Dienstag, 22 Juli 2014 22:15

18.-19.07.2014 Boarstream, Buchenbach + Angur [UG] + Firtan [UG] + Endstille + Vanir +++

geschrieben von
Artikel bewerten
(8 Stimmen)
Boarstream 2014 Boarstream 2014

Nach einem Jahr Pause war es dieses Jahr wieder so weit und das Boarstream Festival im beschaulichen Buchenbach ging in die nächste Runde. Seit jeher auf 666 Tickets limitiert und eher für die Metalfans der kleinen Kreise gedacht, ist allein der Anreiseweg durch die hohenlohische Pampa ein Hindernis für sich.

Einmal dort angekommen erschließt sich dem weitgereisten Metalhead aber allein schon mit dem Gelände ein echtes Juwel unter den kleinen Festivals. Direkt an der Jagst gelegen und einen Steinwurf vom Namensgebenden Ebersbach entfernt, konnte man im Einklang mit Natur und Menschen (und für den schmalen Geldbeutel) der wieder sehr ausgewogenen Bandauswahl lauschen. Was das Boarstream für mich zum echten „Muss“ der Szene macht, ist die kleine und verschworene Gemeinde der Boarstream-Veranstalter und -Besucher. Keine Sekunde vergeht in der man nicht jemand Bekanntem über den Weg läuft und sich im nächsten Moment bei geiler Musik und einem Bier in angeregten Gesprächen in einem Zelt oder zusammen headbangend vor der Bühne wiederfindet. Es ist eigentlich jedes Mal wie einen alten Freund zu treffen und ein Wochenende hart zu eskalieren.

 001 roar boar

 

Als sich bereits am Donnerstag die ersten Camper einfanden, war das Gelände so gut wie fertig wobei die fleißigen Helfer auch hier innerhalb kürzester Zeit die restlichen Handgriffe an der Bühne und den Essensständen vornahmen und die erste Nacht auf dem Boarstream mit leichtem Kater und Vorfreude am Morgen hinter sich gebracht wurde. Ein Segen für die hitzegeplagte Menge war natürlich, dass das Gelände auch schon vorher kurz geöffnet wurde und man sich bei Hopfenkaltschale und Schatten ein wenig abkühlen konnte bevor es zur eigentlichen Bändelausgabe ging. Pünktlich um 17:30 öffneten sich offiziell die Tore um die schon an den Gittern rüttelnde Menge Stück für Stück durchzuschleusen als auch schon unsere Jungs und unser Mädel von Angur würdig die Stage entjungferten. In gewohnt hoher Qualität mit einer Mischung aus Pagan und Folk gaben sie ihre besten Songs der aktuellen CD „Hört mîn sagen“ zum Besten und gaben die grobe Richtung vor. (Das komplette Video findet ihr demnächst, genau wie einige andere, auf unserem Youtube Channel!)

 

Als nächstes kamen die für mich schon fast totgehörten XIV Dark Centurionen an die Reihe ihr Bestes zu geben und den inzwischen angenehm kühlen Abend nochmal mit Viking Metal und der bekannt (zumindest für die kleine Bühne) oppulenten Bühnenverzierung anzuheizen - bevor mit Malignant Tumor ein kleiner Stilbruch die Menge bzw. wahrscheinlich nur mich verwirrte. Mir vorher gänzlich unbekannt, waren die vier rein Party technisch mit ihrem Heavy-Crust-Rock'n Roll und der extrem kitischigen Aufmachung (falsche Bärte, Perücken usw.) ein echter Brüller und musikalisch super unterhaltsam und genau mein Fall. Die letzte Band des Abends waren die Belgier von Aborted , die mit ihrem Death-Grind eigentlich auf Negator einstimmen sollten. Zwar „erst“ 1995 gegründet, hat die Band doch mehr Besetzungswechsel erfahren als jede andere Band, die ich kenne, konnte aber dennoch mit ordentlich Druck die Bühne rocken und das Publikum nochmal zur Raserei anfachen, was bei Malignant Tumor zwar auch der Fall war, aber mit wesentlich mehr Brutalität abging. Die vorausschauende Art der Boarstreamer bzw. des Publikums konnte hier allerdings schlimmeres verhindern und mit einiger Vorfreude wurden als Headliner noch Negator erwartet. Dummerweise versagte in der Umbaupause das Mischpult und ließ sich trotz intensivster Bemühungen der Techies nicht mehr zum Arbeiten animieren – Sehr zum Leidwesen der Negator Fans. Leider war der Sound insgesamt den ganzen Tag über nicht der Beste, was mitunter wohl an besagtem Mischpult lag, welches dann am nächsten Tag durch eine kleinere Version ersetzt wurde, was insgesamt auch die Soundqualität deutlich verbesserte.

