Montag, 30 März 2015 14:57

27.- 28.03.2015 BLACK'N'THRASH INFERNO - Resonanzwerk, Oberhausen + Nargaroth + Endstille + Blackrout

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Oberhausen/Ruhrpott. Man weiß von einem generell großen Angebot an regelmäßig stattfindenden Metal-Veranstaltungen im gesamten Ruhrgebiet, in beinahe allen vorstellbaren Dimensionen - das heißt, von klein und untergründig bis sehr groß; das Billing betreffend verhält es sich analog dazu.

Aufgrund dieser Tatsachen und der großen Quantität an Metal-Events hat man eine gesteigerte Vorstellung davon, wie es sich mit einem Metal-Event zu verhalten hat. Die Planungen sind von der Veranstalterseite professioneller mit viel Erfahrung im Procedere aufgezogen, alles und jeder hat seinen Platz und folgt in enger Absprache den gegebenen Regulierungen; und trotz der immer gegebenen generell-familiären Metal-Atmosphäre fühlt man sich als Gast im "Pott" doch ein wenig elitärer geführt als in der Heimat, die ein paar hundert Kilometer weit entfernt liegt.


 

Das BLACK'N'THRASH INFERNO fährt eine gesunde Mischung an Bands aus dem Untergrund bis hoch zu namhaften Headlinern, ebenso ist die diesjährige Location mit dem Resonanzwerk treffend dazu gewählt: eine mittelgroße Bühne und ein Saal, der mit 300 Besuchern gut voll ist. [Die Bildergalerien findet ihr auf Facebook: Freitag, 27.03. & Samstag, 28.03. (klick)]


Im Eingangsbereich lächelt einen zur Rechten der Tresenbereich an, gegenüber davon auf der anderen Seite die Kasse mit Catapult Promotion Merchandisebereich und gleich daneben der kleine, aber feine Undergrounded-Stand mit dem versammelten Chapter NRW. Veranstalter Michael lässt uns großherzig unsere Undergrounded-Promotion plus Stand machen und gibt sich trotz Eventstress mit einem festen Händedruck freundlich und bestimmt. (Danke für die tolle Zusammenarbeit!)

bnt10UG Chapterführung NRW

 

Weiter im Saal sind zur Linken und zur Rechten Merchandisebereiche aufgebaut – alles, was das Extremmetallerherz begehrt und mehr gibt es käuflich zu erwerben; und so langsam trudeln die ersten Gesichter ein.  Der Freitag ist mit einem Billing ausgestattet, das ganz im Namen des Thrash Metal steht. Jede Band des Abends gibt auf ihre Art diese Musik zum Besten - in Form von Old School, mit Death Metal gemixt, Satanic Thrash, High Energy Thrash ... Thrash, bis man nicht mehr kann.


Die Technik ist bereit, der Soundcheck ist beendet. BLACKROUT aus Bochum eröffnen das BLACK'N'THRASH INFERNO 2015! Eine moderat gefüllte Halle mit vielen eintrudelnden Menschen, die gerade von ihrem letzten Arbeitstag der Woche zum lang ersehnten Event kommen, ist der weniger angenehme Nebeneffekt der Openerposition, aber das hält sich von Anfang an noch in Grenzen - wirklich nachteilhaft gelaufen ist bei BLACKROUT, dass es Bassist & Backing Vocalist "Vatter" wegen Stau nicht zum Gig schaffen kann - aber standfest und professionell stehen die drei verbliebenen BLACKROUTER Waips, Ouzi und Maik on stage und ziehen ihre Show einfach ohne Rücksicht auf Verluste und solide durch!


(An diesem Punkt möchten wir betonen, dass wir tendenziell gegen Bassismus und tieffrequente Gewalt sind, es aber ab und zu auch gerne untenrum etwas dicker haben möchten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.)

bnt blackroutBLACKROUT

 

Als nächstes treten die vier Thrash Metaller von TEUTONIC SLAUGHTER auf. 2011 im nordrhein-westfälischen Gladbeck gegründet sind sie noch eine relativ junge Band. Das Songwriting scheint noch etwas unkoordiniert, die Bühnenshow wirkt augenscheinlich noch etwas holprig, jedoch können sie mit ihrem eigenen Charme auf der Bühne überzeugen. Auch haben sie einige Fans mitgebracht, welche spätestens bei ihrem Song "Teutonic Witch" völlig ausrasten und das übrige Publikum stimmungsmäßig anstecken. Nach diesem Auftritt ist klar: in dieser Band steckt viel Potenzial und sollte im Auge behalten werden!


