Montag, 22 April 2013 23:06

Cadaver Disposal - May all be dead

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Anno 2010 gegründet, veröffentlichen die Duisburger vor ziemlich genau einem Monat den Nachfolger zu ihrer vielbeachteten Demo "Signum Gloriae" in Form ihrer ersten Langrille "May all be dead". Dabei versprechen sie eine Rückkehr zu den Wurzeln des guten alten 90er Death Metals in der Tradition von Bands wie Massacre, Death oder Morbid Angel.

Und damit versprechen sie keinesfalls zu viel. Sicherlich, König Innovation war hier keinesfalls der Küchenmeister, aber das war beim Zusammenbrauen dieses hochexplosiven Gemischs aus hochgeschwindigkeits-Death Metal und groovender Gewalt sicherlich auch nie beabsichtigt. Dem geneigten Leser und damit auch Hörer sei also angeraten, das Anspruchsdenken an die Neuerfindung des Rades bei Seite zu legen und sich darüber zu freuen, dass das, was früher schon gut war, heute immernoch auf höchstem Niveau praktiziert wird. 


Denn was hier geboten wird, reicht auf allen Ebenen weit über das hinaus, was man auf einem Underground-Erstlingswerk zu hören hofft. Die Gitarrenfront, repräsentiert von Denis "Blaze" Baron (u.a. Final Depravity), lässt in technischer Perfektion ein Riff nach dem Anderen gleich einem deutschem Panzer über den Hörer niederwalzen. Soundtechnisch mit einem feinen Einschlag Schweden und jeder Menger oldschooligen Eiern im Gepäck.  Auch Trommler TJ Anger (dem Einen oder Anderen dürfte er von unserer UG-Band Sober Truth ein Begriff sein) zeigt auf dieser Veröffentlichung erneut, dass er sich zu keiner Sekunde hinter den ganz Großen dieses Genres verstecken muss. Mit ihm und seiner Art, dem Ganzen ein nicht nur technisch versiertes, sondern auch passendes Fundament zu verpassen, ist Cadaver Disposal definitiv ein guter Fang gelungen.


Sänger Stefan Meyerhoff zeigt sich für diese Art von Musik erstaunlich Variabel und wechselt munter zwischen tiefen, bitterbösen Growls und Shouts à la Gorefest. Ingesamt alles eine mehr als Stimmige Kombination. Doch nicht nur musikalisch, sondern auch textlich fahren Cadaver Disposal auf "May all be dead" die schweren Geschütze auf - diesmal sogar wortwörtlich. "May all be dead" ist ein Konzeptalbum. Der Plot ist simpel, jedoch trotzdem aktuell: Nachdem er alles verloren hat, tritt ein junger Mann in die Army ein und nimmt an der Operation "Desert Storm" teil und wird in diesem Zuge zur willenlosen Tötungsmaschine. Seine ganze Einheit stirbt und er kehrt mit dem nach Hause zurück, was man in heutigen Tagen wohl als posttraumatische Belastungsstörung definieren würde. Er ist diesen Belastungen nicht gewachsen und beendet sein Leben.


Dieses Konzept, in Zeiten multipler Kriegsschauplätze in aller Welt, sicherlich in der Übertragung ein aktuelles, ist in den Grundzügen solide und plausibel umgesetzt, das erste und das letzte Drittel, der Eintritt in die Army und die abschließen PTBS und der Suizid, sind sehr überzeugend. Der Teil der willenlosen Tötungsmaschine will sich jedoch nicht so recht in diesen Kontext einfügen. Ohne die Diskussion hier zu weit fortzuführen, da möge sich jeder seine eigenen Gedanken zu machen, fügen sich die Willenlosigkeit und die PTBS nicht recht zusammen. Man möge jetzt Einwerfen: Wen interessieren bei dieser Musik schon die Texte? Ich sage: Wenn schon ein Konzept, dann bin ich pingelig. 


Zusammenfassend ist Cadaver Disposal mit "May all be dead" ein sehr starkes Album gelungen. Denn obwohl man den Jungs vorwerfen könnte, das gesamte Album sei quasi schon einmal dagewesen, klingt es durch die technische Perfektion und die angenehm fette, aber nicht zu dick auftragende Produktion zu keinem Zeitpunkt ausgelutscht, sondern immer frisch und interesssant. Cadaver Disposal beweisen es: Man muss nicht immer das Rad neu erfinden und Dieses mit Jenem mixen, um als innovativ zu gelten. Es kann durchaus das Beste sein, das besser zu machen, was früher schon gut war. Und das ist ihnen gelungen.


Bewertung:

Cover und Umfang (8/10):

- Blutiges Artwork, gut und stimmig umgesetzt
- 10 Tracks auf 39 Minuten, könnte etwas länger sein
- Digipack mit 8-Seitigem Booklet für 10€ sind definitiv fair

Abwechslung (8/10):

- Guter Mix aus Highspeed und deftigem groove
- Nicht besonders innovativ, aber althergebrachtes super Umgesetzt

Sound (9/10):

- fette Produktion, die Gitarren bringen einen herrlichen Oldschool-Charme

Konzept (7/10):

- aktuell und weitestgehend gut Umgesetzt
- leider kleine Schwächen in der Stimmigkeit 

Gesamtpunktzahl:
8/10

Weitere Informationen

  • Band: Cadaver Disposal
  • Album Titel: May all be Dead
  • Erscheinungsdatum: 15.03.2013
  • Fazit: Zusammenfassend ist Cadaver Disposal mit "May all be dead" ein sehr starkes Album gelungen. Denn obwohl man den Jungs vorwerfen könnte, das gesamte Album sei quasi schon einmal dagewesen, klingt es durch die technische Perfektion und die angenehm fette, aber nicht zu dick auftragende Produktion zu keinem Zeitpunkt ausgelutscht, sondern immer frisch und interesssant. Cadaver Disposal beweisen es: Man muss nicht immer das Rad neu erfinden und Dieses mit Jenem mixen, um als innovativ zu gelten. Es kann durchaus das Beste sein, das besser zu machen, was früher schon gut war. Und das ist ihnen gelungen.
Gelesen 3410 mal Letzte Änderung am Dienstag, 23 April 2013 07:40

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