Sonntag, 26 Oktober 2014 15:37

10-Jahre-Jubiläums-Tour Agrypnie mit Harakiri for the Sky und Thränenkind --- 19.10.2014, Rofa Ludwigsburg

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10-Jahre-Jubiläums-Tour Agrypnie 10-Jahre-Jubiläums-Tour Agrypnie Agrypnie

Was einst als Nebenprojekt begann, steht nun seit 10 Jahren auf eigenen Beinen und hat sich äußerst verdient einen Namen in der Black Metal-Welt Deutschlands gemacht. Oder kurz: Agrypnie feiert Jubiläum! Wie sich das gehört, wird das natürlich durch eine ausgiebige Tour gefeiert, die im Augenblick durch Deutschland, Österreich und Tschechien zieht. Dabei machte der Tourbus am letzten Sonntag, den 19.10., auch Halt in der Ludwigsburger Rockfabrik. Mit dabei waren die Österreicher von Harakiri for the Sky sowie Thränenkind. Undergrounded war live vor Ort, denn einen solchen Black Metal-Schmankerl darf man nicht verpassen.

Auf 19:45 Uhr war laut Running Order der Start in den Abend mit Thränenkind geplant, aufgrund einiger technischer Probleme verzögerte sich das jedoch um rund 20 Minuten. Das war jedoch keinesfalls schlimm, so konnte einerseits das durchaus preiswerte Merchandise-Angebot in Augenschein genommen werden und die kleine Location in Ludwigsburg noch vor Beginn der ersten Band richtig gefüllt werden.

Die Rofa war gut gefüllt, auch wenn es noch Karten an der Abendkasse gab. Dementsprechend stieg die Temperatur in der kleinen Location schnell an. Zudem heizten die Post-Black Metaller von Thränenkind dann kurz nach 20 Uhr gewaltig ein. Die Band mag in der (Untergrund-)Metal-Szene nicht unumstritten sein, was vor allem an ihrer exzessiven Zurschaustellung von Veganismus – beispielsweise auf dem Merch – liegen mag. Musikalisch jedoch waren die Herren auf der Bühne einfach wahnsinnig gut. Zwar spielte während der ersten beiden Songs die Technik nicht hundertprozentig mit (die Drums waren zu laut, daher ging der Rest ein wenig unter), ab dem dritten Song war es dann aber wirklich stark, wenn auch ziemlich laut. Mit einer feinen Setlist, hauptsächlich bestehend aus Songs des aktuellen Albums „The Elk“ sowie einem neuen Song („What we believe in“), sorgten Thränenkind in 40 Minuten für richtig gute Stimmung dank eines intensiven Auftritts. Insbesondere das Gitarrenspiel sowie die starke Leistung des Drummers sind hier hervorzuheben.

Folglich war nach der erster Band des Abends die Messlatte schon sehr hoch gesetzt: guter Sound, starker Auftritt einer guten Band. Harakiri for the Sky, Agrypnies dauerhafter Begleiter auf der Tour, ließ sich aber keinesfalls lumpen und knüpfte nach einer kurzen Umbaupause genau da an, wo Thränenkind zuvor aufgehört hatten. Die noch junge Band legte einen richtig starken Auftritt hin, der neben den wundervoll klingenden Gitarrenriffs sowie den brachial harten Nackenbrecher-Parts vor allem von der Emotionalität Michaels, des Sängers, auf der Bühne lebte. Seine Art und Weise sich auf der Bühne zu präsentieren passt einfach zum Stil der Musik und ist richtig authentisch – zudem sind seine Vocals auch live sehr stark.
Nebenbei war die Setlist der Österreicher äußerst gelungen: Ein gesunder Mix aus Songs des ersten Albums (Drown in my Nihilism, Lungs Filled With Water) sowie der neuen Scheibe „Aokigahara“ (Panopticon, Burning From Both Ends, Homecoming: Denied!, Jhator, 69 Dead Birds for Utoya) erfreuten das Publikum merklich. Abgerundet wurde der richtig geile Auftritt der Band von David – seines Zeichens Gitarrist beim Headliner des Abends sowie Mastermind hinter Heretoir -, der bei Panopticon auf die Bühne kam, um die Background-Vocals beizusteuern.
 
Zu guter Letzt kamen dann gegen 22 Uhr die Jubilare auf die Bühne. In stimmiger Bemalung für die kleine Location sowie die Bühne machte bereits das Setting einfach nur Lust auf den Auftritt.
Den Auftakt des Abends machte – wie es sich gehört – „Der tote Trakt“. Die Stimmung auf der Bühne passte, die Stimmung vor der Bühne war sowieso besser als irgend möglich und auch der Sound machte keine bis kaum Probleme. Bereits beim zweiten Song gingen Agrypnie dann – wie versprochen – in die Bandgeschichte zurück – und wie! Mit „Veritas Mutablis“ spielten Agrypnie einen Song aus dem Jahre 2005 vom Split-Demo, der – und das muss ich ehrlich zugeben – mir unbekannt war, obwohl es sich bei Agrypnie um meine Lieblingsband handelt.
Sehr gut war auch, dass Keyboarder Flange live zumindest immer öfter ins stimmliche Geschehen mit eingreift und häufig mit Torsten im Duett oder abwechselnd zu hören war. Das ist klasse so, denn einerseits schont das Torsten auf so einer langen Tour, andererseits hat Flange eine echt starke, kräftige Stimme. Insgesamt spielten Agrypnie eine unglaublich starke Setlist, eine Mischung aus Alt (Glas, Fenster zum Hof, Während du schläfst) und Neu (Gnosis, Augenblick, Asche, Schlaf), der mit dem ersten Song des kommenden Albums verfeinert wurde. „Grenzgänger“ heißt der und war live einfach eine Wucht. Da steigt die Vorfreude schon ins Unermessliche!
Und das Ende des Auftritts war einfach nur sagenhaft. Erst verzaubern Agrypnie mit „Augenblick“ die Meute vor der Bühne, ehe sie mit Asche Gänsehaut-Feeling pur erschaffen: David, Torsten und Flange gleichzeitig in diesem Song auf der Bühne zu hören, gleicht einem musikalischen Orgasmus. Mit „Schlaf“ als Zugabe endet das Konzert dann nach gut 80 Minuten, die Zuschauer hätten zwar gerne noch mehr Zugaben gehabt, aber waren glücklich. Zwar warte ich immer noch darauf, „Kadavergehorsam“ oder mein sehnsüchtig erwartetes „Die Last der Erinnerung“ live zu hören, doch kann man selbst beim Fehlen dieser Songs über den Auftritt nur glücklich sein. So viel Power, so viel Spaß, so viel Emotionen – ich habe Agrypnie im Laufe der letzten beiden Jahre schon mehrfach gesehen, das war aber wirklich der stärkste Auftritt bisher. Einfach grandios!

Nach rund drei Stunden wunderbarem Post Black Metal kann man nur zufrieden sein. Ein wundervolles Line-Up, eine stimmige Location, die Technik war gut, die Bands noch viel besser und Agrypnie auf dem aktuellen Höhepunkt ihrer Karriere. Ein klasse Abend!

Weitere Informationen

  • Band(s): Agrypnie, Harakiri for the Sky, Thränenkind
  • Wann: 19.10.2014
  • Wo: Rofa, Ludwigsburg
Gelesen 3495 mal Letzte Änderung am Sonntag, 26 Oktober 2014 15:56
Asgrimur

Courage is found... in unlikely places