Fucking High Energy Thrash - Schnellfeuer ist die beste Beschreibung für PRIPJAT (zu Deutsch: Maschinenkanonen-Flammenwerferkombination auf einer mit Höchstgeschwindigkeit fahrenden Kawasaki Ninja montiert), die als dritte Band auftreten. Sie reißen das Publikum mit einer gelungenen Mixtur aus bretterndem Thrash auf höchstem spielerischen Niveau mit, zusammen mit einer Portion Scheißdrauf-Attitüde und - wie es von vorne von der Band heißt, "gnadenlos auf die Fresse". Nicht zuviel versprochen, nun circlen die Pits, die Matten fliegen, die Leute sind nun endgültig aus dem Häuschen!


Weiter in anders gewichteten musikalischen Gefilden geben sich die Schweden STERBHAUS. Todesthrash - oder besser gesagt, thrashing freaking Death Metal, hin und wieder mit einem Schlag Groove versetzt - steht nun anstelle der hohen Energie, reißt die Mattenschwinger auf eine gesetztere, sinistere Ebene und überzeugt durch eine solide wie stark flirrend-energetische Atmosphäre. Eine sehr gelungene Abwechslung zu PRIPJATs No-Mercy-Frontalfeuer und treffend im Billing platziert, ohne einen Bruch in der aufgeheizten Stimmung zu verursachen.


Die 2003 gegründeten KETZER heizen als drittletzte Band an diesem Abend ein. - Und wie sie einheizen! Die fünf Bergisch Gladbacher schaffen es von der ersten bis zur letzten Sekunde das Publikum mit ihrem groovigen Black-Thrash im Griff zu haben und überzeugen mit einem mehr als ausgeglichenen Set aus ihren beiden Full Length-Werken. Die Unterschiede sind deutlich wahrnehmbar, machen jedoch das Besondere dieser Band aus. Sie finden mit dem gut neun minütigen Brett "He, Who Stands Behind the Rows" ein starkes Ende. – Eine rundum perfekte Show!


NOCTURNAL aus Mainz ist die erste und einzige Band des BLACK 'N' THRASH INFERNO mit Frontfrau! Lady "Tyrannizer" holt alles und noch viel mehr aus ihrer Stimme (so hört man selten einen Vokalisten durch jedes Mark und Bein screamen...) zur stark von Destruction beeinflussten 80er-Jahre-Thrashmucke raus. Die gesamte Band agiert musikalisch und performance-technisch unglaublich direkt und offensiv, und der satanische Touch zusammen mit der Wahl der Klamotten (wie man es schon von Judas Priest kennt, mit Nieten und tiefschwarzem Leder) passen hervorragend zu Image und Musik. Wieder reiht sich eine Band unter dem großen Deckmantel des Thrash in die Freitagsabfolge des Billings, die sich im Stil deutlich unterscheidet, aber die feurige Stimmung des Abends beibehält.


Der Headliner ARTILLERY aus Dänemark spielt statt den krankheitsbedingt ausgefallenen DESASTER. Man hört an den Heavy/Power-Vocals von Sänger Søren Adamsen, zusammengeschmolzen mit dem dargebrachten Old School Thrash, dass es sich ausschließlich nur um ARTILLERY handeln kann. Gestandene Größen der Alten Schule rocken die Menge hart, eine Band mit über 30 Jahren Live-Geschichte (!) gibt sich solide und "hard as hell" - eine mehr als gelungene Abrundung des ersten Event-Tages!


bnt artilleryARTILLERY


 Den Freitag mit blauen Flecken und allerhand weiteren bunten Blessuren aus den Pits überstanden geht es nun mit dem "schwarzen" Samstag weiter in Text und Musik.


