Donnerstag, 15 November 2012 20:09

European Progressive Assault Tour - 27.10.2012 Effenaar, Niederlande

geschrieben von Tini Lorey
European Progressive Assault Tour - 27.10.2012 Effenaar, Niederlande Tini Lorey

Das Konzert im Effenaar war das letzte der European Progressive Assault Tour 2012, die vier junge und aufstrebenden Bands quer durch Europa führte. Das Line-up war für Anhänger des progressiven Untergrunds ein echtes Festessen; Alle vier Bands haben in den letzten zwei Jahren grossartige Alben veröffentlicht und sind teilweise nicht einfach live zu erwischen.

Leprous und Loch Vostok haben Therion auf ihrer 2010-2011 Tour begleitet, Leprous alleine im letzten Winter auch Amorphis und sind von daher einigen ein Begriff; Persefone spielt eher selten und Ørkenkjøtt war auch für mich ein komplett unbeschriebenes Blatt. Grosses Lob and das Intromental Management dass sie das Risiko eingehen und diesen relativ gesehen „kleinen“ Bands die Möglichkeit geben mit einer eigenen Tour ihr können unter Beweis zu stellen!

Wie bei dem letzten Konzert der Tour üblich gab es bei jedem Auftritt etwas Besonderes, meist in Form von halbnackten Mitgliedern der anderen Bands, der Crew oder dem Toumanager auf der Bühne die entweder versuchten Instrumente zu übernehmen (und ziemlich beeindruckend weiterspielten), einfach nur mittanzten oder eine (natürlich halbnackte) Polonaise durch das Publikum anzettelten.


Ørkenkjøtt (Norwegen)

Ørkenkjøtt-Mikael Haukeland -Simen Rem

Ørkenkjøtt (Zu Deutsch: Wüstenfleisch) sind eine 5-köpfige Band aus Notodden in Norwegen. Sie spielen eine wilde Mischung aus verschiedenen Stilen, von groovigem Rock´n´Roll zu Metal mit orientalischen Einflüssen und singen auf Norwegisch. Der Mix ist erfrischend genreübergreifend und trotz der technischen Ausgefeiltheit nicht anstrengend, und da alles eine Schublade zu brauchen scheint nennt man es „Ørkenrock“. Was bisher nach „nett als warm-up“ klingt hat es aber mehr als in sich wenn man von Album auf Live-gig umschaltet: Die Jungs haben eine Energie die den nur mässig ausgefuellten Raum zum kochen brachte! Die Gittaristen und der Bassist haben tief in tie Haarspray- und Schminkkiste gegriffen, und wer jetzt and altmodisches norwegisches Corpsepaint denkt wird wieder enttäuscht. Der Sänger hingegen erscheint mit Tambourin und im Jesus Kostüm die Bühne und sorgt damit gleich volkommen fü den „was zur Hölle passiert da?“-Moment. Dann liefert diese sehr junge und seither eher unbekannte Truppe einen der wahnsinnisgten und selbstbewusstesten Auftritt ab den ich seit einer Weile gesehen habe, und der nur von den Headlinern (die interessanterweise aus der gleichen Stadt stammen, keine Ahnung was die dort im Wasser haben) übertroffen wurde. Die Gitarristen stehen nur zum posen fuer die Fotos still, ansonsten gibt es dauernd Bewegung. Fuer den letzten Song „Redneck Randy“ warf sich der Sänger ein Flanellhemd und eine baseball cap über und erscheint mit Plastikgewehr auf der Bühne. Es wird getanzt, gesprungen, gepost und auf dem Boden herumgerollt; es ist schwer beschreibbar, schaut sie euch einfach das nächste mal selber an!!


Persefone (Andorra)

Persefone-Jordi Gorgues -Toni Mestre

Andorra?? Ja, es gibt Metal Bands in Andorra. Ich kann nicht beurteilen ob Persefone represäntativ für die Szene in dem Stadtstaat sind, aber wenn dann dürfen wir uns noch auf so einiges gefasst machen. Persefone waren in diesem Line-up wohl die aggressivste Band, ohne allerdings eindimensional zu sein. Der Sänger Marc Martins ist ein klassischer Vertreter des Death Metal, manchmal auch mir Metalcore Einflüssen und wird mit klarem Gesang von Keyboarder Miguel Espinosa ergänzt. Insgesamt ist es wohl am ehesten als Melodic Death Metal zu beschreiben, obwohl sie auch dazu eng umschrieben werden. Persefone heizten dem Publikum ordentlich ein, und der Funke sprang über, so dass der Sänger sogar selbst ins Publikum sprang um einen Circlepit anzuheizen. Als humoriges wie auch grossartiges Element ist das instrumentale Debüt zu Star Wars, welches ein Medley aus verschiedenen Tunes aus den Filmen besteht, fantasievoll und sehr unterhaltsam. Bleibt zu hoffen dass das Medley es irgendwann einmal auf eine CD schafft! Die Andorraner duerften sowohl klassischen melodiosenTodesmetallern wie auch Fans des mehr progressiven Schiene zusagen und sind definitiv sehenswert, vor allem weil sie offensichtlich selbst grossen Spass am spielen haben.


