühl, denn obwohl bei allen Musikern die Spielfreude aus allen Poren zu schießen schien, stach die stimmgewaltige Sängerin immer wieder hervor.
Dieser Auftritt ließ einen im positiven Sinne wirklich sprachlos zurück. Kein Wunder also, dass die Zuschauer nach dem Auftritt ohne Umwege GOLDs Merchandisestand einrannten! - Zu Recht, wie wir meinen!

Setlist: O. D. I. R.
            Old Habits
            And I Know Now
            The Waves
            Shapeless
            The Controller
            Don't
            Taste Me
            Servant

 

FyrnaskDie einzige, laut Facebook-Fanpage, labelfremde Band an diesem Tag war die Bonner Band Fyrnask, die bei „Temple Of Torturous“ beheimatet ist. 2008 gegründet hat die Band, bestehend aus sechs Mitgliedern, eine Demo und zwei Alben veröffentlicht, betitelt mit „Bluostar“ und „Eldir Nótt“.
Zur vorher aufgetretenen Band GOLD gab es nun also einen äußerst harten Stilbruch hin zum Black Metal. Das Bühnenlicht wurde wieder deutlich dunkler und durch die vielen Kerzen auf der Bühne wurde eine tolle Atmosphäre kreiert. Die Kostümierung der Band war wohl die aufwändigste an diesem Wochenende. Außer dem Sänger waren alle in schwarze Kutten gehüllt, auch die Gesichter waren nicht mehr zu erkennen. Sänger Fyrnds Aufmachung erinnerte stark an einen Krampus, welcher in den Mythen der Rauhnächte vorkommt, jedoch richtet sich die Band eigentlich thematisch gen Norden – ein visuelles Konzept, welches eventuell falsche Assoziationen weckt.

 

 

King DudeWas die musikalischen Übergänge angeht, so hätte King Dude wohl besser vor Fyrnask gepasst, so musste man sich erneut mit einem ziemlich harten Stilbruch abfinden.
Ein Mann, seine Gitarre, eine Flasche Whisky und nicht zuletzt seine begnadete Stimme...und hin und wieder 'ne Fluppe – das ist alles was es für den nächsten Auftritt brauchte. Reduzierter geht ein Auftritt kaum! Und King Dude schaffte es damit tatsächlich alleine diese große Bühne auszufüllen und so mehr Besucher in den Konzertsaal zu locken, als irgendeine Band vorher.
Der aus Seattle stammende, charismatische Dark-Folker sorgte wohl für die dringend nötige Entspannung der Gehörgänge und spannte das Publikum komplett in sein Programm ein. – Wer braucht schon eine Setlist, wenn er auch direkt Songwünsche entgegennehmen kann?! Und so wurden Carol, Alissa und ein paar anderen Glücklichen im Publikum Lieder gewidmet. Darunter „Silver Crucifix“, „Rosemary“, „Little Bit Of Baby“, „Barbara Anne“ und „Jesus In The Courtyard“.
Nicht nur, dass er mehr den Entertainer als den Musiker gab, verabschiedete er sich mit den Worten eines guten Amerikaners: „God bless you!“ - Ein spaßiger Geselle.

 

UrfaustUrfaust – Von der atmosphärischen Urgewalt aus den Niederlanden erwartet man eigentlich nichts anderes als einen grandiosen Auftritt. Sie haben definitiv nicht enttäuscht. Mehr noch scheinen sie sich an diesem Abend noch übertroffen zu haben, sodass das niederländische Duo wohl der heimliche Headliner des zweiten Festivaltages war.
In einem Kerzenmeer versinkend und in einer intensiven Weihrauchwolke gehüllt traten sie auf. Ein mit Schädeln, Masken, Kerzen und Geweihen dekorierter Altar stand zentriert am Bühnenrand. Die Band selbst nur als Nebenschauplatz, gaben die Musiker dem Publikum ganz viel Raum die Musik dorthin zu verfrachten wo sie hingehört: Ins Zentrum. War der Konzertsaal bei dem vorigen Act schon voll, war nun auch der letzte Frischluftfanatiker in der Halle anwesend.
Der Weihrauch entfaltete seine Wirkung und dieser Schreiberling hier empfand den Auftritt fast schon wie in Trance. Auch die mehrminütige Pause aufgrund von technischen Problemen konnte an diesem Zustand und dem Gefühl des kleiner werdenden Raums und der daraus resultierenden intimen Atmosphäre keinen Abbruch tun.
Es gab kaum jemanden, der nicht in sich versunken war. Umso überraschter kam das Ende des viel zu kurz erschienen 45-minütigen Auftritts.