Mit DRAUGUR'scher, luziferianischer Urgewalt beginnt der zweite Tag des BLACK 'N' THRASH INFERNO, der komplett im Zeichen des Black Metal steht. In einer doomigen und energetisch-flirrenden Atmosphäre schieben sich Song für Song, im übertragenen Sinne ähnlich eines unterirdischen Brodelns, durch die Menge - was für ein Opener! Der Beiname "INFERNO" ist nun, mit dem Auftritt DRAUGURS, für das BLACK 'N' THRASH legitimiert und verdient. DRAUGUR kündigen, figurativ gesprochen, einen bisher noch nicht greifbaren, epischen Abend tiefstschwarzer musikalischer Energie an.

bnt draugurDRAUGUR


Als nächstes tritt das Vierergespann von NUCLEAR MAGICK auf die Bühne. Das Publikum ist durch den vorangegangenen Auftritt DRAUGURs in der richtigen sinisteren Stimmung – im Saal steht die Spannung bereit. Die Bühnenshow von NUCLEAR MAGICK ist sehr auf das Wesentliche reduziert, dennoch auf dem Punkt und passend zu den von ihnen in ihren Songs verarbeiteten Themen, u.a. Atomkrieg. Ihre Kraft kommt von innen und zieht das Publikum vollkommen in ihren Bann. Nichts lenkt ab – der Fokus liegt klar auf ihrer Interpretation des Black/Death, der wohldosierte Doom-Anteil macht ihre Musik besonders und knüpft stilistisch in diesem Punkt an die vorhergegangene Band an.


HELLSAW aus Österreich geben ihren allerletzten Auftritt auf diesem Event zum Besten. Wer sie noch nicht kennt oder live hat erleben dürfen, weiß, dass HELLSAW eine der offensiveren Schwarzmetallformationen sind ... waren, mit eindeutiger Tendenz zu Showeinlagen. Sie erinnern ein wenig an Valkyrja aus Schweden, gemischt mit einem leichten Hauch Cradle-of-Filth-typischer Performance - und sie verfehlen ihre Absicht nicht! Die Stimmung kocht nach der satanisch-spirituellen Show von DRAUGUR, das Publikum lässt sich mitreißen und ist - fragt man die Fans und Kenner persönlich – begeistert, wenn nicht total von den Socken! Mit einem Abschlussfoto nach dem letzten Song verabschieden sich HELLSAW nach 13 Jahren Bandgeschichte vom Ruhrpottpublikum. Schade!


Aus Frankreich angereist sind die Jungs von GLORIOR BELLI. "Black Metal & Southern Badassery" heißt nun genau was? Ist diese extraordinäre Art von Crossover oder Post Black, die gespielt wird, ernst gemeint oder eine dezente wie gekonnte Persiflage in sich? Zu bemäkeln für die Live-Performance ist jedenfalls, dass der Sänger mit für Black Metal ungewohnten Ansagen, wie z.B. "What's up, motherfuckers?" das Publikum nicht wirklich kriegt. Musikalisch ist die Band genauso top, wie im Gesamtgefüge latent deplatziert wirkend. Man hört in der Musik von GLORIOR BELLI alles, was Black Metal ausmacht, darüber hinaus auch Rock- und Stoner-Einflüsse; würde man den Stecker ziehen, könnten sie rein optisch eine beliebige Rockband der 2000er darstellen - letztendlich muss man sie einmal live erlebt haben, um sich ein eigenes Bild zu machen; allerdings nach Möglichkeit besser bei einem musikalischen Event, das nicht von traditionellen Metal-Stilen dominiert wird.


Eine Live-Besonderheit folgt als nächstes, die Suicidal-Depressive-Black-Legenden aus Dänemark. Die Rede ist von MAKE A CHANGE ... KILL YOURSELF, über die schon viele Gerüchte existieren. Fünf Worte in einem Bandnamen, die passender nicht sein könnten. Die Band verbreitet Hoffnungslosigkeit und eine depressive Grundstimmung, Selbstmord wird präsentiert und ausgiebig propagiert. Hier und jetzt reiht sich monotones Geblaste von Anfang bis Ende (Anm. d. Redaktion: monoton ist nicht wertend gemeint) zu stummen Schwarzweiß-Videos von verfallenen Räumen und Gegenständen, auf der Leinwand dahinter. Die Atmosphäre dieser einzigartigen Formation in Bild und Ton einmal live erlebt zu haben lässt sich mit Worten eigentlich kaum ausdrücken; es hängt der suizidale Schleier in mannigfaltigen Facetten im Bühnenraum. "Are you sure your minds are strong enough?" fragt der Sänger rhetorisch ins Publikum. Unvergesslich und einzigartig - mehr ist weiter nicht zu sagen.


