Samstag, 09 Februar 2019 20:00

UNTER DEM RADAR - HÁVAMÁL (FOLK METAL)

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Dieses Mal unter dem Radar: Die Folk Metal-Band Hávamál aus dem hessischen Hanau. Niklas Geist hat die Band, erst noch ohne Namen, im Frühling 2014 mit der direkten Absicht gegründet, auch ein Cello und eine weibliche Gesangsstimme zusätzlich zum klassischen Line-Up einzubinden. Doch im Folgenden stieß man zunächst auf Schwierigkeiten, eine Band mit großer Instrumenten-Variation aufzustellen. Bis zur Veröffentlichung der Debüt-EP "Nebelreiter" im Jahr 2018 mussten zunächst noch einige Widrigkeiten durchgestanden werden. Wir rollen im Folgenden etwas die Historie auf.

So holte sich Geist dann Verstärkung aus der damals noch aktiven Band Dreamworker - Melvyn Haas an den Drums, Yannick Damm an der Lead-Gitarre und Vincent Lux wurde für den Gesang in Erwägung gezogen. Jonathan J. Schulz als gemeinsames Dreamworker-Mitglied lud sich quasi selbst ein und war fortan zunächst an den Lead-Vocals. Er setzte sich schnell mit Niklas Geist zur Namensgebung zusammen. Noch nicht komplett ging die Suche nach Bandmitgliedern weiter. Trotz einiger Rehearsals waren passende Sängerinnen nicht in Sicht und auch ein Cellist war nicht auszumachen, doch Ende 2015 ging dann alles ganz schnell: Yannick Damm verließ die Band (von ihm verblieben Melodien im danach noch viel überarbeiteten Lied "Nebelreiter") und auf einem Konzert im KUZ Hanau begegneten Melvyn und Jonathan dem Drummer Johnny Sarah, welcher direkt zur Probe am nächsten Tag eingeladen wurde, worauf Melvyn an die Gitarre wechselte. Jetzt war das erste Line-Up der Combo komplett.

Nun sollte die Band natürlich einen prägenden Namen bekommen: Diskutiert wurden zunächst Óþala/Othala und Raido, machten aber nicht das Rennen. Stattdessen wurde das Projekt nach dem nordischen „Sittengedicht“ bzw. dem „Sprüche des Hohen“ - „Hávamál“ benannt, was eine Sammlung von Kulturgut aus mehreren Teilen und Epochen Europas darstellt und zur Lieder-Edda zählt.

Zu Fünft hatten sie ihren ersten Auftritt mit den regionalen Bands Drag 'Em Down und Precipitation, mit denen gleichzeitig auch Dreamworker ihren ersten Auftritt hatten. Es folgte im Frühjahr 2016 ein Gig beim "Hard'N'Hanau" und kurz darauf der Bandcontest „Hoffnungsträger Vorentscheid 2016“, bei dem Bianca Turner auf die Band aufmerksam wurde. Als Backgroundsängerin wurde Bianca dann beim „Hoffnungsträger Finale“ auf dem Hanauer Bürgerfest aktiv und man stand bereits zu Siebt auf der Bühne. Mit Vincent Lux als Live-Verstärkung am Bass und Bianca bald als Fronterin, war Vincent Lux von Mitte/Ende 2016 bis zu seinem Ausstieg 2018 Vollmitglied. Im Laufe der Zeit wurden durch Bianca und JJ mehr und mehr Folk- und Percussioninstrumente mit eingebracht. Johnny spielt zudem gelegentlich Darbuka.

