Samstag, 12 Juli 2014 00:00

Unter dem Radar: WRACK (Black Metal)

geschrieben von fiolkman
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Qualitativ hochwertiger Schwarzmetall aus dem Ruhrpott fliegt derzeit noch „Unter dem Radar“. Dem sollte abgeholfen werden, denn WRACK haben mehr Beachtung verdient. Lest selbst...

Im Jahre 2005 taten sich zwei Schwarzmetall-Maniacs aus dem Ruhrpott zusammen, um gemeinsam ihre Interpretation des Black-Metal in eine eigene Form zu gießen. Grabestau und Wishbone waren schon damals seit einigen Jahren im deutschen Underground tätig und bei Gründung von WRACK bereits ältere Hasen an ihren Instrumenten, womit sie schon zu Beginn ein solides musikalisches und vor allem technisches Fundament hatten, im Vergleich zu den Massen an (Verzeihung) Stümper-Rumpler-Combos, die den Markt überschwemmen. Bochum ist die Wiege und derzeitige Zentrale der Band.

 

Die Vision ihres Black Metal soll anspruchsvoll sein und zugleich den ursprünglichen Geist bewahren. Die beiden Band-Köpfe wollen mit ihrer Musik in einem künstlerischen Rahmen ihre innere Zerrissenheit ausdrücken. Wer sich mit der Band und der bisherigen Musik ein wenig beschäftigt, merkt sehr schnell, welche Substanz hinter diesem Hehren und Verkopft anmutenden Konzept steckt. Für ihr erstes Demo „Trinität“, welches im September 2007 veröffentlicht wurde, trommelten die beiden die Besetzung ihrer Vorgängerband Blood Red Sky zusammen, um ein erstes großes 27minütiges Ausrufezeichen zu setzen. Das damals auf 100 Exemplare limitierte Stück Schwarzmetall schlug im hiesigen Underground derart ein, daß alle Demos innerhalb von drei Monaten komplett vergriffen waren.

 

Es dauerte knapp drei Jahre, als mit „Gram und gleißende Wut endlich, wiederum in Eigenregie aufgenommen, das Debut-Album im Juni 2010 veröffentlicht wurde. Im Anschluß an die Veröffentlichung begann die Band auch Live weiter Fuß zu fassen und spielte einige Gigs mit wechselnden Live-Musikern. Nach langer Suche und reiflicher Überlegung, entschieden sich Wishbone und Grabestau für ein festes Bandgefüge mit einem weiteren Gitarristen (Sulphur) und einem Drummer (Demogeron).



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v.l.n.r: Demogeron, Sulphur, Wishbone, Grabestau

 

 

Seit Kurzem arbeitet die nun auf Vierer-Stärke angewachsene Combo an neuem Material und wird in Bälde, wenn alles glatt läuft, noch im Jahre 2014 neue Songs in den Underground schießen. In welcher Form die neue Kunst das Licht der Schwarzmetall-Welt erblicken soll ist derzeit noch nicht konkret bekannt. Die Band würde gerne vor Veröffentlichung des zweiten Full-Length-Albums einen Vorgeschmack in Form einer Split-CD auf die Fanschar los lassen. Einige neue Stücke sind bereits fertig, werden auch schon fleißig in die Setlist eingewoben und bei Konzerten vorgestellt.

 

 

Ich bin mit WRACK zum ersten mal im Oktober 2013 bei einem Konzert in Berührung gekommen.

Als erste Support-Band für „Secrets of the Moon“ haben sie mich innerhalb kürzester Zeit in den Bann gezogen und spontan begeistert. Etwas untypisch für eine Black Metal Combo verzichten die Jungs auf das übliche Bühnen-Outfit und das ganze Klischee-Drumherum. Sie lassen einfach die Musik für sich sprechen, und diese ist Bockstark. Intelligenter Black Metal, mit steigenden Spannungsbögen in den sehr langen Stücken, die teils majestätisch langsam voran schreiten, teils episch im Midtempo einen platt walzen, um dann im richtigen Moment mit kalter Raserei zu beeindrucken wissen.


