Samstag, 18 Mai 2019 20:00

UNTER DEM RADAR - NORNÍR (BLACK METAL)

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In den sächsischen Weiten entstand 2014 das, was wir heute als das von nordischer Mythologie geprägte Black Metal-Projekt Nornír kennen. Das Quartett rund um Frontfrau Lethian beschäftigt sich dabei nicht nur thematisch mit dem hohen Norden, sondern veredelt seine Musik teilweise auch mit der nordischen Sprache und verleiht der Musik der Band damit eine ganz neue Tiefe.

Bereits 2015 mündete die erste Welle der Produktivität in einer Demo bestehend aus drei Liedern, die allerdings nun, vier Jahre später, keine allzu hohe Relevanz mehr für den Stil der Band aufweisen. Dennoch konnte man trotz des rohen Sounds feststellen, dass die junge Gruppe aus Freiberg in Sachsen ein gehöriges Potenzial mit sich bringt. Das erkannte auch das deutsche Label Northern Silence Productions (u.a. Angantyr, Dämmerfarben, Heretoir), welches mit seiner Spezialisierung auf den Schwarzmetall die richtige Anlaufstelle für Nornír zu sein schien und unter dessen Fittichen auch im März 2017 die erste EP namens „Urd“ auf den Plattenmarkt geworfen wurde. Diese ist nicht nur professionell produziert und hat daher einen satteren Sound als die Demo, sie ist auch spielerisch ausgeklügelter und klingt insgesamt reifer und deutlich weiter entwickelt.

Die melodisch-kraftvolle Kombination durfte unser Team dann auch 2018 auf dem Barther Metal Open Air live erleben, also rund eineinhalb Jahre nach Erscheinen von „Urd“. Während man durch die alten Songs schon ordentlich von den Socken gedonnert wurde, kam dann natürlich die Frage auf, ob es auch neues Material gäbe und man in Zukunft mit einer weiteren EP oder gar einem Album rechnen konnte. Die Antwort kam bereits in den frühen Minuten des Konzerts, als Nornír die beiden Titel „Yggradsil og nornene“ und „Isvinden i nord“ zum Besten gab und damit vermutlich alle Anwesenden überzeugte. Diese fanden sich dann auch auf dem Album „Verdandi“ wieder, welches im Februar 2019 -ebenfalls über Northern Silence- erschien.

Aktuelle Besetzung

Lethian - Vocals, Gitarre

Angrist - Gitarre

Farliath - Drums

Reineke - Bass

Diskographie

 2015 Demo 2015 (Demo)

2017 Urd (EP)

2018 Verdandi (Album)

Review zu "Verdandi"

Ganz so wuchtig wie erwartet beginnt das Debüt "Verdandi" dann allerdings nicht, sondern mit einem Intro namens "Kveld", welches im Vergleich zum bisher Bekannten von Nornír eher ruhig gehalten ist, intoniert nur durch Pauke und Gesang und einem atmosphärischen Gewittersturm im Hintergrund. Nach den anderthalb Minuten geht es dann aber kompromisslos zur Sache: Die Gitarre kreischt im deutschsprachigen "Vergessenheit" ab der ersten Sekunde durch die Gassen und mündet in ein knallhartes aber hervorragend strukturiertes Feuerwerk. Die Gesangspassagen werden rhythmisch glatt untermalt und die instrumentalen Parts donnern durch die Lautsprecher, sodass sich ein äußerst kurzweiliges Vergnügen ergibt - und das trotz sechseinhalb Minuten Länge. Aber damit liegen wir wohl im Durchschnitt der Lieder Nornírs, die allesamt fünf Minuten überschreiten und sich daher voll entfalten können.