HAVAMAL Band

Aktuelle Besetzung: (von links nach rechts)

Jonathan J. Schulz - Vocals, Balalaika, Tin Whistle, Wooden Trumpet

Vincent Lux - Bass (bis 2018)

Christian "Smoji" Fries - Rhythmusgitarre 

Bianca Turner - Vocals, Mandolin

Melvyn Haas - Lead Guitar

Johnny Sarah - Drums, Darbuka 

Niklas Geist - Keyboard

Diskographie

2018 Nebelreiter (EP)

Review zu "Nebelreiter" 

Die lokale Szene ist gefühlt seit längerer Zeit so stark wie nie besetzt – so zumindest meine Wahrnehmung. Prog, Death, Black, Heavy und allen voran Thrash - alle Spielarten sind vertreten. Alle? Dem geneigten Leser mag aufgefallen sein, dass in der Aufzählung die Begriffe Pagan und Folk fehlen. Keine Frage, auch hier hat sich in den letzten Jahren einiges getan, aber längst nicht so prominent. Daher fühle ich mich berufen, euch eine Band aus meiner Geburtsstadt Hanau vorzustellen: Hávamál nennen sich die 6 Musikanten (vormals 7 – nun ohne Bassgitarristen), welche vergangenes Jahr mit ihrer Debüt-EP "Nebelreiter" auch über Hessen hinaus auf sich aufmerksam machen konnten.

Zum ersten Mal erlebte ich die Band im KUZ Hanau und war vom ersten Takt an Feuer und Flamme. Authentischer Folk Metal, bereichert mit traditionellen Instrumenten (z.B. Balalaika, diverse Flöten, Darbuka und viele mehr) und einer Sängerin mit engelsgleicher Stimme in immer wieder faszinierenden Outfits. Seitdem durfte ich Hávamál schon viele Male im Rhein-Main-Gebiet erleben und noch immer überzeugt das Sextett mit stets variabler Bühnenshow, dem Einsatz immer anderer traditioneller Instrumente oder auch komplett akustisch. Zudem zeigt die Band auch außerhalb der Bühne ein hoch professionelles Verhalten, welches dem interessierten Booker/Veranstalter Freude bereiten dürfte.

Bereits der erste Track des ersten Outputs namens "Axe (Battle Of Hastings)" trägt alle Elemente, welche die Band auszeichnen, in sich. Der Kontrast von JJ‘s harshen Vocals und Biancas kräftiger aber sanfter Stimme, die passgenauen Tempowechsel, das ausgefeilte Songwriting mit Texten, welche sich mit historischen Ereignissen oder mystischen Themen befassen, fügen sich perfekt in den 9-minütigen Einstieg ein. "Niflheim" gewinnt im Folgenden gleich von Anfang an seine Hörer mit einem außerordentlich beeindruckenden Riff und den bereits im ersten Track vorhandenen Hávamál-Trademarks und einem poetischen, deutschen Text aus der Feder von Keyboarder Niklas. Bei "Wahnsinn" hingegen wird, wie schon im ersten Song, wieder auf Englisch gesungen – despite of the song title… Hier verleihen eine Balalaika und Darbuka dem Lied seine markante Note. Ein Chorus zum Mitchanten gibt's obendrein dann auch. Tipp an der Stelle: Schaut euch das zugehörige Musikvideo an. Mit dem finalen Titeltrack "Nebelreiter" kommt zum finalen Abschluss nochmal ein deutsch gesungener Track, der sich nahtlos in der gewohnten Perfektion und spielfreudiger Weise des Sextetts einreiht und die kurze EP perfekt abgrundet.

Ein bockstarkes Debüt der Hanauer Hoffnungsträger-Band. Sie verleihen dem Folk Metal ein fast neu erfundenes, detailreiches und schönes Gewand mit all den Facetten, welche ich oben aufzählte. Wer die Band live erlebt, wird mitgenommen auf eine audiovisuelle Zeitreise zu allerlei Geschichten aus der Vergangenheit – zum Mittanzen, -singen, -gröhlen, -trinken, -feiern. Hoch die Hörner!

Tracklist:

1. Axe (Battle Of Hastings)

2. Niflheim

3. Wahnsinn

4. Nebelreiter

Weitere Informationen

Gelesen 2290 mal Letzte Änderung am Sonntag, 09 Juni 2019 12:56
geordie

black metal ist nicht für jedermann

Medien

Wahnsinn Hávamál - Nebelreiter / Independent