XIV Dark Centuries

001 ANGUR 1

 

Der Samstag begann für mich relativ ausgeruht erstmal damit, knapp 70 Gigabyte Filmmaterial von den Kameras zu ziehen, während sich Firtan schon mal für ihren Einsatz auf der Bühne bereit machten. Traditionell wurden allerdings zuerst noch Iwwerzwerch (mit der gefühlt exakt gleichen Show wie 2012) als Opener losgelassen, was mir persönlich eher auf den Zeiger ging, aber besonders den einzelnen „Einheimischen“ gefiel. Traditionen muss man halt pflegen. Auch wenn Klamauk und Volxsmusi doch eher nach Wacken oder aufs Breeze gehören, wo sich schon um die frühe Uhrzeit genug Besoffene einfinden um den Jubelperser zu mimen und es nicht ganz so traurig aussehen lassen. Allerdings wurde auch schon bei Iwwerzwerch klar, dass dieser Tag den Freitag wie ein Kindergeburtstag im Schatten aussehen lassen würde. Die Temperaturen kletterten innerhalb einer halben Stunde von Bratpfanne auf Kernfusion, was es für unsere Jungs von Firtan nicht einfach machte die spärliche Menge bei Laune zu halten, da die meisten Metalheads zum Mittag entweder im Schatten rauschten, oder am nahen Jagststrand fläzten. Trotzdem klang der Sound, wie schon angeschnitten, um einiges besser als am Vortag und die Songs der neuen Firtan-Scheibe „Niedergang“ konnten doch kleine aber feine Begeisterungsstürme lostreten.

 FirtanDiscreation


Zugegebenermaßen war es auch mir viel zu heiß und so trat ich erst wieder um 16 Uhr zu Vanir an, da ich Discreation auch noch auf dem Ragnarock sehen (und filmen) würde und mich Vanir, aus dem fernen Roskilde (Dänemark) angereist, besonders interessierten. Mit einem Dudelsack mit Mädel dran und einer Menge Spielfreude (sowie dem Wohl nüchternsten Roadie ever) mimten Vanir die nächste Folk-Viking-Band. Nach der Verabschiedung des Frontmanns vor gar nicht allzu langer Zeit, hat die Band kurzerhand den Drummer zu ihrem nächsten Sänger auserkoren, was sich rein qualitativ allerdings als goldrichtig herausstellte. Martin stellt als Sänger eine echte Macht dar und der kleine Daniel haut an den Drums ordentlich drauf. Leider war die Performance hitzebedingt immer noch recht dünn beobachtet und auch der Dudelsack war, wie auch schon die Drehleier bei Angur am Vortag, nicht gut vertont, so dass Sara zwar blies (hihi) wie eine Große, aber kaum gehört wurde. Mein persönlicher Favorit, den ich zuvor noch nicht kannte, waren die Norweger von Blood Red Throne, die sich gefühlt komplett aus reinkarnierten und sehr toten Musikern zusammensetzt. Der Gitarrist mit dem Habitus und Fast-Aussehen von Dimebag himself (inklusive Pantera Shirt), der Sänger mit der Stimme von Pete Steele und der Gitarrist Nr. 2, der ganz entfernt Jon Nödveidt... aber ich schweife ab. Die Jungs hauten einfach nur rein, harter Death Metal gepaart mit einer ordentlichen Prise bissigem Humor + Fanverachtung, so sehen Norweger nach meinem Geschmack aus. Dass ich im Backstage noch eine CD von den Kollegen in die Hand gedrückt bekommen hab, war natürlich nur der Zucker auf die harte Performance der Jungs, die endlich genug Power für ein ordentliches Moshpit wecken konnten.

Blood Red Throne 1350285 Endstille


Die größte Enttäuschung des Abends waren dann die Italiener Stormlord, die zwar nette Masken, aber sonst nicht viel im Gepäck hatten. Playback aller Orten, zum Teil komplett, zum Teil als Support für die Clean- und Growlparts. Es war einfach schwach und überzeugte mich überhaupt nicht. Da hätte man sich lieber eine CD in den Player gelegt und noch etwas mit Bier betäubt. Danach konnte tatsächlich nur Endstille als Headliner noch etwas retten, die ich vorher auch noch nicht live erleben durfte und die mich bisher rein technisch auf Platte auch nicht soooo sehr überzeugen konnten (obwohl mir die CD-Covers der Band aufgrund meiner Waffen-Vernarrtheit wirklich gut gefallen). Anders die Live-Performance - Mit Klassikern wie „Frühlingserwachen“ und „Dominanz“, die sich gut gespielt einfach geil anhören, und einer wütenden Menge machten die Jungs bei mir echt Boden gut und stimmten mich zu später Stunde auf meine alt bekannten Adorned Brood ein, die trotz allgemeiner Ermüdung die Energie weitertragen konnten und die Crowd zu einträchtigem Kopfnicken animierten. Klassisch aufgestellt waren Keyboard, Flöte und modernere Instrumentarien sowie der Gassenhauer „Was wollen wir trinken“ und andere All-Time-Favoriten ein würdiger Abschluss des Boarstream 2014.

  1350458 adorned brood


Fazit:

Boar du meine Perle am Jagststrand in der Metropole „Nirgendwo“ - Klein, familiär, laut. Es ist eine echte Schande, dass das Festival nur alle zwei Jahre stattfindet und es gibt kaum ein kleines Festival, das mich immer wieder in die hohenlohische Einöde aus Wäldern, Tälern und Bächen zieht. Urlaub vom Feinsten mit trotz allem guter Infrastruktr, annehmbaren Preisen und einer guten und vor allem internationalen Bandauswahl. Wir sehen uns (mit all deinen Stammgästen, alten Freunden und Bands) 2016 wieder!!!

Weitere Informationen

  • Band(s): Firtan, Angur, Aborted, Endstille +++
  • Wann: 18.07.2014
  • Wo: Buchenbach (Mulfingen, BAWÜ)
Gelesen 2679 mal Letzte Änderung am Dienstag, 22 Juli 2014 23:01
Grave

Stolz kann sich nur erlauben wer bereit ist alles zu verlieren.

www.undergrounded.de