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Bereits dreimal durfte ich die junge Band seitdem Live erleben und es wird besser und besser. Leider hat bisher noch kein Label zugeschlagen, aber mit den kommenden Veröffentlichungen und weiterer Bühnenpräsenz sollte sich bald ein kleiner Erfolg einstellen. Verdient hätte es die Musik und die Band auf jeden Fall, hier schlummert ein ungeheures Potenzial.

 

 Aktuelle Besetzung:

Wishbone: Gitarre, Vocals

Grabestau: Bass, Vocals

Sulphur: Gitarre

Demogeron: Drums


Diskographie:

2007: Trinität

2010: Gram und gleißende Wut

 

 

CD-Review : „Gram und gleißende Wut“


Wrack-Frontcover



Eins vorneweg. Der geneigte Hörer dieses Debut-Albums sollte sich am besten Zeit zum konzentrierten Konsumieren nehmen, sich in einem dunklen mit Kerzenschein ausgeleuchteten Raum setzen, und mit einem Glas guten Weines in der Hand zum Abtauchen in die WRACKsche Schwarzmetall-Welt bereit machen. Die 6 dargebotenen Klangperlen besitzen eine Gesamtlänge von 65 Minuten. Jeder Song mit Ausnahme von Track 1, der als Intro dient, kommt nicht unter 10 Minuten davon. „Oktober“ knackt beinahe die 19 Minuten Marke, erzählt eine fliessende Geschichte und schafft in ausufernder Länge mit Abwechlung zu überraschen. Wishbone und Grabestau besitzen aber schon mit dem Debut die spieltechnischen und vor allem kompositorischen Fähigkeiten, keine Langeweile auf kommen zu lassen, ganz im Gegenteil versehen die beiden jeden Song mit sich steigernden Spannungsbögen, lassen die Lieder sich behutsam entwickeln, wechseln an Epik heranreichende Momente geschickt mit kalter Raserei ab und verlieren sich nicht in zu verkopften Strukturen oder gar Monotonie, wie so viele andere Combos dieser Stilrichtung.

 

Jeder einzelne Song schafft es, den geneigten Zuhörer durch den behutsamen Aufbau zu packen, in einen Strudel und Sog zu ziehen, um ihn mit auf die Reise durch ds WRACK-Universum zu nehmen. So zumindest erlebe ich es immer wieder bei jedem Hör-Durchgang und entdecke immer weitere Details. Die Jungs sind zudem Könner an ihren Instrumenten und die im Heimstudio entworfene Klangkulisse kann sich international messen. Der Sound ist organisch, teilweise Roh, mit Ecken und Kanten, differenziert und insgesamt ausgewogen. Das Cover, sowie die Gestaltung des Booklets kann sich ebenfalls sehen lassen und paßt sehr gut zur Musik. Die Texte überwiegend auf deutsch sind komplett abgedruckt und sollten zwingend auch einmal mitgelesen werden. Sehr eindringlich und intelligent. So schön-schaurig kann innere Zerrissenheit mit erlebt werden. Als absolute Anspieltipps möchte ich die Stücke „Rot“ und den eingangs Erwähnten fast 19minütigen Mammut-Song „Oktober“ empfehlen.

 

Fazit: WRACK liefern mit „Gram und gleißende Wut“ ein verdammt starkes Debut-Album ab. Kaufempfehlung für alle, die etwas mit intelligentem, episch-elegischem, klischeebefreiten, melodischem und an leicht Depressive Black Metal heranreichenden Schwarzmetall ergötzen können! 8,5 von 10 Punkten !!!

 

Tracklist:

1 - Chaos Regiert (Intro) 02:11

2 - Scars 10:06

3 - Rot 12:01

4 - Divide Me 10:17

5 - Oktober 18:56

6 - 13 Monde 11:10

Weitere Informationen

  • Band: Wrack
  • Erscheinungsdatum: 12.07.2014
Gelesen 2781 mal Letzte Änderung am Sonntag, 02 November 2014 15:11

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