Freitag, 23 Oktober 2015 22:47

Sacrimoon - Reflections Of My Suicide Melancholy

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Herbst bedeutet fallendes Laub, eine behaglich geheizte Stube – und die richtige Hintergrundmusik, damit die Stimmung nicht allzu sehr ansteigt. Musik dieser Art bieten uns Sacrimoon mit ihrem neuen Album, dessen Titel bereits erahnen lässt, dass es sich um Schwarzmetall der depressiven Art handelt.

Sacrimoon wurde 2012 von L. Nergot in León, Mexico ins Leben gerufen. Er veröffentlichte zunächst eine Demo (2012), dann folgten ein Split mit Cyhiraeth & Warground (2013) und eine EP (2014). Mit Unterstützung der 2014 dazugestoßenen Gitarristin Kjiel aus Italien erschien dann am 04.05.2015 mit 'Reflections Of My Suicide Melancholy' das erste Komplettalbum.
Beide Bandmitglieder sind auch noch in anderen musikalischen Projekten tätig, so wirken z.B. beide in der Band 'Lifeless'.


Ein erster Blick auf das Albumcover lässt die Erwartung sinken: Das dort verarbeitete Bandlogo wirkt doch etwas überladen und übertrumpft mit einer an Schwülstigkeit kaum zu übertreffenden Kombination aus Galgenstricken und Rasierklinge sogar das (bei mir diesbezüglich bisher auf Platz eins stehende) Logo der Band 'Thy Light'. Aber die Raben sind nett. Doch kommen wir zu den – bekanntlich zählenden – inneren Werten:

Die Texte sind ganz genretypisch nur schwer zu verstehen, vermitteln bei näherer Betrachtung aber die gewünschte Schwermut. Es geht um Einsamkeit, Trauer, Depression und Freitod, wobei auf übertriebenen Kitsch verzichtet wird. Der Gesang, bzw. das schmerzerfüllte Stöhn-Schreien, ist an manchen Stellen etwas überzogen, kann aber insgesamt überzeugen. Daneben finden sich auch gesprochene Passagen (Titel 1, 4, 6), die zwar ebenfalls schwer zu verstehen sind, sich aber dennoch gut in das Album einpassen und ein gelungenes Gegenstück zum restlichen Gesang darstellen.


Bis auf die Titel 5 und 7 sind die Lieder in langsamem Tempo gehalten und beginnen recht ruhig mit unverzerrtem Gitarrensound, woraufhin Gesang und (größtenteils dezentes) Schlagzeug hinzukommen, bevor sie dann langsam an Intensität zunehmen.
Vereinzelt unterstreichen dezente Pianoklänge gekonnt die Atmosphäre, ohne die Lieder zu überfrachten. Dabei haben Sacrimoon interessante Melodien vorzuweisen, die genretypisch wiederholt, dabei aber doch nicht zu eintönig werden.


Titel 5 "Eterna Illusione" hebt sich von den anderen Songs deutlich ab: Er ist nicht nur schneller, sondern beginnt auch ohne sauber gespieltes Intro. Schöne Melodien, deutlicheres Schlagzeug und ein etwas screamlastigerer Gesang machen diesen Titel zu einer kleinen Perle, die im Gesamtkonzept des Albums einen stimmungsmäßigen Höhepunkt markiert, bevor es im Folgenden wieder ruhiger und düsterer wird. Der kurz geratene Abschlusstitel 7 sorgt als rein instrumentales Piano-Stück für einen perfekten Ausklang des Albums. Am Eindrucksvollsten sind aufgrund seiner monumentalen Länge Titel 2 "The Shadow of a Forgotten Feeling" und in musikalischer bzw. stimmungstechnischer Hinsicht Titel 5 " Eterna Illusione". Auch wenn Letzterer vom Rest des Albums abweicht und insofern aus der Reihe fällt, so erweist er sich doch als bester Titel und ist damit klarer Anspieltipp.


Alles in allem liefern Sacrimoon hier ein solides und hörenswertes Stück Herbstdepression, das durchgehend genügend Tiefgang hat, um nicht nach einmaligem Durchhören zu langweilen - Klare Kaufempfehlung

 

 

Tracklist:

1. A Moment of My Depression

2. The Shadow of a Forgotten Feeling

3. Hopeless

4. Scars of Broken Memories

5. Eterna Illusione

6. Disappearing in the Memories of Melancholy

7. End (instrumental)


Bewertung:

8,5 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Sacrimoon
  • Album Titel: Reflections Of My Suicide Melancholy
  • Erscheinungsdatum: 04.05.2015
  • Fazit: Das Album bietet soliden depressiven Schwarzmetall. Klare Empfehlung an Anhänger des Genres.
Gelesen 1631 mal Letzte Änderung am Montag, 26 Oktober 2015 07:45