"Natt" zum Beispiel beginnt wiederum mit einer kurzen Einführung aus Trommel und cleanem Gesang und lässt dann allmählich immer mehr die Instrumente sprechen, die aus dem Ganzen dann wieder ein wahres Black Metal-Opus machen. Die Hymne an die Nacht zeichnet sich dabei vor allem durch ein einschneidendes Gitarrenwerk aus und legt die Messlatte dabei sehr hoch. Auffällig sind hier die zu Beginn erwähnten norwegischen Lyrics, welche auch schon das Intro zierten und wirklich gut zur Musik passen. Allerdings wurden für die zehn Minuten des Stücks vergleichsweise wenige Zeilen Text verfasst, sodass sich die Hörer voll und ganz auf die herausragende Intonierung konzentrieren können. Auf dieses brachiale Stück folgt dann "Transzendenz", ein etwas langsamerer Song, welcher aber durch die treibenden Rhythmen ebenfalls seine volle Power zeigt. An dieser Stelle merkt man ganz deutlich anhand der Lyrics und der melodischen Spielart die paganen Einflüsse der Band; für wirklichen Pagan Metal hingegen fehlt es dann doch an der nötigen Verspieltheit und die Black Metal-Einkerbung zeigt sich zu dominant.

Nach all dem unermüdlichen Ansturm gönnen Nornír uns aber eine kurze Verschnaufpause und lassen "Yggdrasil og nornene" erneut durch ein Interludium einläuten. Dieses bleibt aber aufgrund der markanten Melodie stärker im Gedächtnis als die bisherigen Einklänge und mündet wieder einmal nahtlos in grundsoliden Black Metal, der zunächst im Midtempo verweilt und erst ab der Hälfte des Songs in richtiges Geknüppel übergeht. Die ganze Orchestrierung und die punktgenau gesetzten Tempowechsel lassen hier eines der Highlights von "Verdandi" hervortreten. Auch live war dieser Song einer derjenigen, die sicher am meisten zur denkwürdigen Performance beitrugen. Doch Nornír sind damit noch nicht am Ende und ziehen mit "Isvinden i nord" noch einmal kräftig das Tempo an. An dieser Stelle wird auf ein Intro verzichtet, dafür gibt es feinste Stakkato-Rhythmik ab der ersten und nahezu bis zur letzten Sekunde. Zwar zeichnet sich der Titel dadurch deutlich vom bisher Gehörten ab, passt aber dennoch gut ins Gesamtbild von "Verdandi" und bringt frischen Wind in die Gehörgänge.

Nachdem nun auf norwegisch, isländisch und deutsch gesungen wurde, gibt es zum Abschluss noch einen englischen Tital namens "Valhalla’s Call". Das stört aber gar nicht weiter, denn auch dieser zeigt Nornír von ihrer starken Seite: Einprägsame Riffs, eine tosende Dynamik und -erstmals auf dieser Scheibe- einen Refrain, der nochmals für einen Aha-Moment auf dem Album sorgt und die Platte zu einem erstklassigen Ende bringt.

Da "Urd" bereits eine sehr solide EP war, hatte man früh die Hoffnung, dass auch das erste Album von Nornír ein hohes Niveau haben würde. Spätestens nachdem man die Combo live erlebt hatte, konnte man sich dessen aber wirklich sicher sein. In einer Dreiviertelstunde bringen die Sachsen hier prägnante Melodien mit enorm abwechslungsreichen Rhythmen in Einklang und verzieren das Ganze noch durch gelungene Interludien und eben diese diversen Momente, die dem Naturell der Songs das gewisse Etwas verleihen, vor allem ab dem fünften Song. Somit hat "Verdandi" alles, was ein gutes Black Metal-Album braucht, und noch einige Aspekte darüber hinaus, die es wirklich zu einer herausragenden Platte machen.

Tracklist:

01. Kveld

02. Vergessenheit

03. Natt

04. Transzendenz

05. Yggdrasil og nornene

06. Isvind i nord

07. Valhalla's Call

Weitere Informationen

Gelesen 1210 mal Letzte Änderung am Sonntag, 09 Juni 2019 12:50
torn

Kommt Zeit, kommt Unrat.

Medien

Yggdrasil og nornene Nornír / Verdandi / Northern Silence Productions