Sonntag, 16 August 2015 22:28

Krow Roda - Heimkehr

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Black Metal Bands mit Corpsepaint und Frauenanteil sind ja doch recht rar gesät. Umso neugieriger wird der Anhänger des Genres, gerät doch mal eine solche Seltenheit in sein Blickfeld. Ob man mit Corpsepaint und 'Trveness' nun allgemein auf Kriegsfuß steht, oder sie als wesentlichen Bestandteil der Metal-Kultur ansieht – die Fotos auf der Website von Krow Roda können sich jedenfalls sehen lassen.

Zwar wird hinsichtlich Corpsepaint im wahrsten Wortsinne dick aufgetragen und auch der Vikernes'sche Streitkolben darf nicht fehlen, dennoch nimmt man ihnen die Überzeugung ab. Die Aufnahmen wirken durchaus nicht überladen, 'Krow Roda' weiß sich zu präsentieren. Gut so, wer auf massig Trveness steht, kommt hier jedenfalls auf seine Kosten.


Etwas undurchsichtig bleibt, wie sich die Besetzung entwickelte, hatten die Aschaffenburger doch offenbar noch bis nach dem Album-Release diesbezüglich mit Problemen zu kämpfen: 2012 als 'Donnersturm' gegründet, folgte wenig später die Umbenennung in 'Krow Roda' - der slawische Name bedeutet in etwa 'Das Blut der Ahnen'. 2014 folgte das erste Livekonzert.
Diverse Wechsel im Lineup führten dann dazu, dass die ersten beiden Lieder des vorliegenden Albums noch mit anderer Besetzung aufgenommen wurden. Nach der Fertigstellung wechselte schließlich der Sänger zum Bass und ein neuer Sänger wurde in die Band geholt, womit man davon ausgehen kann, dass die Gruppe ihren finalen Stil noch nicht gefunden hat. Inhaltlich handelt das Album laut Bandangabe von der Reise „eines Schamanen, der durch eine spirituelle Weltenreise zu seinem göttlichen Selbst findet und so zu seinen Ahnen emporsteigt“.


So weit, so gut. Nun zum Inhalt der Scheibe: Bereits zu Anfang wird deutlich, dass bei der Produktion nicht auf Ästhetik gesetzt wurde: Die Instrumente klingen blass und werden zusätzlich vom Schlagzeug überdeckt. Ob man das als Ausdruck wahren Black Metals sehen will, bleibt wohl jedem selbst überlassen. Leider zeigen sich dann aber auch andere Schwächen:
Hinterlässt Track 1 noch einen akzeptablen Eindruck, offenbart bereits Track 2 mit den langen gesanglosen Passagen das Hauptproblem des Albums: Die Songs sind relativ einfallslos, man spürt keine Atmosphäre, Instrumente und Songwriting geben einfach nicht genug her, um diesen Mangel zu kompensieren. Für die instrumentalen Zwischenspiele ist die Produktion zu schlecht, um Genuß zu bewirken.


Sicher wäre es falsch, an jede Fom von Black Metal den Anspruch herausragend komplexer Songstrukturen zu stellen, dennoch muss diese Lücke gefüllt werden durch spannende Melodieeinschübe, Emotionen, Kälte, Wahnsinn, herausragende Screams o.ä, sofern die jeweilige Band nicht im Meer des Mittelmaßes untergehen will. Hier aber findet sich nichts davon, es herrscht ein eklatanter Mangel an Atmosphäre. Was bleibt, sind zwar nicht direkt schlechte, nur eben auch nicht herausragende, häufig langweilige Lieder. Wirklich negativ fällt eigentlich nur der Gesang auf: Während er sich insgesamt als akzeptabel erweist (undeutlich, wenig präsent), kommt in Track 5 noch ein recht gewöhnungsbedürftiger Klargesang hinzu. Er klingt schlicht mäßig und der Dialekt des Sängers macht die Sache nicht besser.


Der keyboardgeschwängerte Ausklang in Track 6 lässt das Album ruhig ausklingen, wobei auch hier sich die Schwächen der Produktion im Keyboardklang niederschlagen. Gut ist hingegen die Idee eines textlichen Gesamtkonzepts und die (durchweg deutschen) Texte sind gelungen, was aber die angesprochenen Kritikpunkte nicht auszugleichen vermag.


Vielleicht hätte man das Album (zumindest anteilig) einfach als Demo herausbringen sollen - gerade auch mit Blick auf die veränderte Besetzung. Für einen ersten Eindruck hätte es gereicht und eventuell Lust auf mehr gemacht, doch als Voll-Album kann es leider nicht überzeugen. Der bereits vollzogene Sängerwechsel könnte der Band gut tun. Verstärkte Arbeit am Songwriting und der Produktion sind jedoch dringend notwendig, um zukünftig Alben mit Wiederhörwert zu schaffen.

 

Trackliste:

01. Krow Roda

02. Transzendenz des Geistes

03. Tor der Erneuerung

04. Mjolnir

05. Hangathyr

06. Heimkehr

           

Bewertung:

3,5 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Krow Roda
  • Album Titel: Heimkehr
  • Erscheinungsdatum: 18.04.2015
  • Fazit: Insgesamt ein ausbaufähiges Album, das insbesondere im Bereich Gesang und musikalischer Vielfalt der Nachbesserung bedarf. Trotz aller Kritik beweist die Band aber auch Potenzial, das es im nächsten Album auszubauen gilt.
Gelesen 2609 mal Letzte Änderung am Montag, 17 August 2015 09:06

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