Loch Vostok (Schweden)

Loch Vostok - Jimmy Mattson - Niklas Kupper

Die 5-köpfige Gruppe aus Uppsala um Sänger und Gittarist Teddy Möller ist trotz der progressiven Musik die Band des Line-ups, die am nächsten zu klassischem Melodic Death steht. Hier geht es im Vergleich zu den anderen Bands etwas weniger wild zur Sache; Es wird geheadbangt musikalisch tadellos gespielt, aber der Schwerpunkt liegt mehr auf der Musik als auf einer ausgefeilten Live-show. Die Schweden spielen hauptsächlich Songs von ihrer neuen Scheibe „V: The Doctrine Decoded“ und dem Vorgänger „Dystopium“. Sänger Teddy Möller beeindruckt mit seiner Stimmvielfalt sowie seinem Humor, dem er teilweise auch während der Lieder freien Lauf lässt, zum Beispiel wenn er während einem balladiösen Stück fragt ob das nicht doch ziemlich schmalzig sei. Alles in Allem war der Auftritt im Gesamtvergleich nicht komplett herausragend, aber perfekt für die Vertreter der Metal Fans die wegen der Musik zu einem Konzert gehen und nicht wegen der Show, was in angetracht der Publikums-Reaktionen einige der Anwesenden waren. Definitiv sehenswert!

 

Leprous (Norwegen)

Leprous - Tor Oddmund Suhrke

Die European Progressive Assault Tour is die erste Headlinertour der 5-köpfigen Truppe aus Notodden in Norwegen. Sie haben in den letzten Jahren grössere Bands wie Therion und Amorphis auf Tour begleitet und sich dabei genug eigene Fans angelacht um im dritten Jahr bereits als Headliner anzutreten. Leprous´ Musik ist schwer zu beschreiben, es ist irgendwie wie Clockwork Orange auf Speed. Es ist eine stets technisch eindrucksvolle Mischung aus melodiösen, langsameren und jazzigeren Teilen und Nackenmuskel-beanspruchenden metallischem Wahnsinn, mit fliessenden, hinterhältigen und auch mal komplett unerwarteten Uebergängen. Live sind die Jungs eine Wucht, voller Energie, und mit Hilfe von einer seltsamen (und teils unappetitlichen, und trotzdem irgendwie passenden) Bildschirm-Show in Hintergrund und ihrer einzigartigen Live-Präsenz erzeugen sie eine fast unwirklich intensiveAtmosphäre. Es wird auch hier gesprungen und gebangt dass sich die Balken biegen, nur irgendwie erscheint es mehr wie eine choregraphierten Tanz, was and den rot-schwarzen-grauen Buehnenuniformen liegen mag. Sie spielten einen Mix ihrer beiden Alben „Tall Poppy Syndrome“ und „Bilateral“, mit einigen neuen Arrangements älterer Lieder wie zum Beispiel „White“ sowie einem neuen Song. Es gibt kaum Pausen zwischen Songs, damit die Intensität des Augenblicks nicht verloren geht. Während der show spielten sich und das Publikum so sehr in Rage dass Sänger Einar Solberg in Phasen in denen er nicht Keyboard spielte auch mal den Sprung ins die Menge wagte und sein Hemd teilweise verlor. Es ist vermutlich offensichtlich dass ich schwer „mind-blown“ war, also erspare ich mir und euch weitere Versuche das Erlebnis Leprous in Worte zu fassen und lege allen, die Genre-unabhängig Musik geniessen können heftigst ans Herz, die nächste Gelegenheit die Norweger live zu sehen nicht auszulassen!


Dieses Review kommt von unserer finnischen Auslandskorrespondentin Tini, die Undergrounded neben professionellen Photos mit Reviews von Metal-Events speziell in Finnland und Europaweit versorgt.

Weitere Informationen

  • Band(s): Leprous, Lorch, Vostok, Persefone, Orkenjott
  • Wann: 27.10.2012
  • Wo: Effenaar, Niederlande
Gelesen 1832 mal Letzte Änderung am Sonntag, 18 November 2012 16:17