Sonntag, 03 Mai 2015 11:11

Unter dem Radar: Macbeth (Heavy Metal)

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Bandlogo Bandlogo Macbeth

Als sich 1985 in Erfurt vier junge Menschen zusammentrafen, um eine der ersten Heavy Metal-Bands der DDR zu gründen, waren sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denn auch in der DDR war der Metal angekommen! Es war die Geburtsstunde von Macbeth und der Beginn einer Bandhistorie, die manch andere Band schon lange zum Aufgeben gezwungen hätte!

Anfangs spielte man noch ohne Spielerlaubnis und erarbeitete sich einen Namen in der DDR-Metalszene. Mit dem Erteilen der Erlaubnis und dem Wechsel des Sängers ging es weiter voran. Im Herbst 1986 wurde die Band von der Stasi verboten, da es nach einem Konzert in Erfurt zu (angeblichen) Ausschreitungen durch Fans kam, nach dem man Macbeth verboten hatte, Zugaben zu spielen (Aufarbeitung der Band; Interview für Undergrounded). Macbeth war zum ersten Mal am Ende! Im Frühjahr 1987 folgte dann die (Zwangs)Umbenennung in CAIMAN und Sänger Wittenburg wurde verhaftet, ansonsten ließ die Staatsmacht die Band nun erst einmal in Ruhe. In der Wendezeit gab es einige Umbrüche bei CAIMAN/Macbeth, da in dieser Zeit einige Bandmitglieder die Band in Richtung Westen verließen. Nach dem Verbüßen seiner Haftstrafe stieg Wittenburg wieder ein, doch nach seinem Selbstmord im Dezember 1989 war Macbeth ein zweites Mal am Boden. 1993 startete man erneut ein Comebackversuch, doch ein weiterer Selbstmord in der Band ließ diesen auch scheitern und man begrub Macbeth vorerst endgültig!


Zehn Jahre dauerte es, ehe es wieder ein Zeichen von Macbeth in Form einer Demo-CD und als Support von In Extremo gab. 2006 folgte dann das lang ersehnte Debütalbum "Macbeth", dem 2009 mit "Gotteskrieger" und 2012 mit "Wiedergänger" zwei weitere Alben folgten. Dieses Jahr feiert die Band ihr 30-jähriges Jubiläum und arbeitet zur Zeit auch an einem neuem Album.



Macbeth-Promo-2014


Aktuelle Besetzung:

Alex Kopp – Gitarre

Ralf Klein – Gitarre

Oliver Hippauf – Vocals

Hanjo Papst – Bass

Steffen Adolf - Drums


Diskographie:

2003 Demo

2006 Macbeth

2009 Gotteskrieger

2012 Wiedergänger



Review zu "Macbeth"



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Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass sich "Gotteskrieger" oder "Wiedergänger" sicher besser eignen würden, um die Qualitäten von Macbeth zu preisen. Denn gegenüber diesen beiden muss das Debütalbum "Macbeth" deutlich zurückstecken. Und doch wähle ich bewusst dieses Album für das Review aus, denn es hat einen besonderen Stellenwert in der Geschichte der Band.


Denn es ist mehr als nur ein simples Debüt, es ist der Befreiungsschlag von Macbeth! Es ist ein Zeichen, dass die Band zwanzig Jahre nach dem Verbot durch die Stasi immer noch am Leben ist! Es ist ein Zeichen, dass man sich nicht unterkriegen lässt, egal wie hart und wie oft das Schicksal zuschlägt! Es ist ein Zeichen, dass bei Macbeth endlich das im Vordergrund steht, was eigentlich immer hätte im Vordergrund stehen sollen: die Musik!


Genauer gesagt: Heavy Metal, der hier ohne große Schnörkel zelebriert wird. Macbeth sind nicht die großen Techniker oder Wrickeler, sondern halten alles einfach und überschaubar. Das ist aber nicht negativ zu werten, denn die Stärke der Band liegt in nun mal der Geschlossenheit und nicht in ständigen Einzelaktionen oder der Hohen Technikschule. Aber gerade durch den einfachen Sound kommen sowohl die vereinzelten Soli der Gitarren als auch die deutschen Texte besser zur Geltung.


Ganz genau, bei Macbeth gibt es deutsche Texte! Es ist ein Überbleibsel aus DDR-Zeiten, wo englischsprachige Songs verboten wurden, da es die Sprache des Feindes war. Mit "Bomber" und "Macbeth" sind auch zwei Songs vertreten, deren Wurzeln bis zu den ersten Demos und in diese Zeit zurück reichen. Auch Teile des Textes von "Der Sturm" stammen aus diesen Tagen, sind doch die Strophen dem alten Song "Zeit der Zeiten" entnommen.


Mit "April" ist auch ein Song auf dem Album, der nicht jedem gefallen wird. Er handelt vom Amoklauf des Robert S., der 2002 in Erfurt siebzehn Menschen in seiner Schule erschoss, bevor er sich selbst umbrachte. Man kann sich natürlich fragen, ob so ein Song wirklich sein muss, man kann ihn aber auch als Versuch der Auf- und Verarbeitung einer Erfurter Band sehen, die sich lieber mit diesem Thema befassen möchte, als es totzuschweigen. Am Ende bleibt es jedem selbst überlassen, ob er den Song hören will oder nicht.


Wer ihn nicht hören mag, der belässt es bei den anderen Songs des Albums. Egal, ob es "Abendmahl", "Der Fährnann" oder "Der Wanderer" sind, die Songs sind alle gleich gut im Niveau. Keiner der neun Stücke fällt nach oben oder unten aus dem Rahmen und das ist auch der einzige Punkt, den man "Macbeth" ankreiden muss: es fehlt das wahre Highlight! Aber mit Blick auf die Bandgeschichte wird deutlich, dass die Existenz des Albums an sich schon das Highlight ist und schon allein diese Tatsache immer etwas Besonderes für Fans von Macbeth darstellen wird.


Tracklist:

1. Abendmahl

2. Komm mit mir

3. Lauf

4. Der Fährmann

5. April

6. Der Sturm

7. Bomber

8. Der Wanderer

9. Macbeth

Weitere Informationen

Gelesen 2327 mal Letzte Änderung am Sonntag, 03 Mai 2015 11:26
eviloli

Just when I know all of life's answers, they changed all the questions!

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Der Sturm - Macbeth Macbeth