Samstag, 15 Juni 2019 14:14

Cantique Lépreux - Paysages Polaires

geschrieben von Torn
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Im Jahre 2016 haben die Kanadier Cantique Lépreux bei uns gut eingeschlagen und eine satte Wertung von 9 Punkten abgesahnt. Nun bringt uns das Trio einen zweiten Langspieler namens „Paysages Polaires“ mit und zeigt schon durch den Titel, dass man sich musikalisch weiter an den kalten Landschaften Québecs orientiert. Aber trifft das unterkühlte Image erneut den Nerv der Hörer?

Der fulminante Vorgänger „Cendres Célestes“ hat die Messlatte sehr hoch gelegt. Die Erwartungen an die „Polarlandschaften“, so der Titel des neuen Albums auf Deutsch, waren also auch entsprechend in die Höhe geschraubt. Der erste Titel „Le feu secret“ zeigt auch direkt, dass man in seine eigens angelegten Fußstapfen treten will - und kann. Acht Minuten lang hämmert es uns aus den Boxen und verliert dabei keinen Deut an der eingangs angeschlagenen Geschwindigkeit. Der Einstieg ins kanadische Winterreich ist also bereits geglückt. Doch die erste Euphorie flacht mit „Les étoiles endeuillées“ wieder etwas ab, denn dieser Song verliert sich im verschneiten Midtempo und hinterlässt allenfalls einen mittelschweren Raureif.

Der titelgebende Track „Paysages Polaires“, bei dem man wieder etwas aufhorcht, gliedert sich in drei  Teile auf, wobei der erste davon schnörkellos das Tempo anzieht und wieder sehr an die Höhepunkte des ersten Albums erinnert. Der Polarlandschaften zweites Kapitel verliert dann wieder an Dampf und entfaltet sich erst nach guten zwei Minuten Schneegestöber zu einem wirklichen Spektakel. Der spärliche Gesang lässt den Instrumenten Zeit, sich auszutoben und baut zwischen den Gitarrenlawinen vereinzelte Wellenbrecher ein, die dem Ganzen eine besondere Note geben. Part Drei wurde im Vorfeld des Releases bereits durch das Label auf Youtube veröffentlicht und besticht durch sein markantes Hauptriff. Mit rund sieben Minuten handelt es sich hier auch um den längsten Abschnitt des polaren Trios - und um den besten.

Nachdem Cantique Lépreux nun ihre Stärke demonstriert haben, könnte man eine Verschnaufpause vom Schneetreiben sicher gut vertragen. Aber mitnichten, denn mit „Hélas“ folgt schon die nächste Rutschpartie auf kanadischem Glatteis. Die Kurzweil dieses Songs ist verglichen mit den Schwergewichten zuvor aber dann doch eine willkommene Abwechslung, wenngleich sich die Kanadier weiter durch den Permafrost hämmern. Im letzten Stück „Le Fléau“ schweifen sie jedoch wieder auf satte acht Minuten aus und gestalten deren erste Hälfte sehr behäbig. Die Gitarrenwand wird hier und da vom klagenden Gesang durchzogen und die Soli schneiden in gewohnter Manier ins Trommelfell.

Beim letzten Titel wird außerdem einmal mehr die bessere Sound-Qualität im Vergleich zum 2016er-Album deutlich. Auch, wenn die Atmosphäre kalt bleibt, ist der Klang satter und liefert ein kompaktes Gesamtbild. Die einzelnen Songs sind hingegen etwas schwächer als auf „Cendres Célestes“. Dennoch sind die „Paysages Polaires“ ein gelungenes Album.

 

Trackliste:

1 .Le feu Secret
2. Les étoilles Endeuillées
3. Paysages Polaires I
4. Paysages Polaires II
5. Paysages Polaires III
6. Hélas...
7. Le Fléau

Bewertung

8 / 10

Weitere Informationen

  • Band: Cantique Lépreux
  • Album Titel: Paysages Polaires
  • Erscheinungsdatum: 30.11.2018
  • Fazit: Cantique Lépreux beherrschen ihr Handwerk, das macht auch ihr zweites Album deutlich. Das unterkühlte Image der Frankokanadier sitzt und schafft die Grundlage für astreinen Black Metal. Allerdings kommt „Paysages Polaires“ im Vergleich zum Vorgänger mit weniger Höhepunkten aus, unterhält aber trotzdem über weite Strecken. Vor allem die längeren Songs der Scheibe stechen heraus.
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Cantique Lépreux - Paysages Polaires III (official) Cantique Lépreux