 

Our Survival Depends On UsMan sollte meinen, dass ein schweres Los diejenige Band gezogen hat, welche den Slot nach Urfaust im Line-up belegt. Aber das aus Österreich stammende Quintett Our Survival Depends On Us fuhr nicht weniger Atmosphäre auf. Das Bühnenbild wurde sehr „holzlastig“ und die Naturverbundenheit merkte man der Sludge / Doom Metal Band sofort an. Auf der Bühne waren sie mehr eine Einheit, als eine andere Band an diesem Wochenende, was eventuell an dem offensichtlich vorangegangenen Blutritus lag.
Die 1999 gegründete Band hat bisher eine Demo, eine Split sowie drei Alben veröffentlicht, von denen sie an diesem Samstag nur Songs der Alben „Painful Stories Told With A Passion For Life“ und dem jüngsten Werk „Scouts On The Borderline Between The Physical And Spiritual World“, erst im letzten Jahr veröffentlicht, perfomten. Die Spiritualität schien wirklich aus jeder Note zu sprießen und der von einer Frauenstimme vorgetragene Monolog bestätigte diesen Eindruck. Im Anschluss an der Ansprache wurde es musikalisch etwas grooviger als zuvor und bei der Band wurde die Spielfreude noch intensiver. Nach diesem Auftritt versteht man dann auch den zunächst sonderbar anmutenden Bandnamen: Unser überleben hängt – de facto – von uns ab!

Setlist: Tunes Of Judgement
             I Will Not Obey
             And Even From My Sons And Daughters
             Children Of The Dawn
             Angelranger
             Manifesto
             Let My People Go

 

Mourning BelovethDie dienstälteste Band an diesem Wochenende hatte die Ehre das Festival zu beenden. Die Doom/ Death Metal Band Mourning Beloveth wurde 1992 gegründet und hat seitdem einiges auf dem Kerbholz: Zwei Demos, drei Splits, eine Compilation und sechs Alben, von denen die jüngste Veröffentlichung 2015 erschien.
Das irische Quintett fuhr ein komplettes Kontrastprogramm zur vorigen Band auf und reduzierte das Bühnenbild nur auf sich selbst. Der späten Stunde ist es zu verschulden, dass sich nun so viele Besucher vorzeitig verabschiedeten. - Selbst Schuld, denn so verpassten sie den hingebungs- und kraftvollen Auftritt. Der Gesang schien wie ein weiteres Instrument, ebenso die zweite, wohldosierte Klarstimme. Die Tiefen wurden voll ausgeschöpft, nur um dort zu verweilen. - Es gibt nichts weiter zu sagen, als dass es ein großartiger Auftritt und ein würdiges Ende der zweiten Ausgabe des Acherontic Arts Festivals war!

Setlist: The Words That Crawled
            The Mantel Tomb
            In Mourning My Days
            Primeval Rush
            Nothing Has A Centre
            Godether

 

 

 

Fazit: Das war es also, das Acherontic Arts Festival II. Die Bandauswahl war schlichtweg fantastisch und wurde dem Titel des Festivals, Künste aus der Unterwelt, mehr als gerecht! Undergrounded wurde von den Veranstaltern, trotz rückblickend missverständlicher Kommunikation, sehr herzlich willkommen geheißen und stand bei Fragen stets für Antworten bereit.
Der Sound war zum allergrößten Teil richtig gut, außer bei Almyrkvi gab es keine Verspätungen im Ablaufplan, nur die Lichtshow war am zweiten Tag teils wirklich schlecht.
Die Veranstaltung wirkte irgendwie erwachsener, als vergleichbare Festivals mit ähnlicher Zielgruppe. Auch die Stimmung war grundentspannt, wirkte intimer, ja fast schon wie ein Familientreffen.
Die Wahl der Location fiel in diesem, wie auch schon im letzten Jahr, auf die Oberhausener Turbinenhalle. Neben dem Konzertsaal, in dem man bei wunderbarer Live-Musik nach Merchandise stöbern konnte, gab es auch eine Raucherterasse. Das Getränkeangebot war umfangreich und mit 3€ für Softdrinks und Bier auch völlig im akzeptablen Rahmen. Nur das Essensangebot war etwas dürftig. Bei einem 2-Tages-Festival wäre etwas mehr Auswahl als Brühwürste wünschenswert.

Allen Bands von Ván Records ist die wahnsinnige Detailverliebtheit und Hingabe gemein, mit der sie sich ihren Projekten widmen. - Eben so, wie Ván selbst, die es immer schaffen mit einfachen Mitteln ihre Veröffentlichungen hochwertig und detailliert zu produzieren.
Einem kurzen Gespräch mit Sven Dinninghoff ist zu entnehmen, dass die Besucherzahl zu letztem Jahr gestiegen ist und die Organisatoren über den Zulauf zufrieden sind. Der Termin für die dritte Ausgabe des Acherontic Arts Festivals steht bereits jetzt schon fest und sollte dringend im Kalender markiert werden: 12. und 13.05.2017.
Das Undergrounded-Team bedankt sich für dieses besondere Wochenende und hofft auf ein Wiedersehen in 2017!

Weitere Informationen

  • Band(s): Urfaust, The Ruins of Beverast, Wederganger, Morning Beloveth, Gold u.a.
  • Wann: 06.-07.05.16
  • Wo: Turbinenhalle, Oberhausen
Gelesen 2477 mal Letzte Änderung am Dienstag, 31 Mai 2016 01:00
Anna Apostata

Aika Multaa Muistot