Samstag, 13 Juli 2019 20:00

UNTER DEM RADAR - BLODTÅKE (BLACK/DEATH/DOOM METAL)

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Wer knapp 5 Jahre für sein Erstlingswerk benötigt -wohlgemerkt auch ohne Demos, Splits oder EPs zu veröffentlichen-, zeichnet sich entweder als sehr bedachte und perfektionistische Band aus oder scheint seine Zeit eher anderen Projekten zu widmen. Wir tippen an dieser Stelle darauf, dass all diese Umstände gleichsam zutreffen. Blodtåke aus Oberhausen existiert als Band jedenfalls schon seit 2014 und man hat sich eine Menge Zeit für ihr Debüt "Nativity of Ashes" gelassen.

Das könnte eventuell daran liegen, dass mit Drummer Scriostóir erst 2018 ein permanenter Offizier am Fell gefunden wurde. Auch mit dem Erscheinen des Erstlings vergangenen Juni scheint die Live-Präsenz der Band exponentiell zuzunehmen und man war schon Gast im altehrwürdigen Helvete oder im Indra Club 64 zusammen mit Bands wie Eïs oder Asator. Eines zeichnet sich hierbei auf jeden Fall ab: Man darf in Zukunft wohl noch einiges von dem Fünfer-Gespann erwarten! Logisch, dass wir der Band einen näheren Blick in unserer Kategorie UdR widmen. 

Aktuelle Besetzung

Scather - Vocals

Gråven - Guitar

Ereškigal - Guitar

Thylraz - Bass

Scriostóir - Drums

 

Diskographie

2019 – Nativitiy Of Ashes (Album)

 

Review zu "Nativitiy Of Ashes"

 

Beim Bandnamen Blodtåke, dem Titel des Debütalbums und dem Cover-Artwork denkt der Wald- und Wiesen-Reviewer selbstverständlich zuerst an ein typisches Black Metal-Opus aus den verschneiten Wäldern oder den zerklüfteten Fjorden von Norwegen. Dies ist allerdings nur die halbe Wahrheit, kommt die Combo doch aus dem eher wald- und fjordlosen Oberhausen im westlichen Ruhrgebiet und bedient uns mit einem wilden Mix aus zünftigem Black- und Death Metal. Schon bei den ersten Takten wird klar, dass man es hier nicht mit den ersten Schritten einiger Proberaum-Youngsters zu tun hat, sondern durchaus mit versierten Musikern, die u.a. in anderen Projekte wie Convictive (Gråven/Guitars und Scriostóir/Drums), Killing Smile (Thylraz/Bass) und Path Of Golcanda (Scather/Vocals) involviert sind.

Blodtåke verorten sich auf den 8 Tracks wie eingangs erwähnt in einer ungestümen Stil-Mischung, bei welcher wir aber größtenteils stilistische Facetten des melodischen Göteborg-inspirierten Death mit deutlichen Einkerbungen aus der frühen, prä-kommerzialiserten Viking-Era (à la Amon Amarth) sehen. Gerade Tracks wie "Follower" oder "Of Me End You" (interessantes Wortspiel übrigens) sind hier schöne Paradebeispiele, wie man sie auch auf "The Avenger" oder "The Crusher" hätte erwarten können. Ersterer Song kleidet sich zunächst in in melancholischem Gesang von Sänger Scather, bevor die vorgetragene Ode an den Tod und die Vergänglichkeit kräftiger wird, während am Ende des Stücks mit Zeilen wie "Onward/Coward!" der Aufruf zum Weiterkämpfen erfolgt – vorgetragen in einer etwas schnelleren Gangart. Als kleinere Schwäche könnte man womöglich das manchmal etwas angestrengt wirkende Gitarrenspiel nennen, das vor allem bei besagtem "Of Me End You" oder bei "Lys i mørket" in den Zwischenpassagen zu Tage tritt. Sobald der Fokus von Sänger Scather auf die Gitarren wechselt und man passend zur Stimmung und den treibenden Drums ein echtes Gewitter erwarten würde, wird leider nur ein etwas schwaches Riffing präsentiert, das viel Energie aufsaugt und nicht auf die Straße bringt. 

Versöhnend sind dann wiederum Tracks wie "Discarded" oder "Absolution Denied", die ihrerseits wieder melodisches Material liefern, welches etwas das pagane Element zurückbringt und aus der angesprochenen Schwäche eine Stärke machen. Die Songs kommen vollkommen ohne neumodischen Tand aus und schleichen sich langsam, gefühl- und kraftvoll, ja ab und an fast schon mit Doom-Elementen ins Herz.

Blodtåke erfinden das Rad nicht neu und manchmal mag man sogar die BM-Elemente und deren höhere Geschwindigkeit etwas vermissen, die laut Eigenverständnis hervorstechen sollen. Dennoch sind die Jungs aus Oberhausen eine schöne Abwechslung in Zeiten, in denen man entweder nur Deathcore oder eben brachiales Material im Stile von Cannibal Corpse oder anderen typischen Death-Vertretern vorgesetzt bekommt, dessen man gerne mal übersättigt ist.

Tracklist:

01. Bleak Is The Light

02. Of Me End You

03. Lys i mørket

04. Absolution Denied

05. Follower

06. Hope

07. Discarded

08. Elapsed

  

Weitere Informationen

Gelesen 411 mal Letzte Änderung am Sonntag, 21 Juli 2019 14:30
Grave

Stolz kann sich nur erlauben wer bereit ist alles zu verlieren.

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Medien

Discarded Blodtåke / Nativity of Ashes / Independent