Nimmt man die Anzahl der Fans vor und nach dem Auftritt von MAKE A CHANGE...KILL YOURSELF, könnte man wohl genau bestimmen, wie viele den propagierten Suizidgedanken zuende gegangen sind oder nicht - bei ENDSTILLE als Folgeband finden sich jedenfalls ein paar Fans weniger im Publikum. Die Gerüchteküche lassen wir nun brodeln und hippe Christen noch mehr weinend aufschreien als ohnehin schon, während Maschinenkanonen und Artillerie aus dem ENDSTILLE-Arsenal ohne Gnade frontal zum Einsatz gebracht werden, wie man es von der Band gewohnt ist und wie es sich für einen soliden Auftritt der Jungs gehört. Viel diskutiert, geliebt, gehasst und als sonstwas von Fans, wie auch von Hatern verschrien legen die deutschen Nordlichter los, dass man meint, die Bühne müsste für die letzte Größe neu aufgebaut werden.


Die Auftritte und Shows der drei letzten Bands des BLACK 'N' THRASH INFERNO an diesem Samstag dürfen mit ruhiger Gewissheit einen schweren Besonderheits-Stempel aufgedrückt bekommen. Schon beim Aufbau für die in 2015 einzigen NARGAROTH-Show in NRW hört man Leute von einer alten Feindschaft zwischen ENDSTILLE und NARGAROTH reden, Gerüchte ranken sich rauf und runter und schaffen in der Live-Situation des Auftritts von "Ash" René Wagner und Mitmusikern in dieser ohnehin schon besonderen Atmosphäre ein zusätzliches Knistern, wie auch immer man sie persönlich wahrnehmen mag.



Alarmsirenen sind im Intro zu hören, und es geht mit dem mehr als bekannten Song "Black Metal ist Krieg" von NARGAROTH direkt los; die Stimmung ist angespannt, gebannt starrt die Menge in Richtung Bühne und zwei maskierte Leute des GMBC stehen mit Flaggen während des kompletten Songs je einer rechts und links am Bühnenrand. Hätte es nicht den ganzen Tag schon Black Metal in mannigfaltigen Facetten gegeben, könnte man eine Mixtur aus Furcht, Hass, aber auch Staunen hinzufügen. Hanna van den Berg von DRAUGUR erkennt man von deren Opener-Auftritt davor an der Gitarre wieder, und natürlich Kopf und Frontsänger Ash - auch an seinem grell-durchdringenden Scream-Vocals. NARGAROTH-Klassiker wie "Abschiedsbrief des Prometheus" und "The Day Burzum Killed Mayhem" werden ebenfalls gespielt, die Halle ist voll und mit dem letzten Ausklang des letzten Songs ist das Event vollständig abgerundet und beendet.

bnt nargarothNARGAROTH


Das BLACK 'N' THRASH INFERNO 2015 protzt, wenn man es so sagen will, eigentlich am meisten mit dem Black-Metal-Samstag und den auftretenden Bands mit Besonderheits- bis Legendenstatus. Der Opener ist mit DRAUGUR für die Schaffung einer Grundatmosphäre nahezu perfekt gewählt, drei Schlussknaller mit MAKE A CHANGE...KILL YOURSELF, ENDSTILLE und NARGAROTH - und das ohne erwähnenswerte Zwischenfälle im Gesamtablauf - lassen Besucher und Fans dieses Event zu etwas schwer zu Vergessenem machen.


Der Freitag läuft wegen dem "Disaster mit DESASTER" nicht optimal, auch sind nicht wie erwartet über 200 Leute zum Thrashing Freitag erschienen. BLACKROUT sind als Opener dieses Tages nochmals lobend zu erwähnen, insbesondere da sie ihre Show ohne Bassisten durchgezogen haben; beeindruckt haben ganz besonders PRIPJAT mit schier unaufhörlicher Energie - wenn man das Abfeiern der Fans zu deren Show als grundehrliche Wertung heranziehen darf.


Vielen Dank an Michael und das gesamte CATAPULT-Team, an die hart rödelnden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Resonanzwerks, an die Fans und an die Bands für ein unvergesslich geiles, spannendes, beeindruckendes wie legendäres Event!

 

Weitere Informationen

  • Band(s): Nargaroth + Endstille + Blackrout +++
  • Wann: 27.03.2015
  • Wo: Resonanzwerk (Oberhausen)
Gelesen 2200 mal Letzte Änderung am Dienstag, 05 Mai 2015 11:33
Maessayah

I need a Klingon woman for companionship. Earth females are too fragile.